„God of War: Ascension wäre, wenn man genau drüber nachdenkt, ein prima Vita-Ableger“, stand vor einem reichlichen Jahr an dieser Stelle, als Kratos noch schnell die letzten Schäfchen ins Trockene holen sollte, bevor der PS4-Sturm einsetzte. Der Halbgott als Lückenfüller, ohne viel Esprit, dafür mit reichlich Kompetenz und nüchterner „Irgendjemand wird’s schon kaufen“-Einstellung. Hat sich also nicht viel geändert in den letzten 14 Monaten.

God of War Collection - Vita Launch Trailer

Wo im März 2013 „Ascension“ anstelle einer einfachen 4 stand, erinnert euch seit letzter Woche ein abgeschmackter „Collection“-Schriftzug daran, welchen Stellenwert Kratos derzeit für Sony hat. Schon letztes Jahr haben die Japaner ihren Aggro-Griechen noch nicht unbedingt verheizt, Imagepflege war das aber auch nicht gerade. Zumindest in dieser Hinsicht ist diese Veröffentlichung nur konsequent.

Mit einer adäquaten Version der ersten beiden „God of War“-Teile holt der Konzern jetzt nach, was er bislang zweieinhalb Jahre verschlafen hat – und auch das nur halbherzig. Bereits zur Veröffentlichung der PlayStation Vita hätte diese Collection zwar nicht der Definition eines Systemsellers entsprochen, im Mai 2014 kräht aber auch kein Hahn mehr danach. Und viel schlimmer: Mit der Trägheit einer simplen Portierung statt eines echten Handheld-Auftritts zeigt Sony, was sie Kratos und der Vita gleichermaßen zutrauen.

Beiden Marken erweisen sie mit diesem Release einen Bärendienst.

God of War Collection - Port of War

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Kratos ist wieder da! So richtig glücklich scheint er darüber aber nicht zu sein. Verständlich.
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An Kratos' Stelle wäre ich auch sackig

In seiner proletenhaft Art war der größenwahnsinnige Spartaner nie jemand, dem man mal eben in der Bahn zur Bespaßung über die Schulter schaut. Mit den PSP-Ablegern klappte das noch ganz passabel, als God of War – wichtiger noch als auf die technische Limitierung – auf die veränderte optische Wirkung zurechtgedampft wurde. Krächzende Lautsprecher und flimmernde Fernseher in der Größe eines Taschenrechners waren schon 2005 des Heeresführers größten Feinde, als Full-HD-Kisten etwa so erschwinglich waren wie eine Spritztour zum Mond.

Auf meiner 19-Zoll-Röhre mit integriertem Videorekorder sowie feschen Pokémon-Stickern am Rand hat's damals trotzdem funktioniert und irgendwie tut's das auch heute noch, wenn sich Kratos über den hochaufgelösten, aber in seinen Ausmaßen überschaubaren Vita-Bildschirm schimpft. Das in den Genen der Serie angelegte Gefühl für Größe und Epik werdet ihr dort allerdings nicht (mehr) finden. Überhaupt stellt sich die Frage nach einer Existenzberechtigung für diese zwei Portierungen abseits des Mobilitätsfaktors und schnellen Geldes, denn es ist nicht gerade so, als hätten sich die von Sony beauftragten Entwickler von Sanzaru mit den auf reichlich drei Gigabyte herunterkomprimierten Klassikern für weitere Projekte empfohlen. Und das Einschrumpfen von ursprünglich reichlich 21 Gigabyte auf einen winzigen Bruchteil davon hat seine Konsequenzen.

Packshot zu God of War CollectionGod of War CollectionErschienen für PS3 und PlayStation Vita kaufen: Jetzt kaufen:

PlayStation-2-Matsch muss keiner erwarten (danke dafür!), die knackige Optik der HD-Versionen auf der Nachfolgerkonsole allerdings auch nicht – und die dort so liebgewonnenen 60 Bilder pro Sekunde schon gar nicht. Teil 2 macht grafisch eine etwas bessere Figur, mit unscharfer Schrift und Rucklern müsst ihr aber bei beiden Titeln leben. Bleibt alles vernünftig spielbar, insofern ihr nicht auf Stechuhrtiming auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad angewiesen seid. Trotzdem ist das alles (mehr noch als nervig) reichlich unverständlich ob der Potenz, die ihr da eigentlich gerade in den Händen haltet.

God of War Collection - Port of War

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Das ist von der PS3-Qualität übriggeblieben. Nicht auf dem Bild: Ruckler.
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Zumindest die angepasste Steuerung wird euch keine Probleme machen. Die zwei fehlenden Schultertasten werden durch das rückseitige Touchpad adäquat kompensiert, der Rest hat's quasi eins zu eins rübergeschafft. Die deutlich kürzeren Wege der Vita-Sticks sind vielleicht kein perfekter Ersatz für ein PS3-Pad, einen abbrechen muss sich aber auch niemand – zumindest nicht, so lange sich die Einbrüche der Bildwiederholungsrate in Grenzen halten. Diese sind das einzige Laster, das beim mobilen Herumscheuchen des Spartaners Zicken macht.

Kein Problem, dass PS3-Fürsprecher im Zusammenhang mit God of War kennen. Deshalb ist Ascension vermutlich doch besser auf der Heimkonsole als auf einem Handheld aufgehoben, der nicht einmal die betagten Klassiker stemmen kann.