GTA erhitzt die Gemüter. Das war so und wird auch immer so bleiben. Ob nun Jack Thompson, HotCoffee Mods, Ernennungen zum Kulturgut oder fehlerhafte PC-Versionen – das Spiel zum Moloch Liberty City sorgt für Gesprächsstoff. Entwickler Rockstar kann das nur Recht sein – so bleibt deren spielgewordener Goldesel im Fokus der Zielgruppe, allein das Kürzel GTA genügt als Verkaufsgarant.

Wie etwa bei Produkten abseits der Next-Gen-Plattformen: Die Handheld-Versionen für die PSP sahnten wie gewohnt Höchstwertungen ab und stießen bei den Spielern auf großen Zulauf. Das nächste Projekt könnte jedoch gewagter kaum sein: GTA kommt für den DS, also eine waschechte Casual-Plattform. Ob es sich trotzdem verkaufen wird? Zweifelsohne! Das war so und wird auch immer so bleiben.

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Aus dem Land des Lächelns

Hoang Lee ist auf Trauerreise: Sein Vater, ein mächtiger Boss der chinesischen Triaden, wurde ermordet und hat ihm ein scheinbar wertvolles Familienerbstück hinterlassen. Dieses soll er nun nach Liberty City bringen, schließlich hat sein schlitzohriger Onkel Kenny gute Verwendungsmöglichkeiten für das wertvolle Stück. Danach geht es umgehend zurück in die Heimat – so zumindest Hoangs Plan.

Grand Theft Auto: Chinatown Wars - Das neue GTA: Es rockt!

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Die Zwischensequenzen sind zwar nicht vertont, strahlen aber dennoch den gewohnt rotzigen Charme aus.
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Man muss nicht als Quasi-Astrologe bei Tele 5 arbeiten, um zu ahnen, dass zwischen Plan und Ausführung ganz GTA-typisch Welten liegen. Hoangs Ankunft in Liberty City geht natürlich so richtig schön daneben und zwingt den verwöhnten Triadensohn auf eine gefährliche Reise durch die Unterwelt der verruchtesten Stadt des Spielekosmos. Willkommen in „Chinatown Wars“, dem ersten Grand Theft Auto für den Nintendo DS.

Die Eingangs erwähnte Hintergrundgeschichte erzählt „Chinatown Wars“ in gewohnt stilistisch hochwertigen Zwischensequenzen. Dem verwöhnten GTA-Kennerauge fallen jedoch ein paar Änderungen auf. Eine Sprachausgabe gibt es dieses Mal während der Cut Scenes natürlich nicht, die Speicherkapazität der DS-Karten erlaubt lediglich Untertitel – die allerdings nicht minder cool und rotzig erscheinen.

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Die Feuergefechte sind sehr viel intensiver geworden – die USK wird sich freuen.
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Auffallend auch die Grafik: Was im ersten Moment wie ein Mix aus den ersten beiden GTA-Episoden wirkt, wurde von Rockstar Leeds gehörig aufgemotzt. Die Kamera schwebt wie anno 1997 weit über dem Geschehen, ein leichter 3D-Cel-Shading-Look gibt dem Krieg um Chinatown jedoch seine ganz spezielle optische Note. Liberty City wirkt plastisch, dreckig, laut und trotzdem wunderschön – wie eh und je also.

Straßen der Gewalt

Während Hoang Lee gerade erst in Liberty City angekommen ist, sind GTA-Jünger längst mittendrin: Da sind sie wieder, die herrlich frechen Werbetafeln, die das Rockstar-Kreativteam scheinbar im Vollrausch ersinnt, aus den Boxen dudelt ein funkiger Soundtrack, der erneut punktgenau auf die Stimmung im Spiel abgepasst wurde. Der Humor, der raue Ton in den Dialogen – Fans werden schon nach wenigen Minuten mit der Zunge schnalzen.

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Tag/Nacht-Wechsel: Wird es dunkel in Liberty City, schalten die Fahrer ihre Scheinwerfer an..
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Das ist erneut dieses atmosphärische Abbild einer pulsierenden Stadt, deren Bewohner ihren eigenen Gepflogenheiten folgen, zur Arbeit gehen oder laut meckern, wenn man ihnen über den großen Zeh fährt. Besonders „GTA 4“-Spieler werden immer wieder ihr kleines Deja-Vu für Zwischendurch erleben: Beinahe die gesamte Stadtkarte des ’08er Hits wurde auf DS-Maßstäbe übertragen – und zwar so vorlagengetreu wie nur irgend möglich.

Wie beim „großen Bruder“ setzt Rockstar dabei auf Authentizität. Will heißen: Keines der vielen Ereignisse in Liberty City ist geskriptet, von den Missionsabläufen einmal abgesehen – Open World pur! Dazu passend gibt es Tag/Nacht-Wechsel und Wettereffekte, die ebenso zufällig generiert werden, wie das Passantenaufkommen auf den Straßen. Einzig zu später Stunde trauen sich die scheuen Mitbürger nicht vor die Haustür.

Mit dem Stylus in die Unterwelt

Zurück zu Hoang: Nach der dramatischen Einleitungssequenz steht der Triaden-Sohn zwar ohne Schwert, dafür aber mit jeder Menge Problemen am Hals da. Irgendjemand muss Onkel Kenny schließlich die schlechte Nachricht des Verlusts überbringen – also auf zu dessen Restaurant. Auf den öffentlichen Nahverkehr verzichten wir allerdings – das wäre schließlich wider der Gangsterehre.

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Auch die beliebten Nebenmissionen für Polizei, Feuerwehr und Taxiunternehmen gibt es wieder.
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Eilig suchen wir uns auf dem nahen Parkplatz einen schnittigen Flitzer aus, der uns zum Ziel geleitet. Zunächst will jedoch die Fensterscheibe eingeschlagen werden. Und hier kommt eine der großen Neuerungen in „Chinatown Wars“ zum Tragen: Wie es sich für einen DS-Titel gehört, müsst ihr immer wieder ausgiebigen Gebrauch des Touchpads machen und kleine Minispiele absolvieren.

Hardcore-Gangster, denen es bei der bloßen Erwähnung des bösen „M“-Wortes kalt den Rücken herunterläuft, können wir übrigens beruhigen: Sämtliche Minispiele fügen sich homogen ins Spielgeschehen ein und wirken nie aufgesetzt. Stattdessen erweitern sie spezielle Handlungen um eine zusätzliche interaktive Komponente und pfeifen dabei nicht selten völlig auf „political correctness“.

Must-Have für die Hosentasche: Obwohl nur im Kleinformat spielbar, wächst Liberty City auch auf dem DS zu gewohnter Größe heran.Ausblick lesen

So müsst ihr vor einer Scharfenschützenmission etwa per Stylus das Präzisionsgewehr fachgerecht zusammensetzen, bevor ihr euer Ziel ins Visier nehmen könnt. Wollt ihr geparkte Autos kurzschließen, zertrümmert ihr per Minispiele die Fensterscheibe, an anderer Stelle durchwühlt ihr mit dem DS-Stick einen Müllcontainer und beseitigt durch schnelle Wischbewegungen herumliegenden Müllsäcke.

Gelegenheit macht Freunde

Wer an einer der zahlreichen Tankstellen Liberty Citys vorbeifährt, sollte schleunigst auf die Bremse treten: In einem weiteren Minispielchen könnt ihr hier unter Zeitdruck ein paar leere Flaschen mit Benzin auffüllen, anschließend einen Lappen draufstöpseln und fertig ist er, der selbstgebaute Molotow-Cocktail. Richtig gehört: „Chinatown Wars“ erlaubt erstmals den Bau von bestimmten Waffen in Eigenregie.

Bevor wir die allerdings ausprobieren dürfen, steht zunächst ein Besuch im Apartment an. Wie üblich dienen unsere eigenen vier Wände als Multifunktionstool für den modernen Gangster: Hier parken wir unsere Autos, speichern den Spielstand und regenerieren verlorene Lebensenergie. Zudem beherbergt das beschauliche Stübchen nun ein paar interessante Zusatzfunktionen, die selbst die großen Brüder bisher vermissen ließen.

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Dank eigener Physikengine rummst und kracht es stets korrekt in Liberty City.
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Da wäre etwa der Laptop, der in erster Linie der sozialen Kontaktpflege dient: Hier verwaltet ihr Freundeslisten, könnt mit Kumpels chatten und mit speziellen Gegenständen des Spiels sogar handeln. Ausführliche Statistiken, die euren Spielfortschritt festhalten, lassen sich zudem mit Rockstars Multiplayerplattform „Social Club“ synchronisieren und anschließend hochladen.

Ganz neu ist das so genannte „White Board“, welches mit einer grandiosen Funktion aufwartet: Mit dem Replay-Feature könnt ihr hier auf sämtliche bereits absolvierten Missionen zugreifen und diese erneut anspielen. Da „Chinatown Wars“ für jede Mission Medaillen in Bronze, Silber oder Gold verleiht, reizt die Jagd nach Bestleistungen für wiederholte Abenteuer.

Bitte wenden Sie… JETZT

Die typische GTA-Mission ähnelt dabei vom Prinzip her dem bekannten Stil: Per Cut Scene erhaltet ihr eure Aufträge, die meist mehrstufig ablaufen und gerne rohe Gewalt erfordern. Nach Abschluss winkt dann ein gehöriges Sümmchen auf Hoangs virtuellem Konto. Soweit wir dies nach einer kurzen Anspielsession sagen können, sind die Missionen zwar – bedingt durch die Speicherkapazität des DS – sehr viel kürzer, dafür aber gewohnt skurril und abwechslungsreich.

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Natürlich muss man auch auf die Drive By Shootings aus dem Auto heraus nicht verzichten.
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Ein Beispiel: Der korrupte Bulle Wayde Heston möchte, dass Hoang ihn zu einem Treffen mit einer üblen Verbrecherorganisation begleitet. Also schwingen wir uns schnurstracks in den nächsten fahrbaren Untersatz. Während wir auf dem oberen Bildschirm durch das schick modellierte Liberty City brausen, können wir auf dem Touchscreen verschiedenste Informationen einsehen: Uhrzeit, Guthaben, Healthpunkte und Übersichtskarte.

Die führt uns per Pfeilmarkierungen bequem ans Ziel, auf Wunsch lassen sich diese jedoch auch auf dem oberen Screen anzeigen – so müssen wir nicht zwischen den Bildschirmen hin und her blicken. Generell bietet das GPS-System sämtliche Vorzüge der Next-Gen-Geschwister: Wichtige Punkte auf der Karte werden standardmäßig angezeigt, Favoriten dürfen wir selbst markieren, sogar Wegpunkte lassen sich setzen.

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Für ganz heiße Typen: Der Flammenwerfer komplettiert das Waffenarsenal.
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Zudem bietet der Touchscreen Zugriff auf eines der wichtigsten Tools: Der PDA erinnert an das Handy aus „GTA 4“. Per E-Mail hält er euch über den Missionsstand oder neue Storydetails auf dem Laufenden, der integrierte Music Player spielt den coolen „Chinatown Wars“-Soundtrack auf Wunsch ab, in den Statistiken könnt ihr hingegen jede noch so (blöd-)sinnige Information nachschlagen.

Tod durch Minigun

Hat man sich nicht all zu lang mit den unzähligen Funktionalitäten der GTA-Tools aufgehalten, dürfte man nach wenigen Minuten Waydes Treffpunkt erreicht haben. Klar, dass uns dort eine böse Überraschung erwartet: Heston wurde gefangen genommen, wir geraten in einen Hinterhalt. Ein bulliger Typ feuert mit einer ebenso gigantischen Minigun wie wild um sich und verwandelt die nähere Umgebung in Sperrholz.

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Wer genügend Feuerkraft zur Hand hat, kann sogar Hubschrauber vom Himmel holen.
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Wir wollen uns hinter einem Kleinwagen verstecken, doch nach wenigen Treffern geht die blecherne Karosserie in Flammen auf: Wie gehabt unterliegen sämtliche Objekte der Spielwelt einer Physikengine – Projektile fliegen umher, Straßenlaternen fallen korrekt um, selbst die unzähligen Fahrzeugtypen fahren sich allesamt sehr unterschiedlich, liegen unterschiedlich schwer in der Straße, beschleunigen schneller oder langsamer.

Versteckspiele bringen also recht wenig – wir greifen zur Waffe. Auf dem Touchscreen tippen wir dazu das Pistolensymbol an und visieren anschließend per Schultertaste den Gegner an. Einen weiteren Tastendruck später sprinten wir schießend aus der Deckung, müssen im Dauerfeuer der Minigun allerdings einige herbe Treffer einstecken. Auf dem Boden verteilt sich roter Lebenssaft – nicht umsonst dürfte die FSK eine 18er Freigabe erteilen.

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Zu den abwechslungsreichen Missionstypen gehören unter anderem Eskort-Aufträge.
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Zum Glück haben wir noch eine Notlösung im Gepäck: Per Stylus wählen wir das Granatensymbol auf dem unteren Bildschirm und ziehen einen geraden Strich in die Richtung des wuchtigen Amokläufers. So lässt sich punktgenau das Ziel anvisieren – eine krachende Explosion später liegt der Fiesling endlich im Staub. Wir befreien Officer Heston und freuen uns auf ein gemütliches Nickerchen in unserem Apartment.

Dumm nur, dass der Lärm der Schießerei jemand anderes auf den Plan gerufen hat: Die Hüter des Gesetzes rauschen aus der Ferne mit kreischenden Sirenen herbei. Anders als in „GTA 4“ entkommen wir der Verhaftung nicht mehr, indem wir aus dem Suchradius der Polizei entschwinden – erst wenn Hoang die Polizeiautos mit geschickten Rammmanövern fahruntauglich gemacht hat, verschwinden die berüchtigten „Wanted“-Sterne.

Das Geschäft mit dem Schnee

Wer von Erpressung, Mord und Diebstahl nichts wissen will, kann sich seine Sporen in „Chinatown Wars“ – und das ist ebenfalls neu – erstmals auch auf andere Art und Weise verdienen. Wie es der Zufall nämlich will, ist Onkel Kennys „Geschäft“ vorwiegend auf den Handel mit harten Drogen ausgelegt – und ausgerechnet das will nicht mehr so recht funktionieren.

In regelmäßigen Abständen findet Hoang in seinem Apartment daher rote Köfferchen mit prekärem Inhalt: Kenny lastet uns den Verkauf seines Stoffes an, den wir nun unters Volk bringen müssen. Dazu fahren wir zu bestimmten Umschlagplätzen (etwa dem Central Park) und bieten dort Hehlern unsere heiße Ware an. Je nach Preislage lohnt sich sogar ein Neukauf, um das billige Zeug an anderer Stelle teuer weiter zu verhökern.

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Bei derart vielen Wanted-Sternen ist Flucht beinahe ausgeschlossen.
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Der Drogenhandel bietet damit ein optionales Spiel im Spiel, das sich als weitaus tiefgründiger herausstellt, als man zunächst erwarten würde. Nur wer auf Marktwert, Lage des Dealers und Qualität des Stoffes achtet, kann auch ein erträgliches Sümmchen erwirtschaften. Nur der Polizei sollte man dabei möglichst nicht in die Quere kommen – werdet ihr mit vollem Köfferchen erwischt, ist der weiße Schnee auf einen Schlag futsch.

Übrigens gibt es wieder die so genannten „Collectibles“: Musste man in den Vorgängern noch einhundert Tauben oder Graffitis sammeln, gilt es dieses Mal, Überwachungskameras ausfindig zu machen und zu zerstören. Das wird nicht nur mit einem schicken Bonus belohnt sondern beeinflusst auch das Marktgefüge der Drogendeals – in der Nähe der Kameras gibt es kaum Dealer. Ein Spitzenplatz also, um selbst als Verkäufer tätig zu werden.