Man lebt nur zweimal? Nicht unter Videospielen! Da wünschen sich Nintendo-64-Veteranen seit Jahr und Tag ein Remake des First-Person-Urgesteins „James Bond: Golden Eye“ - und was bekommen sie? Kein Remake, höchstens einen Reboot. Der Ersteindruck täuscht genauso wie die Werbekampagne.
Für unbefangene Neulinge ist Golden Eye für Wii interessanter als für Kenner des Originals. Retrozocker, die sich mit ein paar Déjà-vu-Erlebnissen zufriedengeben, können trotzdem den Kauf erwägen.FazitWas dem Mausschubser sein Half-Life, ist des Konsoleros Golden Eye. Ein Urgestein der First-Person-Shooter, das im Blick durch die von Nerd-Transpiration beschlagene Retrobrille noch immer unschlagbar genial erscheint. Gepriesen wird der Klassiker, als hätte es vierzehn Jahre Genre-Entwicklung nicht gegeben, ja, als sei der klobige, schnell ausleiernde Hörnchen-Joypad Nintendos letzter Modulkonsole noch immer das Nonplusultra der Daddelkontrolle.
Statt Pierce Brosnan macht Daniel Craig den Superagenten. Und auch anderweitig erkennt man GoldenEye nur bedingt wieder.Einmal den Rausch der Nostalgie auskuriert, erbricht man sie jedoch im Retro-Kater auf den Boden der Tatsachen: all die kleinen Schwächen und Macken, all die altmodischen Regeln und ausgedienten Spielmechaniken. Es genügt gar ein Blick auf so manches Spielziel in höheren Schwierigkeitsgraden, um gegen Rares N64-Einstieg die schlimmsten aller Schimpfworte auszupacken, die man einem First-Person-Shooter abseits von Unreal heute an den Kopf knallen kann: strategisch wirr, spielhallentypisch schnell, ungenau, träge.
Man kann sie schon antraben hören. Achtung, N64-Fanboy-Attacke in fünf... vier... drei... zwei... stopp! Nicht so schnell! Selbstverständlich war Golden Eye für seine Zeit ein Meilenstein. Nicht nur im Reich der Konsolen, sondern für das gesamte Genre. Addiert man in die Rechnung, dass Golden Eye noch einer des besten Bond-Filme mit Pierce Brosnan war und die Versoftung das Flair des Films wunderbar einfing, lässt sich durchaus verstehen, warum sich so viele (Ex-)Nintendo-Jünger ein Remake wünschen.
Die harsche Kritik muss trotzdem sein, denn wie sonst sollte man vermitteln, dass Activision und Entwickler Eurocom genau an der falschen Seite angesetzt haben, um Golden Eye auf der Wii neues Leben einzuhauchen? Das Vorhaben selbst ist löblich und bestimmt auch finanziell vertretbar. Wer weiß, wie viele Kunden alleine des kultgeschwängerten Namens wegen ins Ladenregal greifen.
Eine Modernisierung und Umgestaltung kommt zudem nicht nur Kennern zugute, die alle ursprünglichen Spielabschnitte bereits aus dem Effeff kennen, sondern im auch deutschen Hobby-Agenten, denen die USK gegenüber gnädig gestimmt ist. Statt der Verbannung auf den Index funkelt ein blaues Ab-16 auf dem Cover. Prima, nur ist die Zielgruppe trotzdem geschrumpft.
Liegt es an Daniel Craig, der nun das Konterfei jenes oft durchgeschüttelten, aber selten gerührten Agenten abgibt? Nein! Liegt es an der Gimmick-Uhr, die von einem Smartphone ersetzt wurde? Quatsch! An irgendwelchen anderen James-Bond-Details, die fehlen? Auch nicht! Mangelnde Nähe zum Film? Ach, iwo, die Neuauflage hält sich in vielen Fällen sogar noch strenger an das Celluloid-Original. Doch genau das ist der Knackpunkt. James Bond 007: Golden Eye für Wii ist eher eine konsolengerechte Neuauflage des Films als ein Remake des berühmten N64-Moduls.
Für Wii-Verhältnisse zaubert Eurocom ein grafisches Feuerwerk auf die Mattscheibe. Nicht nur Regen, sondern auch heftige Explosionen kitzeln den Grafikchip.Deswegen muss der Spaß nicht zwangsläufig zu kurz kommen, doch man staunt nicht schlecht, wenn das Spiel nach einem Schwall an Einleitungsfilmchen und Tutorials genau dort anfängt, wo man anno 1996 auch startete, nur um sofort zu beweisen, dass es eben nicht um das gleiche Spiel geht. Turm, Tunneleingang zum Damm, russische Soldaten vor der Chemiefabrik... alles vorhanden. Selbst technisch erinnert die Darstellung stark an Rares Shooter-Epos.
Keine fünf Meter vom Felsen gestolpert verpufft die Magie jedoch radikal. James hat, der cineastischen Vorlage gerecht, Co-Spion 006 im Schlepptau, die ersten beiden Russkies werden per Würgegriff umgenietet, der Turm im Schleichangriff eingenommen und der Tunnel mit einem Truck durchquert. Gleiches Setting, komplett anderer Spielablauf.
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Zum Glück steht mein N64 keine 2m entfernt,
da kann ich immer noch GoldenEye, No Mercy etc. bis zum Sankt Niemmerleinstag süchteln.
Einfach episch.....herrlich :D
haha gleich mal testen ob sich unsere Sekretärin auch so schnell dran gewöhnt :p *Tarnanzug anzieh und unter den Schreibtischen verschwindet*
"Näher am Film als der N64-Vorgänger"
Mit einem Craig halt nicht sooo nahe :P
Hehe, ein guter Punkt, bist ein pfiffiger Leser ;) Gemeint ist eher das Szenario, aber ich denke mal, das weißt Du ;)
die KI ist dumm wie Stroh.
"Näher am Film als der N64-Vorgänger"
Mit einem Craig halt nicht sooo nahe :P
Das hat damit wirklich überhaupt nichts zu tun. Ich hätte dem Spiel gerne eine höhere Wertung gegeben, aber es geht einfach nicht. Das hat nix mit böser Absicht zu tun.