Das erste eigene Pony, das ausnahmsweise nicht von Mama gestrickt wurde, oder eine Nacht mit der Rothaarigen von gegenüber sind nichts im Vergleich mit dem Kindheitstraum par excellence: Selber mal Feuerwehrma... Geisterjäger sein. Konnte man zwar auch schon früher auf C64, NES und Co., aber heute erkennt man die Gesichter der vier Haudegen auch endlich. Und der fünfte da? Das seid ihr.

Ghostbusters: Das Videospiel - Komplettes Intro in HD10 weitere Videos

Liebt ihr auch die Ghostbusters-Melodie seit den Tagen, als Opas Bierdeckelsammlung noch „was richtig Kerniges für echte Männer“ war, wie Oma damals immer sagte? Könnt ihr sie selbst im Tiefschlaf schnarchend durch die Atemwege zwängen? Nach zwei Flaschen von Onkel Hermanns Selbstgebranntem noch „Who you gonna call?“ mitlallen?

Ghostbusters: Das Videospiel - Who you gonna call? Ghostbusters!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/8Bild 65/721/72
Kann in die Hose gehen: geistiger Überflieger.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Gut, dann vorab ein Tipp: Spielt um Himmels Willen nicht den schweren und seid vorsichtig mit dem mittleren Schwierigkeitsgrad, andernfalls werdet ihr sie vielleicht nach diesem Videospiel-Comeback hassen. Denn ihr bekommt sie nur im Ladebildschirm zu hören – jedes Mal, wenn ihr das Zeitliche segnet, jedes Mal fast eine Minute lang. Kollege Olli neben mir weiß, wovon ich rede.

Dieses Spiel kann ein echtes Biest sein, sich wie eine gusseiserne Pfanne anfühlen, die euch öfter auf die Bretter schickt, als euch lieb ist. Sobald alle Geisterjäger wie die Maikäfer auf dem Rücken liegen, zwängt sich der „Mission gescheitert“-Schriftzug ins Bild, bevor ihr in den Tiefen des Ladebildschirms mit den altbekannten Klängen begrüßt werdet. Das ist schön – wenn es zum ersten Mal passiert. Hier ist man selbst nach dem Scheitern noch erfreut, dass die Entwickler mit so viel Hingabe den Esprit der Vorlage einfangen wollten. Vielleicht auch beim zweiten oder dritten Mal, lasst es vier sein.

Ghostbusters: Das Videospiel - Who you gonna call? Ghostbusters!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden7 Bilder
Sherlock Holmes passt sich der Zeit an.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Danach wächst die Wut, die Ernüchterung über unsauber designte Stellen, und irgendwie will man die Faust ballen und die Entwickler für die Fehltritte verfluchen. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn dieses Spiel fühlt sich tatsächlich wie Ghostbusters an, wenn man mit Protonenpack und Falle die Fährte von Huii, Buhh und Bääh aufnimmt.

Venkman, Slimey, Marshmallow-Man

Dank platter Sprüche weht atmosphärisch sofort der alte Wind – und wenig später mit wohlig vertrauten Stücken auch akustisch. Es kribbelt richtig, wenn man durch finstere Flure tigert, während im Hintergrund das Klavier nervös klimpert. Aber dann riecht es wieder nach einem ordinären Shooter, wenn Kerzenleuchter im Dutzend über den Boden zuckeln oder die zum Leben erweckten Statuen im Museum wie Puppen gegen die Wand fliegen.

Ghostbusters: Das Videospiel - Who you gonna call? Ghostbusters!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/8Bild 65/721/72
In New York wird der Verkehr noch per Hand geregelt.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Und dann fragt man sich: Sind das überhaupt noch die Ghostbusters, wie man sie kennt? Wieso stürmen da brennende Lavaklumpen wie Golems durch den Keller? Wieso wird das Ganze später zur Massenabfertigung am Geisterfließband, statt auf den Schrecken gezielt Angst einjagender Gespenster zu setzen? Seit wann kann man Geister schnöde erschießen? Klar, auch Venkman, Spengler und Co. müssen ja wenigstens sieben, acht Stunden lang unterhalten. Aber was Terminal Reality an einigen Stellen veranstaltet, wird den Helden unserer Jugend nicht gerecht.

Dabei beginnt dieses Abenteuer viel versprechend. Mit all den Kleinigkeiten, die man aus den Filmen kennt, etwa dem weitgehend akkurat nachgebauten Ghostbusters-Hauptquartier, wo alles an seinem Platz ist – die Stangen, der Geisterspeicher im Keller, Slimer, der Billard-Tisch, der Toaster. Und spätestens, wenn Janine zum ersten Mal typisch trödelig ans Telefon geht, will man den Entwicklern auf die Schulter klopfen. Schade ist zwar, dass die Einrichtung wenig interaktiv ist, man also nur ein paar kleine witzige Ereignisse auslösen kann. Aber diese Bill Murray, Dan Aykroyd und Co. aus dem Gesicht geschnittenen Figuren, die englischen Originalstimmen, die flachen, aber unterhaltsamen Sprüche – alles passt, dieser Einstieg ist gelungen.

Ghostbusters: Das Videospiel - Who you gonna call? Ghostbusters!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden7 Bilder
Die "Psssssst"-Lady aus dem ersten Teil ist auch dabei.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Inhaltlich gibt es verschiedene Ankerpunkte zu den Filmen: bekannte Orte, die man besucht, auftretende Charaktere wie Walter Peck, vertraute Geister und so weiter. Immer wieder hat man kleinere Déjà-vus, obwohl Terminal Reality keine Szene eins zu eins nachstellt und mit den vorhandenen Zutaten ein eigenes Ghostbusters-Süppchen kocht. Auf der Zutatenliste steht sogar ein Wiedersehen mit dem Marshmallow-Mann, der kräftig auftritt und Eindruck hinterlässt. Zumindest bei einem blutigen Anfänger, der ihr nun mal seid. Als fünfter Geisterjäger in der Ausbildung stärkt ihr dem bekannten Ensemble den Rücken, das euch von Einsatz zu Einsatz begleitet. Mal alle, mal nur einer oder zwei.

Ein Comeback, das gerne was Besonderes wäre, die filmische Faszination aber nur sporadisch einfangen kann.Fazit lesen

Und dann grinsen sie aus der Wand, preschen um die Ecke. Die ersten Geister genießen ihren Auftritt, die Entwickler ein anerkennendes Nicken, denn diese Aussichten machen echt neugierig. Man muss die spukenden Quengelteufel gezielt mit der Kanone schwächen, um sie am Ende mit einem Fangstrahl zu fixieren. Jetzt kann man sie mit dem rechten Stick in eine Richtung ziehen und sie gegen Wände, die Decke oder auf den Boden zu stoßen.

Natürlich erlischt die Kraft eines echten Geistes erst, wenn er in der Falle zappelt. Die legt man während des Kampfes aus, bevor man ihn mit dem Fangstrahl hinein zieht und mit Stickbewegungen seine Versuche abschmettert, sich aus dem Grab zu winden.

Klirr, Rumms, Krach

Schöner Anblick, dass die Kulisse währenddessen ansehnlich zu Bruch geht und Trümmer hinterlässt, wenn Säulen krümeln, hölzerne Schränke splittern oder Kronleuchter krachend unten landen. Aber man muss ja nicht gleich alles zu Klump schießen, immerhin lohnt es sich, mit dem PKE-Scanner auf die Suche nach Artefakten zu gehen und jeden Geist abzulichten.

Ghostbusters: Das Videospiel - Who you gonna call? Ghostbusters!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/8Bild 65/721/72
Totale Protonenumkehr: Verdientes Geld steckt ihr in bessere Ausrüstung.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das damit verdiente Geld steckt man in Upgrades für den Strahler, der bis zum Ende unter anderem um einen Eis- oder Schleimaufsatz erweitert wird – inklusive einiger Geister mit bestimmten Anfälligkeiten. Hinzu kommt, dass jede Waffe einen Sekundärfeuermodus hat: Der Schleimaufsatz verschießt beispielsweise klebrige Fäden, die man auf die Geister abfeuert, bevor man das andere Ende in einer Wand verankert und die Quälteufel sich deftig den Kopf stoßen.

Die Kollegen arbeiten derweil mittelprächtig mit. Was im Normalfall ja kein Problem ist, aber früher oder später überschütten euch die Entwickler mit trällernden Walküren, Gargoyles, fliegenden Geschmeiß oder mit Bossgegnern, die schnell die ganze Gruppe aufreiben. Geht ihr zu Boden, könnt ihr nur warten, bis einer der Kollegen zu Hilfe eilt. Oder selbst auf dem Rücken landet.

Gameplay-Video: Kampf gegen den Marshmallow-ManDie KI ist so phlegmatisch, dass die Kollegen oft quälend lange brauchen, bis sie sich erbarmen und euch wieder auf die klapprigen Beine helfen. Besonders wenn die Kulisse zu Bruch geht und dicke Trümmerstücke auf dem Boden liegen, bleiben sie zuweilen einfach daran hängen und lassen sich selbst aus den speckigen Latschen hauen. Sind alle unten, heißt es: Game over. Und die Musik geht los. Schon wieder.

Lauter kleine Nervensägen

Dann verfällt das Spiel plötzlich in ein Muster. Die ersten Abschnitte machen noch neugierig und lassen die Klasse der Vorlage durchschimmern. Dann schiebt euch Terminal Reality ganze Wellen kleiner Nervensägen entgegen, die man einfach abknallt, als wären es saftige, sonnengereifte Äpfel auf dem Schießstand. Schön ist zwar, dass man sich auch lose an der Zeichentrickserie orientiert hat und Portale in eine Parallelwelt locken, wo bizarre, in sich verdrehte Gänge und schiefe Bilder eine herrlich geisterhafte Atmosphäre einfangen.

Ghostbusters: Das Videospiel - Who you gonna call? Ghostbusters!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden7 Bilder
Huiiii, buuuuh, ahhhhh - das sind Bücher! Echt gruselig!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Aber dann brechen fliegende Bücherschwärme los, die eher an Harry Potter erinnern. Was in den Filmen die Ruhe vor dem Sturm war und nur zur inszenatorischen Andeutung der Gefahr genutzt wurde, als Gegenstände durchs Bild schwebten, wird hier Spielelement. Sogar die Jagd nach der alten Flüsterlady in der Bibliothek gestaltet sich zäh und spröde, da man immer wieder die gleichen kleinen Bücherwürmer wegschießen muss. Was im Film angenehm gespenstisch wirkte, ist im Spiel nur Füllprogramm - solides zwar, aber niemals so gut, dass man sich begeistert reinsteigert.

Hat man da Angst? Nein. Übrigens genauso wenig wie bei den aus alten Wälzern bestehenden Dämonen oder den Statuen, die im Museum erwachen. All das fühlt sich eher wie ein Shooter an, wenn man mit dem Sekundärfeuer des normalen Strahlers eine Druckwelle entlässt, die alles Umstehende wegsprengt. Wie einer aus dem soliden Mittelfeld, den man einfach nur spielt, weil er funktioniert.

Ghostbusters: Das Videospiel - Who you gonna call? Ghostbusters!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/8Bild 65/721/72
Highlight des Spiels sind die originalgetreuen Charaktermodelle.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Bestenfalls solide ist auch die Technik in der PS3-Version. Erwartet man von diesem schnurrenden Technikmonster in Schwarz nicht eine Vorstellung, die einen vom Stuhl haut? Sollte es nicht zu mehr als herrlich detaillierten Gesichtern und passabel gestalteten Kulissen reichen? Sollte es. Das Design der meisten Geister ist ja schließlich auch geglückt.

Aber leider weht zwischen kargem Interieur, schwachen Texturen und dünnen Effekten kein frischer Next-Gen-Wind, hier rollt bestenfalls ein lauer Last-Gen-Tumbleweed durchs Bild. Man ist zwar immer noch interessiert, weil Architektur und Physik-Engine gelungen sind, aber irgendwann erwischt man sich beim Blick in den TV-Schrank. Läuft da vielleicht doch die PS2? Hat es jemand gesehen? Werde ich beobachtet? Wie peinlich.