Gelegentlich fliegen Spiele unter dem Radar unserer Redaktion, die weder einer großen Marke angehören noch sonst von sich reden gemacht hätten. Besonders japanische Titel im konventionellen Anime-Look nehmen unauffällig ein Plätzchen im Verkaufsregal ein und entgehen unserer Aufmerksamkeit, während sie gemütlich ihr Nischendasein fristen. Doch hin und wieder gibt es unscheinbare Neuankömmlinge unter ihnen, die sich als eine kleine Überraschung entpuppen und aus dem Grund mehr Augenmerk verdienen.

Grand Kingdom - Ankündigungstrailer

Das neue Taktik-Rollenspiel Grand Kingdom ist so eine kleine Überraschung. Weniger von seinen narrativen Gesichtspunkten her, denn bereits in den ersten Spielminuten zeigt die dezent zurückhaltende Geschichte, dass sie sich eher auf gewohnten Fantasy-Pfaden bewegt. Es ist vor allem der spielerische Unterbau, im Speziellen das Kampfsystem, das besonders heraussticht. Ausnahmsweise kämpft ihr aber mal nicht um in Not geratene Prinzessinnen oder um das Wohl der Menschheit. Ganz im Gegenteil: Hier geht es schlicht und ergreifend um Kriege des Krieges willen. Oder um es primitiver auszudrücken: um Ruhm und Ehre – und ein bisschen Gold.

Grand Kingdom - Krieg der Königreiche – des Söldners täglich Brot

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 15/191/19
Auf dem Söldnermarkt könnt ihr regelmäßig neue Kämpfer rekrutieren. Jede Klasse hat ihre eigenen Vor- und Nachteile im Kampf, die ihr bei eurer Truppenaufstellung berücksichtigen müsst.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Zwischen den Fronten und überall

Der ewig währende Krieg ist also euer täglich Brot. Geführt wird er zwischen vier großen Königreichen, deren Gunst es im Einzelnen zu gewinnen gilt. Als Teil einer (anfänglich noch) neutralen Söldnergilde werdet ihr von den rivalisierten Reichen immer wieder beauftragt, diverse Konflikte im eigenen Lande zu beseitigen, die durch die jeweiligen Gegenparteien entfacht werden. Durch Siege und Niederlagen beeinflusst ihr eure Reputation in den jeweiligen Nationen, wodurch sich Vor- und Nachteile innerhalb der nächsten Kämpfe ergeben. Erwartet hier aber inhaltlich keine dramaturgischen Intrigenspiele eines Game of Thrones. Die beschriebenen Auseinandersetzungen werden nicht maßgeblich durch euer aktives Zutun beeinflusst. Die internationalen Anspannungen bilden lediglich den groben, inhaltlichen Rahmen für die zahlreichen Spielmissionen.

Packshot zu Grand KingdomGrand KingdomErschienen für PlayStation Vita und PS4 kaufen: Jetzt kaufen:

Bevor ihr euch in die Scharmützel begebt, stellt ihr eure eigene Truppe aus frisch rekrutierten Söldnern zusammen, verteilt Skillpunkte und rüstet sie kampfbereit aus. Dabei ist es nicht nur eine Frage der richtigen Klassenwahl, sondern auch eine des Budgets. Gerade zu Beginn seid ihr noch recht knapp bei Kasse, müsst daher bezüglich eurer Waffen, Heilgegenstände und Rekruten haushalten und könnt erst mit jeder weiteren erfolgreichen Mission langsam, aber stetig eure Gilde ausbauen.

Grand Kingdom - Krieg der Königreiche – des Söldners täglich Brot

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden4 Bilder
Selbst gegen schier monströse Gegner und unter härtesten Bedingungen könnt ihr die Kämpfe überleben, wenn ihr euch geschickt anstellt. Allein die Positionierung eurer Leute ist das A und O für erfolgreiche Angriffsformationen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Grand Kingdom macht gleich zu Beginn das, was auch andere japanische Rollen- und Strategiespiele gern mal im Übermaße tun: Details bis ins kleinste erklären. Und obwohl es aufgrund der Informationsfülle um eine schnelle Zugänglichkeit bemüht ist, kann es schon mal vorkommen, dass es damit genau das Gegenteil erreicht. Vieles ist eigentlich selbsterklärend, manche spielerische Vorgänge erschließen sich aufgrund besagter Verständnishürden erst mit der Zeit. Kein Problem von langer Dauer, aber ihr seid dementsprechend besser dran, euch die Eigenheiten der Spielmechaniken durch bloßes Ausprobieren Schritt für Schritt zu verinnerlichen. Besonders während eurer Missionen auf dem Schlachtfeld gibt es viele Kleinigkeiten zu berücksichtigen, die nicht gleich auf Anhieb ersichtlich sind, aber immer wieder für nette Aha-Momente sorgen.

Eine Hand voll frischer Ansätze

Innerhalb der Missionen zieht ihr eure Truppe wie eine Figur auf einem Spielbrett pro Zug um ein Feld und verbraucht für jeden Schritt Aktionspunkte. Parallel zu euch bewegen sich die Gegner, die ihr beim Aufeinandertreffen bekämpfen müsst. Bereits die Positionierung auf dem Schlachtfeld ist ein Teil der Herausforderung und bringt verschiedene taktische Möglichkeiten mit sich, um die individuellen Siegeskonditionen zu erfüllen. Oftmals sitzt euch die Zeit in Form der begrenzten Aktionspunkte im Nacken. Ihr tut also gut daran, jeden Schritt gut einzuplanen und vor allem auf die Bewegungen der Gegner zu achten. Manchmal gilt es, den Gegner bei einer Verteidigungsmission einzuholen, bevor er euren Stützpunkt rechtzeitig einnehmen kann. Ein andermal müsst ihr mit einer stark begrenzten Zahl an Aktionspunkten verschiedene Ressourcenquellen abklappern. Jeder einzelne Zähler kann dabei schon über Sieg oder Niederlage entscheiden. Diese Abwechslung, die durch verschiedene Ziele geboten wird, und der dadurch ebenso variierende Herausforderungsgrad sind weitere positive Aspekte, durch die im Grunde kaum das Gefühl von Missionsrecycling aufkommt.

Grand Kingdom - Krieg der Königreiche – des Söldners täglich Brot

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 15/191/19
Die animierten Charaktere wie auch die detaillierten Hintergründe bei euren Stadtbummeleien sind immer wieder echte Hingucker.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Kommt es schließlich zum Feindkontakt, wird der Kampf zwischen beiden Truppen eingeleitet. Die Konfrontationen sind auch der größte Spaßfaktor im ganzen Spiel und heben sich deutlich vom standardisierten Rollenspiel-Gekloppe ab. Zwar gibt es rundenbasierte Phasen, in denen die Figuren nacheinander am Zug sind, doch wird das Prinzip zusätzlich mit kleinen Echtzeiteinlagen verbunden. Gekämpft wird auf drei Linien, zwischen denen die Figuren hin- und herspringen können, aber auch nur solange die Ausdauer dafür ausreicht. Dabei ist es nahezu verblüffend, wie pixelgenau entscheidend eure Positionierung sein und welchen Einfluss sie auch auf eure Angriffe haben kann. Die Reichweite einer Einheit zum Gegner oder eigenen Kameraden, der Einsatz der Fähigkeiten und die unterschiedlichen Bewegungs- und Angriffsmuster der Klassen: aus all diesen Details ergeben sich viele taktische Kniffe, die euch einen schnellen Sieg bescheren können. Schnelligkeit zahlt sich auf jeden Fall aus, da selbst vorbeiziehende Kampfrunden weitere Aktionspunkte verbrauchen. Es macht daher einen großen Reiz aus, die insgesamt recht fair gestalteten Kämpfe innerhalb einer einzigen Runde zu bewältigen.

Mensch ärger dich nicht

Bei all den Ansätzen, die Grand Kingdom richtig macht, fallen im Gegenzug aber auch einige Punkte umso mehr auf, die das nahezu perfekte Spielgefühl dämpfen. Ein Ärgernis stellt beispielsweise die stellenweise unpräzise Steuerung während eurer Schlachtfeld-Rundgänge dar. Nicht selten kann es passieren, dass eure Figur an einer Kreuzung in eine ungewollte Richtung abbiegt, weil die isometrische, nicht veränderbare Perspektive eine völlig andere Steuerung suggeriert. Besonders wenn ihr mit der Knappheit an Aktionspunkten taktieren müsst, sind solche unbeabsichtigten Patzer ein sehr ärgerlicher Umstand. Bei den Missionen höheren Schwierigkeitsgrades startet ihr mit weitaus weniger Aktionspunkten, weswegen das Vorbeischrammen an einen Sieg wegen eines einzigen vergeudeten Aktionspunktes sehr frustrierend sein kann.

Grand Kingdom - Krieg der Königreiche – des Söldners täglich Brot

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 15/191/19
Ähnlich wie in Valkyrie Profile könnt ihr eure Truppenmitglieder in einzelne Reiche in den Krieg entsenden und stationieren. Helft ihr einem Königreich, verschafft es euch innerhalb des Territoriums verschiedene Vorteile.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Genauso nervig sind die unzähligen Ladezeiten, die bei gefühlt jeder Gelegenheit eingeschoben werden. Ihr wollt eine Mission beginnen – es folgen Ladezeiten. Ein Kampf wird eingeleitet – es folgen Ladezeiten. Der Kampf ist zu Ende – es folgen Ladezeiten. Ihr wollt schnell etwas im Menü nachsehen? Ladezeiten. Einfach nur zwischen Menü-Unterpunkten wechseln? Ladezeiten. Ladezeiten? Ladezeiten! Es ist nicht nur die Dauer der Ladebildschirme, es ist auch deren Häufigkeit, die den Spielfluss ständig ausbremsen. Diese mühselige Warterei beißt sich stark mit dem an sich recht dynamischen Spielkonzept und macht sich gerade im Kontrast der sehr schnell zu bewältigenden Missionen und der dazugehörigen Kämpfe stark bemerkbar.
Ohne diese Probleme wäre Grand Kingdom ansonsten ein gewissenhaft zu empfehlender Titel für Freunde des Rundenstrategie-Genres, der immer mal wieder zu schnellen Runden einladen kann.