Wenn man Erfolg hat und im Rampenlicht des öffentlichen Interesses steht, hat man's nicht leicht. Britney Spears und Co. können ein Lied davon singen, Schauspielern und selbst Politikern ergeht es nicht besser - je höher die Popularität, desto mehr Kritik muss man ertragen. Dieses Prinzip betrifft aber nicht nur Personen, sondern seit Neuestem auch virtuelle Produkte. Neben "Counterstrike" ganz klar eines der prominentesten Opfer dieser aktuellen Frustkampagne: die Grand Theft Auto-Reihe.

Doch allen Hasstiraden zum Trotz begründen sich entrüstete Aufschreie besorgter Eltern oder übereifriger Anwälte vorwiegend auf der ungebrochenen Beliebtheit von Titeln wie "Vice City" oder "San Andreas". Denn seit die Reihe sich vom zweidimensionalen Trash-Titel für Zwischendurch zum durchgestylten 3D-Actionhit erhoben hat, steigen auch die Verkaufszahlen ins Unermessliche. An ein Ende ist also nicht zu denken. Mit GTA 4 soll nun bereits im Oktober der nächste Streich folgen und macht natürlich "alles anders". Wir waren zu Besuch in London, um Rockstar Games über die Schulter zu blicken, und sagen, warum die Bezeichnung "Next Gen" nie zutreffender war.

Grand Theft Auto 4 - Exploder (PC)30 weitere Videos

Straßen der Gewalt
Die auffallendste Neuerung vorweg: Eine schnöde Zahl hinter dem Spieltitel ersetzt dieses Mal den Stadtnamen, da der vierte Teil genau wie GTA 3 in Liberty City angesiedelt ist. Wer sich auf GTA: Tokyo, GTA: Berlin oder GTA: Prag gefreut hat, muss sich leider gedulden. In London versichert man uns: "Es ist nicht auszuschließen, dass wir unser Spiel eines Tages in Tokyo oder London ansiedeln. Aber vorerst möchten wir eine andere Geschichte erzählen."

Grand Theft Auto 4 - Liberty City sah nie schöner aus! Wir haben den Rockstars über die Schulter geschaut.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 235/2391/239
Die Skyline von New York diente den Entwicklern als Vorlage für Liberty City.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Und die geht so: Nico Bellic ist ein osteuropäischer Auswanderer, der sich wie viele Einwohner Amerikas die Erfüllung des "American Dream" erhofft. Doch die Staaten sind ein raues Pflaster. Das ausschweifende Leben in Ruhm und Reichtum entpuppt sich als Kampf ums nackte Überleben. Bald kommt er mit dem Gesetz in Konflikt und auch die russische Mafia hat noch ein Hühnchen mit unserem traurigen Anti-Helden zu rupfen.

Anders als z.B. in Vice City wird man sich im Laufe der Storyline jedoch nicht zum Paten der Stadt aufschwingen können. "Wir wollten eine wesentlich komplexere Story erzählen, die vor allem weitaus realistischer als bisher wirkt", meinen die Rockstar-Jungs. Viel mehr wird Nico alle Hände voll zu tun haben, nicht in die Mühlen seines destruktiven Umfelds zu gelangen und seinen Kopf über Wasser zu halten.

Packshot zu Grand Theft Auto 4Grand Theft Auto 4Erschienen für PS3, Xbox 360 und PC kaufen: Jetzt kaufen:

Emsiges Treiben in Liberty City
Dieser Hang zum Realismus spiegelt sich in erster Linie im grafischen Korsett wieder: Mit Hilfe der selbst entwickelten Rage-Engine soll Liberty City nun weitaus glaubwürdiger und detailgetreuer erscheinen. Der comichafte Stil aus San Andreas gehört der Vergangenheit an. "Die Rage-Engine gibt uns endlich die Freiheit, GTA nach unseren Wünschen zu designen und nicht umgekehrt. Das wirkt sich nicht nur auf die Grafik aus, sondern erlaubt es uns auch, Emotionen und Atmosphäre in nie gekannter Form zu realisieren.", meint Hamish Brown, PR-Director bei Rockstar.

Grand Theft Auto 4 - Liberty City sah nie schöner aus! Wir haben den Rockstars über die Schulter geschaut.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden4 Bilder
Auf den Straßen herrscht stets reges Treiben: Jeder hat seinen eigenen Tagesablauf.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Dass es dich dabei nicht um pures Wunschdenken der Entwickler handelt, konnten wir bei unserer Präsentation in London mit offenen Mündern selbst erleben: In der Taxizentrale seines Cousins Roman sehen wir Nico vor der atemberaubenden Skyline Liberty Citys. Hinter ihm dringt Sonnenlicht durch ein Fenster und taucht den Raum in ein warmes Gelb. Draußen protzt die Engine mit endloser Weitsicht, gestochen scharfen Texturen, perfekter Ausleuchtung und vor allem einem unglaublich hohen Detailgrad. Hunderte Objekte wie Postkästen, Müll auf den Straßen oder Graffiti an den Wänden beleben das Stadtbild, Autos hinterlassen sogar kleine Abgaswolken.

Sofort packt uns das typische GTA-Gefühl: Auf den Straßen herrscht emsiges Treiben, Autos hupen, erboste Fußgänger meckern nach einem unsanften Rempler. Das Tagesgeschäft der Passanten wird dieses Mal jedoch kontextabhängig sein. Je nach Örtlichkeit gehen die Menschen anderen Dingen nach: Am Hafendock schleppen Arbeiter große Stahlträger, auf einer Einkaufsmeile hingegen mühen sich die shoppingsüchtigen Teenies eher mit dicken Geschenktüten ab. Es wird getrunken, geraucht und telefoniert - realistischer geht's wirklich kaum.

Too Much
Ein weiterer Vorteil der Engine: GTA 4 wird erstmals komplett ohne Ladezeiten auskommen - im gesamten Spiel. Nico geht auf eines der umstehenden Häuser zu, betritt den Eingang ohne nervige Pausen und verlässt das Gebäude beim Hintereingang. "Allerdings wird man natürlich nicht alle Häuser betreten können. Das würde den Rahmen sprengen", erklärt man uns.

Grand Theft Auto 4 - Liberty City sah nie schöner aus! Wir haben den Rockstars über die Schulter geschaut.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 235/2391/239
Wenn's hart auf hart kommt greift Nico eben auch mal zu schweren Geschützen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

In punkto Gameplay spart man sich bei Rockstar Games diesmal echte Innovationen oder übergroße Featurelisten. "San Andreas wurde von vielen Kritikern als zu überladen angesehen und wirkte oft einfach 'too much'", gibt Hamish Brown offen zu. Also wurden Spielereien wie Tattoos, Fitnesstraining oder Burgerfutterorgien ersatzlos gestrichen - ebenso wie manch abgedrehtes Vehikel: Jetpacks oder Senkrechtstarter findet man in GTA 4 nicht mehr.

Grundlegend bleibt aber alles beim Alten. So könnt ihr erneut jedes beliebige Fahrzeug unter eure Kontrolle bringen. Dank der neuen Auto-Physik machen diese Raubzüge jetzt übrigens noch mehr Spaß. Die Wagen wirken nun deutlich gewichtiger und wiegen durch das Zusammenspiel der Stoßdämpfer geschmeidig vor sich hin, wenn man über unebene Straßen fährt. Und ist eines der Vehikel mal abgeschlossen, schlägt Nico einfach dessen Scheibe mit dem Ellbogen ein.

Grand Theft Auto 4 - Liberty City sah nie schöner aus! Wir haben den Rockstars über die Schulter geschaut.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden4 Bilder
Dank neuer Fahrphysik macht das "Cruisen" jetzt noch mehr Spaß.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das Missionssystem wurde übrigens etwas aufgelockert: Per Mobiltelefon ruft Nico potentielle Auftraggeber an und kann so frei wählen, welche Missionen er annehmen möchte. "Wir wollten, dass der Spieler wesentlich mehr Freiheiten erhält und immer wieder eigene Entscheidungen treffen muss. Also stellen wir ihn vor die Wahl: Welchen Weg möchtest du gehen, und wie soll sich dein Charakter entwickeln?", erklärt Brown.