GTI Racing (PC Review)
von Sebastian Weidner

Wenn das Kleingeld für einen Porsche nicht ausreicht und auch die Top-Motorisierungen von BMW, Mercedes und Audi das Finanzpolster sprengen, heißt die Alternative oft "GTI".

Seit mittlerweile 30 Jahren bringt Volkswagen die relativ preiswerte PS-Schleuder unters Volk. Über 1,6 Millionen GTIs in fünf Baureihen und zig Spezialeditionen sind bis dato von den Bändern gerollt. Höchste Zeit also für ein eigenes Spiel zum Mythos Golf GTI. Et voilà, wir präsentieren GTI Racing!

Eigentlich ist der zweifellos zugkräftige Namen etwas irreführend. Denn GTI Racing wartet nicht nur mit allen bisherigen GTIs auf, sondern bietet insgesamt über 30 Boliden aus dem Hause Volkswagen. Das beinhaltet den Supersportwagen W12 ebenso wie den Käfer oder den kultigen VW-Bus, in dem in den wilden 70ern wohl mehr Kinder gezeugt wurden als im heimischen Schlafzimmer. Im Großen und Ganzen ist GTI Racing ein traditionelles Arcade-Rennspiel in bester Need for Speed-Manier.

Heißt: Die Entwickler von Techland pfeifen auf eine bis ins kleinste Detail realistische Fahrphysik à la GTR. Selbst wenn ihr in eurem Käfer mit 100 km/h engste Kurven ansteuert, bleibt der Wagen beherrschbar und schliddert nicht sofort ins Kiesbett. Nachteil: Die Fahrzeuge steuern sich im Vergleich mit Konkurrenz-Programmen alle viel zu ähnlich. Das wahre Supersportwagenflair eines W12 wird völlig unzureichend eingefangen.

GTI Racing - Der Golf GTI: Für Jungs, die damals schon Männer waren. Schlägt das Spiel in die gleiche Kerbe?

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Dazu trägt auch das eher maue Geschwindigkeitsgefühl bei. Landstraßenritts jenseits der Zweihunderter-Marke fühlen sich fast genauso an wie Bummelfahrten im VW-Bus. Die Boliden lassen sich selbst in irrwitzigen Geschwindigkeitsregionen ähnlich einfach beherrschen wie ein Gokart. Scheppert es doch einmal, müsst ihr euer Vehikel nach dem Rennen zwar für teures Geld wieder aufpäppeln. Spektakuläre Unfälle mit berstendem Blech und in alle Richtungen springenden Einzelteilen bleiben euch aber verwehrt. Das höchste der Gefühle sind splitternde Scheiben. Mehr wollte die Lizenzabteilung von VW wohl nicht gestatten.

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Lustig anzuschauen ist es natürlich allemal, wenn ihr mit 100 km/h in eine Mauer knallt und nur die Glasscheiben aus den Verankerungen fallen. Das wünschen wir uns in der Realität auch!

Pimp my car
Wer von sich behauptet, ein echter VW-Fan zu sein und sein Auto als Familienmitglied bezeichnet, der darf auch vor Tuning nicht zurück schrecken. Schließlich soll aus der geliebten Karre auch das letzte Quäntchen Power gekitzelt werden. GTI Racing bietet euch reichlich Gelegenheit dazu. Ob stärkere Turbolader, eine verbesserte Bremsanlage, exaktere Lenkung, oder ein dicker Spoiler für bessere Straßenlage!

Nichts ist unmöglich, höchstens der virtuelle Geldbeutel schränkt eure Investitionen ein. Vor jedem Rennen solltet ihr außerdem einen Blick auf das aktuelle Setup werfen. Schotterpisten erfordern beispielsweise eine relativ weiche Aufhängung, für Asphaltausflüge sollte die Karre so straff wie möglich sein. Optische Veränderungen wie ein neuer Sportauspuff oder coolere Felgen werden an den Autos direkt dargestellt. An die Auswahl eines Need for Speed Underground kommt GTI Racing allerdings nicht einmal annähernd heran.

Außergewöhnlich gewöhnlich
So weit, so konventionell. Was wir euch bisher über GTI Racing erzählt haben, trifft auch auf zig andere Rennsport-Simulationen zu. Dieser Umstand erstreckt sich leider über das gesamte Spiel. Die Rennmodi etwa bieten so viele Überraschungen wie der typische Arbeitstag eines Beamten. Zeitrennen, Checkpunkte abklappern oder Drift-Wettbewerbe sind kaum aufregender als eine Steuererklärung.Zum Standard gehört auch, dass ihr nicht von Beginn an Zugriff auf alle Fahrzeuge habt, sondern euch diese erst durch Siege freischalten müsst. Wenn schon die Spielmodi ohne Überraschungen daher kommen, so müssten doch zumindest die Kurse einige Aha-Momente enthalten, oder? Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, doch sie tut es. Die sechs Rennszenarien, darunter Bayern, England, Texas und Frankreich, klingen zwar sehr abwechslungsreich. Sie sind es aber nicht. Bayern könnte genauso gut Frankreich sein und umgekehrt. Kein Vergleich mit den detailverliebten Kursen aus World Racing.

Betrug!
Die künstliche Intelligenz der Kontrahenten hat uns nicht wirklich überzeugt. Dass wir nur gegen drei Fahrer gleichzeitig ins Feld ziehen dürfen, ist noch zu verschmerzen. Deutlich störanfälliger reagieren wir aber auf die Tricksereien der KI. So hat auch in GTI Racing der gute alte "Gummiband-Effekt" Einzug gehalten.

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Die Optik ist den Entwicklern gut gelungen. Alle Boliden sind herrlich detailliert und reflektieren den Lichteinfall in Echtzeit. Einzig die optional einsetzbare Cockpitperspektive enttäuscht mit schwammigen Texturen und nicht starren Anzeigen.

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