Autor: Andreas Müller

Wii Sports und Wii Play haben Nintendos neuer Konsole bereits den Status der eierlegenden Wollmilchsau attestiert. Von Billard über Angeln bis hin zum Bowling wirkt das Potenzial des innovativen Controllers scheinbar grenzenlos.

Umso gespannter sind Fans des Rennspielgenres auf die ersten Erfahrungen bei der Rundenjagd. Ob sich der Controller tatsächlich auch als Lenkradersatz eignet und welche Qualitäten das Spiel hat, erfahrt Ihr im Test!

Wer glaubt, dass sich hinter GT Pro Series ein gänzlich neuer Titel verbirgt, wird leider enttäuscht. In Wahrheit entpuppt sich das Spiel als lieblose Portierung eines bereits vor drei Jahren in Japan für den GameCube erschienenen Rennspiels. Weder Präsentation noch Gameplay wurden seitdem verbessert und auch das mit 82 Modellen von 10 verschiedenen Herstellern recht umfangreiche Fahrzeugangebot, bleibt unverändert.

Altbackene Technik
Stolze Besitzer der Wii sind sich der Tatsache bewusst, dass sich Nintendos neue Konsole in punkto Grafikpracht keinesfalls mit der Xbox 360 oder der Playstation 3 messen kann. Die Präsentation von GT Pro Series erscheint jedoch selbst vor diesem Hintergrund völlig unangemessen, da die auf Cell Shading basierende Grafikengine eine sehr detailarme Optik auf den Schirm "zaubert".

GT Pro Series - Angestaubt und altbacken: Trotzdem zeigt Pro Series, wie vielseitig die Wii-Steuerung ist.

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Die Grafik kann natürlich nicht mit 360 und PS3 mithalten - leider unterstützt sie darüber hinaus nur 4:3.
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Aufwändige Reflektionen, hoch aufgelöste Texturen und ausgearbeitete Details sucht ihr auf diesen Rennstrecken vergeblich. Die Tatsache, dass das Spiel lediglich das 4:3 Bildschirmformat unterstützt, ist ein deutliches Indiz für den minimalistischen Portierungsaufwand.

GT light
Auch in punkto Spielumfang wird Minimalkost geboten. Während sich der Fuhrpark der insgesamt zehn asiatischen Fabrikate noch durchaus sehen lassen kann, sorgen die wenigen und sehr oberflächlichen Spielmodi schon nach wenigen Stunden für Langeweile. Zwar merkt man stets die positiven Einflüsse der Gran Turismo Serie - von einer adäquaten Adaption ist der Titel jedoch meilenweit entfernt. Neben Einzelrennen und Zeitfahren dürft ihr immerhin auch an Drift-Kombo Rennen teilnehmen. Wie von Spielen wie Need for Speed gewohnt, gilt es hier möglichst viele Drifts in Kombination zu zeigen und so auf Highscorejagd zu gehen.

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Bis zu vier Spieler rasen an einer Wii um die Wette - genügend Controller vorausgesetzt.
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Herz des Spiels ist der Championship Modus, der in mehrere Rennklassen und Turniere eingeteilt ist. Während ihr die ersten Wettbewerbe noch ohne Rennlizenz bestreiten dürft, müsst ihr später Einzelprüfungen ablegen, um an die benötigten Bescheinigungen zu kommen. Ganz wie beim großen Vorbild könnt ihr dabei jeweils mit Bronze, Silber oder Gold abschneiden.

Auch die Wettbewerbe, die ihrerseits aus mehreren Einzelrennen bestehen und in denen die Gesamtwertung letztlich über den Sieg entscheidet, setzen häufig bestimmte Fahrzeuge voraus.

Geschenke statt Preisgelder
Während das Angebot bis dahin noch recht rund und attraktiv wirkt, kommt durch einige Defizite ordentlich Sand ins Getriebe. Das magere Streckenangebot von lediglich zehn verschiedenen Kursen ist aufgrund unterschiedlicher Tageszeiten und Wetterbedingungen noch zu verzeihen. Wirklich ärgerlich dagegen ist, dass der Titel komplett ohne Preisgelder auskommt. Statt euch bestimmte Fahrzeuge mühsam zusammen zu sparen, gewinnt ihr sie einfach beim erfolgreichen Abschluss der Wettbewerbe. Danach stehen sie frei zur Verfügung, genau wie alle anderen von Beginn an freigeschalteten Boliden.

Fahrverhalten-Einheitsbrei
Ebenso verhält es sich mit den Tuningteilen, die ihr ebenfalls als Belohnung für gemeisterte Rennen geschenkt bekommt. Von der Auspuffanlage über Sportsitze bis hin zum Motortuning stehen somit einige Utensilien zur Verfügung, mit denen ihr eure Rennkisten wie Supra, RX-8, Evo, Skyline und Co auf Touren bringen könnt. Leider wirken sich sämtliche Umbauten nur auf Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit aus, das restliche Fahrverhalten bleibt unverändert. Ohnehin fahren sich nahezu alle Fahrzeuge gleich. Ob ihr einen allradgetriebenen Subaru Imprezza oder eine Heckschleuder wie den 350Z fahrt, verrät lediglich die Fahrzeugansicht.

Arcade
Für echte GT Fans dürfte auch der stark eingeschränkte Verlauf der Rennen inakzeptabel sein. Bereits die Rennvorbereitung glänzt dank fehlender Trainings- und Qualifikationsläufe durch Abwesenheit. Ein auf die Strecke angepasstes Fahrzeugsetup gibt es ebenso wenig wie ein Schadensmodell. Aus der fehlenden Qualifikation folgt zudem, dass ihr grundsätzlich auf dem letzten Platz startet und euch im Laufe des Rennens bis an die Spitze kämpfen müsst, um als erster über die Ziellinie zu fahren. Das Spiel orientiert sich also deutlich an Arcade-Rennspielen und hat mit komplexen Simulationen wie "Gran Turismo" soviel gemeinsam wie ein Fiat Punto mit der Formel 1.

Gelungene Steuerung
Einzige Besonderheit des ansonsten veralteten Titels ist Wii-optimierte Steuerung. Ein kleiner Button auf der Verpackung des Spiels verkündet bereits, dass ein Lenkrad inklusive beiliegt. Die angekündigte Hardware besteht aus drei robusten Plastikelementen, die ihr zusammen stecken könnt.

GT Pro Series - Angestaubt und altbacken: Trotzdem zeigt Pro Series, wie vielseitig die Wii-Steuerung ist.

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Die Art der nächsten Kurve wird stets als Hilfe eingeblendet.
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In das entstehende "Lenkrad" wird die Wii-Remote eingebettet, so dass ein kabelloses Volant entsteht, mit dem ihr die Vehikel über den Parcours zirkeln könnt. Neben den normalen Lenkbewegungen habt ihr auch die Möglichkeit durch kurze Vor- bzw. Zurückbewegungen in den nächst höheren oder niedrigeren Gang zu schalten.

Überraschende Präzision
Was zunächst sehr viel Skepsis auf den Plan ruft, erweist sich in der Praxis schlichtweg als genial. Die Steuerung funktioniert bereits nach kurzer Einarbeitungszeit äußerst gut und ist nicht nur als nettes Gimmick zu sehen, sondern vermittelt tatsächlich ein sehr gutes Fahrgefühl das nicht etwa zu Lasten der Genauigkeit geht. Dank des einstellbaren maximalen Einschlagwinkels und Deadzones könnt ihr das Ganze auch noch ein Stück weit individualisieren - schade nur, dass die Feinabstimmung der Steuerung nur abseits der Rennen und nicht etwa per Pausemenü vorgenommen werden kann.