Grid 2 nimmt es mit dem Realismus nicht so genau. Schon der Vorgänger hatte einen Hang zur spielhallentypischen Übertreibung, aber für die aktuelle Episode legt Codemasters noch ein paar Quarters drauf.

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Ich liebe diese ständigen Drifts in Grid 2. Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich auf den richtigen Trichter kam, und wenn ich ehrlich bin, bekomme ich es am Lenkrad nicht so gut hin wie mit einem normalen Controller. Für Erfolge am Rad verlangt mir Grid 2 schlichtweg zu vielegrobe Kurskorrekturen, und ich hab keine Lust, meine Maximaldrehung auf 90 Grad zu beschränken.

Also doch ein Joypad-Rennspiel. Halb so wild, denn bei Grid 2 zählt sowieso eher der Spaß am Zweikampf als die hohe Kunst des Ideallinienballetts. Auto aussuchen, auf die Strecke und los!

Grid 2 versucht zwar keineswegs, Ridge Racer die Show zu stehlen, aber es ist doch erstaunlich, wie oft ein guter Drift oder ein ordentlicher Rempler an der Flosse eines Gegners die Position verbessern.

Zimperlich sollte man wirklich nicht sein, wenn man hier gewinnen will. Zu viele Crashs rächen sich allerdings durch sicht- und spürbaren Schaden.

GRID 2 - Freude am Schleudern

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Driften, driften, driften. In Grid 2 spürt man noch einige Simulationswurzeln, doch in Sachen Fahrstil regiert Arcade-Tradition.
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So viel sportliche Freiheit impliziert Codemasters kleine Rahmenhandlung auf den ersten Blick gar nicht. Offiziell geht es um einen Investor namens Patrick Callaghan, der eine neue Rennliga gründen will. Um Autoclubs, Sponsoren und Rennvereinigungen für die World Series Racing League zu begeistern, soll man in Rennveranstaltungen auf der ganzen Welt möglichst viel Staub aufwirbeln. Im Klartext heißt das spektakulär fahren, unter den ersten Drei im Ziel ankommen und auf diese Weise Fans anhäufen.

Packshot zu GRID 2GRID 2Erschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Zu Anfang kein großer Akt. Die ersten Rennveranstaltungen in amerikanischem Umfeld reißt man auf der linken Pobacke ab. Falls nicht, hilft die altbekannte Rückspulfunktion, die standardmäßig fünf nachträgliche Ausbesserungen pro Rennen zulässt.

Was für ernsthafte Rennspielprofis nach Mogelei klingt, wird spätestens auf internationaler Bühne zum letzten rettenden Anker im Duell mit widerspenstigen Kontrahenten. In normalen Rennen zeigen Mitfahrer bereits wenig Kompromissbereitschaft. Das endet in einem Abonnement für die Kampflinie, ist aber noch eine entspannte Angelegenheit im Vergleich mit Kopf-an-Kopf-Herausforderungen. Das Drängeln und Schubsen eines einzelnen Fahrers zuppelt bei mir erheblich heftiger am Geduldsfaden – und bringt gleichzeitig mehr Fahrspaß durch das direkte Duell.

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Alle Profikurse, Landstraßen und Stadstrecken sehen auf dem PC fantastisch aus. Hier seht ihr die Sagrada Familia in Barcelona.
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Zurückspulen hilft nicht immer. Ein paar Neustarts und Ehrenrunden zur Eingewöhnung sind unvermeidlich. Nicht zuletzt wegen dieser Wundertüte, die sich Rennmodus nennt. Abgesehen von reinen Crash-Orgien implementierte Codemasters jeden denkbaren Vergleich auf vier Rädern, vom reinen Wettrennen über Driftveranstaltungen, Ausscheidungsrennen, Überholmarathons und Ausdauer bis zum spielhallenverwandten Abklappern von Checkpoints. Was man auch immer im Arcade-Sektor sucht, Grid 2 hat es auf Lager.

Grid 2 sieht schick aus und befreit die Arcade-Wildsau in euch!Fazit lesen

Mit dem Stichwort Arcade dürfte eine Diskussion um die vermeintlich fehlende Cockpit-Perspektive unnötig werden. Meiner Meinung nach wäre sie für den verlangten Fahrstil unbrauchbar und hätte Arbeit gekostet, die im Feinschliff der äußeren Wagenmodelle viel besser investiert wurde. Egal ob amerikanische Heckschleuder oder japanische Reisschüssel, alle lizenzierten Wagenmodelle sehen famos aus. Für den letzten Touch stehen zudem mannigfaltige Lackieroptionen bereit.

Barceloooonaaaaaa

Na gut, am Ende eines Rennens glänzt der Lack der nach und nach freispielbaren Karren meist nicht mehr. Das Schadensmodell schleift bei Kontakt mit Fahrzeugen und Banden nicht nur die Farbe herunter, sondern haut auch mächtig Beulen ins Chassis. Die Motorhaube fliegt irgendwann davon, Türen flattern im Wind. Als ich es mal auf die Spitze trieb, schlich mein Wagen gerade noch auf den Felgen und gegen seinen Linksdrall kämpfend über die Ziellinie.

Kann durchaus passieren, wenn man die Augen von der Straße abwendet. Stadtstrecken wie Paris und Barcelona verführen mit ihren nachgestellten Sehenswürdigkeiten öfter mal zum Abschweifen. Hier Antoni Gaudis „la Sagrada Famila“ in der prallen Mittagssonne, dort der Eiffelturm im nächtlichen Feuerwerk und schwupps: fehlt mal wieder die Zeit zum Bremsen an der nächsten rechtwinkligen Kurve.

Sonnenreflexionen, nächtliches Scheinwerferlicht, dichter Rauch beim Driften, heftiger Funkenschlag und wackelnde Kameraansicht verleihen den Umgebungen zusätzliche Dynamik und dienen vornehmlich als Eye-Candy. Mit den Funken und der Sonne übertreiben es die Grafiker allerdings gelegentlich.

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Das Schadensmodell zeigt sowohl optische als auch fahrerische Auswirkungen.
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Möglich wird die ansehnliche Effekteparade durch den schlauchigen Aufbau der Strecken. Selbst vermeintlich offene Landstraßen geben kaum ein paar Meter neben dem Asphalt frei, dann folgt bereits ein Hindernis. Von der Straße abzukommen endet in der Regel sofort mit einem Crash und dem Griff zur Rückspultaste. Trotz aller Raserei mit den Gegnern wünsche ich mir bei den Spritztouren öfter mal ein paar offene Flächen mit herumliegenden Heuballen oder Reifenstapeln, die einen Crash abmildern. Nur hätte das dynamische Objekte auf der Strecke verlangt, die mehr Rechenzeit in Anspruch nehmen.

Für Konsoleros ist diese Designentscheidung umso tragischer. Grid 2 macht auch auf Xbox 360 und PS3 eine ansehnliche Figur. Im Vergleich mit der überaus schicken PC-Fassung kocht es allerdings auf Sparflamme. Zugunsten der stabilen Framerate lassen Lackspiegelungen, Pyroeffekte und Farbkraft gewaltig Federn. Außerdem verwenden die Konsolenports sichtbar gröbere Straßentexturen. Nichts Ungewöhnliches. So langsam ist die Luft eben raus.

Inhaltlich kommen alle Plattformen gleich gut davon. Die Karriere ist ausreichend lang und frisst mit ihrer spektakulären Kulisse jeden regnerischen Zockerabend auf. Abseits der Konfrontation mit Freunden und Bekannten offerieren Online-Modi zusätzliche Möglichkeiten, Fans und Finanzen aufzustocken.

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Paris bei Nacht, samt Feuerwerk am Eiffelturm. Da fällt es manchmal schwer, die Augen auf der Strecke zu behalten.
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Nur Sammlernaturen haben das Nachsehen. Grid 2 verlangt bei einigen Veranstaltungen eine gute Kenntnis des eigenen Fuhrparks und versucht daher, die Geduld des Spielers nicht zu sehr zu strapazieren. Im Ausgleich dafür stehen einige Nachrüstoptionen für Motor, Fahrwerk und Steuerung bereit, aber das wird Tuningspezis nicht mehr als ein paar Minuten unterhalten. Im Vordergrund steht nach wie vor die volle Spielhallendröhnung. Gas geben, driften, bis der Arzt kommt, und den Gegnern zeigen, wer die Strecke beherrscht. Ausladende Menüs und fuzzelige Optionen sind gar nicht nötig.