Das Jahrzehnte alte Duell der Todfeinde Batman und Joker hat eine lange Comic-Tradition und ist spätestens über Filme wie „The Dark Knight“ auch in das Bewusstsein der Mainstream-Öffentlichkeit gedrungen. Genauso bewährt ist jedoch auch die Tatsache, dass zumindest die „Fledermaus“ auf den Einsatz von Bleispritzen verzichtet. Im Download-Ballerspiel „Gotham City Impostors“ ändert sich dessen Einstellung bei der Verbrechensbekämpfung aber grundsätzlich.

Gotham City Impostors – Helden wie du und ich - Free DLC Trailer6 weitere Videos

Das ist natürlich ein bisschen geflunkert, denn Batman tritt diesmal nicht persönlich an, um die schräg bepinselten Fieslinge auszuschalten. Wie der Titel schon vermuten lässt, treten hier Hochstapler gegeneinander an: die Bats und die Jokerz, hanebüchener Abklatsch der Originale, die sich vielleicht gerade auf Dienstreise befinden. Stattdessen liefern sich diese bis an die Zähne bewaffneten verrückten Schwindler einen Stellvertreterkrieg in Gotham.

Jede Menge Blei und Humor

Entwickler Monolith (u. a. F.E.A.R., No One Lives Forever) tut gut daran, diesem Szenario die ernsthafte Grundlage zu entziehen und stattdessen einen Klamauk-Shooter mit urigen Charakteren und abgefahrenen Gadgets auf die Beine zu stellen. Die Spielfiguren rennen etwa mit allerlei selbst gebastelten Kostümen herum: ausgewaschenen kurzen T-Shirts, angeflanschten oder notdürftig angebrachten Batman-Zeichen, Masken aus Pappkarton, Ellenbogenschützern, unförmigen und untrainierten Körperformen, Mini-Capes, stinknormalen Jeans und Shorts oder Turnschuhen in knalligen Farbkombinationen (lila-gelb) – ein herrlich verrücktes Bild.

Gotham City Impostors – Helden wie du und ich - Maskenball mit Schwabbelbauch

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 53/561/56
Die Gestaltung der Charaktere ist wunderbar albern.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Dazu führen sie allerlei merkwürdige Waffen und Gadgets mit sich herum. Ein Enterhaken inklusive Seilzug befördert mich beispielsweise schnell über weite Distanzen und überwindet rasch Höhenunterschiede, Rollschuhe dienen der flotteren Fortbewegung und lassen sich mit Sprungschanzen kombinieren. Alternativ schnappen wir uns Sprungfedern, gleiten auf Luftströmen durch die Luft oder katapultieren uns per Trampolin auf eine andere Ebene der Map.

Dieser Spaßfaktor ist es auch, der „Gotham City Impostors“ aus der Masse der Einheitsbrei-Shooter hervorlugen lässt. Leider treiben die Macher den Gedanken jedoch nicht konsequent genug in die Tiefe - auch von einem Fünfzehn-Euro-Downloadspiel darf man zum Beispiel hinsichtlich der Vielseitigkeit der Spielfiguren mehr erwarten. So gibt es zwar eine Reihe unterschiedlicher Körperformen und Perks-ähnliche Freischaltmöglichkeiten. Doch ihr Einfluss auf die Gefechte ist nur gering.

Packshot zu Gotham City Impostors – Helden wie du und ichGotham City Impostors – Helden wie du und ichErschienen für PC, PS3 und Xbox 360

Vom Abwechslungsreichem eines „Team Fortress 2“ ist man weit entfernt. Sich tatsächlich voneinander unterscheidende Klassen suche ich genauso vergebens wie ein Waffenarsenal, das sich grundlegend vom Standard abgrenzt. Dabei lassen sich im Zuge des Auflevelns nicht nur massig neue Gadgets und nützliche Helferlein freischalten und etliche Kombinationen ausprobieren. Umso trauriger, dass vieles nur an der Oberfläche kratzt.

Gotham City Impostors – Helden wie du und ich - Maskenball mit Schwabbelbauch

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 53/561/56
Im Herausforderungsmodus sammelt man gleichermaßen Medaillen wie Erfahrungspunkte.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Apropos Upgrades: Auch „Gotham City Impostors“ besitzt einen Item-Shop für Mikropayment-Einkäufe. Die gute Nachricht: Die meisten Gadgets schaltet ihr mit entsprechender Spielzeit auch frei, ohne auch nur einen Cent abzudrücken. Die schlechte: Leider gibt es gegen Cash auch EXP-Boosts, die unfair schnelles Leveln erlauben. Dementsprechend unausgeglichen liefen auch die ersten Matches ab.

Während ein Teil der Spieler mit Level 1 bis 5 herumlief, trieben auch schon diverse höherstufige Charaktere mit entsprechend besserer Ausrüstung ihr Unwesen auf den Karten. Gut, ähnliche Probleme gibt es auch in Ballerspielen wie Modern Warfare. Das Balancing leidet hier aber meiner Meinung nach von Beginn an stärker. Durchbeißen muss man sich aber auf beiden Schlachtfeldern.

Nicht ganz der erhoffte Spaßbringer. Wenn aber die Matchmaking-Probleme beseitigt sind, könnte das eine richtig runde Sache werden.Fazit lesen

Up, up and away!

Was „Gotham City Impostors“ besonders gut beherrscht, ist der Umgang mit der Vertikalität. Die vortrefflich gestalteten Maps und die verschiedenen Tools sind perfekt für das Spiel mit unterschiedlichen Höhen ausgelegt. Nie weiß man, aus welcher Richtung der nächste Gegner auftaucht, welches Spezialwerkzeug und welche Wumme er einsetzt. Auch der Umgang mit den Schießeisen, das Zielen und die Pad-Belegung der Konsolenversion, all das ist sehr gut gelungen.

Gotham City Impostors – Helden wie du und ich - Maskenball mit Schwabbelbauch

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 53/561/56
Einfach schön abgefahren.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

In diesen Bereichen hat das Ballerspiel also durchaus seine Stärken, zumal sich die stimmige Spielgestaltung mit viel Sinn für Humor und die Batman'sche Comicwelt wie ein roter Faden durch das gesamte Produkt zieht: Infofenster, Videos, Grafiken, Texte, Upgrades - immer ist ein gewisses Zwinkern fühlbar, das zeigt, dass man sich selbst nicht ganz so wichtig nimmt.

Allerdings hätte man den Spieler eventuell ein wenig ernster nehmen können, denn „Impostors“ kommt mit gerade einmal fünf Maps und drei nicht wirklich frischen Spielmodi sowie einigen Herausforderungen eher etwas schwach auf der Brust daher. Neue Inhalte kommen demnächst als kostenpflichtiger DLC in den Umlauf (wobei der erste kostenlos sein soll).

Das größte Problem ist momentan das sehr wackelige Matchmaking. Während die Konsolenversion wenigstens halbwegs regelmäßige Spielsitzungen ermöglichte, ging auf dem PC fast gar nichts. Entweder flog ich sofort aus laufenden Partien oder die Spielsuche rödelte Ewigkeiten ohne Resultat vor sich hin. Möglich, dass die Kombination von Games for Windows und Steam ein wenig zu viel des Guten ist. In dieser Form ist das Ding auf dem PC aber kaum spielbar.