Eigentlich muss nicht mehr viel gesagt und geschrieben werden über ein Spiel, das weniger Unterhaltungsprodukt denn popkulturelles Phänomen ist. Ein Spiel, das nach Entwicklerangaben ein Produktionsbudget von 100 Millionen Dollar verschlang. Das mit einem Einspiel von 500 Millionen allein in der ersten Woche sämtliche Hollywood-Blockbuster in der Pfeife raucht. Das in der Woche vor seiner Veröffentlichung im Alleingang dafür sorgte, dass mehr als doppelt so viele Next-Gen-Konsolen verkauft wurden wie zuvor.

Ein Videospiel, das selbst von konservativen Feuilletons in den Himmel gelobt wurde. Dessen Werbekampagne in Chicago verboten wurde, nachdem ein Fernsehsender einen Zusammenhang zwischen der Reklame und einem Anstieg der Verbrechensrate behauptete. Das in Thailand verboten wurde, weil sich ein Taximörder auf das Spiel als Vorbild berufen hatte. Dieses Spiel erscheint demnächst endlich auch auf dem PC. Und wir haben im Take 2 Hauptquartier Hand an Maus und Tastatur legen dürfen.

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Sonniger, funkiger, baumiger

Lange Zeit herrschte banges Harren unter PC-Gangstern: Kommt GTA 4 nun für den Heimrechner oder doch nicht? „Natürlich!“, kam die erlösende Entwarnung Anfang August. Schließlich hat die „Grand Theft Auto“-Serie trotz ihrer langjährigen „Wahlheimat“ auf Konsolen ihre Wurzeln auf den Personal Computern. Das erste Spiel der Serie erschien damals (beinahe) exklusiv für die Rechenknechte, und auch die übrigen Folgen wurden nach einer kurzen Zäsur jedes Mal für die Windows-Maschinen umgesetzt.

So auch mit der neuesten Episode, die traditionsgemäß nach etwa einem halben Jahr Verspätung die Festplatten in Beschlag nehmen wird. Am Spiel selber hat sich erwartungsgemäß nichts geändert, doch haben die Rockstars von der Division Toronto die zusätzliche Zeit genutzt, um den großen Autodiebstahl an diversen Stellen tiefer zu legen.

Grand Theft Auto 4 - PC-Version angespielt: heiße Chicks und noch mehr Verkehr

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Zurück in Liberty City: Die Grafik wird auf PC noch besser. (Screenshots alle von der Konsolenversion)
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Am auffälligsten dürfte das grafische Feintuning ins Auge springen: Auflösungen von 2560 x 1440 Bildpunkte mit der Extraportion Anti-Aliasing fürs Kantenhobeln werden zwar nur PC-Bastler mit Nachbrenner und Heckspoiler an ihrer Maschine wirklich nutzen können, schicker als auf den Konsolen sieht Grand Theft Auto dennoch in jedem Fall aus: Dafür sorgt allein schon der noch etwas sonnigere Lichteinfall zwischen den Häuserschluchten, die sprühenderen Funken, sowie das baumigere Blattwerk an den Platanen.

Hardware bis zum Verkehrskollaps

Zusätzliche Ressourcen auf modernen Highend-Rechnern können nun genutzt werden, um Liberty City mit mehr Leben zu füllen. Vor allem die Weitsicht des Spiels profitiert von jedem weiteren Gramm Muskelmasse auf den Platinen: Wer beim Cruisen über eine der Brücken einfach mal die Kamera per Mausbewegung zur Seite schwenkt und das Flussufer hinaufschaut, erblickt Gebäudefronten bis zum Horizont – statt bis zur nächsten Nebelbank, die noch auf den Konsolen für Mäßigung bei der Prozessorauslastung sorgte.

Grand Theft Auto 4 - PC-Version angespielt: heiße Chicks und noch mehr Verkehr

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Auf dem PC lässt sich die Verkehrsdichte bis zum totalen Kollaps nach oben schrauben.
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Genau wie die Fernsicht kann auch die Verkehrsdichte auf dem PC per Schieberegler den eigenen Wünschen bzw. der persönlichen Ausstattung angepasst werden: Durch simples Ziehen wird das Verkehrsaufkommen in den Straßen von Liberty City so erhöht, dass man sich wahrlich wie auf einer Spritztour während der Rush Hour im realen Vorbild New York fühlt. Als kleine Stütze für die Vorstellung: Die voreingestellte Pkw-Dichte auf dem Asphalt von PS3 und Xbox 360 entsprach einer Position von 33% auf dem Regler der PC-Version!

Wichtigste Änderung jedoch wie bei jeder Portierung: die Steuerung. GTA4 unterstützt die Kombination von Maus und Tastatur ebenso wie ein 360-Gamepad – und das sogar im fliegenden Wechsel. Wer also während der Shootouts lieber mit der Maus zielt und das Auto danach mit dem Konsolencontroller wieder aus der Schusslinie manövriert, der kann genau das tun – muss es aber nicht. Hier ist es wie so oft im Leben: einfach Geschmackssache. Funktionieren tut nämlich beides blendend, wie wir bei unserer Probesitzung erfreut feststellen konnten.

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Die Hubschrauber-Steuerung war in den Vorgängern ein Graus. Leider konnten wir die in GTA4 noch nicht ausprobieren.
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Besonders komfortabel: Das Spiel merkt automatisch, welche Steuerung ihr gerade bedient und schaltet automatisch darauf um. Zeitraubende Änderungen in den Einstellungen sind nicht vonnöten. Selbst die Bildschirmhilfe stellt sich auf eure momentane Referenz ein und wählt selbständig zwischen „X für Weiter“ oder „Maus1 für Weiter“. Klasse!

Der große Autodiebstahl wird auf dem PC noch größer! Und der neue Video-Editor weckt schon jetzt den Action-Regisseur in mir.Ausblick lesen

Auch beim Sound gibt es einen willkommenen Zusatznutzen: So könnt ihr in GTA4-PC nicht nur eure eigene MP3-Musik von der Festplatte ins Spiel einspeisen, sondern gar daraus eigene Radiostationen kreieren.

Und Action!

Wichtigste Neuerung wird allerdings der Video-Editor, der euch exklusiv auf PC zum Actionfilm-Regisseur werden lässt. Per simplem Tool, ähnlich dem Windows Movie Maker, lässt sich jede beliebige Spielszene speichern, editieren und für Freunde und Neider online stellen.

Auch hier herrscht echtes Komfort-Plus: Mit einem simplen Tastendruck speichert ihr automatisch die letzten 20 Gameplay-Sekunden. Wer also gerade einen besonders spektakulären Stunt vollführt oder eine haarsträubende Actionszene überstanden hat, braucht keine hellseherischen Fähigkeiten, um schon vorher den Aufnahmeknopf zu drücken. Stattdessen behält das Spiel immer die letzte Szene im Gedächtnis und verewigt sie auf Wunsch und Knopfdruck auf der Festplatte.

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Die Trailer zu GTA4 sind legendär. Mit dem Editor lassen sich ganz einfach eigene erstellen.
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Im Editor können selbst mehrere Szenen miteinander verbunden und so zu einem kompletten Spiel-Film zusammen geschnipselt werden. Die Bedienung fällt erfreulich simpel aus und ist derart intuitiv, dass wir schon nach wenigen Minuten Einarbeitungszeit Schnittkaskaden und Blechgewitter wie ein kleiner John Woo über den Bildschirm feuerten.

Mit wenigen Mausklicks definiert ihr hier Anfangs- und Endpunkt einer Einstellung, legt Kameraposition, -fahrten oder -schwenks fest und könnt gar das Bild mit einem entsprechenden Farbfilter in die passende Stimmung tauchen. Selbstverständlich gehört auch der Einsatz von exzessiver Zeitlupe samt verlangsamter Tonspur zum Repertoire eines vernünftigen Actionfilms, und wer das besondere Mittendrin-Gefühl erzeugen möchte, kann sogar typisches Handkamerawackeln simulieren.

Grand Theft Auto 4 - PC-Version angespielt: heiße Chicks und noch mehr Verkehr

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Auf dem PC könnt ihr eigene Radiostationen mit euren MP3s basteln.
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Auch der Soundtrack lässt sich aus dem reichen Fundus lizenzierter Tracks der GTA-Playlist nach Wunsch unter das Geschehen legen. Leider werden aus rechtlichen Gründen nicht sämtliche Musikstücke des Spiels zur Auswahl stehen, doch immerhin ein guter Batzen davon. Ob auch eigene Musik verwendet werden darf, konnte man uns noch nicht mitteilen.

Grund für die lizenzrechtliche Zurückhaltung: Alle erstellten Videos können ganz einfach gespeichert, an Freunde verschickt, bei YouTube hochgeladen oder auf der offiziellen GTA4-Seite zum Bewundern bereit gestellt werden. Nach den vielen Riesenpenismännchen-Videos aus Spore dürfen wir uns also demnächst auf ein paar richtige Männerfilme freuen. Mit viel Action.