Viele kleine und große Jungs, und manchmal auch Mädels, möchten gerne in die Haut eines Superhelden schlüpfen. Den Bösewichten dieser Welt wie in "Kick Ass" oder "Super" in selbstgenähter Verkleidung mal so richtig in den Hintern treten, nachdem ihnen Batman & Co. das in unzähligen Comics vorgemacht haben.

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Mangels Superkräften oder Kampfkünsten greift man dann einfach zur Wumme und bläst das Gesocks aus den Latschen. Nun rufen wir sicher nicht zur Selbst- oder Lynchjustiz auf - es sei denn, sie kommt so spaßig und selbstironisch daher wie Gotham City Impostors.

"Oh je, ist das so ein billiger Arkham-Asylum-Ablatsch?", denkt ihr jetzt möglicherweise. Und damit liegt ihr... völlig falsch. Weder ist Gotham City Impostors minderwertig fabriziert - es stecken immerhin die Monolith Productions dahinter (u. a. No One Lives Forever und F.E.A.R.) -, noch ist das Projekt als Versuch einzuschätzen, lediglich die aktuell hochgejazzte Batman-Kuh zu melken. Selbstverständlich spielt Warner mit dem Markennamen "Gotham" und weckt auf diese Weise Assoziationen zum Dunklen Ritter. Doch das kann man dem Unternehmen angesichts der absolut divergierenden Spielabläufe nicht übelnehmen.

Gotham City Impostors – Helden wie du und ich - Der Schwabbelbauch hinter der Maske

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Gotham City Impostors entführt in eine Welt der Superheldenkarikaturen.
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Hochstapler, aber keine Klone

Also keine Angst, einen fix zusammengeschusterten Klon müsst ihr allein schon deshalb nicht befürchten, weil es sich um völlig unterschiedliche Ansätze handelt. Während wir in Arkham Asylum als Batman schleichend, schwingend und kämpfend eine Bresche durch unsere Feinde schlagen, ballern wir hier mit allerlei verrückten und normalen Wummen auf total abgefahrene Superheldenkarikaturen. Um dem Argument des Abkassierens vollends einen Riegel vorzuschieben: Impostors kommt nicht einmal als Vollpreisspiel auf dem Markt, vielmehr wird der Titel als kostengünstiger Download-Titel (1200 MS-Punkte oder 11,25 Euro auf anderen Plattformen) als reiner Team-Shooter vertrieben.

Bis zu zwölf Spieler kämpfen insgesamt in der Abwesenheit der richtigen Recken um die Vorherrschaft auf den Straßen Gothams und greifen dabei in skurrilen Kostümen regelmäßig zu unlauteren Mitteln. Neben klassischen Schießprügeln lebt Gotham City Impostors vor allem von seinen vielfältigen Individualisierungsoptionen, die eine praktisch unendliche Skala an Batman- oder Joker-"Hochstaplern" ermöglicht. Monolith verspricht während unserer Anspielsitzung, dass es keinerlei Restriktionen bei der Wahl von Körperbau, Ausrüstungen oder Gadgets geben werde. In der Demo rennen, springen und wanken dementsprechend schizophrene Gestalten über den Bildschirm - vom dürren Batman-Imitat über eine Catwoman im knappen Tanktop bis hin zum übergewichtigen Joker-Punk.

Packshot zu Gotham City Impostors – Helden wie du und ichGotham City Impostors – Helden wie du und ichErschienen für PC, PS3 und Xbox 360

Einige Protagonisten tragen Masken aus Karton, dick aufgetragene, irre Schminkkreationen. Andere stellen abgewetzte Lederjacken, zerschlissene Shirts, schottische Kilts, abgeschnittene Jeans, Rollschuhe oder angepappte Fledermausflügel zur Schau. Die Palette der Kombinationen scheint endlos, wobei momentan drei Körpertypen existieren, die Attribute wie Schnelligkeit oder Widerstandsfähigkeit beeinflussen. Ich bin wirklich gespannt auf den Charakter-Editor.

Wenn der Team-Shooter auch nur halbwegs hält, was der erste Eindruck verspricht, ist das Ding sofort gekauft.Ausblick lesen

Ähnlich vielfältig soll es im Bereich der Waffen zugehen, wo außer normalen Bleispritzen auch diverse hanebüchene Gadgets und Ausrüstungsgegenstände zum Arsenal gehören. Neben Sturmgewehren und Jagdbögen, Enterhakenpistolen und Wurfsternen, "simplen" Knallern oder Bumerangs greift ihr beispielsweise auf Sprungfedern zurück, die euch weiter hüpfen lassen. Von linearer Kriegsführung kann in Gotham City Impostors nun wahrlich keine Rede sein (und wie es um die Balance bestellt ist, fragen wir lieber noch nicht). Eine Karte ("Crime Alley", hier verloren Batmans Eltern ihr Leben), die bisher vorgestellt wurde, wirkt sehr verwinkelt und arbeitet teils extrem mit Vertikalität.

Feinde tauchen nicht nur im Rücken oder hinter Fahrzeugen auf, lauern in Hausfluren oder in dunklen Schatten, sie springen von Dächern oder beharken uns gleich aus luftiger Höhe. Doch das ist kein Problem, denn jeder kann eigentlich jeden Punkt erreichen, ob man nun eingebaute Sprung- oder Seilmechaniken verwendet oder die wild im Level verteilten Trampolins ansteuert. Monolith spricht zudem von einem "Progression"-System, das selbstverständlich auf Erfahrungspunkten beruht, die ihr beim Ausschalten von Widersachern und bewältigen verschiedenster Herausforderungen erhaltet und mit denen ihr etliche Upgrades freischaltet.

Gotham City Impostors – Helden wie du und ich - Der Schwabbelbauch hinter der Maske

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Die Levelgestaltung ist bislang richtig gut. Könnte ein klasse Spiel werden.
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Genauso überdreht wie die Superhelden-Persiflagen sind wohl auch die Spielmodi - zumindest der von uns gezockte "Fumigation"-Modus. Prinzipiell handelt es sich um eine Domination-Imitation, bei der sich die beiden Fraktionen um drei Gasbehälter streiten. Wenn es nicht gelingt, diese Positionen einzunehmen und zu halten, nebelt uns die Gegenseite langsam ein und wir verlieren das Match. Also tobt das Geschehen zerrissen zwischen den drei Ankerpunkten, verzweifelt verschanzt man sich gegen drei Feinde hinter einem dicken Lieferwagen und wird doch von einem heranschwebenden Konkurrenten überrascht. Shit happens!

Nach dem fixen Respawn erobern wir einfach einen anderen Gasbehälter zurück und stellen das Gleichgewicht wieder her. Und die technische Seite des Shooters? Bisher hinterlässt er einen einwandfreien Eindruck, was Zielaufschaltung, Rückstoß oder Nachladegeschwindigkeit angeht. All das bewegt sich derzeit absolut im Rahmen dessen, was man als Actionfan erwarten darf.