Kann „God of War“ mit einem Prequel funktionieren? Sony Santa Monica brilliert mit gekonntem Art-Design, verquickt clever seine dynamische Umgebung mit mehrstufigen Bosskämpfen und überrascht hier und da mit skurrilen Einfällen wie einem Blade-Board zum Grinden wie Tony Hawk in seinen besten Zeiten.

God of War: Ascension - DLC-Trailer: Primordials33 weitere Videos

Ich sitze in Los Angeles, den PS3-Controller fest in den Händen, doch mit den Gedanken habe ich längst Hollywood verlassen und befinde mich auf dieser schwebenden Insel. Hoch über der Erde und fern vom Olymp liegt der Titan Hekatonkheires auf einer riesigen Wolke. Er schläft, hat die Augen geschlossen, den Mund geöffnet. Eine gewaltige Treppe führt aus seinem Rachen.

Auf seinen Armen balanciert er meterdicke Mauern, aus denen kleinere Vortempel, Türme und Gefängnisse erwachsen. Hinter den Gitterstäben winseln die Todgeweihten und nicht weit von ihnen knallt eine Peitsche. Kratos kniet auf dem kalten Boden, gefesselt mit dicken Eisenketten an sechs mächtige Marmorsäulen. Vor ihm schreitet seine Peinigerin auf und ab, schlägt abwechselnd ihre Peitsche und ihre sichelförmigen Arme in das Fleisch des Generals der spartanischen Armee.

Kratos und der blutige Pfad zum Gott

„God of War: Ascension“ spielt als Prequel lange vor dem ersten „God of War“. Ares trägt hier noch den Titel des Kriegsgottes und wir erleben, wie Kratos seine Familie des Nachts ermordet. Er wurde von Ares rasend gemacht, verliert den Verstand und begeht die Bluttat. Die Bilder seiner Frau und seiner Tochter wird er noch oft im Spiel als Flashbacks zu Gesicht bekommen, doch jetzt gilt es erst mal, dieser verdammten Furie zu zeigen, wer hier die schärfere Klinge hat.

God of War: Ascension - Ganz ehrlich, was soll nach dem dritten Teil noch kommen?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 104/1081/108
Gefoltert und angekettet, aber noch lange nicht geschlagen. Einen Kratos sollte man nie unterschätzen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die Furien sind die Henker von Zeus, mystische Kreaturen, die ausziehen, um jeden zu richten, der den göttlichen Blutschwur bricht. Drei der Schwestern muss Kratos auf seinem Pfad zum Kriegsgott dahinschlachten. Fangen wir doch direkt mit Tisiphone an, die den grimmigen Glatzkopf schon eine ganze Weile malträtiert. Zu unserem Glück schlägt sie jedoch beim nächsten Schlag daneben, löst eine der Eisenketten und wir können uns mit ein paar schnellen Tastendrücken befreien.

Nun, Rache ist Blutwurst und so packt Kratos direkt seine Kettenklingen aus. Die Furie verspottet uns mit einem „Mehr hast du nicht zu bieten, großer Kratos?“, doch da reißen wir ihr schon den schleimigen Bauch auf und rasieren ihr die Haare, die von Schlangen umspielt werden. Sie zieht sich zurück und glaubt, ihre lächerliche Armee könnte uns aufhalten.

Packshot zu God of War: AscensionGod of War: AscensionErschienen für PS3 kaufen: Jetzt kaufen:

Der Hornissen-Mann und anderes Kanonenfutter

Die Tisiphone lockt uns in ihre Verliese, wo etliche Spartaner und Sklaven auf ihr Schicksal warten. Tja, die hätten wir vielleicht lieber mal befreien sollen, denn die Furie lässt dicke fette Insektenkrabbler ausschwärmen. Die hüpfen auf den Kopf ihres Opfers, fressen sich durch sein Hirn und übernehmen dann ruckzuck den ganzen Körper. So wird aus einem spartanischen Soldaten im Handumdrehen ein Hornissen-Mann mit Bienenkopf und Flatterflügeln.

God of War: Ascension - Ganz ehrlich, was soll nach dem dritten Teil noch kommen?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 104/1081/108
Kratos ist zwar noch nicht der Gott des Krieges, als Geist von Sparta erlebt ihr aber ähnlich epische Bosskämpfe wie in „God of War 3“.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Kämpfen tun die Kerle allerdings mit normalen Lanzen oder Xiphos-Kurzschwertern und sind ohnehin zu Beginn eher Trainingsmittel als ernsthafte Gegner, aber hervorragend geeignet zum Ausprobieren des World-Weapon-Systems. Die Idee dahinter ist simpel: Wir hauen einem Schergen so lange auf den Kopf, bis er sich hinkniet, rote Magiekugeln über ihm kreisen und aufzeigen, dass er genug hat und gerne ins Reich des Hades geschickt werden würde.

Wir können unser Opfer aber auch noch für einen Moment verschonen und stattdessen seine Waffe klauen. Das macht insbesondere die immer wieder auftretenden Scharmützel gegen kleine Horden von Soldaten deutlich abwechslungsreicher. Klar könnt ihr weiterhin Schergen mit der Kettenklinge an euch heranziehen, in die Luft kicken und in der Mitte durchschneiden.

Spielt sich zackig, sieht scharf aus und glänzt mit großartigem Art-Design, das recht clever Bosskämpfe mit einer zerstörbaren Tempelanlage verknüpft.Ausblick lesen

Wer jedoch etwas Abwechslung bevorzugt, schnappt sich auch mal einen Speer und nagelt damit einen Feind an die Wand, kämpft mit einem Schwert, das durch einen Klingensturm eine große Gruppe heftig verletzten kann. Oder wie wäre es mit einem Eisschwert, das den Gegner versteinert und genug Zeit lässt, um uns um die richtig großen Burschen zu kümmern? Immer gerne, immer her damit.

Die kämpfende Tempelanlage

Die Scharmützel gegen kleine und größere Gruppen funktionieren wie in „God of War 3“. Sie fühlen sich schnittig an, rauschen mit 50 bis 60 Bildern pro Sekunde sehr flüssig über den Bildschirm, überraschen aber kaum. „God of War: Ascension“ funktioniert insofern genauso wie seine Vorgänger. Was hier zählt, sind die richtig großen Bosskämpfe, und in Sachen Gewaltigkeit könnte „Ascension“ den dritten Teil vielleicht sogar toppen.

Technisch liegt „Ascension“ in etwa gleichauf, aber das Art-Design ist der Schlüssel in unser Herz. Virtuos teilen die Designer von Sony Santa Monica verschiedene Teile der Tempelanlage der Furie auf die Körperteile des Titanen auf. Solange er starr in der Luft hängt, fällt das gar nicht so sehr auf, doch als die Tisiphone bemerkt, dass ihre Truppen keinen Stich gegen Kratos landen können, weckt sie ihn auf und plötzlich bebt das ganze Level. Sony spielt sehr schön mit diesem Element, lässt während der Kämpfe ganze Tempel einstürzen, wenn der Titan seinen Arm bewegt.

God of War: Ascension - Ganz ehrlich, was soll nach dem dritten Teil noch kommen?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 104/1081/108
Sony Santa Monica will Kratos als Mensch stärker portraitieren und gibt in Rückblicken Einblicke in sein Leben als Soldat und Familienvater.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Mehrstufige Bosskämpfe Marke Shadow of the Colossus

Okay, das war etwas zu dick aufgetragen. „God of War: Ascension“ ist dann doch mehr blutige Schlachtplatte als famoses Kunstwerk, aber die Entwickler aus dem sonnigen Los Angeles schaffen es immer wieder zu überraschen. Etwa als sich aus dem dicken Daumen des Titanen ein noch dickeres Biest schält. Eine mythologische Kreatur, mit ihrem glitschigen Körper und den riesigen Hauern fast eine Mischung aus Uruk-hai und Hydra.

Ein interessanter Kampf, denn dieser Miniboss ist organisch mit dem Arm des Titanen verbunden. Wenn er uns abräumen will, schlägt er einfach mit der ganzen Wucht des Titanenkörpers zu. Dabei geht noch mehr zu Bruch, wir müssen an einer Spalte hängend herabstürzenden Säulen ausweichen und mit ein paar gut getimten Sprüngen wieder zu unserem Feind aufschließen.

God of War: Ascension - Ganz ehrlich, was soll nach dem dritten Teil noch kommen?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden4 Bilder
Wir kämpfen gegen die Furien, vernichten Titanen, müssen aber auch den ein oder anderen Gefallen tun, um zum Kriegsgott aufzusteigen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Kratos auf dem Blade-Board

Noch bizarrer wird die Action, als der Titanenchef endgültig erwacht, die gesamte Anlage ordentlich durchrüttelt und eine breite Straße in eine Rutschpartie verwandelt. Kratos darf neuerdings den Tony Hawk machen, auf seine Klingen springen und dann an ionischen Säulen entlangschlittern, muss hier und da Hindernissen ausweichen, darf aber keinen 360 hinlegen.

Stattdessen landen wir in einem Gefängnistrakt. Und da der Titan mit seinem dicken Wurschtfinger nicht an Kratos herankommt, entscheidet er sich kurzerhand, den gesamten Trakt herauszureißen und ordentlich durchzuschütteln. Dadurch fallen uns im Sekundentakt neue Gegner vor die Klinge, an denen wir neue Tricks ausprobieren können. Besonders praktisch auf engem Raum ist der Rammbock: Wir schnappen uns ein Opfer, heben es hoch und rammen es längs in seine verdutzten Kollegen, während über uns schon der Titan auf den finalen Kampf wartet... den wir aber leider heute, hier und jetzt nicht mehr erleben.