Die Kombination klang reichlich absurd: GTA auf dem Pony-Hof-Territorium war ein gewagtes Projekt. Der zynische Vorzeigebösewicht der Branche auf jenem Geräte, welches mit dem knallharten New Super Mario Bros anfing und mit solchen „Spielen“ wie Style Botique zum Standard in der Damenhandtasche verkommen ist. Grand Theft Auto: Chinatown Wars auf dem Nintendo DS war nicht nur ein Wagnis: Es war ein Statement.

Was passiert also mit diesem Statement, wenn man es auf eine andere Plattform verpflanzt? Ganz eindeutig verliert es an Biss. Ein GTA für die PSP ist eben kein sonderliches Novum - mit Liberty City Stories und Vice City Stories unterhält Sonys kleines Schwarzes bereits eine eigene Grand Theft Auto-Reihe. Transferiert man nun GTA Chinatown Wars von dem DS auf die PSP geht zwar der ursprüngliche Gedanke verloren – nicht jedoch ein großartiges Spiel.

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Rubbeln ohne Stylus

Im Großen und Ganzen bleibt das Look’n’Feel der DS-Version erhalten. Sicher, einige der herrlichen DS-Mechaniken fallen natürlich flach, so muss man jetzt nicht mehr die Karren über den Touchscreen kurzschließen und auch die Rubbellose werden ohne Handgelenkschwung freigerubbelt. Der Rest des Spielprinzips wurde aber beibehalten und ergibt sich bereits aus den drei großen Buchstaben des Titels: Der Aufbau eines Gangster-Imperiums ist mal wieder angesagt.

Grand Theft Auto: Chinatown Wars - Geniale Unterhaltung zum Mitnehmen - jetzt auch auf PSP

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Der absolute Feind eines jeden GTA-Spielers: Die lästigen Ordnungshüter.
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Diesmal ist der Protagonist ein Chinese namens Huang Lee – Sohn eines Triaden-Chefs, der kürzlich ermordet wurde. Er kommt in Liberty City an und wird nicht gerade freudig empfangen: Ein paar üble Genossen überfallen ihn und versenken ihn im Meer. Dumm, dass sie auch das Schwert mitnehmen, das Huang seinem Onkel in Liberty City übergeben sollte. Dumm, dass das Schwert ein Erbstück seines kürzlich verstorbenen Vaters war. Dumm, dass die Gangster nicht mit dem Rachefeldzug von Huang und den restlichen durchgeknallten Triaden-Bossen gerechnet haben.

Die verschiedenen Missionen sind mal wieder GTA-Standard und weichen kaum von den anderen Teilen ab: Verfolgungsjagden, Schießereien, Gaunereien. Das Missionsdesign ist stimmig, aber auch nicht wirklich sonderlich aufregend, auch wenn einige Wendungen durchaus vom bekannten Schema abweichen. Wer eine umfangreiche GTA-Karriere hinter sich hat dürfte allerdings schon voraussehen, in welche Richtung der Hase läuft. Einzig die Drogengeschäfte weichen von der Formel ab.

Packshot zu Grand Theft Auto: Chinatown WarsGrand Theft Auto: Chinatown WarsErschienen für DS und PSP kaufen: Jetzt kaufen:

Lockere Geschäfte

Überall in der Stadt verteilt befinden sich nun nämlich diverse Drogendealer, die bestimmte Waren an- und verkaufen. Wie schon bei den Fuggern gilt es möglichst niedrig zu kaufen und hoch zu verkaufen. So kommt man ziemlich schnell an Bares und kann sich diverse Verstecke in der Stadt zulegen – zu mehr sind die lockeren Geschäfte dann leider aber auch nicht zu gebrauchen und die ganze Sache verliert schnell an Reiz wenn man einmal den richtig großen Coup gelandet hat. Gleiches gilt für die vielen Nebenjobs wie chinesisches Essen ausfahren oder die üblichen Taxiaufträge : Ein netter Zeitvertreib, der nach dem zehnten Mal ein wenig schal wird.

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Kein GTA ohne Sniper-Rifle.
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Was wohl aber niemals an Reiz verlieren wird ist das herrliche Cruisen durch die Straßen von Liberty City – es ist erstaunlich, dass Rockstar es tatsächlich schafft, die einzelnen Fahreigenschaften der Autos und den Geschwindigkeitsrausch problemlos in die Vogelperspektive zu übertragen. Selbst wenn man nur von oben auf das Geschehen blickt, hat man das Gefühl. direkt hinter dem Steuer zu sitzen – auch wenn das Ganze vielmehr nach Carrera-Bahn denn nach GTA aussieht.

Ebenfalls ausgemerzt wurde eine der ganz großen Schwachstellen der GTA-Serie, die jeden Connaisseur der Serie zur Weißglut trieb: Die anhänglichen Cops. Diesmal muss man sich nicht die Finger wund fahren, bis man an einer passenden Garage ankommt oder es endlich geschafft hat, sich quasi unsichtbar zu machen – vielmehr müssen die Verfolger durch rabiates Rammen zum Aufgeben gezwungen werden.

Bestrafen und belohnen

Für jeden Fahndungslevel muss eine entsprechende Anzahl an Polizeikarossen aus dem Verkehr gezogen werden, danach wird es wieder ruhiger. Das bringt mehr Action in die Sache und ist auch einfacher zu handhaben als das Entkommen aus dem Fahndungskreis – es sei denn natürlich der eigene fahrbare Untersatz fängt Feuer. Doch auch im Falle einer vergeigten Mission zeigt GTA – Chinatown Wars ungewöhnliche Milde: Man kann die Mission sogar direkt am Ausgangspunkt starten, ohne lästige Reisezeit. Das ist sehr hilfreich.

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Endlich sehen was läuft: Auf der PSP ist alles etwas größer.
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Viele langjährige Fans der Serie könnte solche Hilfestellungen allerdings bemängeln: Das Spiel ist zu leicht und bietet nur wenig Umfang. Konzentriert man sich ausschließlich auf die Missionen hat man nach ein paar Stunden alles gesehen. Natürlich gibt es wieder einige Nebenbeschäftigungen und an allen Ecken warten hilfsbedürftige Mitmenschen, doch werden diese Aufträge schnell fade – im Gegensatz zu GTA IV, San Andreas oder Vice City wirkt Chinatown Wars nach ein paar Spielstunden eher wie eine köstliche Mittagssuppe denn ein komplettes chinesisches Menü mit Peking-Ente.

Vom DS auf die PSP: Auch wenn der Weg ungewöhnlich ist, ist die Portierung gelungen. Wer bislang noch nicht im Krieg der Triaden verwickelt war, kann das jetzt auf der PSP nachholen.Fazit lesen

Auch der Soundtrack ist nicht ganz das, was man erwartet. War es klar, dass die Cartridge des DS keinen Platz für umfangreiche Sound-Bibliotheken bietet, hätten auf der UMD durchaus ein paar bekannte Songs Platz gefunden. So gibt es leider nur wieder klingt-so-ungefähr-wie-ein-bestimmtes-Genre-Musik, die zwar durchaus atmosphärisch ist – aber nicht wirklich mit dem Radioprogramm der großen Brüder mithalten kann. Schade, hier hätte man die PSP-Version etwas aufmotzen können.

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Leider nur zur Ansicht: Hubschrauber darf man hier nicht fliegen.
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Immerhin gibt es nun noch ein paar mehr Missionen zu erfüllen. Zwar wird der Story-Modus damit nur unwesentlich länger, aber die neuen Aufgaben passen in die Geschichte und wirken nicht mit dem Vorschlaghammer eingefügt. Dafür ist die in Comic-Art erzählt Story auch wieder einmal ein ironisches und zynisches Meisterwerk in typische RockStar-Manier voller psychopathischer und kranker Zeitgenossen.