Der Kreis schließt sich. Codemasters verführte uns einst mit Grid zur Nutzung der vermaledeiten Rückspulfunktion, die nicht von jedem Rennspieler als Fortschritt empfunden wird, aber trotzdem inzwischen beinahe jedes Rennspiel ziert. In Grid 2 wird die geteilte Haltung gegenüber dieses „Features“ nicht anders sein. Dafür zeigt das Programm an vielen anderen Stellen seine Stärken.

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Dem Anschein nach kennt Codemasters nur noch ein einziges Genre. Quietscht kein Gummi auf Asphalt (oder wirbelt zumindest Staub auf), kann es kein Spiel aus Warwickshire sein. Nach Formel 1 in Original- und Knuddelfassung, DTM, Rallye und was es nicht alles so gibt, kehrt das britische Studio zur Grid-Reihe zurück, die sämtliche Rennen in ein aufregendes Arcade-Gerüst einbettet.

Gurt spannen, Gas geben, glücklich sein? Puh, so einfach ist es dann doch nicht, denn Codemasters scheint mächtig Spaß daran zu haben, realistische Fahrverhältnisse in ein unrealistisches Drumherum zu packen. Bei Grid 2 braucht niemand einen Pilotenschein, aber man sollte trotzdem wissen, wie man einen hecklastigen Wagen in der Spur hält, sonst ist ganz schnell Feierabend. „True Feel“ lautet die Bezeichnung für diesen Ansatz, der im Laufe der Spielzeit bleibenden Eindruck hinterlässt.

GRID 2 - Was soll das heißen, "Spul doch einfach zurück"?

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Grid 2 hat wunderschöne Lichteffekte.
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Egal ob beim Heizen durch Wald und Flur oder beim Bremsmanöver inmitten Pariser Häuserschluchten, man spürt permanent, wie feinfühlig die Balance zwischen Fahrspaß und Authentizität ausgelotet wurde. Warum auch nicht, immerhin stehen lizenzierte Originalkarossen in der Garage, die nicht zum ersten Mal das Portfolio eines Rennspiels zieren. Deren Fahrverhalten dürften Rennspielfans inzwischen verinnerlicht haben.

Während sich alle um den McLaren scharen, brettert ein Saudi mit seinem Audi gegen den Besten von Aston. Mach mal Platz da mit deinem Mazda, denn mein Verfolger ist heute ohne nennenswerten Defekt angekommen. Jeder weiß: Du fährst mim' Ford fort und kommst mit dem Bus zurück, weil der Dodge jeden Rempler dodget und du dafür im Graben landest. Ein Chevy bremst heavy, aber die Tendenz zum Benz wäscht selbst ein Ariel nicht rein. Der Bugatti-Fahrer schimpft derweil verbissen: „Bei Mercedes weggeschmissen!“.

Packshot zu GRID 2GRID 2Erschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: ab 7,99€

Kurzum: Ein klasse Fuhrpark, dessen Umfang in der Vorschauversion zwar nicht vom Hocker haut, aber die Crème de la Crème der Automarken repräsentiert. Jeder Wagen beeindruckt mit einem unterschiedlichen Fahrgefühl und spezifischen Eigenschaften, die nicht selten den Knackpunkt eines Rennevents darstellen. Die Auswahl ist nämlich arg begrenzt.

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Und Autos.
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Für jedes Event der „World-Series-Racing“-Liga steht eine vordefinierte Palette von Wagen zur Verfügung, die sich auf ähnliche Fahreigenschaften stützt. Rundrennen und Streckensprints dürft ihr mit PS-starken Flitzern angehen, soll gedriftet werden, stehen hingegen Muscle-Cars und ähnlich schleuderfreudige Karossen zur Wahl. In den Eliminations-Events seid ihr um jeden Wagen froh, der nicht durch Anpusten von der Strecke rutscht.

Ein sehr ansehnliches Rennspiel mit vorbildlichem Abwechslungsreichtum.Ausblick lesen

An Abwechslung fehlt es Grid 2 garantiert nicht. Verwilderte Waldstraßen, Stadtkurse und Profi- Rennstrecken reichen sich die Hand, werden mit eindeutigen Tageszeiten fein beleuchtet und verlangen manchmal unerhört flinke Reflexe, weil die Sichtweite nur bis zum Ende der Scheinwerfer reicht. Kurse durch Stadtgebiete können sogar vom Zufall bestimmt werden, sodass jeder Anlauf zu eine neuen Herausforderung wird.

Am Lenkrad darf noch gefeilt werden

Selbst an der künstlichen Intelligenz wurde so lange herumgeschraubt, bis man das Gefühl hat, gegen individuelle Gegner anzutreten. Der eine rempelt lieber, andere fahren sehr passiv und lassen euch lieber vorbei, als einen Crash zu riskieren. Insgesamt wirkt die KI allerdings recht aggressiv und behauptet ihre Ideallinie.

Deswegen wird die Kampflinie für euch zur zweiten Heimat, und die führt gerade auf Landstraßen schneller in den Graben, als ihr denkt. Wie frustreich solche Ausrutscher sein können, bestimmt ihr selbst. Wer sich gerne selbst bescheißt und zu faul / zu zahm für die Herausforderung ist, spult einfach bis zu jener Kurve zurück, die ihn ins Schleudern brachte. Alle anderen veranlassen einen Neustart.

Das einzige Manko, das sofort negativ auffällt, ist die Abwesenheit einer Cockpit-Ansicht. Die mag nicht jedermanns Geschmack sein, aber Besitzer von PC- und Konsolen-Lenkrädern werden sie definitiv vermissen. Die nächstbeste Alternative wäre die Motorhaubenansicht, bei der die Kamera quasi an der Frontscheibe klebt. Auch nicht schlecht, aber leider aufgrund der detailreichen Reflexionen auf der Motorhaube enorm rechenzeitfressend. Man kann mit bloßem Auge zusehen, wie die Bildrate purzelt.

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Freut euch auch auf nette Landschaften und ansehnliche Effekte.
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Verfolgeransichten und Bumper-View machen hier keine Probleme. Trotz eindrucksvoller Partikeleffekte (mit dem Funkenschlag übertreibt es Codemasters sogar ein wenig), klasse Beleuchtung, sehr dichten Qualms und schick modellierter Karossen knackt selbst ein Mittelklasse- i5-Prozessor samt Geforce 660 spielend die 60-FPS-Marke. Vorausgesetzt, man dreht ein paar nebensächliche Details der höchsten Grafikeinstellung minimal herunter.

Dann fügt sich der Bildaufbau sogar ohne Murren der vertikalen Synchronisation eures Monitors. Wer Grid 2 obendrein auf einer SSD installiert, erlebt ein enorm geradliniges Rennvergnügen mit kurzen, aufschlussreichen Menüs und verschwindend geringen Ladezeiten. So verspricht es zumindest unsere Vorschaufassung für den PC.

Nur eine Sache breitete hierbei noch ein wenig Kopfschmerzen: Das Fahrgefühl an einem Game-Controller unterscheidet sich leider bei gewissen Fahrzeugen stark von dem, was am Lenkrad vermittelt wird. Witz komm raus, du bist umzingelt? Nein. Gemeint ist selbstverständlich nicht das allgemeine Spielgefühl, sondern das spezifische. Etwa das Driftverhalten bei schweren Fords.

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Am Controller wirken sie weit weniger zickig als am Lenkrad. Ob das eventuell nur an den Einstellungen des verwendeten Lenkrads lag, dürfte bis zum obligatorischen Review herauszufummeln sein. Allerdings steht eines fest: Das vermittelte Force-Feedback am Fanatec-Wheel ist bislang wenig befriedigend. Liegt womöglich an der Vorschau, denn bei anderen Codemasters-Spielen mit „Ego Game Technology Engine“ fiel das bisher nicht auf.

Schade, dass bislang kaum etwas vom Soundtrack zu hören ist. Karossenbezogene Soundeffekte und Klangambiente versprechen schon jetzt ein sehr dynamisch abgemischtes Ohrmuschelinferno, das sowohl mit Boxenfunk als auch subtilen Umgebungsgeräuschen Atmosphäre aufbaut.