James Bond: Golden Eye - Rogue Agent (PS2-Test)
(von Patrick Streppel)

Es heißt, Bösewichter hätten mehr Spaß als die guten Jungs, doch im Falle von James Bond ist das nur schwer zu toppen: Schelle Autos, schöne Frauen, Technik-Spielzeug und ein zuletzt richtig gutes 007-Spiel von EA.

Jetzt hat der Publisher die Seiten gewechselt und für den neuesten Bond-Shooter einen Ex-Agenten in der Hauptrolle besetzt. Doch trotz der Namensverwandtschaft mit Rares N64-Original ist Golden Eye: Rogue Agent eine herbe Enttäuschung.

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Trotz der Flut an Bond-Spielen, die sich über die Jahre angesammelt haben, ist den meisten Zockern vor allem ein Titel in Erinnerung geblieben: Der (indizierte) Ego-Shooter Golden Eye von Entwickler Rare sorgte einst auf dem N64 für Fuore.

Goldeneye: Rogue Agent - Als Bond-Bösewicht die Welt unterwerfen - wechselt mit EA die Seiten

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Nicht nur, dass die Filmumsetzung einer der ersten (und bis heute wenigen) Shooter für das Familien-freundliche System war, die Qualität von Spielmechanik, Leveldesign und Mehrspielermodus erreicht bis dato kein anderes Bond-Spiel. Umso faszinierender war es, als Electronic Arts im Frühjahr 2004 ausgerechnet einen Nachfolger zu Golden Eye ankündigte.Vom Satellit zum Auge
Doch anders als der Titel vermuten lässt, hat Rogue Agent weder etwas mit dem N64-Titel, noch mit dessen Vorlage, dem Kinofilm Golden Eye - dem ersten Einsatz von Pierce Brosnan - zu tun.

Ging es darin um einen Super-Satelliten namens Golden Eye, der mittels elektromagnetischer Explosionen die Elektronik ganzer Städte lahm legen konnte, ist der Titel im neuen Spiel wörtlich zu nehmen: Der Hauptcharakter hat ein goldenes Auge, das allerlei Spezialfähigkeiten wie Röntgenblick, Hacker-Tool, Psi-Schockwelle oder Schutzschild (!) besitzt - nach und nach kommen neue Updates hinzu.

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Apropos Hauptcharakter: Erstmals schlüpfen Spieler nicht in die Haut von James Bond, sondern stehen als Ex-Agent des MI6 auf der Gegenseite. Nachdem wir in einer Simulation versehentlich 007 um die Ecke bringen, werden wir wegen "zu hoher Gewaltanwendung" aus dem Dienst ihrer Majestät entlassen. Zwar ist es nicht ganz nachzuvollziehen,

wie unser Rogue Agent so einfach seinen Schreibtisch aufräumen und aus der Tür spazieren kann, aber diese Ausgangssituation birgt viel Potential - auch wenn EAs Entscheidung gegen Bond wohl eher eine logistische gewesen ist: Darsteller Pierce Brosnan wurde jüngst aus seinem Vertrag entlassen, ein Nachfolgersteht noch nicht sicher fest.

Goldfinger vs. Dr. No
Auch ohne die Lizenz zum Töten wird der namenlose Ex-Agent nicht arbeitslos: Seine Dienste sucht Auric Goldfinger, jener Bösewicht, der im gleichnamigen Film die Goldreserven in Fort Knox nuklear verseuchen wollte um den Wert seiner eigenen Barren zu erhöhen. Goldfinger und seine Firma Auric Enterprises sind im Clinch mit Dr. No, dem ersten Bond-Gegenspieler von 1962. Der Doktor hat es auf das Omen Gerät abgesehen, Goldfingers neu entwickelte Superwaffe. Golden Eye ist für den Schutz des Omen und No's Eliminierung zuständig - so kann er Rache an dem üben, der beim MI6 sein natürliches Auge zerstörte.

Für Fans dürfte dieser Elite-Club der Bond-Bösewichter vor allem deshalb seinen Reiz haben, weil im Verlauf der Handlung neben Dr. No und Auric Goldfinger noch weitere Film-Charaktere zu einem Gastauftritt kommen: Auf Seiten des Spielers wären da der Hut-werfende Asiate Oddjob, die blonde Pilotin Pussy Galore und Christopher Lees

Technik-vernarrter Killer Francisco Scaramanga, der das goldene Auge entworfen hat. Schade: Sowohl M als auch James Bond tauchen zwar kurz am Anfang auf, haben aber in der Handlung keine weitere Bedeutung. Bekannte Gegenspielerin ist lediglich die Russin Xenia Onatopp, gespielt von Famke Janssen - sie ist zugleich auch die einzige Verknüpfung zum Golden Eye-Film.

Ein Schritt zurück
Es hätte so schön sein können: Nach den ersten, grausigen Ausflügen ins Bond Universum mit Tomorrow Never Dies und The World is not Enough stieg die Qualität der von EA verzapften Umsetzungen kontinuierlich an. Agent under Fire war bereits ein solider Ego-Shooter, Nightfire machte richtig Spaß und mit Everything or Nothing hatte das Bond-Franchise zweifelsfrei seinen Höhepunkt: Eine hübsche Grafik, abwechselungsreiche Spielmechanik sowie eine spannende Geschichte mit tollen Zwischensequenzen und Star-Power von Pierce Brosnan, Judie "M" Dench und John "Q" Cleese bis hin zu Model Heid Klum, Sängerin Mya oder Hollywood-Bösewicht Willem Dafoe.

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Goldeneye: Rogue Agent ist in vielerlei Hinsicht ein Rückschritt: Das Spiel ist wieder ein klassischer Ego-Shooter ohne spielerischen Tiefgang, verzichtet weitestgehend auf bekannte Stars und hat eine derart dünne Storyline, dass von Spannung nicht die Rede sein kann - trotz des interessanten Szenarios ist Rogue Agent so atmosphärearm wie lange kein Lizenz-Spiel mehr.

Die Geschichte ist simpel und wird in den knappen, qualitativ bescheidenen Zwischensequenzen auch nicht gerade ausgebaut. Hinzu kommen eine miserable, deutsche Sprachausgabe sowie Krater-große Logikfehler, bei denen sich Original-Autor Ian Flemming eigentlich im Grabe umdrehen müsste.Serious Bond
Am traurigsten ist jedoch, dass von dem legendären N64-Original nicht mehr als der Name übrig ist - an die spielerischen Qualitäten kommt EAs jüngstes Bond-Spiel jedenfalls nicht heran. Statt eines anspruchsvollen Shooters hat EA Los Angeles eine Action-Orgie geschaffen, die mehr an Serious Sam als an vorherige Agenten-Titel erinnert.

Wir ballern uns hirnlos durch eintönige Level - auf taktische Finesse, kleine Rätsel, aufregende Scripts oder herausfordernde Gegner hoffen wir vergebens. Als Bösewicht dürfen wir zwar böse sein und Gegner als Schutzschilde vor uns hertreiben, im Spielfluss ist das aber viel zu umständlich.

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Einzig die gelegentlichen Fallen treiben ein Grinsen auf die Lippen; frei nach dem Motto "Alles muss raus" steht der Lauf der Waffe aber selten still.

Die Spezialfähigkeiten des Auges klingen zwar interessant, machen aber in der Praxis nicht halb soviel Spaß: Statt in Deckung zu gehen und den Röntgenblick zu nutzen, rennen wir aus allen Rohren feuernd auf die zahlreichen, strunzdoofen Gegner zu - einzig sinnvolles Update ist der Schutzschild, die anderen Funktionen werden nur an wenigen Stellen benötigt. Wie in Halo 2 dürfen wir zwei Waffen halten und die Lebensenergie füllt sich bei Nicht-Beschuss nach wenigen Sekunden wieder auf - aber auch

diese beiden Features wirken im Vergleich mehr schlecht als recht umgesetzt. Auf Abwechselung durch Schleicheinlagen oder das Steuern von Fahrzeugen wurde im Gegensatz zu den Vorgängerspielen verzichtet, so dass Rogue Agent schnell langweilig wird. Beim Test waren regelmäßige Pausen Pflicht.

Technisch durchwachsen
Auch in Punkto Grafik kann Rogue Agent nicht voll überzeugen: Das Leveldesign ist weitestgehend uninspiriert und leidet an kargen Texturen sowie grober Geometrie - die Original-Schauplätze wie Fort Knox, Goldfingers Kasino oder die Unterwasserbasis kommen so kaum zur Geltung. Auch wenn sich die Level selbst stark unterscheiden,wiederholen sich viele Räume - Passagen wie auf den Dächern Tokyos wirken somit langatmig und gekünzelt. Auf Echtzeit-Licht, aufregende Effekte oder interaktive Umgebungen wird ebenfalls verzichtet - mit Titeln wie Halo 2 kann Rogue Agent nicht mithalten. Schon besser ist da die Soundkulisse mit einem rockigen Soundtrack, doch auch hier macht die miserable Synchronisation einiges kaputt.

Freunde von Mehrspielergefechten werden sich über Splitscreen- und Online-Modi freuen - letzteres für bis zu acht Spieler auf PS2 oder XBox. Die üblichen Deathmatch- und Team-Deathmatch-Modi sind jedoch nicht mehr als guter Durchschnitt, zumal einige der 20 Karten zunächst im Einzelspielermodus frei geschaltet werden müssen.

Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pros:

+ interessantes Szenario + gelungener Soundtrack + Nostalgie-Bonus dank alter Filmcharaktere + einige gute Ideen (Auge, Fallen, menschliche Schilde) ...

Cons:

- ... die in der Praxis leider nicht zur Geltung kommen - abwechselungsarmes, anspruchsloses Gameplay - eintönige, grobe und stellenweise langatmige Level - mittelmäßige Grafik - miserable Synchronisationwiederholen sich viele Räume - Passagen wie auf den Dächern Tokyos wirken somit langatmig und gekünzelt. Auf Echtzeit-Licht, aufregende Effekte oder interaktive Umgebungen wird ebenfalls verzichtet - mit Titeln wie Halo 2 kann Rogue Agent nicht mithalten. Schon besser ist da die Soundkulisse mit einem rockigen Soundtrack, doch auch hier macht die miserable Synchronisation einiges kaputt.

Freunde von Mehrspielergefechten werden sich über Splitscreen- und Online-Modi freuen - letzteres für bis zu acht Spieler auf PS2 oder XBox. Die üblichen Deathmatch- und Team-Deathmatch-Modi sind jedoch nicht mehr als guter Durchschnitt, zumal einige der 20 Karten zunächst im Einzelspielermodus frei geschaltet werden müssen.

Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pros:

+ interessantes Szenario + gelungener Soundtrack + Nostalgie-Bonus dank alter Filmcharaktere + einige gute Ideen (Auge, Fallen, menschliche Schilde) ...

Cons:

- ... die in der Praxis leider nicht zur Geltung kommen - abwechselungsarmes, anspruchsloses Gameplay - eintönige, grobe und stellenweise langatmige Level - mittelmäßige Grafik - miserable Synchronisation