Gottlieb Pinball Classic (PSP Review)
von Jörg Pitschmann

Nicht alles in den 70er Jahren war scheiße. Wir hatten Abba, die Diskussion um §218 und Gras in Hülle und Fülle. Aber das beste waren die Flipperautomaten in unseren Stammkneipen.

Stundenlang haben wir um Highscores und das nächste Bier geflippert, und die besten unter uns haben aberwitzige Punkterekorde aufgestellt und heute ein Alkoholproblem. Aber das ist eine andere Geschichte.

Die Jungs des britischen Entwicklerstudios System 3 waren wohl in ihrer Jugend ähnlich drauf, denn sie haben sich des Themas angenommen und einige der interessantesten Flipper aus immerhin mehr als 60 Jahren versoftet und für Sonys kleines Schwarzes umgesetzt.

Die daraus resultierende Flippersimulation »Gottlieb Pinball Classic« vereint insgesamt zehn historische Geräte des amerikanischen Herstellers, angefangen mit dem Prä-Flipperautomaten »Play-Boy« von 1932 bis hin zum billardlastigen Tisch »Strikes N' Spares« von 1995. Wir haben unsere olivgrünen Nato-Parkas und hässlichen Wollpullis wieder rausgekramt und uns auf eine virtuelle Zeitreise in die Vergangenheit der Kneipenkultur begeben.

Alle lieben Flipper
Leidenschaftliche Kneipengänger bekommen leuchtende Augen, wenn sie den Namen »Gottlieb« hören.

Gottlieb Pinball Classics - Es ist zum Ausflippern! Die beste Pinball-Simulation seit langem - wir sagen euch warum!

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Immerhin hat uns der amerikanische Hersteller mit einigen der wohl besten Flippertische verwöhnt, die je das Licht irdischer Kneipen- und Spielhallenexistenz erblickt haben. Gottlieb selbst ist vor rund zehn Jahren den Weg alles Irdischen gegangen, doch die (Flipper-)Legende lebt weiter - zumindest auf der PSP. Und dass die Legende äußerst lebendig ist, haben wir der sehr gelungenen Umsetzung zu verdanken. Natürlich kann die PSP nicht jene Atmosphäre ersetzen, die in seligen Zeiten für soviel Freude gesorgt hat. Es sei denn, man nimmt die kleine Konsole mit in seine Stammkneipe und daddelt am Biertisch.

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Das wird allerdings wohl kaum jemand machen, denn es ist einfach nicht das Gleiche. Außerdem dürfte es ziemlich anstrengend sein, wenn sich eine Horde von wild brüllenden und gestikulierenden Jugendlichen um den winzigen Bildschirm von Sonys Handheld drängeln würde. Außerdem sähe es einigermaßen lächerlich aus.

Dennoch ist System 3 die Umsetzung der Flipperautomaten mehr als gut gelungen. Die Tische sind allesamt wunderschön und detailgetreu modelliert, und auch die Sounds stehen den Originalen in nichts nach. Ein ewiger Schwachpunkt bei Flippersimulationen war von jeher mangelnde Übersicht über das Geschehen.Nicht so bei der vorliegenden Simulation. Denn man hat die Wahl aus insgesamt fünf mehr oder weniger übersichtlichen Blickwinkeln. Außerdem kann man auf Wunsch die Reflexionen im Tischglas abschalten. Wer es lieber auf einen Blick mag, kann die Darstellung jederzeit ändern und die PSP sogar auf eine Hochkant-Ansicht ändern. Die ist jedoch infolge der Buttonumbelegung nicht wirklich gelungen. Während nämlich in der horizontalen Spielweise die Flipper mit der linken und rechten Schultertaste betätigt werden, muß man in der vertikalen Lage mit der X- und der Dreieckstaste vorlieb nehmen. Das führt jedoch insbesondere bei kleineren Fingern zu einigen Verrenkungen und Wursteleien. Auf die Reise schickt man die Kugel übrigens durch einen mehr oder weniger sanften Schubs mit dem Analogstick. In der horizontalen Tastenbelegung klickt man sich mit der Viereckstaste durch die verschiedenen Ansichten, die Dreieckstaste blendet den aktuellen Spielstand ein oder aus. Leider funktioniert das nur während einer laufenden Partie.Da man sich im Laufe des Spiels jedoch voll und ganz auf das präzise Schlägern der Bälle konzentriert, wird wohl kaum jemand im Eifer des Gefechts zwischen den Ansichten hin- und herschalten, denn dann riskiert man sehr schnell einen verlorenen Ball.

Es ist zum Ausflippern
Im Hauptmenü kann man wählen, ob man ein Turnier mit bis zu vier Mitstreitern spielen oder zuvor ein wenig trainieren möchte. Turniere werden entweder wechselseitig an einer Konsole gezockt, oder ein Spieler richtet ein WLAN-Match aus, wobei nur der Host eine Version des Spiels benötigt.

Bis auf zwei Tische können nämlich alle anderen im Shared-Modus betrieben werden, was die Anschaffungskosten des Spiels auf ein Exemplar reduziert. Das ist schön und macht einen schlanken Fuß, denn auf diese Weise muss man sich das Spiel nicht zwangsläufig anschaffen, sondern geht zu einem Kumpel der es hat und zockt in geselliger Runde.

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Am meisten Spaß macht aber die Challenge, bei der man allein nacheinander alle Tische durchzockt, wobei der Schwierigkeitsgrad der Automaten steigt. Um eine Herausforderung zu meistern, ist das Erreichen einer Mindestpunktzahl nötig. Je höher der Score ausfällt, desto mehr virtuelle Münzen gewinnt man. Die wiederum benötigt man, um im Trainingsmodus höherwertige Tische zu spielen, denn nur die Anfängerflipper sind kostenlos spielbar. Um die Automaten erfolgreich zu bewältigen, sollte man sich vor dem Zocken übrigens die sehr detaillierten und guten Beschreibungen der Tische mit ihren jeweiligen Spielzielen durchlesen.Denn nur, wenn man weiß, in welcher Reihenfolge die Kugeln welche Aufgaben lösen müssen, kann man besonders bei den schwereren Geräten die Highscores knacken.

Wie schon erwähnt, trifft man auf Flipperautomaten aus unterschiedlichen Epochen. Angefangen beim reinen Glücksspielgerät »Play-Boy« von 1932, bei dem man zwar Kugeln ins Spielfeld schießen, diese aber nicht steuern konnte bis hin zu den mit Elektronik vollgestopften Teilen aus den 80er und 90er Jahren à la »Victory« hat man das volle Programm inklusive der originalen Tirili-Dudeldei-Sounds. Da kommt Freude auf! Bei all der Jubelei bleibt eigentlich nur eine Frage: warum zum Henker bietet die PSP nicht genug Platz, um am Rand sein Bierglas abzustellen? Da haben die Originalautomaten der Versoftung tatsächlich etwas voraus. Schade eigentlich.Denn nur, wenn man weiß, in welcher Reihenfolge die Kugeln welche Aufgaben lösen müssen, kann man besonders bei den schwereren Geräten die Highscores knacken.

Wie schon erwähnt, trifft man auf Flipperautomaten aus unterschiedlichen Epochen. Angefangen beim reinen Glücksspielgerät »Play-Boy« von 1932, bei dem man zwar Kugeln ins Spielfeld schießen, diese aber nicht steuern konnte bis hin zu den mit Elektronik vollgestopften Teilen aus den 80er und 90er Jahren à la »Victory« hat man das volle Programm inklusive der originalen Tirili-Dudeldei-Sounds. Da kommt Freude auf! Bei all der Jubelei bleibt eigentlich nur eine Frage: warum zum Henker bietet die PSP nicht genug Platz, um am Rand sein Bierglas abzustellen? Da haben die Originalautomaten der Versoftung tatsächlich etwas voraus. Schade eigentlich.