Riesige Kaiju greifen Tokyo an! Gebäude purzeln, Menschen kreischen, Kampfjets, Helikopter und Panzer entfesseln ein Sperrfeuer sondergleichen. Und mittendrin: Godzilla. King Ghidora. Mothra. Mechagodzilla. Riesige Ungetüme, die zwar verdächtig nach Schauspielern in Latexanzügen aussehen, aber unleugbar auch irgendwie cool sind. Ein darauf basierendes Spiel muss einfach knackengeil sein. Doch Bandai Namco beweisen, dass nicht alles, was sein müsste, auch wirklich ist.

Die aus thermonuklearer Strahlung erwachsene Riesenechse hat den Kultfaktor gepachtet. Jeder weiß, was sie tut, jeder weiß, dass alles eher billig und platt ist, sobald Godzilla draufsteht, und doch empfinden selbst Außenstehende oftmals ein gewisses Maß an Sympathie für den klobigen Iguana mit dem markanten Brüllen und dem schlechten Atem. So auch ich: Kein großer Kenner, aber als ich das Cover des neuen Godzilla-Spiels sah, wollte ich es unbedingt zocken. Wenn ich nur gewusst hätte, worauf ich mich einlasse.

Hat man das Tutorial im charmanten 50er-Schwarzweiß hinter sich gebracht, offenbart sich der Rest des Spiels in all seiner Ödnis. Der Hauptmodus nennt sich "King of Destruction" und erlaubt uns, in einer Reihe von Missionen durch Japan zu stapfen. Jede Karte beinhaltet normale Gebäude bzw. Infrastruktur, Feinde wie Panzer und Flugzeuge und dann noch zweierlei: eine bestimmte Anzahl Generatoren, die es als Ziel zu zerkloppen gilt, und unter Umständen einen anderen auftauchenden Kaiju.

Godzilla - Monstermäßig unlustig

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BAR-BA-RA, BAR-BA-RA!
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Die Idee hinter diesen Levels ist: Alles, was man zertrümmert, setzt sogenannte G-Energie frei, die Godzilla größer und stärker macht. Zerstören wir zahlreiche Objekte und Feinde in kurzer Zeit, ergibt das eine Kombo und die Menge der erbeuteten Energie erhöht sich, solange wir uns nicht zu viel Zeit mit der Zerstörung des jeweils nächsten Objektes lassen. Aber: Zerstören wir viel und stark, steigt im Laufe der Zeit der Schwierigkeitslevel und das Militär mobilisiert neuartige Truppen und Waffen.

Für die jeweils nächste Mission können wir dann zwischen einer leichten und einer schweren wählen, je nachdem, wofür wir uns entscheiden, treffen wir auf andere Kaiju, besuchen andere Karten und der Schwierigkeitsgrad steigt unter Umständen schneller. Der Grund dafür ist, dass mehr oder weniger rigorose Premierminister das Ruder über Japan übernehmen. Durch unsere Wahl verzweigt sich ein Pfad durch den Modus. Für den Sieg über andere Kaiju erhalten wir außerdem Materialien um sie freizuschalten und aufzuwerten, dazu gleich mehr.

Packshot zu GodzillaGodzillaErschienen für PS3 und PS4 kaufen: Jetzt kaufen:

Die ersten Erkenntnisse darüber, wie scheußlich genau das Godzilla-Spiel ist, lassen sich von der ersten Minute an gewinnen. Nicht ganz so wichtig, aber schlagartig augenfällig: Das Game ist geradezu verblüffend hässlich. Es sieht aus, als ob es definitiv und mindestens eine Konsolengeneration zu spät kommt. Die Städte sind kahl und klotzig, die Texturen trist und selbst die Kaiju, die noch mit am besten aussehen, sind diesmal nicht gewollt albern aussehend, sondern einfach technisch nicht so prall umgesetzt, mit gerade mal passablen Animationen und Modellen und wenigen Details. Und nein, die Generalausrede, dass die Filme ja auch hässlich sind, zieht nicht. Das Spiel ist hässlicher, und wer hier Methode behauptet, redet sich raus.

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Kommen wir zu der Frage, wie sich ein Kaiju so steuern sollte. Antwort: Nicht gut, klar. Sie sind große, behäbige Viecher, sie sehen schon aus, als wenn man sie vor Trägheit kaum aushält. Insofern also kriegt Godzilla hier einen kleinen Bonus an Verständnis. Aber nur, um zu verdeutlichen, wie gut die Macher es schaffen, trotz dieser Toleranz die Erwartungen zu unterwandern, folgende Frage an euch: Wann habt ihr das letzte Mal einen Charakter in einem Spiel mithilfe der Schultertasten drehen müssen? In der Playstation One Ära? Oder überhaupt schonmal? Ich gebe zu, ich weiß nichtmal, wie ich darauf reagieren soll. Wie bewertet man sowas? Fragezeichen von 10 Punkten?

Das allerdings frustrierendste Element an Godzilla sind nicht diese ganze Kleinigkeiten. Hat man die Grafik akzeptiert, sich an die Steuerung gewöhnt und somit ein geradezu zen-artiges Maß an Beherrschung gezeigt, bleibt das größte und hauptsächliche Problem. Es mag ja sein, dass man dann, trotz all dieser Hindernisse, Spaß hat. Und dann haut die Spielstruktur zu.

Schrammt haarscharf daran vorbei, vollkommener Schrott zu sein - und nicht weit genug, als dass man Geld dafür ausgeben sollte.Fazit lesen

Es gibt diesen "King of Destruction" Modus. Es gibt davon auch eine Variante, in der man mit den anderen Kaiju als Godzilla spielt, von denen es immerhin ordentlich viele gibt. Aber rein spielerisch war es das auch schon. Der Rest ist Bluff und Mogelpackung. Hinter dem Evolutionsmodus verbirgt sich kein Spielmodus, sondern einfach ein Menü für Upgrades. Die funktionieren so: Kloppt man im Hauptmodus Kaiju, kriegt man Materialien, mit denen man einmal besiegte Monster erst freischalten und dann aufwerten kann.

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Ob ihr es glaubt oder nicht, es macht keinen Spaß.
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Davon abgesehen, dass diese Upgrades nahezu immer langweiliger Passiv-Stuff sind, wie mehr Energie und dergleichen, ist dieses System ebenso unnötig wie nervend. Anstatt einfach die Kaiju durch Siege freizuschalten und die Upgrades durch gesammelte Erfahrungspunkte, muss man sich im Hauptspielmodus, der weder umfang- noch abwechslungsreich ist, zusammenfarmen. Es ist ermüdend genug, sich überhaupt durch den Modus zu prügeln, aber könnt ihr ahnen, wie ätzend er wird, wenn man jetzt auch noch zehn Mal Jet Jaguar farmen muss, um von ihm Upgrade-Material zu ergrinden?

Der andere Spielmodus, Diorama, wäre in einem guten und umfangreichen Spiel eine süße Dreingabe, in einem so spärlich bestückten Game aber wirkt er wie Hohn. Mit freigeschalteten Figurinen (erneut: über zusammengefarmte Materialien freigeschaltet) kann man, der Name deutet es an, mehr oder weniger epische Schaubilder zusammenbasteln und dann abfotografieren oder ähnliches. Angesichts der umständlichen Bedienung und der erwähnt stumpfen Grafik fragt man sich ein bisschen, warum man das tun sollte. Angesichts dieser Elemente ist man dann auch gar nicht mehr so traurig, dass es kein echter Leveleditor ist.

Dann gibt es noch einen Arcade-Modus. Sechs Kaiju am Stück kloppen. Standard. Der Rest ist Schweigen. Betretenes Schweigen, Schweigen darüber, wie man so eine krachige Nummer, die als offensichtlicher Jackpot erscheint, derartig in den japanischen Sand setzen kann. "Es ist ein Godzilla-Spiel, das schreibt sich doch von allein!" sollte man denken, aber man irrt. Auch und vielleicht gerade Godzilla braucht ein gutes Konzept und Mechaniken, die sitzen, und es ist schwer, so etwas hinzubekommen. Bandai Namco haben es leider nicht geschafft. Man wünscht ihnen Glück fürs nächste Mal.