„Diablo trifft Starcraft“, titelten wir im Juli lautstark und sorgten für einiges Aufsehen. Schließlich benannten wir gleich zwei Klassiker, die ihre Genres zu legendärem Ruhm trugen. Mittlerweile sind drei Monate vergangen, seit uns die Entwickler von Clockstone besucht haben. Damals durften wir nur über die Schulter blicken, die Vision war jedoch schon damals klar ersichtlich und mehr als vielversprechend.

„Greed“, so der Titel des potentiellen Hitkandidaten, steht nun kurz vor der Fertigstellung und darf ab Ende November den Beweis antreten, dass der hochgegriffene Vergleich gerechtfertigt ist. Zeit für uns, einen finalen Probelauf zu wagen und selbst Hand anzulegen. Unsere Erkenntnisse folgen auf dem Fuße.

GREED - Black Border Ingame Trailer

Gier nach Gore

Für den Fall, dass es noch Menschen gibt, die hinter dem Mond groß geworden sind bzw. ihre Entwicklung in einem Luftschutzbunker durchlebt haben und somit noch nie vom „Diablo“-Prinzip gehört haben, hier noch mal ein kurzer Crashkurs in Sachen Hack’n-Slay: Das sind jene Spiele, bei denen ein an die linke Maustaste geklebter Stein für maximales Spielvergnügen sorgt und ganze Ehen im Sog der „Nur noch kurz…“-Spirale untergehen können.

GREED - Das Spiel, das Space Siege gerne sein wollte

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"Alien, ick hör dir trapsen": Es wirkt, als hätte Ridley Scott sein erstes Computerspiel designt.
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„Greed“ bewegt sich also faktisch schon mal auf relativ sicheren Bahnen. Denn sind wir mal ehrlich – wirklich viel kann man angesichts der geradezu unverwüstlichen Spaßgarantie dieses Genres nicht falsch machen. Selbst mehr oder minder enttäuschende Vertreter (wie etwa zuletzt Chris Taylors „Space Siege“) sind meist immer noch zumindest als „gut“ einzuschätzen und können für manch durchzechte Nacht sorgen.

Die ersten Minuten mit der spielbaren Version machen dies dann auch überdeutlich: Kaum stehen wir auf dem düsteren Maschinendeck des verlassenen Raumschiffs, schwer gepanzert und mit einer meterlangen Gatlingkanone bewaffnet, schon strömen aus dem Dunkel der scheinbar endlosen Gangsysteme zahllose Zombies und schwer bewaffnete Verteidigungsdrohnen. Die folgenden Minuten bedürfen eigentlich keiner Erklärung.

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Später verschlägt es uns auch auf die Oberfläche eines gefährlichen Planeten.
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Selbstredend steht uns nach kurzer Zeit das schelmisch-abgeklärte Siegerlächeln eines jeden „Hack’nSlay-Veteranen ins Gesicht geschrieben. Hier funktioniert „Greed“ schon erstaunlich gut. Von der Story, die im fertigen Spiel durch atmosphärische Zwischensequenzen und Dialoge präsentiert werden soll, ist hier jedoch noch nichts zu sehen. Auch soll jeder der drei spielbaren Charaktere mit Hollywood-erprobten Stimmen versehen werden und so ein eigenes Innenleben spendiert bekommen.

Feste auf die Netzhaut

Besonders auffällig ist bei allem Weltraum-Gemetzel aber vor allem das dickste Ass im Ärmel der „Greed“-Macher: Grafisch kann der eher kleine Titel nämlich durchaus selbst mit der aktuellsten Konkurrenz mithalten, steckt dabei locker auch ein „Space Siege“ in die Tasche. Wir würden sogar behaupten, dass neben „Diablo 3“ derzeit kein hübscheres Hack& Slay-Spiel am Horizont zu finden ist.

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Im fertigen Spiel wird es nur eine Grundwaffe geben, die wir aber nach Belieben modifizieren können.
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Tolle Lichteffekte, HDR-Unterstützung oder volumetrischer Nebel sorgen in Verbindung mit der ungemein stimmigen Gesamtgestaltung für visuelle Brillanz – üblicherweise eher eine Seltenheit im Genre. Unterstützt wird der optische Wow-Effekt durch physikalische Spielereien, wie etwa bei Beschuss zerberstendes Mobiliar und splitterndes Glas, die vielleicht keinen tatsächlichen Nutzen haben mögen, aber zumindest toll aussehen.

Allein das Missionskorsett steht noch in der Beweispflicht, dass hier tatsächlich ein würdiger Ahne der blizzard’schen Teufelshackerei im Anmarsch ist. Bisher fordern lediglich generische Standardaufträge der Marke „Finde den Ausgang“ oder „Reaktiviere den Stromkreis“ das stumpfe Abklappern der Levelabschnitte. Mit einigen variableren Zielen könnte hier schon ein Mindestmaß an Motivation gefördert werden.

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Grafisch weiß "Greed" in jedem Fall zu gefallen.
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Erfreulich ist indes, dass man sich trotzdem bewusst von der (zahlreichen) Konkurrenz abzusetzen versucht. Um etwa in höhere Levelabschnitte zu gelangen, gilt es immer wieder kleine Rätsel zu lösen, die uns durchaus einiges an Hirnschmalz abverlangen. Ein System-Terminal lässt sich dann etwa nur bedienen, wenn wir vorher einen mathematischen Code knacken und diesen per Lichttafeln eingeben – spaßig, weil abwechslungsreich und fordernd.