Eigentlich mag ich keine Süßigkeiten. Nicht als Zwischensnack, Appetithappen und schon gar nicht als Beilage zum Kaffee. Dann hält mir Felix einen giftgrünen Lutscher entgegen. Dem Argwohn in meinem Blick begegnet der junge Zombiefood-Gründer mit einem breiten Grinsen. „Magst du etwa keine Gehirne?“
Kleines Team, große Ziele: Zu vielversprechend, um nicht mehr fertiggestellt zu werden. AusblickMit einem Schulterzucken schlage ich die frühen Kindheitswarnungen meiner Mutter, bloß keine Süßigkeiten von „Fremden“ anzunehmen, in den Wind. Der in Form eines leckeren Gehirns gepresste Zuckerbatzen landet in meinem Mund, gefolgt von einem Schluck Kaffee. Nun gilt meine Aufmerksamkeit wieder dem spendablen Videospielentwickler aus Berlin.
Iron Dawn - Götterdämmerung auf Kickstarter unterstützen
Gemeinsam mit seinem Freund und Studio-Mitgründer Simon sowie einer fortgeschrittenen Version des ersten ehrgeizigen Großprojekts im Gepäck sitzen die sympathischen Jungs in der gamona-Redaktion. Den brennenden Enthusiasmus, die ehrliche Begeisterung entnimmt man jedem ihrer Worte.
Wo viele Einheiten zusammenkommen, bieten sich großflächige Attacken geradezu an.Von „Iron Dawn“ erzählen sie, ihrem Baby. Und wie es sich für stolze Väter gehört, werden sie nicht müde, den neugierigen Fragen von Chefredakteur Matze und mir mit stoischer Gelassenheit und selbstbewusster Stimme eine offene Antwort entgegenzustellen. Geradeheraus und frei von der Leber weg. So, wie es nur Leute vermögen, die aufrichtig von dem überzeugt sind, was sie sagen. Und dazu haben sie allen Grund.
Ein rundenbasiertes Taktik-MMO soll es sein, unterfüttert von allerlei Rollenspielelementen und einer dynamischen Geschichte, die sich aktiv nach den Errungenschaften der Spielergemeinde richtet. Das Universum, in dem die Schlachten ausgetragen werden, entspringt dem deutschen Tabletop-Spiel „Götterdämmerung“. Alles klar soweit?
Da nicht jeder potenzielle Kickstarter-Spender das Glück hat, sich das ambitionierte Konzept von den Entwicklern höchstselbst erklären zu lassen (obgleich die offizielle Kickstarter-Seite äußerst informativ und aufschlussreich ist), hier in aller Kürze: „Iron Dawn“ ist im Kern ein rundenbasiertes Strategiespiel, das nicht zufällig einige Parallelen zu Großvätern des Genres aufweist. Von einem „Incubation“, „XCOM“ und den Anfängen der „Fallout“-Welt schwärmen die früheren Informatikstudenten.
Der Verlierer ist immerhin gleich am passenden Ort.Ganz wie die alten Klassiker spielt sich auch die Steampunk-Hommage aus Berlin. Zug um Zug verschiebt ihr eure aus sieben Klassen wählbaren Einheiten, die vor Beginn der Auseinandersetzung mit möglichst großer Voraussicht auf festgelegten Positionen des Schlachtfeldes platziert werden. Anschließend gilt es, die Aktionspunkte und charakterspezifischen Fähigkeiten clever zu nutzen.
Soweit, so bekannt. Auch obligatorische Feinheiten, die im Jahr nach „XCOM: Enemy Unknown“ nicht mehr fehlen dürfen, sollen es ins fertige Spiel schaffen. Von interaktiven Karten, zerstörbaren Umgebungen und Einheiten, die mehr sind als gesichtsloses Kanonenfutter, haben unsere Besucher geschwärmt. Stets mit diesem Funkeln in den Augen.
„Wir realisieren Spiele, die wir selbst auch spielen würden, und sind erst dann zufrieden, wenn unsere Spieler es auch sind“, heißt es auf der offiziellen Zombiefood-Webseite. Ein vollmundiges Versprechen für einen Spieleentwickler, das normalerweise Auslöser für ein skeptisches Mit-der-Zunge-Schnalzen wäre. Nicht dieses Mal. Ich glaube den Jungs.

THeEerieCold07.02.2013 22:30
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