Wann immer ein Spieletitel um einige Wochen verschoben wird und entrüstete Fans in Foren und Blogs auf die Barrikaden gehen, können GTA-Spieler der ersten Stunde nur müde lächeln. Denn auf ein neues GTA zu warten bedeutet in erster Linie viel Geduld mit zu bringen – sehr viel. Nach unserer letzten Preview im vergangenen Juli nahm sich Rockstar Games mal eben eine kreative Auszeit.

Sechs Monate totale Informationssperre. Sechs Monate, in denen GTA-Fans jedes noch so kleine Detail verschlungen haben, spekulierten, hofften. Nun lud man uns zu einem erneuten Trip nach Liberty City. Mit Antiheld Nico Bellic durften wir drei brandneue Missionen in Augenschein nehmen. Haben die Rockstars die lange Pause genutzt oder nagt bereits der Zahn der Zeit an der Hitserie?

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Ein Leben in der Mafia

Wie war das noch gleich mit der Story? Kleine Gedächtnisstütze: GTA 4 spielt, wie bereits Teil drei der Reihe, erneut in Liberty City. Der Spieler erkundet den Sündenpfuhl dieses Mal in der Rolle des Osteuropäers Nico Bellic. Der hat von Kriminalität und Verbrechen eigentlich die Nase gestrichen voll, doch kurz nach seiner Ankunft, zieht ihn sein trotteliger Bruder Roman schon in Schwierigkeiten.

Grand Theft Auto 4 - Neues aus der Stadt der Sünde: Wir haben die heißesten Infos aus Liberty City.

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Kaum in Liberty City angekommen, gerät Nico bereits in Schwierigkeit.
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Soweit so bekannt. Um sich finanziell über Wasser zu halten, muss unser Alter Ego jede Menge Aufträge und Jobs annehmen – und die sind nur in den seltensten Fällen wirklich legal. Während bei bisherigen Präsentationen meist die rudimentären Gameplay-Elemente vorgestellt wurden, dürfen wir nun endlich einige Missionen bewundern. Ein erstes Beispiel: In einer Autowerkstatt soll Nico einen Kontaktmann treffen.

Sein Name: Brucie. Sein Verstand: Ist irgendwo zwischen der Grundschule und dem 12. Geburtstag verloren gegangen. Mit typischen Kleingangster-Allüren („Na Homie, was geht ab?“) begrüßt uns der hyperaktive Spinner, albert herum, präsentiert seine Muckis. Solche Story-Cutscenes sprühen wieder vor Charme und Witz – gerade die skurrilen Charaktere werden Fans der Reihe sofort in ihr Herz schließen.

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Doch zurück zum Auftrag: Brucie will, dass wir einen Informanten ausschalten, der gegen sein kriminelles Unternehmen aussagen könnte. Um an dessen Aufenthaltsort zu gelangen, müssen wir etwas Detektivarbeit leisten: Schnell ein Polizeiauto gekidnapped, in eine ruhige Ecke gefahren und den Computer gehackt. In der Datenbank tippen wir die relevanten Informationen ein und erfahren kurz darauf die Adresse des Verräters.

Grafisch ein Traum, spielerisch eine Offenbarung: Das wird das beste GTA aller Zeiten.Ausblick lesen

Statt eines Pfeils (wie in San Andreas) führt uns GTA 4 mit einer Linie auf der Minimap schnurrstracks zum Ziel. In teureren Autos gibt es das Navigationssystem sogar mit Sprachausgabe – sehr dekadent. Übrigens: Um an einen fahrbaren Untersatz zu gelangen, reicht es nicht, einfach die Tür aufzureißen und einzusteigen. Stattdessen schlägt Nico nun zunächst die Scheibe ein und schließt den Wagen danach kurz.

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Mehr Realismus: Autos muss man jetzt kurzschließen, um sie zu mopsen.
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Dieser Hang zu mehr Glaubwürdigkeit ist dabei ein völlig neuer Designansatz der Entwickler, denn GTA 4 soll dieses Mal deutlich realistischer werden, als z.B. noch San Andreas. Das zog sich mit seiner abgedreht-comichaften Spielwelt die Missgunst vieler Kritiker zu. Dennoch müssen Fans natürlich nicht auf den bissig-schwarzen Humor verzichten, der mittlerweile zum GTA-Markenzeichen avanciert ist.

Wir haben das Haus unserer Zielperson erreicht, doch die will sich nicht so ohne weiteres ihrem Schicksal ergeben. Durch den Hintereingang flüchtet der Unhold in sein Fluchtauto. Wir nehmen die Verfolgung auf und beharken den Feigling per Uzi aus dem Wagen. In GTA 4 darf man erstmals jedoch auch mit anderen Waffen aus dem Seitenfenster feuern und sogar Granaten bei voller Fahrt werfen. Eine wuchtige Explosion später, bleibt vom Informanten nicht mehr als eine Rauchwolke übrig.

Bewegung des Zufalls

Gelingt es Nico, eine Mission wie diese erfolgreich abzuschließen, speichert das Spiel nun automatisch ab. So spart ihr euch den mühsamen Weg in eines der Safe Houses. Weitaus besser gefällt uns aber, dass man gescheiterte Aufträge nun sofort wiederholen kann. In den Vorgänger-Teilen musste man die Mission erst wieder annehmen, das Briefing abwarten und zum Einsatzort fahren, um den nächsten Versuch zu wagen – aufwändig und mühsam.

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Erstmal ein klares Kühles: Mit Freunden sollte man öfter mal ein Bier trinken.
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Nach getaner Arbeit wäre jetzt eine Entspannungspause angebracht. Wie gut, dass es Freunde gibt. Wir greifen zum Telefon und verabreden uns mit Nicos Bruder Roman auf ein kühles Bier – oder zwei. Generell ist es in GTA 4 wichtig, Beziehungen und Kontakte zu pflegen. Hat man etwa eine Verabredung, kann aber nicht erscheinen, sollte man den Termin absagen. Sonst ist der Freund möglicherweise beleidigt.

Denn ein guter Bekannter gewährt euch zusätzliche Vorteile – Bruder Roman ermöglicht z.B. kostenlose Taxifahrten, sofern er nicht sauer auf euch ist. Diese Beziehungen haben zwar keinen direkten Einfluss auf das Missionsdesign, können aber in bestimmten Situation äußerst nützlich sein. Unsere Sauftour hat dafür einen ganz erheblichen Nachteil: Völlig betrunken stolpern Nico und Roman aus ihrer Bar, torkeln wild schwankend von dannen.

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Spiderman würde neidisch werden: Dank Euphoria- Engine wirken sämtliche Animationen wie aus einem Guss.
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Der Clou daran: Die Bewegungen der Charaktere basieren nicht mehr auf vorgefertigten Animationsbibliotheken, sondern werden von der brandneuen Euphoria-Engine in Echtzeit berechnet. Dieses Physiksystem kreiert eine Bewegung in Abhängigkeit der Skelettstruktur der Charaktere sowie der äußeren Umstände. Je nachdem, in welcher Situation sich Nico oder ein NPC also befinden, werden die Animationen anders aussehen.

Ein Beispiel: In einer weiteren Mission soll Nico für ein paar Mobster einen Truck stehlen. Bevor er dazu kommt, haut dieser jedoch ab – da bleibt nur aufspringen und bei voller Fahrt zum Fahrerhaus klettern. Die Euphoria-Engine berechnet bei jeder Kurve und jedem Ruckler Nicos Bewegungen auf dem Dach des Wagens realistisch aus. Ständig muss er umher rollen, das Gewicht verlagern, um nicht abzurutschen – ein echter Höllenritt.

Wie im echten Leben

Vor allem während der Actionparts und Schießereien lässt das Euphoria-System seine Muskeln spielen – beides wirkt nun wesentlich dynamischer und spannender, als noch vor sechs Monaten. Bei einer brachialen Auseinandersetzung auf einer Baustelle sorgen die Explosionen von Granaten nicht nur für tolle Sound- und Partikeleffekte sondern auch schleudern die Gegner auch physikalisch korrekt durch die Lüfte.

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Nach all dem Krach gönnen uns die Entwickler zum Abschluss der Präsentation noch eine beschauliche Stadtrundfahrt durch Liberty City. Und hier wird überdeutlich, mit wie viel Liebe zum Detail die Rockstars das echte New York nachgebildet haben. Eine Fahrt über den GTA 4-Time Square wirkt etwa als wären wir tatsächlich in der Weltmetropole: Überall flackern Neonleuchten, riesige Werbetafeln laden zum Einkauf, jeder Gullideckel erinnert an das Vorbild – ganz großes Kino.