Während die Fans geduldig darauf warten, dass Star Citizen und Elite: Dangerous endlich fertig werden, haut man in so mancher kleinen Spieleschmiede lieber in die Tasten, um selbst etwas zum neu erblühenden Space-Genre beizutragen. So auch die Jungs von Nine Dots, die wissen, dass GoD Factory: Wingmen nicht mit den Großen konkurrieren kann und die sich deshalb auf das Wesentliche konzentrieren.

Man kann den großen Publishern durchaus vorwerfen, dass sie mitten im Herr-der-Ringe-Hype vor rund 15 Jahren nicht länger bereit waren, Space-Simulationen entwickeln zu lassen. Sie stürzten sich lieber komplett aufs Fantasy-Genre - dort brauchte man wenigstens keinen Joystick. Die traditionell riesige Sci-Fi-Fangemeinde verschwand jedoch nicht mal eben so - sie wurde schlicht nicht mehr ordentlich bedient.

Schnell rein in die Nische, bevor es zu spät ist

Die Lücke, die sich dadurch im Angebot des Marktes auftat, wäre durchaus gewaltig genug gewesen, um ein paar Entwicklerteams zu Ruhm, Ehre und Reichtum zu führen. Diesen Missstand aus der Welt schaffen möchte nun ausgerechnet Chris Roberts - fast genau zehn Jahre nachdem er das Handtuch geworfen hat, um Kinofilme zu produzieren.

GoD Factory: Wingmen - Da steckt noch viel Science-Fiction drin

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Gedankenverloren klickte unser Redakteur auf das rote X und brachte sich so um die einzigen beiden Raumschiffe.
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Doch wenngleich Roberts mittlerweile fast 53 Millionen Dollar Crowdfunding-Kapital beisammen hat, wird es noch ein, zwei oder mehr Jährchen dauern, bis Star Citizen in halbwegs kompletter Fassung bei uns aufschlägt. Auch David Braben ist mit seinem Elite: Dangerous längst nicht fertig und so sucht die hungrige Community nach ihrer Auferstehung nach dem passenden Ersatzflieger, mit dem sich bis zur Fertigstellung der großen Projekte durchs All düsen lässt.

Eine weitere Dimension

Darauf hoffen auch die Leute von Nine Dots mit ihrem GoD Factory: Wingmen. Das wird aktuell für 19,99 Euro auf Steam angeboten und verspricht ein “rasanter Spaceshooter” zu sein “mit rasanten, intensiven Taktikschlachten”. Klingt gut, lockt auch zahlreiche Spieler an. Doch dergleichen haben schon so viele Studios versprochen.

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Unser Raumjäger im Hangar des Mutterschiffs. Selbst auf der Galactica der siebziger Jahre sah das irgendwie besser aus.
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Dabei ist GoD Factory: Wingmen nicht einmal der erste Titel von Nine Dots. Deren Erstlingswerk heißt Brand und ist ein gar nicht mal so schlechter 2-D-Plattformer. Dennoch ist es ausgesprochen mutig, dass man sich danach sofort an die Unendlichkeit des Weltraums heranwagte und für eine der vielleicht anspruchsvollsten Zielgruppen überhaupt entwickeln möchte.

Noch eine Space-Simulation im Rohbau.Fazit lesen

Von der Lobby aus ins All

Wobei es mit der Unendlichkeit in GoD nicht allzu weit her ist. Das Spiel entpuppt sich schon nach dem ersten Einloggen als waschechtes Lobby-Game, in dem man im Hauptmenü auf seine Raumschiffe schaut, um sie dort für die Schlacht aus- und aufzurüsten. Das allerdings ist auf den ersten Blick so vertrackt, dass ich die beiden Schiffe, die mir zu Beginn zur Auswahl stehen, bei der ersten Inspektion versehentlich gelöscht hatte.

Damit allerdings war es dann schlichtweg unmöglich, überhaupt in den Kampf einzusteigen, um mir neue zu verdienen. Ich hing also im leeren Hangar-Menü fest. So suchte ich Hilfe im offiziellen Forum und bekam erfreulich umgehend Antwort von einem der Entwickler. Man hatte offenbar nicht erwartet, dass jemand so dämlich sein könnte, seine Startschiffe zu löschen und für diese Eventualität nicht vorgesorgt.

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Ob Raumschiffe oder Planeten - GoD Factory: Wingmen hinkt optisch um Jahrzehnte hinterher.
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Service = GoDlike

Man versprach Abhilfe und nur wenige Stunden später war dieses Problem beseitigt - und zwar softwareseitig. So etwas habe ich in meiner langen Zeit als Gamer noch nie erlebt - einen direkten Kontakt mit den Entwicklern und eine Problemlösung innerhalb von Stunden. Über mangelnden Kundenservice kann man sich bei GoD Factory: Wingmen also kaum beschweren.

Wohl aber über das verwirrende Chaos der Menüs, das mich erst in diese missliche Lage gebracht hatte und das dem Spieler einige Geduld abverlangt, bis er mal durchgestiegen ist. Wobei das ein Problem ist, mit dem viele solche Lobby-Simulatoren zu kämpfen haben - ob sie nun WarThunder, MechWarrior Online oder Star Conflict heißen. Mit letzterem ist GoD Factory: Wingmen konzeptionell und vom Spielgefühl her wohl am ehesten zu vergleichen.

Bin fast da...

Im derzeit einzigen Spielmodus starten zwei Teams zu jeweils vier Spielern von zwei Trägerschiffen aus ins All. Der Auftrag ist theoretisch einfach: Zerstöre das gegnerische Schlachtschiff, bevor es das eigene ausschalten kann. Zwei unterschiedliche Raumschiffe darf man mit in die Schlacht nehmen - sind beide vernichtet, bleiben nur noch recht kampfschwache Drohnen übrig - die jedoch in unbegrenzter Zahl.
Der Kampf selber läuft, sofern man sich erst einmal mit der eigenwilligen Steuerung angefreundet hat, erfreulich taktisch ab.

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Wer beide Kampfschiffe verliert, muss den Rest der Runde mit Drohnen bestreiten. Die sind schwach, aber in unendlicher Zahl verfügbar.
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Der clevere Einsatz von Skills und Nachbrennern ist wichtiger als wildes Dauerfeuer - auch das Zielen fällt vergleichsweise leicht. Wer nur hinter den Gegnern herjagt, wird schnell ins Hintertreffen geraten, denn viel wichtiger ist es, die Subsysteme des gegnerischen Trägers auszuschalten - nur dafür lohnt es sich, den eigenen Jäger aufs Spiel zu setzen.

Unity noch nicht ganz im Griff

Ist das eigene Schiff beschädigt oder die Munition aufgebraucht, versucht man, sich so schnell wie möglich in den sicheren Hangar zu retten und umzusteigen, während der benutzte Kahn repariert wird und neue Munition bekommt - je nach Ausrüstung und Grad der Beschädigung Beschädigung dauert das unterschiedlich lang.

Ein weiteres Video

Spielerisch macht das zwar Laune jedoch hinkt GoD Factory: Wingman optisch leider hinter den meisten Konkurrenten her. Das liegt weniger an der Unity Engine, die einen durchaus größeren Spielraum erlaubte, als an der allgemeinen Ästhetik. Die Entwickler scheinen nicht so recht zu wissen, wohin sich GoD bewegen soll - ob in Richtung realistischer Science Fiction oder doch eher in Richtung Asia-SciFi.

Hässlichkeit kennt keine Grenzen

Das All an sich ist schon seltsam gefärbt und lässt wenig Star-Wars-Feeling aufkommen. Auch die Texturen und Details der Raumschiffe und Objekte lassen arg zu wünschen übrig und verhindern, dass sich Raumschiff-Fetischisten im Spiel allzu heimisch fühlen werden. Zwar kann sich die Vielfalt der Raumschiffmodule durchaus sehen lassen, doch manchmal ist weniger eben mehr.

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Wenn es an echten Spielern mangelt, kann man sich auch mit Bots die Zeit vertreiben. Trotzdem wird es Zeit für ein neues Geschäftsmodell.
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Wobei die Jungs von Nine Dots eine ganz besondere Zielgruppe im Auge haben: Sie entwickeln GoD Factory: Wingmen für das Oculus Rift. Das erlaubt bekanntlich einen dreidimensionalen und freien Rundumblick - ein Element, das GoD Factory mit Sicherheit um ein Vielfaches aufwerten wird - sofern die Geräte denn mal marktreif werden.

Einstimmung auf Valkyrie

Mit dem Oculus im Blick weckt GoD Factory: Wingmen plötzlich auch gewisse Erinnerungen an meine letzten Island-Besuche, als ich auf dem EVE-Fanfest mit Oculus Rift und Project Morpheus durch EVE Valkyrie düste. Auch Valkyrie wurde zuerst mit der Unity Engine entwickelt und ist GoD spielerisch durchaus recht ähnlich.

Neben dem Oculus Rift sollte übrigens auch ein Joystick nicht im Arsenal eines GoD-Spielers fehlen. Das Raumschiff lässt sich damit bedeutend überzeugender steuern als mit Maus und Tastatur, die ohnehin größte Probleme bereiten, wenn erst das Sichtfeld abgeschottet ist und man nicht mehr auf die Tasten schauen kann. Die wichtigsten findet man zwar noch blind - diverse Sonderfunktionen allerdings nicht mehr. Spätestens im Hangar, wenn man an seinem Schiffchen herumschraubt, versperrt einem der VR-Helm die Sicht und man freut sich, wenn man zum Controller greifen kann.

Aller Anfang ist schwer

Problematischer als alle optischen und steuerungstechnischen Probleme ist allerdings das Geschäftsmodell von GoD Factory: Wingmen. Statt das Spiel kostenlos anzubieten und den Aufstieg für zahlende Kunden zu beschleunigen, ist es für knapp 20 Euro via Steam zu haben. Damit fällt dann zwar jeglicher Pay-To-Win-Verdacht weg, doch ergibt sich ein anderes Problem: Angesichts der starken, kostenlosen Konkurrenz ist die Liste der wartenden Spieler äußerst klein.

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Die Jäger der vier Rassen lassen sich mit verschiedenen Modulen auf- und umrüsten - je nach bevorzugtem Spielstil.
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Kaum mehr als zwischen 100 und 200 Spieler sind mir in der Lobby begegnet, die meisten davon in Spielen mit Bots unterwegs. Und wer dann doch mal Anschluss findet, steht oft erfahrenen Spielern mit hochgezüchteten Jägern gegenüber. Entsprechend hart und bisweilen niederschmetternd ist damit der Anfang und die Verlockung groß, doch lieber wieder in Gaijins Star Conflict einzuloggen, wo man mittlerweile ein halbwegs solides Matchmaking und unterschiedlichste Spielmodi bei annehmbarer Grafikpracht vorfindet.