Wie will man ein PS2-Abenteuer toppen, das technisch selbst zwischen HDTV- und 1080p-Gepose noch immer zu den absoluten Kraftmeiern zählt? Ganz einfach: Alles wird noch größer, noch schöner, noch bombastischer. Und das Ergebnis kann eigentlich nur eins sein: eine Erfahrung jenseits von atemberaubend. Dass God of War 3 diese Hürde schon in der kurzen E3-Demo mit Leichtigkeit nimmt und die Gänse verzückt über den Arm tanzen lässt, davon konnten wir uns jetzt überzeugen.

God of War 3 - 10 Minuten Gameplay11 weitere Videos

Oh mein Gott, diese Größe, dieses erschlagende Gefühl fast grenzenloser Monumentalität – kennt ihr das? Ich meine dieses Kribbeln, wenn man sich schon beim ersten Blick in einem Spiel verliert. Das Gefühl, eine Welt zu erkunden, die einen auf Schritt und Tritt gefangen nimmt – so wie damals Shadow of the Colossus oder Metroid Prime. Und sobald man im Hauptmenü von God of War 3 die Starttaste drückt, ist es sofort wieder da. Man steckt im Körper von Kratos, in einer Welt voller Dunkelheit und Rache, Harpyien und Zyklopen, Blut und Verderben.

God of War 3 - Der Kriegsgott schlachtet die E3

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Schlachtplatte vom Feinsten: Auf der E3 war Kratos in Action zu sehen.
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In Sachen Artdesign nutzt Sony die volle Palette landschaftlicher Verdorbenheit: Da zucken Blitze aus dem wolkenverhangenen Himmel, der in seiner Schwärze fast erstickt. Da schießen Rauchwolken wie Pilze in die Höhe. Blutrote Banner schwingen im Wind hin und her - über den Trümmern der geschundenen griechischen Stadt, dort, wo jetzt nicht mehr als rabenschwarze Ruinen zu erkennen sind. Dann kommt sie, eine Armee brüllender Skelettkrieger. Und der Tanz geht los...

Alles fühlt sich sofort vertraut an, alles funktioniert so, wie man es aus den PS2-Vorgängern kennt. Die grundlegenden Attacken sind die gleichen wie damals, wenn Kratos mit brennenden Chaosklingen durch die Knochenköpfe fräst und die altbekannten Kombos auf sie niederprasseln lässt. Das ist ein schönes Gefühl, irgendwie befriedigend. Und irgendwie merkt man, was in den letzten zwei Jahren gefehlt hat: ein Hack'n'Slay, das der Konkurrenz kräftig in den Hintern tritt, das schon zu Anfang einen dramatischen Paukenschlag nach dem anderen und auch danach immer wieder mächtige Beben serviert.

God of War 3 - Der Kriegsgott schlachtet die E3

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Sofort macht sich ein vertrautes Gefühl breit.
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Was Sony allein schon aufgrund der Technik stemmen will: Immerhin hat man jetzt PS3-Power und kann mehr Feinde gleichzeitig darstellen als früher. War es in den ersten Abenteuern meist nur eine Handvoll Ungetüme, die auf dem Bildschirm zu sehen waren, sollen es jetzt mehrere Dutzend sein: 30, 40 oder sogar noch mehr Bestien, die geifernd auf euch zustürmen.

Kratos in Action

Aber das Raubein hat diesmal mehr auf dem Kasten: Er packt einen Gegner in gewohnt gefühlvoller Art, hält ihn als Schutzschild vor den Körper und rennt wie ein US-Football-Spieler in die feindliche Menge, die anschließend in alle Himmelsrichtungen segelt. Ist er von Widersachern umzingelt, muss man den Analogstick schnell hin und her schütteln – schon fliegen die Umstehenden wie Schaufensterpuppen durch die Luft. Das Spencer-Hill-Duo würde vor Scham im Boden versinken!

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GoW3 dürfte in neue Spektakelgalaxien vordringen, die nie zuvor ein Mensch gesehen hat.
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Er schmeißt sie in den Abgrund, bricht ihnen das Genick, reißt sie der Länge nach auf, als wären es billige Wiesenhof-Hähnchen. Auch der Bogen ist wieder dabei, diesmal mit brennenden Pfeilen, die Angreifer in Brand setzen, wobei sich die Flammen auch ausbreiten und auf andere Gegner überspringen können.

Kurzum: Kratos tut einfach das, was man von diesem kraftstrotzenden Barbar erwartet, was man an ihm liebt und so lange vermisst hat. Neu ist außerdem, dass der Schlächter auf bestimmten Feinden reiten und sie somit als Waffe missbrauchen kann. Ein Zyklop wird zur rasenden Zeitbombe, eine Harpyie unfreiwillig zum Helikopter, bevor der Berserker sie in einem blutroten Schwall zerfleischt – sehr ansehnlich. Wir sind gespannt, wie Sony das Ganze in die Spielmechanik einflechtet, denn immerhin war bereits zu sehen, wie Kratos Abgründe überwindet, indem er sich Harpyie für Harpyie nach vorne „hangelt“. Zudem sollen auch die Ikarus-Flügel wieder zu finden sein, um weite Strecken auf dem Luftweg hinter sich zu lassen.

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Sofort macht sich ein vertrautes Gefühl breit.
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Natürlich tickt auch der dritte Teil nach den bekannten GoW- und Hack'n'Slay-Logiken: Bestimmte Türen öffnen sich erst dann, wenn eine bestimmte Anzahl Feinde im Hades verweilt. Bis dahin dreht Sony dieses orgiastische Schlitzerkarussell schneller, als es sanften Gemütern zuträglich ist. Es ist nicht nur das sekündlich spritzende Blut, es sind nicht die Wellen an unheimlich ansehnlich designten Kreaturen.

Rache, Wut, Verzweiflung

Es sind vor allem die brachialen Finishing Moves, die Eindruck schinden. Und zwar so, wie man es sich von Kratos wünscht: kaltblütig und übertrieben. Wenn er einer Chimäre den Schwanz abhackt, ihr die Hörner abbricht und die Innereien nach einem Quicktime-Event fein säuberlich auf dem Boden verteilt, dann kann man nur sagen: Gottverdammte Scheiße, ist das geil!

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Kratos is back: Teil 3 setzt da an, wo GoW2 endete.
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Warum rackert sich unser Antiheld hier eigentlich so ab? Aus Rache, aus Wut, aus Verzweiflung. Immerhin setzt Teil 3 dort an, wo der zweite endete: mit einem zornigen Kratos, der auf dem Rücken der Titanen den Olymp erklimmt und den Göttern Rache schwört. Was damals als Rendersequenz über den Schirm flackerte, wird der Auftakt zum Ende der Trilogie, die mit „einem sehr großen und epischen Knall“ abgeschlossen werden soll. Glaub ich sofort. Denn als sich zum ersten Mal der Lavariese blicken lässt, werden gleich angenehme Erinnerungen an den Koloss aus Teil 2 wach. Er holt aus, schlägt nach Kratos, bringt einen Turm mit seiner massiven Pranke zum Einsturz. Die Lavaströme pulsieren in seinem Körper, als er brennende Streitwagen mit einem Fingerschnippen auf den harten Boden der Realität zurückholt.

Blutig, packend, bildgewaltig - God of War 3 ist auf dem besten Weg zum stimmungsvollen Epos.Ausblick lesen

Was bleibt hier noch zu tun? Klare Sache: Die Baliska bemannen, Schwung holen, mitten ins Schwarze treffen, bevor uns das Ende mit klaffendem Mund und bis auf die Knochen beeindruckt zurücklässt – verschmolzen mit dem Pad, das in der schweißnassen Hand klemmt. Wäre sicher so gewesen, hätte Sony bei der Präsentation nicht kurz vor dem Höhepunkt den Stecker gezogen. Aber man kennt das ja von seiner Freundin.