Wieder mal ist die neue Jagdsaison auf wildes, wütendes Monstergetier eröffnet. Doch diesmal seid ihr nicht in prähistorischen Gefilden auf Pirschgang, sondern befindet euch im postapokalyptischen Japan der nahen Zukunft, wo eine Gruppe Auserwählter den Kampf gegen übernatürliche Kreaturen aufnimmt, um die Menschheit, mal wieder, vor dem Untergang zu bewahren. Nicht gerade ein unverbrauchtes Szenario, das sich ohne Weiteres spannend verpacken ließe. Möglich wäre es durchaus, aber die Prämisse von bei God Eater 2: Rage Burst liegt woanders.

In God Eater wurde die Welt durch die sogenannten Aragami („Wilde Gottheiten“) nahezu dem Erdboden gleichgemacht. Die übernatürlichen Kreaturen sind eines Tages aus dem Nichts erschienen und haben ihrer Zerstörungswut freien Lauf gelassen. Lange galten sie als unbesiegbar; verletzt oder gar getötet wurden sie nur durch die eigenen Artgenossen. Wie es sich für Auserwählte gehört, seid ihr mithilfe spezieller Waffen jedoch einer der wenigen, die in der Lage sind, sie zu besiegen. In diese Personen wurden Zellen der Aragami eingepflanzt – und auch die Handhabung der göttlichen Gerätschaften, mit denen die Biester vermöbelt werden, beherrscht natürlich nicht jeder. Daher wird euch diese „Ehre“ zuteil, um die Welt vor den zerstörerischen Untieren zu säubern und den Rest der Zivilisation – sofern von ihr noch etwas übrig ist – zu retten. Da ihr mit dem Erlegen der Wüteriche an neue Bestandteile für bessere Waffen kommt, um wiederum noch stärkeren Kreaturen die Stirn zu bieten, schlagt ihr praktisch zwei Fliegen mit einer Klappe.

God Eater 2: Rage Burst - Götter-Fastfood

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Begleitet werdet ihr bei eurer großen Monsterhatz von weiteren Kameraden, die allesamt wie fotogene Glanz-und-Glitter-Models eines trendigen Casual-Mode-Magazins ausschauen.
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Wer sich hier sofort an Monster Hunter erinnert fühlt, liegt mit der Annahme durchaus richtig. Das klassische Sammel- und Jagdprinzip des großen Vorbilds ist bereits in den ersten Spielminuten nicht von der Hand zu weisen und wer sich in vergangener Zeit mit ähnlichen Genrekollegen wie Toukiden: Kiwami oder Freedom Wars beschäftigt hat, wird auch hier im Einzelnen einige abgekupferte Versatzstücke wiedererkennen. Für eingefleischte Monsterjäger dürfte God Eater 2: Rage Burst kaum allzu große Überraschungen bereithalten. Optisch und narrativ ist es außerdem der Anime-typischste Vertretern seiner Art, was nicht unbedingt das vielversprechendste Alleinstellungsmerkmal darstellt.

Packshot zu God Eater Rage Burst 2God Eater Rage Burst 2Release: PlayStation Vita, PS4: 30.8.2016 kaufen: Jetzt kaufen:

Wenn sich an dem ersten Eindruck noch etwas ändert, dann einzig deshalb, weil der Grad der Absurditäten und des Fremdschämgehalts mit jeder weiteren Dialogszene ins Unermessliche steigt – und daran hat die krude Lokalisation eine Teilschuld. Wer ein zermürbendes Endzeitdrama erwartet, ist hier absolut an der falschen Adresse. Klar, ernste und traurige Momente gibt es auch, aber die sind nur sporadisch eingestreut und in der Gesamtheit eher unbedeutend. Die Hintergründe des Weltuntergangs sind ohnehin nur inhaltliches Beiwerk, um euch nach jeder weiteren Mission ein Gefühl von Spielfortschritt zu geben.

Man muss sich auf diesen Animehintergrund einlassen können, sowohl auf inhaltlicher als auch spielerischer Ebene. Und wer das tut, für den ist der Rest Routine: Ihr wählt eine Mission, pirscht euch an umherstreunende Monster heran, schickt das widerspenstige Freiwild in die ewigen Jagdgründe und lootet anschließend die Überreste aus, die ihr dann zum Craften für allerlei Jagdzeug wiederverwendet. Ein paar neuartige Kleinigkeiten im Detail hält das Spiel für Jagdveteranen dann aber doch noch bereit.

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Viel Haut zeigende, katzenohrige Mädels mit dicken Hämmern. Ein Animespiel durch und durch.
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So könnt ihr die fiesen Viecher schon während des Kampfes mithilfe eurer Standardwaffen ausbeuten und erhaltet auf diese Weise manchmal sogar alternative Monsterteile. Wie bereits erwähnt, besitzen die Waffen der Aragami-Jäger die Eigenschaft, den Ungetümen Schaden zuzufügen, da ihnen selbst ein Artgenosse innewohnt. Optisch sieht es dann aus, als würde eure Waffe tatsächlich einen genüsslichen Happen vom Gegner abbeißen (daher auch der Spielname). Solch eine Aktion eignet sich am besten, wenn der Gegner am Boden liegt und sich eine Weile nicht mehr regt.

Schöne Ansätze beim Kampf- und Waffensystem, die aber vom niedrigen Schwierigkeitsgrad und der Abwechslungsarmut überschattet werden.Fazit lesen

Der Bissangriff ist nämlich eine sehr schleppende Aktion, während der ihr dem Feind wehrlos ausgeliefert seid, wenn ihr sie im falschen Moment auswählt. Nicht dass es euch wirklich den Kopf kosten würde. Meist werdet ihr in den Missionen ohnehin nicht ins Schwitzen geraten, wenn ihr nicht gerade mit wenig Mann gegen ein stärkeres Biest kloppen müsst. Auch mit der Einführung der Hard-Missions ändert sich an dem eher niedrigen Niveau wenig. Das macht God Eater 2: Rage Burst auch so ernüchternd, denn eigentlich gibt es im Kampfsystem und beim Verbessern der eigenen Waffen durchaus Feinheiten, die es gegenüber dem großen Vorbild Monster Hunter sogar besser macht – zumindest für jemanden wie mich, der mit der trägen Waffenhandhabung nie so ganz warm wurde.

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Ein wenig schade ist, dass die durchaus beeindruckenden Kolosse im Gegensatz zu den gerenderten Zwischensequenzen nur halb so toll in den wirklichen Spielabschnitten ausschauen.
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Die Angriffsaktionen werden hier weitaus schneller ausgeführt, egal mit welchen übergroßen Kalibern ihr auf die Monsterbrut eindrescht, und ebenso rasch füllt sich eure Ausdauerleiste auf. Aufladbare Attacken lassen sich zudem beliebig hinauszögern, während ihr dazu noch eure Position bis zum letzten Augenblick, wenn der Gegner sich von der Stelle bewegen sollte, verändern könnt. Und selbst wenn er mit der Zeit anfangen sollte, auf Distanz zu gehen oder euch aus luftiger Höhe angreift, habt ihr immer noch eine sekundäre Distanzwaffe dabei, um ihn blitzschnell von Weitem zu bearbeiten und an der Regeneration zu hindern.

Kaum eine Konfrontation hat ein Gefühl von Herausforderung aufkommen lassen. Alle Dutzend Aufträge bekommt ihr es vielleicht mit einem zäheren Brocken zu tun, der etwas härter im Nehmen ist und womöglich einen weiteren Monsterkollegen zur Hilfe holt. Solange ihr euch aber nicht zu dumm anstellt und immer wisst, wann ihr euch kurzzeitig vor einem brachialen Rundumschlag des Feindes zurückzuziehen habt, werdet ihr kaum eine Nahtoderfahrung machen, geschweige denn überhaupt einen Heilgegenstand konsumieren müssen. Selbst als unbeholfener Anfänger habe ich, ohne die ersten Stunden wirklich Gebrauch von den Waffenskills zu machen, es geschafft, nahezu jede Mission innerhalb weniger Minuten mit einem Triple-S-Rang zu beenden – und das sollte schon viel über den allgemeinen Schwierigkeitsgrad aussagen.

Dass God Eater 2: Rage Burst trotz repetitiver Bestandteile nach mehreren Stunden nicht völlig ermüdet, verdankt es einer unscheinbaren Komponente, die erst im späteren Handlungsverlauf eingeführt wird. Ab einem bestimmten Zeitpunkt habt ihr Zugriff auf die sogenannten Blood Arts, die eure Nahkampfwaffen-Skills für einen kurzen Moment um einige zusätzliche Kombo-Attacken erweitern. Dieser temporäre Zustand des „Erwachens“ lässt sich bei stärkeren Gegnern besonders schnell erreichen und verschafft euch je nach Waffe gänzlich unterschiedliche Fertigkeiten, die ihr am Ende einer neuen Mission durch die gewonnenen Erfahrungspunkte verbessern könnt.

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Die Monsterjagd-Missionen machen mit weiteren Spielern weitaus mehr Spaß, sind aber auch viel zu schnell wieder vorbei.
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Das Schema der Skill- und Kombovielfalt lädt durchaus zum Ausprobieren verschiedener Waffentypen ein (selbst jede Waffe eines Typs weist kleine Unterschiede bei den Blood Arts auf). Ich habe mich nach anfänglichen Versuchen schnell auf eine Waffe eingeschossen und mich allein durch das bloße Aufleveln und Hinarbeiten zu den Blood Arts angenehm beschäftigt gefühlt. Darüber hinaus lassen sich die Ausrüstungsgegenstände mit fünf Passivskills versehen, wodurch selbst eine Anfängerwaffe in späteren Mission noch ordentlich was hermacht. So seid ihr eigentlich nur selten auf einem Waffenwechsel angewiesen, es sei denn, euch ist danach.

Das sehr dynamische Kampf- und Waffensystem ist dann auch einer der größten Vorzüge, die God Eater gegenüber anderen Genrekollegen besitzt. Alte Waffen werden nicht zwangsläufig obsolet, sobald ihr neue findet. Stattdessen hat es auch Vorteile, bei der alten Eisen zu verbleiben und sie mit Upgrades, passenden Passivskills und bereits fortgeschrittenen Blood Arts stetig zu verbessern. Es hat durchaus sein Gutes, wenn euch ein Spiel dazu animiert, dieselbe Waffe über einen längeren Zeitraum zu nutzen, bis ihr das volle Potenzial ausgeschöpft habt. Und wenn das simple Prinzip der Vervollständigung und Aufrüstung so gut funktioniert, dass selbst die anfänglich befremdlichen Anime-Eigenheiten kaum noch stören, man sich trotz aller Probleme stundenlangen Jagdtouren hingibt, kann ja nicht alles schlecht sein.