Die PSP fristet ein trauriges Schattendasein. Nur sporadisch erscheinen Spiele für Sonys Handheld, viel seltener noch spannen uns kleine Software-Perlen unterwegs ein dickes Grinsen zwischen die Ohren. Als vor zwei Jahren God of War: Chains of Olympus die Metzelwelt im Miniformat durchpflügte, dachten alle: Besser geht’s auf der kleinen Spielmaschine nicht. Ghost of Sparta zeigt, dass wir uns alle geirrt haben...

God of War: Ghost of Sparta - König Midas TrailerEin weiteres Video

Mit dem exzellenten God of War 3 schloss Sony Santa Monica die gefeierte Actionreihe rund um den berserkenden Spartaner Kratos ab. Trotzdem waren noch nicht alle Geschichten erzählt, längst nicht alle offenen Handlungsstränge zu einem Ende geführt. Mit God of War: Ghost of Sparta soll dieser Lapsus nun zumindest teilweise ausgemerzt werden, knüpft das zweite PSP-Abenteuer des störrischen Spartaners doch direkt an die Geschehnisse von God of War an und bringt Licht in die dunkle Vergangenheit des Elitekriegers.

God of War: Ghost of Sparta - Geschnetzelfest mit Hackfleischfresse: Kratos macht Gyros aus deiner PSP

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Wunderbar, wie steil die Effektraketen auf der PSP in den Himmel schießen können.
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Ghost of Sparta schließt eine Menge Lücken in der God-of-War-Geschichte und schickt uns zurück in eine Zeit, die Kratos’ Aufstieg zum Kriegsgott besiegelt. Was etwa passierte mit seinem Bruder Deimos, fragten sich viele Fans, die das verborgene Ende der ersten Episode erlebt hatten. Ohne was Wichtiges zu verraten: Am Ende dieses abermaligen Parforceritts durch die griechische Sagen- und Mythenwelt werdet ihr schlauer sein. Nachdem ihr abwechslungsreiche Schauplätze wie Atlantis, Poseidons Tempel, den Tempel des Ares oder auch Sparta besucht und teilweise in Schutt und Asche legt, erscheint die Motivation des brutalen Metzelmeisters in einem anderen Licht.

Entwickler Ready at Dawn (setzte bereits Chains of Olympus in Szene) hat erneut das Kunststück fertiggebracht, die Serie von der großen Konsole ohne nennenswerte Abstriche auf die PSP zu verfrachten. Vom ersten Augenblick an verströmt Ghost of Sparta diese brutale, makabere Faszination, die God of War schon seit jeher auszeichnet. Natürlich müssen einige technische Zugeständnisse an die beschränkte Plattform hingenommen werden, etwa bei der Anzahl der gleichzeitig dargestellten Feinde (die ein halbes Dutzend nicht überschreitet). Verglichen mit der letzten PS3-Ausgabe sind Abstriche in Sachen Grafik zwar ebenso unvermeidbar. Was übrig bleibt, haut jedoch allen bisher veröffentlichten PSP-Spielen locker die Rübe ein.

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Jeder Gegner hat spezifische Schwächen, selbst dieser metallene Gigant.
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Ghost of Sparta steht in seiner alles überrollenden Präsenz mindestens auf einer Stufe mit den PS2-Versionen des Kriegsgottes, die grafische Brillanz von Zwischensequenzen, Animationen, Texturdetails hat sich aufs PSP-Referenztreppchen geschlichen. Während in einer Szene beispielsweise im Hintergrund ein Vulkanausbruch unglaublichen Ausmaßes abgefackelt wird, kämpft ihr im Vordergrund gegen fiese Gegner, beharkt sie mit den legendären Chaosklingen und feuert magische Zauber auf sie ab, ohne dass es dabei zu spürbaren Einbrüchen der Bildschirmrate kommt. Grandios!

Wuchtige Präsentation

Ready at Dawn ließ das spielerische Grundkonzept der Serie glücklicherweise unangetastet: Wir schlachten uns mit einer intuitiven, nicht überfrachteten Kombomechanik durch kleine und große Gegner, nutzen ihre Schwachstellen aus und reagieren auf die perfekt in Szene gesetzten Quicktime-Events (QTE). Besser geht Hack-n-Slay einfach nicht. Die Entwickler haben daher lediglich an wenigen Schräubchen gedreht und Neuerungen behutsam integriert, die durchaus für frischen Wind sorgen. Reaktionstests beispielsweise werden jetzt, wie in God of War 3, am Bildschirmrand eingeblendet, was für übersichtlichere Gefechte sorgt. Vom großen Vorbild hat man sich übrigens auch einige der extrem brutalen Finisher geliehen.

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Erdrückend, diese Monumentalität. Typisch God of War. Auch im Kleinformat.
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Bewährt und gern gesehen sind zudem die vielen kleinen Schalterrätsel, die dem actionhaltigen Spielablauf immer wieder Gegenwind verpassen und Zeit zum Durchschnaufen geben: Hier eine steinerne Säule verschieben, um einen Weg freizulegen, dort an einem metallenen Rad drehen, um... naja, einen neuen Gang zu offenbaren. Das ist nicht weltbewegend anspruchsvoll, aber schick umgesetzt. Um noch ein wenig mehr Abwechslung und Finesse in Kämpfe zu bringen, warten weitere Neuerungen auf euch.

Eine alternative Angriffsvariante setzt eure Klingen zum Beispiel in Flammen, worauf bestimmte Kontrahenten natürlich besonders empfindlich reagieren. Andererseits bietet euch der neue magische Zauber „Ewiges Nichts“ (erzeugt ein Schwarzes Loch im Miniformat) noch mehr taktische Optionen, da ihr euch gleichzeitig um verschiedene Ziele kümmern könnt. Wer diese zusätzlichen Möglichkeiten geschickt einsetzt, kann sich das (Über-)Leben in Ghost of Sparta erheblich erleichtern.

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Die Waffen Spartas

Nach etwa der Hälfte der zehn bis zwölf Stunden Spielzeit erhaltet ihr zudem mit dem Schild und Speer Spartas ein neues Waffenset, das weitere Puzzles und Kampfvariationen erschließt. Insbesondere die defensiven Stärken des Schildes bewähren sich in vielen Momenten, in denen ihr euch erst einen Überblick über die Lage machen wollt. Der Speer eignet sich wiederum auch hervorragend für Attacken auf weit entfernte Ziele, die sich bequem und gefahrlos ausschalten lassen. Durch die nahtlose Einbindung der neuen Kriegsmittel in den Spielablauf wird klar, dass hier wohlüberlegte Neuerungen eingefügt wurden, die God of War bereichern, statt es gekünstelt zu überfrachten.

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Auch diesmal lockern kleinere Rätsel immer wieder das Spielgeschehen auf.
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Grund für Kritik liefert Ghost of Sparta kaum: Vom opulenten orchestralen Soundtrack und der sehr guten Synchronisierung über das intuitive Kampfsystem sowie das einwandfreie Handling des Helden bis hin zur tadellosen Kameraausrichtung und absolut fairen Speicherpunkten wirkt alles wie aus einem Guss. Meckern könnte man höchstens über Kleinigkeiten wie gelegentliches Backtracking oder den zu häufigen Einsatz der beiden Schultertasten gleichzeitig, was zumindest bei mir mehrmals zum unbeabsichtigten Deaktivieren der PSP führte, weil ich versehentlich an den Schalter geriet. Nach dem Ende des Hauptspiels warten noch einige knackige Herausforderungen, eine Kampfarena sowie der „Tempel des Zeus“, in dem ihr weitere Goodies freischaltet.