„God of War: Ascension“ ist symptomatisch für diese E3. Es ist ein gutes Spiel, peppt die Gameplay-Mühle aus blutiger Schnetzelei, Kombos und den brutalsten Finishern der Spielegeschichte durch neue Varianten und ein paar Ideen auf, garniert durch einen neuen Multiplayer-Modus.

God of War: Ascension - DLC-Trailer: Primordials33 weitere Videos

Aber irgendwie kickt es nicht mehr. Kratos ist noch immer der zornige Glatzkopf, der sich mit seinen Schwertern durch das Fleisch von Menschen, Zyklopen, Hydren und Seeschlangen metzelt. Aber der Zahn der Zeit nagt an ihm. Sony Santa Monica möchte „God of War: Ascension“ als neues „God of War“ verkaufen und doch fühlt es sich mehr an wie „GoW 3.5“. Nur woran liegt das?

Ein Prequel, mit einem Kratos der sich kaum verändert hat

Zu Beginn der E3-Demo schippert Kratos mit seinen Soldaten der Insel Delos entgegen. Hier soll er ein mächtiges Artefakt in den Katakomben unterhalb einer großen Statue finden. Es dauert nicht lange, da greifen Zentauren mit langen Hörnern an, die ihre Brust durch goldene Rüstungen der trojanischen Armee verziert haben. So schlachtet Kratos los, packt die Kettenklingen aus, schnappt sich einen der Kerle, schlägt drauf. Schlägt wieder zu, drischt ihn in die Höhe und schneidet ihn in der Mitte durch.

Klassisches „GoW“-Gameplay, warum also bemängeln wir das? Weil Sony Santa Monica eigentlich viel mehr versprochen hat. Ein Prequel soll es werden, die Geschichte des Kratos aufrollen. In einer Zeit, in der er zwar schon seine Familie ermordet hat und daher zum Geist Spartas mit der albinoweißen Haut wurde. Da fragen wir uns unweigerlich: Warum? Warum nicht Kratos als Soldaten Spartas zeichnen?

God of War: Ascension - Der Zahn der Zeit

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 104/1081/108
Die E3-Demo spielte auf Delos, wo im Hafenbecken eine Seeschlange lauert.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Meinetwegen wie in „300“, mit gebräuntem Waschbrettbauch, an dem das Blut der Gegner runter läuft. Die Amis stehen drauf, das braucht Sony ergo fürs Marketing. Wer die E3-Pressekonferenzen verfolgt hat, weiß, was wir meinen. Selbst im sehr intelligent und emotional mitreißenden „Tomb Raider“ wurden nur brutale Action-Szenen abgespult, statt auf Dialoge und dieses „Jeder ist sich selbst der nächste“-„The Beach“-Flair zu bauen.

Kratos wird menschlich

„Wir wollen Kratos mehr als Menschen darstellen. Als Wesen mit Gefühlen, der nicht nur an sich selbst, sondern auch an das Wohl seines Volkes denkt“, verspricht Senior Game Designer Luiz Sanchez. Kennzeichnend dafür soll eine Szene sein, in der Kratos einen Zivilisten mit einem Stupser zur Seite vor einem Speer rettet, der vor seinen Füßen einschlägt.

Packshot zu God of War: AscensionGod of War: AscensionErschienen für PS3 kaufen: Jetzt kaufen:

Prinzipiell eine schöne Idee, nur wird dieser „menschliche Kratos“ in keiner Form im Gameplay reflektiert. Wir ringen mühelos drei, vier Zentauren gleichzeitig nieder, obwohl die gut drei Meter groß sind. Ewas anspruchsvoller fallen allerdings die Mini-Bosskämpfe aus, beispielsweise gegen den Kommandant der Tauren, dem wir sein Schwert abjagen wollen.

God of War: Ascension - Der Zahn der Zeit

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden4 Bilder
Kampf gegen den Elefantaurus. Die dicke Keule können wir ihm mopsen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Jedes gemopste Item schaltet jetzt verschiedene Spezialangriffe frei, das nennt sich „World Weapon System“. Reißen wir beispielsweise eine überdimensional große Lanze aus einem leblosen Körper, werden Spezialangriffe wie ein Speerhagel freigeschaltet, mit denen sich das mythologische Feindpack besonders effektiv töten lässt. Das macht zwar als Gameplay-Element Laune, fühlt sich aber auch wieder sehr nach „God of War 3“ an. Eigentlich möchte der Entwickler Kratos aber mehr als Mensch und Elitesoldat, denn Kriegsgott charakterisieren.

Da wollen Speerwalle, aus der Luft fallende Feuerbälle oder Pfeilhagel nicht so Recht ins Konzept passen. Es sei denn Kratos hätte eine Armee hinter sich und würde einen Flächenangriff befehlen, dann wäre das glaubhaft. Das nennt sich dann wohl „Style over Substance“, mal schauen ob es im finalen Spiel für uns funktioniert.

Ein Hauch Prince of Persia

Genau wie der Prinz aus Persien kann Kratos jetzt dank „Life Cycle Feature“ einige Sekunden in die Vergangenheit reisen und die Zeit zurückdrehen. Wenn also mal wieder die Seeschlange Charybis angreift, Kratos‘ Schiff versenkt und ihm die Überreste entgegen schleudert, wodurch das halbe Hafendock zerstört wird, können wir es einfach wieder zusammensetzen. Das bietet Raum für intelligente Puzzles wie in der „Uncharted“-Serie. Wird dieses Potenzial genutzt?

Alter Wein in neuen Fässern im Singleplayer, aber ein taktisch anspruchsvoller Multiplayer-Modus. Kann doch noch ein Hit werden!Ausblick lesen

„Wir haben einige coole Dinge mit dem Feature vor, mehr kann ich nicht verraten“, so der Senior Game Designer. Spannend ist auf jeden Fall wie die Zeitspule das Gameplay bereichert. Kämpfen wir beispielsweise gegen eine ganze Horde von sieben, acht Zentauren, können wir ein paar mit Spezialattacken in die Luft schleudern, dann die Zeit einhalten, die Kerle in der Mitte durchschneiden und so den Feind zahlenmäßig recht effektiv dezimieren. Sony Santa Monica verspricht für diesen Teil auch richtige Massenschlachten, da dürfte ein Hauch Taktik mitschwimmen.

Der Multiplayer: Spielt sich frisch, knackig und taktisch

Richtig überrascht waren wir in L.A. von dem exzellenten Multiplayer-Modus von „God of War: Ascension“, der dem Singleplayer locker die Show stahl. In „Spartans vs. Troyans“ ziehen wir mit Achilles, Odysseus, Jason und Theseus auf Seiten Spartas gegen die vier trojanischen Helden Hector, Perseus, Orion und Hercules in die Schlacht. Das Load-out ist prinzipiell eher auf klassischen Nahkampf ausgelegt, Bögen fehlten zumindest in der Anspielversion der E3 völlig.

God of War: Ascension - Der Zahn der Zeit

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 104/1081/108
Spartaner gegen Trojaner: Der Multiplayermodus spielt sich richtig taktisch.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Stattdessen warten Kampfhammer, riesige Langschwerter sowie klassische Kurzschwerter der Griechen, Äxte und ein Zweihänder mit drei Klingen, der an Poseidons Dreizack erinnert. Deutlich wichtiger als die Klassenwahl ist ohnehin, welcher Gottheit wir dienen wollen: Zeus, Ares, Hades oder Poseidon? Je nachdem gibt es nach dem Erreichen so und so vieler Kills oder der Einnahme von Missionsobjekten Boni. Hades lässt seinen Schild fallen, Poseidon bietet seinen mächtigen Dreizack an und Zeus grillt den Gegner mit Blitzen.

Vier Kommandoposten, ein Zyklop

In der Mitte des Geschehens ist Polyphemus angekettet, ein Zyklop, der hier auf der Insel seine letzten Stunden fristet. Es ist an uns, seinem kargen Leben ein Ende zu bereiten. Welches Team das als erstes schafft, gewinnt. Um den riesigen Boss aber überhaupt erreichen zu können, wollen seine Ketten so an uns herangezogen werden, dass er quasi wie auf dem Präsentierteller festgeschnallt ist.

Dazu müssen wir Kommandoposten erobern und an den Holzrädern drehen, die wiederum an den Ketten reißen. Klare Sache: Jeder reißt den Zyklop ein Stück zu seiner Seite heran, so ergibt sich ein spannender Wettstreit bei dem absolutes Teamplay gefordert ist. Denn der Spieler, der gerade am Rad dreht, kann ja nicht kämpfen, muss ergo von seinen Teamkameraden geschützt werden.

God of War: Ascension - Der Zahn der Zeit

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden4 Bilder
Das ultimative Ziel: Dem Zyklop das Auge entreißen. Mal wieder...
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Weitere taktische Würze wird durch Fallen eingestreut, die sich an gewissen Punkten aktivieren lassen. Sind wir beispielsweise nur zu zweit an einem Kommandopunkt und können die anderen nicht schnell genug nachrücken, aktivieren wir Speer- und Feuerfallen, um den Feind kurzfristig aufzuhalten, bis die Verstärkung einrückt. Schaffen wir es so, den Zyklopen bis auf wenige Meter an unser Holzturm-Schafott heranzuziehen, lässt Zeus seinen Götterstab fallen und dem armen Polyphemus wird erst der Kiefer rausgerissen, dann der Augapfel und schließlich bahnt sich der Götterstab seinen Weg gen Hirn.