Download-Inhalte werden immer beliebter. Vor allem vonseiten der Spieleentwickler entpuppen sich kostenpflichtige Zusatz-Goodies zu einer bequemen Möglichkeit, noch mehr Kohle aus den Gamern zu quetschen. Hier eine neue Jacke für den Helden, dort bessere Wummen, neue Levels, Avatare und so weiter.

Richtig lohnenswert ist das alles aber nur selten, und da wird man schon hellhörig, wenn sich Sam Houser, Gründer von Rockstar Games, mit folgendem Satz zu Grand Theft Auto IV: The Lost and Damned aus dem Fenster lehnt: "Diese umfangreiche und einzigartige erste Episode ist komplett vollgepackt mit Action und wird dem Begriff 'herunterladbarer Inhalt‘ eine neue Bedeutung verleihen."

Solchen Sprüchen sollte man Taten folgen lassen, schließlich kostet die erste GTA IV-Erweiterung (nur für Xbox 360 erhältlich) 1600 MS-Punkte, was umgerechnet immerhin knapp 20 Euro ausmacht. Wer nun vorschnell "Abzocker" ruft, wem die Zornesader angesichts eines vermeintlich weiteren Versuchs, mit billigen Inhalten Geld zu verdienen, schwillt, kann sich gleich wieder beruhigen. Und sollte schon mal den Download anschmeißen: Rockstar überzeugt mit The Lost and Damned nämlich auf der ganzen Linie.

Die fiesen Biker des Addons in Bild und Ton: gamona Video-Review zu The Lost and Damned auf der letzte Seite dieses Artikel oder hier klicken .

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Szenen einer Rocker-Familie

Die Handlung der Erweiterung spielt zwar erneut in Liberty City. Die Geschichte des Hauptspiels um Niko Bellic ist jedoch nur von untergeordneter Rolle und überschneidet sich nur stellenweise mit der parallel ablaufenden neuen Episode. Im Mittelpunkt des Interesses steht diesmal ein gewisser Johnny Klebitz, ein treues Mitglied von The Lost, einer berüchtigten Motorrad-Gang.

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Diszipliniertes Fahren im Konvoi beeindruckt die Konkurrenz und bringt euch Vorteile.
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Während sich Gang-Boss Billy Grey im Drogen-Entzug befindet, hält Johnny den Laden zusammen, vereinbart einen Waffenstillstand mit dem Erzfeind Angels of Death und sorgt für das finanzielle Überleben des Motorrad-Clubs. Doch er hat die Rechnung ohne seinen Präsidenten gemacht: Dieser sehnt sich nach seiner Rückkehr nach blutigen Exzessen und legt keinen Wert auf die von Johnny getroffenen Abmachungen. Kurzerhand zettelt er einen Krieg mit der Konkurrenz an und unsere Hauptfigur muss sich entscheiden, ob sie dem Boss folgt oder den offenen Konflikt sucht.

Packshot zu Grand Theft Auto 4: The Lost and DamnedGrand Theft Auto 4: The Lost and DamnedErschienen für Xbox 360, PC und PS3 kaufen: Jetzt kaufen:

Konzentration aufs Wesentliche

Logisch, dass Johnny sich den Befehlen des Chefs zunächst unterordnet, denn nichts ist diesen hierarchisch organisierten Bruderschaften heiliger als ihr Kodex und damit bedingungslose Treue. Wenn’s sein muss, bis in den Tod. Wenn der Boss ruft, hat man zu gehorchen. Und so schwingt man sich zunächst als einfacher Soldat auf seinen "Bock" und fährt immer schön im Konvoi dem Gang-Anführer hinterher. Wie sich schnell zeigt, hat das aber auch seine Vorteile. Mit einer Art Minigame sammelt ihr auf diese Weise nicht nur Gesundheit und päppelt eure Karre auf, auch andere Gangmitglieder profitieren von einer disziplinierten Fahrweise.

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Johnny sucht häufiger den Konflikt mit seinem Boss.
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Diese steigen nämlich nach und nach auf und werden dadurch zu effektiveren Mitstreitern. Sterben sie während einer Mission, werden sie durch neue Mitglieder ersetzt, die jedoch erst wieder "hochgezüchtet" werden müssen. Fährt man dicht beisammen, kann man außerdem den Gesprächen der Gang-Brüder lauschen. Diese Spiel-Mechaniken stärken das Gefühl, Teil einer verschworenen Gemeinschaft zu sein, und unterscheiden sich damit deutlich von dem Einzelgänger-Status eines Niko Bellic im Hauptspiel.

Rockstar hat eine grandiose Erweiterung abgeliefert, die Maßstäbe bei Download-Inhalten setzt.Fazit lesen

Natürlich durchbricht The Lost and Damned die Spielprinzipien des Originals nicht durchgängig. Auch hier setzt man auf eine offene Welt, in der ihr euch nach Herzenslust austoben könnt. Wenn ihr keine Lust habt, mit der Gang durch die Gegend zu knattern, erledigt ihr im Alleingang Kleinkriminellen-Aufträge im gewohnten GTA-Stil. Die Missionen bewegen sich jedoch trotz der sichtbaren Bemühung um Abwechslung stetig im Rahmen der bereits bekannten und wenig innovativen Punkt-zu-Punkt-Aufträge, bei denen man sich lediglich an den GPS-Punkten entlang hangelt.

Insgesamt wirkt die Erweiterung in ihrem Aufbau deutlich stringenter und kompakter. So müsst ihr euch nicht mehr mit möglicherweise eher unliebsamen sozialen Geflechten und Tätigkeiten abgeben, eine Freundin ausführen oder ständig mit dem Cousin einen trinken gehen und diesen dann auch noch nach Hause chauffieren. Zwar spielt das Handy auch diesmal noch eine tragende Rolle, der "Nerv-Faktor" des überfrachteten Drumherums fällt jedoch geringer aus.

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Mit der neuen Schrotflinte heizt Johnny seinen Feinden richtig ein.
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Rockstar hat an vielen Schrauben gedreht, ohne zu überdrehen, und viele sinnvolle Neuerungen und Änderungen implementiert. Die vielleicht wichtigste Änderung betrifft die Speicherpunkte von Missionen: Endlich startet man nicht mehr ganz am Anfang eines Auftrages, falls man stirbt oder einen Fehler begeht. Ab sofort merkt sich das Spiel, dass man die lange Anfahrt bereits erfolgreich bewältigt hat, und lässt euch etwa kurz vor dem Beginn eines Schusswechsels wieder einsteigen. Überflüssige Frust-Momente gehören daher größtenteils der Vergangenheit an.

Wenn, dann werden diese eher durch den erhöhten Schwierigkeitsgrad ausgelöst, die für manchen Bildschirmtod sorgen. Die Entwickler setzen in The Lost and Damned deutlich mehr auf heiße Schusswechsel, bei denen ihr euch immer wieder einer kleinen Armee von Widersachern gegenüberseht. Zum einen liegt das wohl auch daran, dass man ja selbst mit bis zu einem halben Dutzend Kumpanen unterwegs ist. Zum anderen an der Konkurrenz-Gang und immer wieder dazu stoßenden Polizeieinheiten, die euch das Leben schwer machen. Massenballereien stehen daher regelmäßig an der Tagesordnung.

Granatenhagel für die Feinde

Natürlich kommen dabei auch die neuen Waffen zum Einsatz. So etwa eine abgesägte Schrotflinte, die man auch vom Chopper aus gegen feindliche Biker einsetzen kann. Gegen größere Gegneransammlungen kommt jedoch der neue Granatwerfer viel besser zur Geltung. Die daraus resultierenden Explosionen sind sehr effektvoll inszeniert und ein echter Hingucker.

Apropos Schießprügel: Ein richtig cooles Feature ist der Waffen-Van, den ihr an eure Position ordern könnt. Wie ein Pizza-Service liefert er Knarren direkt frei Haus und ist dazu auch noch günstiger als die stationären Händler. Einmal gerufen bleibt das Fahrzeug sogar in eurer Nähe und versorgt euch auf Wunsch mit Nachschub. Selten hat "quadratisch, praktisch, gut" besser gepasst als hier. Allerdings zeigen sich im Häuserkampf auch die Schwächen der derzeitigen Shooter-Elemente: Das Auto-Aiming lässt sich immer wieder in die Irre führen, wirkt dadurch schwerfällig und sorgt so vor allem bei Schusswechseln in geringer Entfernung bisweilen für Verdruss.

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Mit dem Granatwerfer fabriziert ihr herrliche Explosionen.
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Dafür hat Rockstar mit einer neuen Fahrphysik das Handling der Motorräder tatsächlich deutlich verbessert. So weisen die Bikes nicht nur einen kleineren Wendekreis auf und lassen sich besser in der Spur halten (obgleich sie nach wie vor etwas zu leicht ins Schlingern geraten), ihr fliegt zudem deutlich seltener vom Bock. Allerdings sollte man sich nicht von seinem eigenen Chopper begraben lassen, ein vorzeitiges Ableben ist in einem solchen Fall durchaus möglich.

The Lost and Damned unterscheidet sich jedoch nicht nur durch reine Featureitis vom Hauptspiel. Natürlich gibt es abgesehen von den bereits erwähnten Neuerungen einige weitere frische Zutaten, wie z.B. Minispiele, einen neuen Comedian im Comedy Club, einen erweiterten Rocker-Soundtrack oder Armdrücken im neuen Klubhaus (wo man Fahrzeuge abspeichern kann). Doch die Genialität der Macher zeigt sich in den kleinen Details, die die Welt von Liberty City so authentisch und lebendig wirken lassen.

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Biker-Epos: GTA 4 Lost and Damned thematisiert auch die aktuelle Finanzkrise.
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Das Spiel ist beispielsweise gespickt mit Anspielungen auf die aktuelle Finanzkrise. Radiosender bringen Sondersendungen, im Fernsehen wird über die Missstände und korrupte Banker berichtet und konsequenterweise führen sogar einige Missionen in den Sumpf dieses zerrütteten Systems. Möglicherweise ist auch die eindeutig düsterer und blasser wirkende Stadt ein Symbol des wirtschaftlichen Niedergangs. Der vorherrschende Grieselfilter kann auf Wunsch jedoch auch deaktiviert werden. Am hohen Gewaltfaktor des Spiels und der Zwischensequenzen hat sich stattdessen nichts geändert.

Rockstar hat aber nicht nur den Einzelspieler-Anteil ausgebaut (der leider nach wie vor einen Koop-Modus vermissen lässt), sondern auch eine ganze Reihe amüsanter Multiplayer-Modi angefertigt. So liefert ihr euch beispielsweise in "Own the City" einen Gangkrieg um Liberty City, stellt euch als "Lone Wolf Biker" der Übermacht aller anderen Mitspieler oder beseitigt in "Witness Protection" unliebsame Zeitgenossen. Diese neuen Mehrspielerinhalte ergänzen die Kampagne hervorragend und fügen sich bestens in die bestehenden Multiplayer-Modi ein.