Aller guten Dinge sind Drei: die drei Fragezeichen, die Drei von der Tankstelle, die drei Damen vom Grill. Oder die drei Gobliiins Tchoup, Stucco und Perlius, die sich wie seinerzeit das legendäre „Day of the Tentacle“-Trio im drolligen Team durch ihre Abenteuer puzzlen. Im Test sei allerdings die Frage erlaubt, ob aller Dinge nicht besser Drei geblieben wären oder ein vierter Teil der Reihe wirklich nötig war.

Gobliiins 4 - GDC 09 Trailer

Es müssen nicht immer erzböse Mächte sein, um ein Fantasy-Reich in helle Aufregung zu versetzen. In Gobliiins 4 gereicht schon das entflohene Erdferkel des Königs zum Vorwand, die drei Kobolde Tchoup, Stucco und Perlius auf eine abenteuerliche Reise zu entsenden.

Gobliiins 4 - Die Kult-Gnome in ihrem neuen Abenteuer

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König Balderon vermisst sein Erdferkel. In Gobliiins 4 ist alles ein wenig anders.
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Ihren ersten Auftritt hatte das schrullige Triumphirat bereits 1992 im ersten Teil der Gobliiins-Serie, der sich als skurrile Knobel-Alternative zum eingefahrenen Point&Click- Einerlei empfahl. Im Gegensatz zu ihren entfernten Genreverwandten erzählten die Goblins-Spiele keine groß angelegte Geschichte, Dialoge gab es ebenfalls nicht, stattdessen standen pfiffige Kombinationsrätsel mit dem extra fettigen Hirnschmalz-Gütesiegel im Vordergrund des Gameplays.

Packshot zu Gobliiins 4Gobliiins 4Erschienen für PC kaufen: ab 7,55€

Nach den Fortsetzungen Gobliins 2 und Goblins 3, die nicht nur jeweils ein i im Namen, sondern ebenfalls je einen der Protagonisten ablegten, markierte der Ableger mit dem seltsamen Namen „Woodruff and the Schnibble of Azimuth“ den bisher letzten Teil der Serie. Insofern ist Gobliiins 4 genau genommen bereits der fünfte Teil der Serie. Auch Nicht-Eingeweihte sollten spätestens jetzt bemerkt haben: Hier ist alles ein bisschen anders als normal…

Is’ doch nich’ normal für’n Spiel

Wer zum ersten Mal den Startbildschirm von Gobliiins 4 erblickt, fühlt sich unweigerlich an Zeiten zurück erinnert, in denen die Kartoffeln noch auf Bäumen wuchsen und Parkuhren Fahrrad fahren konnten. Drei 3D-modellierte Gnome, mit mehr Ecken an den Polygonen als an einer gothischen Kathedrale zu finden sind grinsen, euch von einer gerenderten Hintergrund-Tapete an, die wirkt wie aus dem Wasserfarbkasten ausgelaufen. Das Gras sieht hier aus wie eine Tüte Erbsensuppe und der nach Spielaussage „riesige Stein“ im Hintergrund könnte ebenso gut ein altes Stück Keks, ein feuchter Schwamm oder ein getrockneter Haufen Erbrochenes sein.

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Grafik aus dem Wasserkasten: Selbst der Knuddelcharme kann die veraltete Technik nicht übertünchen.
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Die Marschrichtung von Gobliiins 4 ist offensichtlich: Hier haben Charme und Witz Vorfahrt vor Mega-Hertz und Grafik-Overkill. Dass ein Spiel zum Beinahe-Vollpreis jedoch die letzten zehn Jahre technischer Entwicklung konsequent missachtet, stellt es qualitativ eher auf eine Stufe mit den keineswegs schlechten Kostenlos-Titeln aus dem Netz als mit professionell gemachter Retro-Kost.

Auch spielerisch hat sich in den 17 Jahren seit dem ersten Gobliiins nichts getan. Die insgesamt 15 (plus ein Bonus-)Level nehmen exakt die Größe eines niedrig aufgelösten Bildschirms ein. Hier gilt es, die unterschiedlichen Fähigkeiten der drei Kobolde so auf die Umgebung anzuwenden, dass der Weg zum nächsten Abschnitt frei wird.

So ist Tchoup etwa der Einzige im Trio, der Gegenstände einsammeln und andernorts verwenden kann. Der kräftige Stucco ist der Mann für’s Grobe: Er kann schwere Felsbrocken verschieben oder eingeklemmte Gegenstände heraus reißen. Zauberer Perlius lässt mit seinem Zauberstab Vasen schweben, Pilze wachsen oder er erweckt skelettierte Vögel wieder zum Leben.

Durchgeknallt statt durchdacht

Wie in den Vorgängern sind die Rätsel mehr durchgeknallt als durchdacht. Um beispielsweise ein Monster von seinen Zahnschmerzen zu befreien, müssen wir einen Hasen (!) aus seinem Backenzahn boxen. Das ist zwar originell und bisweilen zum Schreien komisch, doch da viele der Puzzles nur durch langwieriges Ausprobieren zu erknobeln sind, wird man das Spiel und vor allem seine achselzuckende „Das geht so nicht“-Animation mit regelmäßigen Flüchen versehen. „Gobliiins 4“-Spieler sollten von Haus aus frustresistent sein – oder unsere Komplettlösung bookmarken.

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Schildkröte Ursula trägt ein Haus auf dem Rücken: Ein Hoch auf das originelle Level-Design!
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Hinzu kommt, dass in vielen Levels ein und dieselbe Aktion mehrfach durchgeführt werden muss, um zum Erfolg zu führen. Um beispielsweise auf das andere Ufer des Schlossgrabens zu gelangen, muss einer der Goblins erst einen Riesenfrosch mit einem Schlag auf einen Bienenstock hinüber locken, während sich ein anderer Gnom auf dessen Rücken setzt. Zurück geht es nach derselben Methode. Das ewige Hin und Her nervt schon nach wenigen Minuten.

Durchgeknallt statt durchdacht: Die abgedrehte Hardcore-Knobelei vermiest mit veralteter Technik und unfairen Rätseln den Spielspaß.Fazit lesen

Als wollten die Entwickler ihre Spieler mit voller Absicht zur Weißglut treiben, verstecken sie wichtige Gegenstände mit Vorliebe in kaum wahrnehmbaren Pixeleinsiedlern im Hintergrund und enthalten ihnen dann die Hotspot-Taste vor, die in noch keinem Spiel so nötig gewesen wäre wie hier.

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Einen Level bestreiten wir gar im Maul eines Ungeheuers.
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Eindeutiges Highlight des Spiels ist jedoch das unvergleichlich ideenreiche Level-Design. Einmal stecken die drei Goblins im Maul eines Ungeheuers fest, ein andermal finden wir uns in den Kästchenbildern eines Comicheftes wieder, und im Bonuslevel besuchen wir gar den Entwickler des Spiels persönlich und kommen erst durch Drücken von Strg+Alt+Ent auf dessen Computertastatur wieder durch den Monitor zurück in die Spielwelt.

Auch sonst ist der Weg unserer Abenteurer gepflastert mit skurrilen Einfällen: Die Wächter des Königschlosses tragen die Zinnen ihrer Wachtürme wie Faschingshüte auf den Köpfen, die Riesenschildkröte Ursula, die ein Holzhaus direkt auf ihrem Rückenpanzer trägt, braucht Hilfe beim Umzug, und Tchoups niedliche fleischfressende Pflanze muss zunächst mit eingelegten Gurken gefüttert werden, bevor er das Haus verlassen kann. Ein Hoch auf so viel Fantasie!