Was hat GTA in den vergangenen Monaten nicht einstecken müssen: Nachdem die Veröffentlichung für Xbox360 und PS3 zum Triumphzug geriet, sorgte die PC-Fassung im vergangenen Winter plötzlich für einen Sturm der Entrüstung. Von herben Bugs, Kompatibilitätsproblemen, Freischaltungen und Anmeldungsquerelen war die Rede, der Name GTA wurde beinahe als Schimpfwort gebraucht.

Abseits dieses Aufruhrs ist GTA jedoch seit jeher rein spielerisch eine absolut sichere Bank: Seit GTA mit dem dritten Teil die zweite Dimension verlassen hat, gab es keinen Titel der Reihe, der nicht mindestens fantastisch gewesen wäre. Selbst im kleinen Rahmen überzeugen das geniale Open World-Prinzip, die raue Charme und die Ideenvielfalt – PSP-Besitzer dürften jetzt wissend mit dem Kopf nicken.

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Liberty City wie es leibt und lebt

Und nun also eine Umsetzung auf Nintendos kleinen Weißen, dem - rein technisch gesehen – schwächsten Handheld auf dem Markt. Die Frage, wie viel GTA denn da noch übrig bleiben würde, beschäftigte Serienveteranen nicht ohne Grund, zumal der DS im Grunde als Casual-Plattform verschrien ist. Daher vorweg ein klares Wort: Wer hier aus Vorsicht nicht zugreift, verpasst vermutlich den besten DS-Titel überhaupt.

Grand Theft Auto: Chinatown Wars - Das beste DS-Spiel aller Zeiten

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Belebt wie eh und je: Liberty City ist ein lebendiger Moloch.
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Entgegen aller Erwartungen haben die Rockstars nicht etwa die beliebtesten Spielelemente aufgegriffen und auf den kleinsten gemeinsamen (technischen) Nenner reduziert, sondern wirklich alles, was die Marke „GTA“ groß gemacht hat, auf das winzige DS-Modul gepresst. Will heißen: Wer sich in Liberty City besser auskennt, als in seiner eigenen Heimatstadt, wird auch in „Chinatown Wars“ schnell zum Profigangster aufsteigen.

Schon die ersten Schritte wecken ein wohlig-vertrautes Gefühl: Überall auf den Straßen wuseln die Passanten umher, HotDog-Verkäufer bieten ihre Wurstbrötchen feil, an den Ampeln stimmen die wartenden Autos in ein schrilles Hup-Konzert ein. Da ist er wieder, der pulsierende Moloch Liberty City, dessen Straßen so dreckig sind – und gleichzeitig so schön du bezaubernd charmant.

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Selbst mit Booten dürft ihr euch fortbewegen.
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Oder lebendig: Beobachtet man euch bei einem Verbrechen kreischen die Passanten, bei schlechten Witterungsverhältnissen packen selbige die Regenschirme aus oder prügeln sich gelegentlich auch mal mit der patrouillierenden Polizei. Auch wenn man es kaum glauben mag - atmosphärisch spielt „Chinatown Wars“ damit in etwa in der gleichen Liga wie die „großen“ GTA’s.

Mit dem Stift zum Gangsterboss

Liberty City ist dabei für Handheld-Verhältnisse wahrhaft riesig geworden. Rockstar Leeds hat die gesamte Stadt im kleinen Maßstab nachgebaut, mitsamt ihren Parks, Feuerwehrstationen und Mauthäuschen an den Brücken. Ganz GTA-typisch gibt es für neugierige Naturen natürlich so einiges zu entdecken: Verstreute Sprungrampen verführen zu halsbrecherischen Stunts, Müllcontainer können nach wertvollen Gegenständen durchwühlt werden und in Lotteriegeschäften könnt ihr euer Gangsterkonto aufbessern.

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Solche Minispielchen steuert ihr mit dem Stylus.
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Für die letztgenannten Aktivitäten benötigt ihr übrigens etwas Fingerfertigkeit. Wie sich das für ein (gutes) DS-Spiel gehört, hat Rockstar nämlich den Stylus in die Steuerung integriert. Wollt ihr etwa ein herrenloses Auto mopsen, müsst ihr dieses in einem kleinen Minispiel kurzschließen, indem ihr per DS-Stift die Drähte verbindet und die Armaturverkleidung löst – kurz, knackig, spaßig.

Überhaupt ist die Spielbarkeit des ersten DS-GTA’s sagenhaft gut geworden: Alle wichtigen Informationen lassen sich über den Touchscreen einsehen bzw. auswählen, die Steuerung geht lockerleicht von der Hand und wirkt nur in selten Fällen (etwa während der Feuergefechte) etwas frickelig. Im Optionsmenü dürft ihr zudem Komfortfunktionen wie Steurungshilfen beim Fahren oder verbesserte GPS-Navigationen einschalten – vorbildlich.

Spiel’s noch einmal, Huang!

Das Herzstück sind bei allem Drumherum natürlich die Aufträge: Im Zentrum der „Chinatown Wars“-Handlung steht der junge Taugenichts Huang Lee, der nach Liberty City kommt, um ein wertvolles Familienerbstück an seinen Onkel zu überreichen. Selbiges wird ihm nach seiner Ankunft dummerweise gestohlen. In den folgenden Missionen gilt es die Täter ausfindig zu machen und zur Strecke zu bringen.

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Die Geschichte wird in solchen Comicstandbildern erzählt.
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Leider ist die Story dabei aber nicht mehr als ein bloßer Aufhänger für die folgenden Aufträge. Die grandiosen Zwischensequenzen der „großen“ GTA’s mussten aus technischen Gründen logischerweise weichen, womit auch eine große Portion Flair abhanden kommt. Dafür sind die Missionen selbst umso spaßiger: Mal beschattet ihr wichtige Zielpersonen, entführt wichtige Zeugen oder jagt das Lager einer gegnerischen Gang in die Luft.

Das ist stets abwechslungsreich und fordernd, qualitativ hält man auch hier locker mit dem bisherigen GTA-Oeuvre mit. In eurem Versteck dürft ihr jetzt übrigens das brandneue Replay-Feature anwählen, mit denen ihr sämtliche Storymissionen ein weiteres Mal anspielen dürft, per WiFi-Connection könnt ihr spezielle Missionen (etwa Straßenrennen) auch mit Freunden absolvieren.

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Die Missionen sind immer abwechslungsreich: Hier müsst ihr zwei Vans beschützen.
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Zusätzlich könnt ihr natürlich auch die beliebten Nebenmissionen antreten: Taxifahrten, Straßenrennen, Nudellieferant – auch auf dem DS problemlos möglich. Neuerdings dürft ihr zudem Drogentransporter und die Lieferwagen des Waffenladens „AmmuNation“ überfallen und entführen. Die gestohlenen Waren gehören nach der halsbrecherischen Flucht dann zu eurem Inventar.

„Where ist the stuff?“ – „Den trag’ ich am Leib!“

Als absolut geniales, weil extrem motivierendes Feature, darf man mit Fug und Recht den Drogenhandel bezeichnen: Verteilt über Liberty City dunkelste Ecken warten nun zwielichtige Gestalten auf euch, die verschiedene Rauschmittel wie Gras, Heroin oder Ecstasy anbieten. Jeder Händler ist auf eine andere Droge spezialisiert und verlangt damit auch bei An- und Verkauf unterschiedliche Preise.

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Aufgepasst beim Drogenpreis: Nicht jeder Dealer macht euch den selben Preis für euren Stoff.
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In der Theorie sollte das eure Kasse mit der Zeit gut füllen: Per E-Mail erhaltet ihr besonders lukrative Angebote und Kaufgesuche. Wer hier clever agiert, ist bald ein gemachter Mann. Dummerweise sind die Liberty City-Cops nicht gut auf den Drogenhandel zu sprechen. Überwachungen erhöhen die Preise, in manchen Fällen kommt es nach dem Handel zu Übergriffen - werdet ihr erwischt, sind Kohle und Ware futsch.

Von wegen „GTA in klein“: „Chinatown Wars“ beweist auch abseits der Hauptserie wahre Größe.Fazit lesen

Die zweite große Neuerung gefiel uns im Test übrigens derart gut, dass wir sie uns sogar für den nächsten „großen“ GTA-Ableger wünschen würden: Wie üblich haben die Liberty City-Cops stets ein Auge auf eure Aktionen. Während ihr in „GTA 4“ lediglich weit genug aus deren Suchradius fahren musstet, um lästige „Wanted“-Sterne loszuwerden, müsst ihr die Polizeiautos in „Chinatown Wars“ durch beherzte Rammmanöver unschädlich machen.

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Die Steuerung der Feuergefechte ist nicht immer optimal, da ihr Ziele separat anwählen müsst.
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Die minutenlangen und extrem spannenden Verfolgungsjagden bringen dabei derart viel Tempo, Spaß und Action ins Spielgeschehen, dass wir uns mehrmals dabei ertappt haben, patrouillierende LCPD-Wagen absichtlich zu rammen, um die nächste Hetzjagd vom Zaun zu brechen. Da kam selbst unser DS ins Schwitzen: Bei besonders vielen Verfolgern brach gelegentlich die Framerate ein.