Was haben Michael Madsen, Kyle MacLachlan, Ice-T, Burt Reynolds, Axl Rose, Dennis Hopper, Peter Fonda, Charlie Murphy, Samuel L. Jackson, Iggy Pop, Ray Liotta, Phil Collins, Danny Trejo, Wil Wheaton, Ricky Gervais und Karl Lagerfeld gemeinsam? Das männliche Geschlecht und den A-B-C-Promi-Status. Schon klar. Aber darüber hinaus spielten sie alle Gastrollen in der Grand-Theft-Auto-Reihe. Und zwar freiwillig.

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Weibliche Prominente sind hingegen rar gesäht. Von Pam Grier, Jenna Jameson oder Juliette Lewis hat man vielleicht schon mal gehört, ohne die Wikipedia bemühen zu müssen. Die restlichen Schauspielerinnen kennt hierzulande kaum jemand. Konkurrenz hätte Lindsay Lohan also keine befürchten müssen, hätte sie eine offizielle Gastrolle in GTA V bekommen.

Man kann sich darüber streiten, ob die blonde Strandnixe auf den Werbeplakaten für Rockstars jüngsten Meisterwerk nun Lohan ähnlich sieht oder ob die Skandalnudel im Spiel als 'Lacey Jonas' auf die Schippe genommen wurde – Lohan verklagte Take-Two Interactive trotzdem wegen Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte. Man habe sie ungefragt portraitiert.

Wenn Promis Spiele-Publisher verklagen... - … und wer am besten schon mal seinen Anwalt anrufen sollte

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Lindsay Lohan Lacey Jonas in GTA 5.
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Damit sitzt die Dame – wer hätte es gedacht – im selben Boot wie Manuel Noriega, seines Zeichens ehemaliger Regierungschef Panamas, der wegen Drogenhandels, Schutzgelderpressung, Geldwäsche, Verschwörung und Mord verurteilt wurde und derzeit eine Gefängnisstrafe in Panama verbüßt.

Der Ex-Diktator hat vor ein paar Wochen Activision verklagt, weil er seine Persönlichkeitsrechte durch einen unfreiwilligen Gastauftritt während der Kampagne von Call of Duty: Black Ops 2 verletzt sieht.

Noriega werde dort als Kidnapper, Mörder und Staatsfeind dargestellt, wie Kotaku aus der Anklageschrift zitiert, und habe durch die Darstellung seiner Person in dem Spiel Schaden genommen. Noriega werde in Black Ops 2 als „Stück Scheiße", „Arschloch" und „Ananasfresse" bezeichnet, heißt es weiter in der Anklageschrift. Activision würde außerdem systematisch die Konterfeis Prominenter verwenden, um seine Verkaufszahlen zu steigern – ohne vorher um Erlaubnis zu fragen. Noriega fordere daher eine Entschädigung für verlorene Einnahmen.

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Da Black Ops 2 allein in den ersten zwei Wochen 1 Milliarde US-Dollar Umsatz eingefahren hat, geht es für Activision und Noriega um eine Menge Holz.
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Von Ex-Präsidenten und Diktatoren bis Justin Bieber

In Sachen Gastauftritte kann Noriega ausgerechnet dem ehemaligen Direktor der CIA David Petraeus die Hand schütteln – den hatte Treyarch in Black Ops 2 ebenfalls in ein paar Zwischensequenzen eingebaut. Genau wie Jonas Savimbi, dem Anführer der antikolonialen UNITA in Angola (2002 erschossen). Vielleicht gesellt sich noch Fidel Castro dazu? Der kubanische Staatspräsident war im ersten Black Ops zu sehen, einmal während der Kampagne und einmal im Zombie-Modus. Das schreit nach einer Sammelklage. Was ein Glück für Activision, dass John F. Kennedy, Richard Nixon und Robert McNamara schon tot sind – die kamen auch darin vor.

Obwohl man natürlich unterscheiden muss, ob die Politiker oder Promis schmeichelhafte Auftritte spendiert bekamen oder ob sie durch den Kakao gezogen wurden. Justin Bieber versenkt Dunks in NBA 2K13? Eindeutig schmeichelhaft. Klage unnötig. Bill und Hillary Clinton hauen Michael Jackson in Ready 2 Rumble: Round 2 eins auf die Rübe? Fällt eindeutig unter die Kakao-Kategorie. Muss vor Gericht gehen, falls nicht sowieso verjährt.

Friedensnobelpreisträger Barrack Obama und Alaskas Ex-Gouverneurin Sarah Palin sprengen sich Seite an Seite durch Mercenaries 2: World in Flames? Da kommt die Sichtweise aufs Wahllager an. Sagen wir: schmeichelhafter Kakao. Im Zweifelsfall klagen. Hitler, Stalin und Wilhelm I. in Guerrilla Games' Killzone 3? Das ist allenfalls sinnfreier Tobak für's Marketing und hat vor Gericht nichts zu suchen.

Als Kim Jong-un 2011 in THQs Shooter Homefront als Eroberer Asiens portraitiert wurde, der die Westküste der vereinigten Staaten angreift, dürfte der koreanische Diktatorenfrischling das wohl als Kompliment verbucht haben. Öffentlich beklagt hat er sich über diesen Gastauftritt jedenfalls nicht. Aber vielleicht war er auch nur zu sehr damit beschäftigt, Sachen anzugucken, sich bei der UNO über US-Komödien zu beschweren oder bei China wegen bissiger Youtube-Videos anzuklopfen.

Allerdings wäre Nordkorea die richtige Adresse für einen juristischen Gegenschlag seitens Activision – immerhin nutzte deren Propagandamaschinerie Szenen aus Call of Duty: Modern Warfare 3 für eine Filmchen, das ausgerechnet mit „We Are The World" untermalt wurde. Michael Jacksons Erben und Lionel Richie sollten am besten gleich ihre Anwälte anrufen.

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Homefront hat die Machtergreifung Kim Jung-uns vorweggenommen, sich aber glücklicherweise bei allem anderen geirrt.
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Kunstfreiheit contra Persönlichkeitsrecht

Abseits aller Ironie muss man festhalten: „Kunstfreiheit contra Persönlichkeitsrecht" ist schon lange ein heißes Eisen. Wer sich da im Detail hineinfuchsen will, sei beispielsweise auf die Wikipedia-Einträge zur Mephisto-Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts und den Caroline-Urteilen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte verwiesen – in beiden Fällen wurde zugunsten der Persönlichkeitsrechte entschieden.

Während die Causa „Lohan-versus-Take-Two" meiner Meinung nach nur der Eigenwerbung der Klägerin dienen soll, könnte Noriega mit seiner Klage gegen Activision tatsächlich Recht bekommen. Immerhin ist sein unfreiwilliger Gastauftritt in Black Ops 2 unstrittig – Noriega wird sogar explizit mit Namen genannt. Activision hat die Klage bislang nicht kommentiert, aber der Fall könnte sich als zweischneidiges Schwert entpuppen. Die öffentliche Aufmerksamkeit für Black Ops 2 dürfte dadurch nochmals aufleben (ist immerhin schon zwei Jahre alt), aber wenn Noriega Recht bekommt, werden wohl in Zukunft derartige „Gastauftritte" in Computerspielen zum Russisch-Roulette für die Entwickler. Gerade im klagefreudigen Amerika.

Ein bisschen mehr PR-Tamtam und bekannte Gesichter in Trailern oder Screenshots sind es wohl nicht bei jedem Titel wert, hinterher von den Prominenten auf Millionensummen verklagt zu werden. Da könnten es sich auch konfliktgewohnte Studios wie Rockstar in Zukunft überlegen, ob man nicht lieber auf die satirischen Anspielungen verzichtet – was um der Kunst willen schade wäre. So oder so: Man darf gespannt sein, wie die Gerichte entscheiden.