Es ist nicht ganz zwei Monate her, da hat Google noch sein neues Wunderkind „Wave“ groß angekündigt. Die E-Mail sollte revolutioniert werden. Echtzeitkommunikation und Teamwork sollte es geben. Jetzt ist Wave offiziell am Ende.

Wie Urs Hölzle, Senior Vice President of Operations bei Google, sagt, hat der Dienst nicht die Userakzeptanz erreicht, die sich Google vorgestellt hatte. Eine Weiterentwicklung des Dienstes wird es daher nicht geben, die Site bleibt aber noch bis Ende des Jahres online.

Offensichtlich war Google mit einer Kombination aus Echtzeitkommunikation und Kollaboration seiner Zeit so weit voraus, dass die User nicht wirklich viel damit anfangen konnten. Nun, möglicherweise scheiterte es auch an der noch recht komplizierten Bedienung und den, für casual Nutzer, viel zu umfangreichen Funktionsreichtum.

Scheinbar ist es nicht leicht, eine wirklich akzeptable Alternative für E-Mail und Chat zu finden. Die Frage ist auch, ob es wirklich ein Tool ist, dass gebraucht wird. Manchmal ist es schon recht praktisch, E-Mail und Chat getrennt voneinander zu haben – und nicht den Empfängern die Möglichkeit zu geben, die eigene Nachricht in Echtzeit zu verändern. Dennoch: Das System wurde nicht ganz missachtet. Selbst SAP hat im Herbst 2009 ein eigenes Projekt auf Basis von Wave mit dem Namen „Gravity“ vorgestellt, das zur Modellierung von Businessmodellen diente.

Dass das System, so wie es vorgestellt wurde, nicht weiterentwickelt wird, ist auch nicht unbedingt schlecht. Die einzelnen Funktionen und Codes lassen sich problemlos dazu verwenden, sie in andere Systeme zu integrieren und um Echtzeitkommunikation zu erweitern. Schlussendlich ist das aber auch eine Strategie, die man von Google bereits kennt. Mit einer Betaphase wird getestet, was bei den Nutzern ankommt und was nicht – und wenn es nicht ankommt, wird es gleich eingestampft.