Als ich neulich mit einem Vertreter von Gala Networks telefonierte, hatte ich eigentlich nur eines im Sinn: Age of Wulin. Eine Gildenkollegin, die das fernöstliche Sandbox-MMO in der chinesischen Beta spielt, hatte mir die Nase lang gemacht und berichtet, dass da ein erstklassiges Spiel auf uns zukommen würde - hier in Europa gehostet von Gala Networks Europe - dem Unternehmen, das hinter dem Gaming-Netzwerk ‘gPotato’ steckt.

Von meinem Gesprächspartner wollte ich also nicht mehr als einen Zugang, für das mittelalterliche China und die Garantie, dass man den vielversprechenden Titel nicht versemmeln würde. Und was bekam ich stattdessen? Eine Einladung nach Dublin - ins Hauptquartier von Gala Networks Europe, von wo aus nicht nur Age of Wulin betreut werden soll, sondern auch noch eine ganze Reihe weiterer neuer und älterer Spiele.

Von einigen, das muss ich ehrlicherweise zugeben, hatte ich bis dato nur am Rande gehört. Und wirklich gespielt hatte ich davon nur ein einziges - und dabei obendrein noch eine derart schlechte Erfahrung gemacht, dass ich den Publisher mitsamt seiner Titel gleich wieder an den Rand meiner Wahrnehmung gedrängt hatte.

Kurswechsel bei Gala?

Umso überraschender die Offenheit, mit der man mir begegnete, als ich von meinen schlechten Erfahrungen berichtete und davon, dass ich weder als Redakteur noch als Spieler sonderlich großes Interesse an Pay-To-Win-Konzepten hätte. Bei Gala, so erklärte man mir, sei man sich dieser Probleme bewusst, habe aus den Fehler gelernt und setze jetzt verstärkt auf die Zusammenarbeit mit der Community, um die Shop-Angebote möglichst fair zu gestalten.

Und weil ich, anders als viele Gamer, nicht sonderlich nachtragend bin und glaube, dass insbesondere in der Gaming-Branche jeder eine zweite Chance verdient hat, habe ich mich in den nächsten Flieger gesetzt, um mir vor Ort in Dublin selbst ein Bild davon zu machen, wer bei Gala Networks an welchen Titeln arbeitet, damit ich den Verantwortlichen im Falle künftiger Verfehlungen persönlich die Ohren langziehen kann.

gPotato - Canaan, Dragonica, Allods, Sevencore - Aus alten Fehlern gelernt?

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Das rundebasierte Kampfsystem von Canaan ist an fernöstliche Rollenspiele angelehnt.
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Canaan Online - liebevoll gehegt

Der wahrscheinlich kleinste Titel, den die Insulaner im Programm haben, ist Canaan Online, ein Browser-MMO, das sich als solches bislang ausgesprochen erfolgreich unterhalb meines Radars bewegt hat. Und so war ich durchaus überrascht zu sehen, mit welcher Liebe die Produzenten ihr kleines, aber feines Spiel hegen und pflegen.

Und das ist nicht ganz unbegründet, denn die Nische, die Canaan bedient, kann durchaus mal einen Titel gebrauchen, der über sinnloses Farmen noch sinnloserer Dinge in ewigen Klick-Orgien hinausgeht. Obwohl Canaan als Browser-MMO für zwischendurch konzipiert ist, ist es durchaus nicht frei von Herausforderungen.


Zocken am Arbeitsplatz
Doch da gerade der browsende Büro-Zocker oftmals von Chef-Mobs und dergleichen in seinem heimlichen Tun unterbrochen wird, laufen die Kämpfe rundenbasiert ab - ganz in der Tradition asiatischer Rollenspiele. Und ebendieser ist es dann wohl auch geschuldet, dass Pets ein wesentliches Element in und außerhalb der Auseinandersetzungen sind - ein Hauch von Pokémon also.

Und falls die Arbeit im Büro mal wieder überhand nimmt, läuft der Charakter wahlweise auch völlig eigenständig zum nächsten Einsatzort und kann dort auch gewisse Aufgaben ausführen, ohne dass man ihn die ganze Zeit überwachen müsste. Ein Onlinespiel, das für “Tabbed Browsing” perfektioniert wurde also - fast ein wenig wie bei EVE Online, nur in niedlich.

Dragonica - im Herzen ein Jump ‘n’ Run

Einen ähnlichen Niedlichkeitsfaktor wie Canaan hat auch Dragonica, eines der wenigen MMOs am Markt, das sich wie ein klassischer Side-Scroller spielt. Und die spielerische Unkompliziertheit eines Jump ‘n’ ist es dann wohl auch, die Dragonica eine überaus treue Fangemeinde beschert hat, die sich nicht an der vermeintlich altbackenen Technik stört, sondern mit dem Controller in der Hand deren Vorzüge genießt.

Dabei sollte man Dragonica nicht unterschätzen. Sowohl was die Herausforderungen betrifft als auch in Sachen Komplexität kann das ungewöhnliche MMO durchaus mit den modernen Anforderungen im Genre mithalten, bietet sechs unterschiedlichen Klassen, ein Marktsystem, Housing, allerlei Pets und sogar unterschiedliche Modi, in denen man sich mit anderen Spielern prügeln kann.


Übrigens hat Dragonica erst vor kurzem ein neues Update mit dem Titel “Phönix” bekommen. Seither ist das Sidescroller-MMO auch in höchsten Auflösungen spielbar, bietet Kettenkombos und beschenkt Spieler, die bereits einen Charakter auf Level 40 haben, mit einem komplett ausgerüsteten neuen Charakter nach Wahl.

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Recht hübsch für ein Jump’n’Run-MMO. Mit dem jüngsten Update wurde auch die Grafik von Dragonica neu angepasst.
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Allods Online - das Spiel der Götter

Während Canaan und Dragonica eher Gelegenheitsspieler und Freunde fernöstlicher Manga-Kost ansprechen dürfte, geht Allods Online in eine ganz andere Richtung. Das Spiel, das aktuell mit seinem Update New Horizons eine neue Ära eingeläutet hat, richtet sich eher an erfahrene und leidenschaftliche MMOler, die gerne mal ein paar Stündchen mehr in ein Spiel investieren und dafür auch entsprechende Herausforderungen suchen.

Optisch stark an World of Warcraft angelehnt, geht Allods jedoch noch einen Schritt weiter und bietet vor allem eingefleischten PvPern, was sie am meisten wünschen: fliegende Schlachtschiffe für filmreife Teamfights und Kriege über Territorien, durch die man die Möglichkeit bekommt, nachhaltigen Einfluss auf die Welt zu nehmen - ein Metagame also, das grob dem von Lineage 2 und EVE Online entsprechen soll.

gPotato - Canaan, Dragonica, Allods, Sevencore - Aus alten Fehlern gelernt?

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Stein des Anstoßes: Allods Online hat gPotato seinerzeit in Verruf gebracht. Mittlerweile, so sagt man im Hauptquartier des Publisher, sei der Shop aber ausgesprochen fair.
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Ein eigenes Stück Land - ein Allod eben

Ob das in der Praxis so funktioniert, wie es der Publisher in der Theorie verspricht, konnte oder wollte ich selber nicht feststellen, da Allods den Spieler zum Release durch verschiedene Spielmechaniken zwingen wollte, sich von diversen negativen Einflüssen über den Shop freizukaufen. Obwohl das Spiel an sich einen guten Eindruck hinterließ, vollzog die Community damals nach kurzen Aufbegehren den Exodus und kehrte Allods und gPotato den Rücken.

Mittlerweile, das garantierte mir die charmante Produzentin Lori Bray in Dublin persönlich, sei der Shop entschäft worden und jene Elemente, die Allods damals so in Verruf gebracht hatten, habe man entfernt. Ob das stimmt, mag jeder Spieler für sich selbst herausfinden, denn der Einstieg in das qualitativ durchaus ansprechende Allods ist auf jeden Fall kostenlos und lohnenswert - jetzt, wo man sein eigenes Stück Land besitzen kann, möglicherweise umso mehr.

Sevencore - trotz des Namens ein MMO für Einsteiger

Ganz neu im Portfolio von gPotato ist übrigens Sevencore, das aktuell in die Beta gestartet ist. Im Gegensatz zu Allods Online soll Sevencore eher den Einsteiger und Durschnittsspieler ansprechen. Man habe erkannt, dass immer mehr Spiele mit sehr komplizierten Spielsystemen veröffentlicht würden und wolle etwas für all jene bieten, die dabei auf der Strecke blieben, begründete Produzent Julian Friesel diese durchaus gewagte Design-Entscheidung.

In Sevencore treffen Fantasy und Hochtechnologie aufeinander. Die Bemühungen des Spielers fokussieren sich vor allem auf ihre virtuellen Begleiter, die man mit in den Kampf nimmt und auf denen man ab Level 10 auch reiten darf - später im Spiel wird der eigene Reitstall dann noch durch einen Fuhrpark ergänzt - mechanische Begleiter also wie Motorräder und Hoverbikes, die naturgemäß allerdings nicht selber kämpfen können.

Das alles klingt nicht sonderlich spektakulär, wäre da nicht die Aussicht, endlich mal wieder ein echtes Open-World-MMO zu spielen, denn Sevencore unterteilt die Welt zwar in Kontinente und Zonen, allerdings ohne sie zu instanzieren. Dadurch sollen Gilden im späteren Spielverlauf die Möglichkeit bekommen, Kriege um die Vorherrschaft auf den Kontinenten auszufechten. Wie und ob das in der Praxis funktioniert, sollte sich spätestens nach Release zeigen.

Sevencore - Trailer


Bekommt der dümmste Spieler die meisten Kartoffeln?
Insgesamt hat gPotato ein durchaus ansprechendes Sortiment von höchst unterschiedlichen Titeln im Angebot, von denen sich wirklich jeder einzelne durch ganz eigene Elemente von der Masse abhebt. Dass der Publisher dennoch nicht in der oberen Liga mitspielt, liegt also nicht unbedingt an den Titeln. Ursächlich ist hier vielmehr der Ruf, den man sich mit seinem Shop-Angebot eingehandelt hat.

Und wenngleich ich in Dublin in zahlreichen interessanten Gesprächen mit den Produzenten der unterschiedlichen Titel rausgehört habe, dass man aus gewissen Fehlern gelernt hat, so scheint man noch bei gPotato noch immer davon auszugehen, dass die Spielerschaft kein Problem damit habe, wenn Zeit-, Heilungs- oder Verzauberungsvorteile im Shopsystem angeboten werden.


Der letzte Schritt in Richtung Erfolg
Das mag auf einen Teil der MMO-Community auch zutreffen, allerdings nur auf einen sehr kleinen. Nur ein Spiel, das im Kern wirklich kostenlos ist und bei dem ausschließlich kosmetischer Schnickschnack für echtes Geld angeboten wird, zieht tatsächlich Millionen von Spielern an, die dem Titel und dem Publisher dann treu zur Seite stehen und mal den einen oder anderen Euro in diese oder jene Klamotte stecken - eben weil sie es wollen, weil kein Zwang mehr da ist, der den Publisher gierig erscheinen lässt.

Spiele wie League of Legends, Heroes of Newerth und DotA 2 zeigen, wie ein gutes F2P-Konzept auszusehen hat, und es wäre wünschenswert, wenn gPotato den Mut aufbrächte, diesen letzten und zeitgemäßen Schritt in Richtung kostenlosem Angebot zu gehen. Dann wäre die Spielfreude wirklich ungetrübt und die schlechten Erfahrungen der Vergangenheit, die das kollektive Spielergedächtnis kaum vergisst, würden dem Publisher nicht länger anhaften.

Dann würde auch Age of Wulin zu einem garantierten Erfolg - jener Titel, der mich eigentlich nach Dublin geführt hat und über den ich an anderer Stelle ausführlich berichten werde. Dort nämlich wartet nicht nur ein brandneuer Trailer auf die darbende Fangemeinde, sondern auch zahlreiche brandheiße Informationen, die man bei gPotato extra für die große Show aufheben wollte.

Allods Online - Game of Gods: New Horizons Trailer