Zu einem der zentralen Themen in der griechischen Göttermythologie gehört zweifelsohne die Rebellion des Sohnes gegen den Vater. Im Pantheon, dem Götterhimmel, spielt sich seit jeher ein Familiendrama ab, in dem das tragische Ende des Ödipuskomplexes ständig aufs Neue wiederbelebt wird. Selbst Zeus hat seinen Vater Kronos ermordet. So kommt es nicht überraschend, dass Kratos, The Ghost of Sparta, sich gegen seinen Vater Zeus und all diejenigen Götterwesen erhebt, die ihn einst zum Gott des Krieges machten. Und ihr willfähriges Spielzeug später wieder fallen ließen. Doch seine Rache ist fürchterlich und führt in God of War 3 zu einem Feldzug gegen den Olymp selbst.

Bildgewaltiges Epos

Bereits der pompöse Einstieg in das brutale Action-Adventure ist Versprechen und Erfüllung in einem: Auf der einen Seite knüpft man direkt an die Geschehnisse des Vorgängers an, andererseits lässt schon die monumentale Anfangssequenz erahnen, wie bombastisch die Präsentation und titanisch die Aufgabe sein wird. Kratos will Rache und ist bereit, dafür selbst den göttlichen Palast zu erstürmen. Alles und jeder, der sich ihm in den Weg stellt, wird dabei vernichtet. Auch vor den mächtigen Titanen, die sich ebenso gegen die Götter erhoben haben, macht sein Zorn keinen Halt.

God of War 3 - Olympische Höhen: Bestnoten für das Ende der Saga

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Eine der großen Leistungen ist die epische Darstellung und Einordnung der Größenverhältnisse.
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Und gleich zu Beginn wird deutlich: Es ist eine der wesentlichen Leistungen des Sony Teams Santa Monica, die epische Dimension dieses Konflikts in eine Darstellung umzusetzen, die nicht nur den Begriff cineastisch verdient hat, sondern auch gleichzeitig die enormen Größenordnungen und Ausmaße der Protagonisten in ein glaubhaftes und zugleich unglaublich faszinierendes Verhältnis setzt.

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Die Präsentation als bildgewaltig zu bezeichnen ist fast schon eine Untertreibung. Kamerafahrten und Einstellungen zeigen mehr als eindeutig auf, dass Kratos im Vergleich zu den Titanen und der ihm bevorstehenden Aufgabe ein Winzling ist. Doch sein vom Rachegeist angetriebener enormer Wille, seine magischen Kräfte und vor allem seine Chaosklingen sorgen auch diesmal schnell dafür, dass seine Feinde bitter bereuen, ihn abermals zu unterschätzen. Wer "God of War 3" spielt, darf weder zartbesaitet sein noch an Motion Sickness leiden.

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Hades ist einer der Bossgegner, die sich Kratos entgegenstellen.
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Viele Kameraeinstellungen sind höchst rasant, die Perspektive verschiebt sich phasenweise sekündlich und erfordert oftmals räumliches Denken und schnelle Anpassungsgabe. Kein Wunder, spielen sich doch einige Kämpfe direkt auf den riesenhaften Körpern der Titanen ab, die sich bewegen oder unter von Kratos zugefügten Verletzungen erbeben, sich winden und versuchen, ihn wie eine lästige Laus abzuschütteln.


Der raubeinige Protagonist kennt jedoch keine Gnade und ist Widersachern gegenüber unbarmherzig. Die im Vergleich zur PS2, auf der der Vorgänger veröffentlicht wurde, deutlich leistungsfähigere Konsolentechnologie ermöglicht dem Entwicklerteam, das Schlachten des Kriegsgottes in einem Detailreichtum darzustellen, der vor einigen Jahren noch kaum vorstellbar war. Bluttriefende Gefechte gehören dabei ebenso zum Standard wie brachiale Finishingmoves, bei denen Kratos seine Feinde quasi zu Hackfleisch verarbeitet und ihre Innereien offenlegt, sie aufschlitzt, ihnen die Augen aus dem Kopf reißt, sie in Stücke reißt oder bricht, ihnen seine Klingen ins Hirn jagt oder sie mit ihren eigenen Waffen enthauptet.

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In einigen Szenen wird die brutale Action exzessiv übertrieben und sogar aus der Ego-Perspektive des Opfers dargestellt.
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Diese brutale und zweifelhafte "Ehre" ist jedoch den mittleren und größeren Kontrahenten wie Zyklopen, Medusen, Chimären oder Minotauren vorbehalten, bei denen kurz vor deren Ableben per Knopfdruck Quicktimeevents ausgelöst werden. Für alle anderen Feinde, also das Fußvolk von Untoten, Skeletten und normalen Soldaten, ist das "herkömmliche" Waffenarsenal mehr als ausreichend bestückt.

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Jede Waffe hat ihre Daseinsberechtigung

Neben den Doppelklingen und bereits aus dem Prequel bekannten Gadgets wie Goldenem Flies und Ikarus' Schwingen, die der Spartaner bereits von Beginn an besitzt, erhält Kratos im Spielverlauf Zugriff auf ein halbes Dutzend weiterer todbringender Utensilien, darunter den Bogen des Apollo, die Handschuhe des Cestus, die Klingen des Hades, elektrisierte Klingen (Nemesis Whip) und nützliche Dinge wie eine makabre Lichtquelle (Head of Helios) oder die Stiefel des Götterboten Hermes.

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Einige seiner Gegner kann Kratos sogar übernehmen und gegen seine Feinde nutzen.
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Alle Gegenstände sind nicht nur mit den unterwegs gesammelten Orbs aufrüstbar, sie erfüllen zudem mehr als lediglich den reinen Selbstzweck als Tötungsmaschinen und werden für viele spezifische Aufgaben und Lösungen benötigt. Gelangt der Antiheld an bestimmte Orte oder gerät an spezielle Gegner, hilft ihm nur der Einsatz des passenden Objekts aus der Patsche. Viele Feinde haben individuelle Schwachpunkte, die mit der richtigen Waffe ausgenutzt werden können. Diese auszumachen ist nicht nur vom Spieldesign her betrachtet ein cleverer Schachzug der Entwickler, es verhindert auch, dass God of War 3 in sinnloses und langweiliges Button-Mashing abgleitet.

Spätestens ab der Mitte des Spiels (das übrigens etwa 12-13 Stunden Spielzeit bietet) zieht der Schwierigkeitsgrad bei Rätseln und Hack n' Slay-Sequenzen gleichermaßen an und verlangt häufig den überlegten Einsatz der passenden Klingen und Kampftaktiken ab, die übrigens mit prächtigen Effekten ausgestattet sind. Außerdem ist es unabdingbar, sich den Attacken der Widersacher durch geschicktes Manövrieren und rechtzeitiges Wegspringen zu entziehen.

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Bis zu 50 Feinde auf einmal stürzen sich auf den Kriegsgott.
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Kratos' Parier-Fertigkeit hilft ihm nur gegen schwache Gegner weiter und so gestaltet sich das göttliche Gemetzel deutlich anspruchsvoller als bei den meisten Genre-Kollegen. Auch wenn trotz aller spartanischer Kampfkunst überraschende Attacken, Fallen und die eine oder andere etwas verunglückte Kameraperspektive für so manchen Tod sorgen, wird es jedoch zu keinem Zeitpunkt unfair. Speicherpunkte und Heilkisten sind absolut anständig in den linear aufgebauten Levels verteilt, zudem ist der wichtige Waffenwechsel extrem intuitiv ins System implementiert und geht geschmeidig von der Hand.

Perfekter Spielrhythmus

God of War 3 besitzt zudem einen Spielrhythmus, der nie Langeweile aufkommen lässt. Niemals entsteht das Gefühl, sich schlicht von einem Raum zum nächsten zu kämpfen, nur um noch mehr Horden von Feinden abzumetzeln. Die Choreografie ist perfekt: Immer wieder werden knifflige Rätselpassagen, halsbrecherische Plattformparcours, wahnwitzige Flugeinlagen und tolle Zwischensequenzen (die oftmals sogar künstlerische Ansprüche erfüllen) eingestreut, die willkommene Abwechslung in das pompöse Schlachtengemälde bringen.

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Gigantisch ist das Spiel in jeder Hinsicht - sowohl bei Gegnern als auch in der Inszenierung.
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Bekämpft man in einem Moment noch bis zu 50 Gegner gleichzeitig, schleicht Kratos plötzlich mit seiner grauenvollen Lichtquelle ausgestattet durch verwinkelte Gänge, rätselt sich durch monumentale Labyrinthe, stellt seine Umgebung mit interaktiven Schaltern auf den Kopf, wandert durch magische Portale und durchquert die Unterwelt der Toten, um seiner Rache näher zu kommen.

Das Ende der Trilogie wird mit einem der denkwürdigsten Momente der Videospielgeschichte beschlossen.Fazit lesen

Bereits all das ist dermaßen opulent arrangiert und mit einer unglaublich dichten Atmosphäre ausgestattet, wie es nur wenige Ausnahmetitel bisher gezeigt haben. Zwar wirken einige Boden- und Wandtexturen, vor allem zu Beginn des Spiels, nicht immer hochklassig. Dafür entschädigen spätere Passagen mit unheimlich detailliert ausstaffierten Innenräumen und Charakteren, spiegelnden Marmorflächen, einer Vielzahl dynamischer Lichtquellen, Partikel- und Raucheffekten und einem monumentalen Artdesign, das wohl seinesgleichen sucht.

Allein die lebendigen Hintergründe im Hades oder Tartarus sind spektakulär. Das I-Tüpfelchen bildet der berauschende Soundtrack, der das Spielgeschehen stets vortrefflich unterstützt: Mal dominant aufbrausend, dann wieder zurückhaltend, rollend wie ein nahendes Gewitter oder zaghaft wie ein schüchternes Reh - grandios! Doch God of War 3 bietet noch mehr, nämlich dann, wenn die ganz großen Gefechte anstehen.

Choreografie der Quicktimeevents

Im Kampf gegen Götter und ihre mächtigeren Helfer kommen die mehrstufigen Quicktime-Events zum Einsatz, die meisterhaft gestaltet sind. Mit nahezu spielerischer Leichtigkeit erwehrt sich Kratos dann beispielsweise der Angriffe von Titanen, die ihn wie eine Laus zerdrücken wollen, widersteht der Kraft eines Herkules oder den todbringenden Klauen des Hades. Die Einblendung der Buttons ist jedoch deutlich besser gelöst als noch beim Vorgänger, wo die Symbole direkt ins Spielgeschehen eingebaut waren. In God of War 3 erscheinen die Zeichen (die ja Äquivalente der Buttons auf dem Gamepad sind) am Bildschirmrand.

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Klasse Neuerungen und doch all das, was God of War so gut macht.
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Auf diese Weise ist es möglich selbst mit dem peripheren Sehen die richtigen Tasten zu betätigen, ohne den Blick vom Zentrum der prächtigen Action-Inszenierung abwenden zu müssen - Klasse! Besonders intensiv und bedrückend wirken Szenen, in denen Kratos seinen Gegenüber praktisch totschlägt und dies aus der Ego-Perspektive des Opfers gezeigt wird. Ist der Gewaltgrad von God of War 3 an sich schon oft hart an der Grenze des Zumutbaren, gehen die Macher hier noch einen Schritt weiter. Es ist fraglich, ob es dieser fast schon obszönen Gewaltdarstellung bedarf.

Ähnlich wie bei den Quicktime-Events hielt sich das Entwickler-Team auch beim generellen Kampfablauf an den gewohnten Strickmustern fest, bohrte diese jedoch ein Stück weit auf und führte Neuerungen behutsam ein. Eine spielerische Revolution bleibt damit zwar aus, aber an der fast perfekten Spielbarkeit des Vorgängers konnte ohnehin kaum noch etwas verbessert werden. Kratos reagiert ohne Verzögerungen auf alle Eingaben, bewegt sich formvollendet und mit flüssigen Animationen über die mythologische Schlachtplatte und bekommt auch bei komplizierteren Plattformaufgaben keine Gummiknie.

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Kratos darf zu recht stolz sein: Das perfekte Ende einer fantastischen Spielreihe.
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Neu sind z. B. Details wie ein Greifmanöver, mit dem der rachsüchtige Spartaner Feinde wie einen Schild vor sich herschiebt und auf diese Weise umherstehende Kontrahenten ausschaltet, die Möglichkeit einen Zyklopen zu besteigen und die Kontrolle über ihn zu übernehmen oder sich Harpyien zu angeln und mit ihrer unfreiwilligen Unterstützung kilometertiefe Abgründe und Fallen zu überwinden. Neuheiten wie diese wurden vortrefflich in die bisherige Spielstruktur integriert, ohne das Handling des Protagonisten auch nur im Geringsten zu überfrachten.

Und wenn sich die Trilogie dann nach einem wahren Höllenritt mit einem dramatischen Finale gen Ende neigt (keine Angst - es erwartet euch kein Cliffhanger!), zieht God of War 3 nochmals alle inszenatorischen Register und bereitet der Actionreihe mit einem spielbaren und denkwürdigen Epilog einen absolut würdigen Abschluss. Packender und dramatischer kann selbst Homer in seinen Epen kaum gewesen sein. Ein fürwahr denkwürdiger Moment der Videospielgeschichte!