Wenn ich mit Neuauflagen von alten Arcade-Spielen konfrontiert werde, komme ich nicht umhin, automatisch an die gute alte Spiele-Vergangenheit und Spielhallenautomaten zu denken. Was waren das noch für Zeiten, als man seine paar Mark Taschengeld in enge Schlitze warf, um einige Minuten Spielspaß als Gegenleistung zu erhalten. Und heute rückblickend das Gefühl nicht los wird, den sagenhaften Aufstieg der Videospielindustrie auf diese Weise maßgeblich mitfinanziert zu haben.

Ein solches Spiel ist nämlich auch Golden Axe: Beast Rider, das 1989 erstmals von Sega veröffentlicht wurde und es trotz (oder wegen?) recht simpler Hack n Slay-Struktur zu großer Popularität brachte. Ob diese Neuauflage dem großen Vorbild gerecht werden kann, haben wir anhand der PS3-Version herausgefunden.

Golden Axe Beast Rider - Launch Trailer4 weitere Videos

Zwei wesentliche Veränderungen

Im Gegensatz zu vielen anderen erfolgreichen Arcade-Games der Vergangenheit gab es von Golden Axe keine Armada von Fortsetzungen und Umsetzungen für Spielekonsolen - lediglich ein halbes Dutzend Trittbrettfahrer versuchten in den zurückliegenden zwei Dekaden an den Erfolg des Originals anzuknüpfen. Dafür gibt es nun eine Umsetzung für die so genannten Next-Gen-Konsolen, die dem Metzelspiel neues Leben einhauchen sollen.

Golden Axe Beast Rider - Ein Arcade-Klassiker auf NextGen-Abwegen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 12/151/15
Wer jetzt im richtigen Moment die richtige Taste drückt, führt eine effektive Konterattacke aus.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Zwei Dinge fallen alten Golden Axe-Heroen sofort auf: Erstens hat man aus dem 2D-Sidescroller ein 3D-Spiel gemacht, bei dem euch die streng lineare Levelstruktur nicht nur horizontale Wege entlangschleust, sondern auch in alle anderen Himmelsrichtungen marschieren lässt. Dies ist sicher dem modernen Zeitgeist geschuldet und grundsätzlich nichts negatives. Bitter stößt jedoch die zweite Tatsache auf: Man kann Golden Axe: Beast Rider nur als Einzelspieler zocken - auf das früher zentrale Koop-Feature hat man leider komplett verzichtet.

Möglicherweise liegt dieser Aspekt in der Game-Engine begründet. Wirkt die Fantasy-Umgebung zwar zumindest teilweise halbwegs ansehnlich und einige Effekte der PS3 angemessen, dominieren grundsätzlich jedoch überwiegend triste Landschaften in grau-braunem Look mit äußerst geringer Texturschärfe. Lediglich die Spielfigur, Gegner und Reittiere machen einen detaillierter gezeichneten Eindruck. Trotz dieser eher mauen Optik ruckelt es aber regelmäßig - die FPS-Einbrüche sind teilweise sehr drastisch. Hat man gar deshalb auf eine zweite Spielfigur verzichtet, weil die Engine bereits mit einem Charakter überlastet ist? Warum auch immer, schade ist es allemal.

Packshot zu Golden Axe Beast RiderGolden Axe Beast RiderErschienen für PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Schnörkelloses Metzelspiel

Davon abgesehen handelt es sich bei Beast Rider nach wie vor um ein schnörkelloses Hack n Slash-Abenteuer, dessen Gameplay sich wohl vor allem mit Oldschool beschreiben lässt. Ihr wandert wie an der Perlenkette gezogen von einem Levelabschnitt in den nächsten, prügelt dort jeweils alle Gegner windelweich und verdient euch damit das Vorankommen. Immer wieder wird das teilweise ziemlich blutige Geschehen, bei dem Gliedmaßen durch die Gegend fliegen und reichlich Blut spritzt, zudem von kleineren Rätseleinlagen unterbrochen.

Golden Axe Beast Rider - Ein Arcade-Klassiker auf NextGen-Abwegen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden3 Bilder
Gefährliches Reittier, das jedoch über zweifelhafte Nehmerqualitäten verfügt.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

In der Regel öffnet ihr mit diesen Mini-Puzzles Tore oder Teleporter, die euch den Zugang zum nächsten Bereich versperren. Der Spielablauf ist dabei denkbar simpel strukturiert: Mit einem Schwert ausgestattet bewegt ihr die hübsch anzusehende, aber teilweise hüftsteif animierten Heldin namens Tyris Flare (der legendäre Kampfzwerg Gilius Thunderhead kommt leider nur als nicht spielbare Nebenfigur vor), durch die wüste Landschaft und häckselt mithilfe zweier Buttons auf die Widersacher ein.

Doch der Clou liegt nicht im möglichst schnellen Button-Mashing, sondern in den Ausweich-, Parade- und Konterattacken, mit denen man auf farbig markierte Angriffe reagiert. Diese erlauben euch deutlich effektivere Angriffe und fügen den Gegnern beträchtlich mehr Schaden zu. Mitunter sind diese "brutalen" Attacken so stark, dass ihr die Bösewichte durch geschicktes Timing mit einem Schlag aus den Latschen haut. Nur wer sich dieses Spielprinzip wirklich zu eigen macht, wird mit Beast Rider Spaß haben und dafür auch noch belohnt: Die am Ende jeder Mission folgende Endabrechnung fällt nur dann wirklich hoch aus, wenn man selten bis gar nicht getroffen wird und die Schergen möglichst gekonnt ausschaltet.

Auch Magie ist wieder im Spiel

Zusätzlich greift ihr auf Wunsch noch auf magische Angriffszauber zurück, mit denen ihr den Kontrahenten gehörig einheizt - vorausgesetzt ihr verfügt über genügend Mana-Vorrat. Dieses lädt man unterwegs mithilfe von blauen Tränken nach, grüne Tanklager stellen eure Lebensenergie wieder her. Gelegentlich dürft ihr als Reminiszenz an das Originalspiel sogar freche Gnome verkloppen, die euch mit einer Extraladung Energie und Mana versorgen. Eine weitere Gameplay-Option sind die titelgebenden Reittiere, von denen es insgesamt fünf unterschiedliche Versionen gibt.

Golden Axe Beast Rider - Ein Arcade-Klassiker auf NextGen-Abwegen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 12/151/15
Auch ein hübscher Rücken kann entzücken.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Jedes "Biest" verfügt dabei über eigene Attacken und Spezialfähigkeiten und eignet sich im Einsatz gegen eure Feinde zu bestimmten Vorgehensweisen. Gemein ist allen Tieren, dass sie sich etwas träge und hakelig steuern und über recht wenig Widerstandskraft verfügen. Zu allem übel verlieren sie auch gehörige Anteile dieser wenigen Lebenskraft durch den Einsatz ihrer speziellen Fähigkeiten. Da man einige Schalterrätsel jedoch nur mit ihrer Hilfe überwinden kann, ist man gelegentlich dazu gezwungen, nach ihrem Ableben einen halben Level zurückzulatschen und sich am Spawnpunkt ein neues Tierchen abzuholen.

Solide 3D-Umsetzung des legendären Vorbilds, doch der Verzicht auf einen Koop-Modus ist unverzeihlich!Fazit lesen

Abgesehen vom normalen Kampagnen-Modus, der euch ein Dutzend Missionen bietet, enthält Golden Axe: Beast Rider noch einen Herausforderungsmodus, in dem ihr versuchen könnt, eure Leistung/Wertung zu verbessern und auch einen Arenamodus, bei dem ihr euch den anstürmenden Gegner-Wellen stellt, solange euch nicht ein finaler Todesstoß ereilt. Allzu viel Spielmotivation bauen diese zusätzlichen Features jedoch nicht auf, da sie eher monoton die Inhalte des Hauptspiels wiederkäuen.