Die Ghosts sind zurück! Nein, gemeint sind nicht Bill Murray und seine Chaotentruppe mit nicht-lizensierten Positronenbeschleunigern auf dem Rücken. Die Rede ist von der am liebsten unerkannt bleibenden Einsatztruppe, die unerschrocken dem wie ein Schreckgespenst umhergeisternden Terrorismus dieser Welt entgegen tritt.

Auch in diesem Jahr ist es an ihnen, so manchen Geist auszutreiben, die, einmal gerufen, nicht mehr loszuwerden sind. Ob Ghost Recon: Advanced Warfighter 2 so richtig lospoltert oder geistlos vor sich hin schleimt, erfahrt ihr in unserem streng geheimen Review der Xbox 360-Version.

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Back in Action...
Wie schon im Vorgänger schlüpfen wir in Ghost Recon: Advanced Warfighter 2 in die Rolle von Sergeant Mitchell, der seit seinem letzten Einsatz im vorigen Jahr nicht nur Erfahrung, sondern auch Auszeichnungen gesammelt hat. Doch was wäre ein Taktik-Shooter ohne triftigen Grund, die Lorbeeren kurz vor dem versuchten Ausruhen darauf wieder an den Nagel zu hängen?

Ghost Recon Advanced Warfighter 2 - Action vom Allerfeinsten statt Hui Buh: Diese Ghosts rocken die 360!

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Action satt! Die Ghosts lassen's krachen...
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So kommt es, wie es kommen muss, und die Welt rückt an den Rande eines Krieges: Mexikanische Guerilla-Kämpfer haben eine Atombombe in ihre Gewalt gebracht und bedrohen nun die USA. Zudem wollen es sich die geschickt agierenden Terroristen auf US-amerikanischen Terrain bequem machen. Binnen 72 Stunden - diese laufen jedoch nicht in Echtzeit ab - müssen wir die nukleare Bedrohung ausschalten und die Bevölkerung der USA in Sicherheit bringen.

Der ganze Stoff riecht selbstverständlich nach Tom-Clancy-typischem US-Pathos. Dennoch ist die Umsetzung ungewohnt intensiv. Vor allem die Zwischensequenzen in Ingame-Grafik tragen einen wesentlichen Teil dazu bei. In diesen darf man sich übrigens frei umsehen, was das Ganze weniger starr wirken lässt.

Packshot zu Ghost Recon Advanced Warfighter 2Ghost Recon Advanced Warfighter 2Erschienen für Xbox 360, PC, PSP und PS3 kaufen: Jetzt kaufen:

Wo darf ich helfen?
An einem Tutorial kommt jedoch auch selbst der beste Ghost nicht vorbei. Und ganz ehrlich: Wir sind dankbar für die gelungene Einführung, die den Hobby-Taktiker mit der Steuerung und den Spielmöglichkeiten vertraut macht. Denn eins ist GRAW 2 garantiert nicht: ein Zuckerschlecken.

Ohne wohl überlegte Strategien kommt man mit Glück vielleicht bis zur nächsten Straßenecke, bevor eine gezielte Salve das virtuelle Leben rasch beendet. Rambo-Allüren dürfen also zu Hause bleiben, auch wenn es manchmal recht derbe zugeht.

Dem hinzuzufügen ist, dass GRAW 2 zwar einen nicht zu verachtenden taktischen Anspruch aufweist, dennoch wesentlich actionlastiger auftritt, als es die separat entwickelte PC-Version letztendlich sein wird. Wie schon im Vorgänger sind tiefgründige Taktiken optimal nur an der Tastatur möglich.

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Es empfiehlt sich, die Birne nicht zu lange aus der Deckung zu halten.
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Ein weiterer Unterschied ist der Verzicht auf eine "richtige" Ego-Perspektive, wie man sie aus der PC-Version von Ghost Recon: Advanced Warfighter kennt. Diese hätte der 360-Version auch nicht wirklich gut gestanden, wahrt es doch die Übersichtlichkeit und verhindert unnötige Krämpfe vor dem Bildschirm. Auf Konsole geht es also nur in Third-Person-Sicht ans Eingemachte.

Terror global
Im Spiel verschlägt es uns übrigens an die verschiedensten Örtlichkeiten: Während wir anfangs noch in der mexikanischen Ödnis kämpfen, "reisen" wir später in die fast komplett zerstörte Großstadt Juarez, zerstören Konvois in den Bergen mithilfe des Helikopter-MGs, erledigen Bösewichte in zahlreichen Haciendas und erleben den großen Showdown an einem Ort, mit dem wir eigentlich am wenigsten gerechnet hätten… Abwechslungsreichtum wird hier groß geschrieben.

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Danke dafür, dass Gott den Raketenwerfer erfunden hat!
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An den Stellen, bei dem der erste Teil noch nicht so recht überzeugen konnte, wurde gefeilt um das Spielerlebnis intensiver werden zu lassen. So wirken beispielsweise die Innenstädte sehr viel authentischer, da kein Weg dem anderen gleicht. Zudem gibt es wesentlich mehr Alternativrouten, um Gegner einzuzirkeln und ihnen dann den Rest zu geben. Für noch größeren Realismus hätten wir uns noch gewünscht, umher rennende Zivilisten zu sichten, da die Städte trotz nicht zu übersehendem Chaos zu menschenleer wirken - von den Terroristen einmal abgesehen.

Go go, Gadget!
Am Gameplay an sich hat sich aber recht wenig geändert: Nach wie vor ist man entweder allein oder mit drei anderen Ghost-Einheiten in den hitzigen Gefechten unterwegs. Mit dabei sind auch wieder altbekannte Hilfsmittel wie die mobile Unterstützungseinheit MULE oder die Sucherdrohne, die per Luftweg Einheiten ausmacht und sie als sichtbare Ziele zum übrigens weiterentwickelten Cross Com hinzufügt. Dies verhindert nicht nur unangenehme Überraschungen, sondern verlängert auch das eigene virtuelle Leben.

Keine Neuerung mehr sind auch die Helmkameras eurer Einheiten: Auf Knopfdruck schaltet das Spiel in Fullscreen auf einen eurer Squadmitglieder um. Falls man sich in der Hitze des Gefechts verliert, ist dies die beste Option, Anweisungen und Taktiken zu erteilen.

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Bei der Grafik kann es nur noch heißen: Boah, ist das schön!
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Apropos Taktiken: Neben den üblichen Befehlen wie "Bei mir sammeln", "Mir folgen" oder "Vorrücken" darf man inmitten der Schießereien auch bestimmen, in welcher Art und Weise unsere Ghosts vorgehen. Sollen sie nun eher infiltrieren und erst bei Beschuss reagieren oder nach Holzhammermethodik bei Sichtkontakt sofort einen Angriff starten? Es liegt am Spieler, dies zu entscheiden, und natürlich lässt sich alles mit einem Tastendruck bei Bedarf ändern.

Richtig intensiv wird das Spiel durch die Tatsache, dass praktisch alles aussieht wie ein Live-Mitschnitt eines Kriegsfilms. Vor allem die nie in Ruhe verharrende Kamera hinter Mitchell ist ein ungeheures Atmosphäre-Plus, da dadurch alles sehr hektisch und realistisch wirkt.

Nowhere to hide...
Unterstützt wird dieses Gefühl der ständigen Bedrohung auch durch die recht schlau agierende und seit dem letzten Einsatz der Ghosts merklich verbesserte Künstliche Intelligenz Eurer Widersacher. Bei Beschuss gehen diese sofort in Deckung, feuern in unregelmäßigen und unberechenbaren Abständen oder versuchen über Umwege euch ans Leder zu gehen. Nehmt ihr ein größeres Grüppchen aufs Korn, rennen die bösen Buben übrigens alle in unterschiedliche Richtungen, um sich auf diese Weise aufzuteilen und euch das Leben schwerer zu machen. Klasse!

Übrigens dürft ihr euch auch mit Panzern auseinandersetzen - und das ist wirklich heftig. Die Biester ballern aus vollen Rohren auf euch - da reicht ein saftiger Treffer schon aus, um Mitchell in grob aufgeteilten Würfen aufsammeln zu können. Hier helfen nur Rauchgranaten, um den Stahlkolossen die Sicht zu vernebeln, sowie Sprengsätze oder Raketenwerfer wie der Zeus. Nach zwei bis drei Treffern ist auch der schönste Stolz eines Panzerbauers Geschichte.

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Die Effekte sind allererste Sahne.
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Doch nicht nur auf euch, sondern auch auf euer Squad heißt es Acht zu geben. Alleine lässt sich halt kein Konflikt gewinnen, und so ist dann nach zwei verstorbenen Mitgliedern das verfrühte Ende der Mission erreicht. Immerhin segnen eure Recken bei einem kritischen Treffer nicht sofort das Zeitliche, sondern sind fürs Erste nur eine Zeitlang außer Gefecht gesetzt.

In dieser Zeitspanne hat man immer die Möglichkeit, selbst oder durch einen Sanitäter schwer verwundete Soldaten wieder ins Leben zurück zu holen. Jedoch sollte man vorher abwägen, ob man sich gerade in wilden Schießereien traut, die Waffen niederzulegen, um einem Teammitglied zu helfen. Während der Heilungsphase ist der Helfer nämlich ungeschützt. In die Schusslinie sollte man sich deshalb nicht begeben.

Und nun?
So fulminant sich der Einzelspielermodus auch präsentiert, so kurz ist er leider auch. Selbst auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad brauchen geübte Taktiker lediglich sieben bis acht Stunden. Durchschnittsspieler werden es auf dem einfachsten Modus in lediglich fünf Stunden bis zum Ende bringen. Ein Weltuntergang ist das jedoch nicht, da die Kampagne vom Anfang bis zu den Credits prächtig unterhält.

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Eine Szene aus dem Mehrspielermodus: Diesen Typen sind Geschichte!
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Wer dann immer noch nicht genug hat, sollte unbedingt einen Blick auf den gelungenen Mehrspielermodus werfen. Neben den üblichen Verdächtigen Deathmatch, Team Deathmatch oder Capture the Flag gibt es zudem allerhand Coop-Modi, die man entweder Online, per Systemlink oder per Splitscreen bestreiten darf. Leider büßt GRAW 2 beim Splitscreen-Modus etwas an Atmosphäre ein, da Waffenmodelle aus Performancegründen gestrichen wurden, das Geschehen dennoch etwas ruckelt.

Mehr Spaß haben da schon Xbox Live- und Systemlink-Zocker, denn hier gibt es zumindest aus leistungstechnischer Hinsicht keinen Grund zum Meckern, und auch die Härte der Singleplayer-Kampagne wurde grandios auf den Multiplayer transferiert. Gerade die KI-Feinde in den kooperativen Modi sind knallhart und treffen nahezu virtuos genau. Wer hier nicht auf Teamwork setzt, sieht die Radieschen schneller von unten, als er denkt.

Auch die Gadgets der SP-Kampagne dürfen benutzt werden: Schon bald bildet sich ein geradezu süchtig machender MP-Spaß heraus, dem man sich kaum entziehen kann. Das heißt also - gemünzt auf vier Spieler - vier unterschiedliche Klassen (Grenadier, Scharfschütze, Sanitäter sowie einfacher Soldat), die allesamt von ihren Vorzügen profitieren.

Drohnen werden zur Lokalisierung feindlicher Signale gesendet, der Grenadier zerstreut große Gegnertruppen, während der einfache Soldat gegnerisches Terrain stürmt. Der Scharfschütze postiert sich derweil auf einem sicheren Platz und hält auf große Entfernungen etwaige Gefahren zurück. So muss Teamwork heutzutage aussehen!

Technik, die begeistert...
Grafisch ist GRAW 2 eine echte Augenweide: Fulminante Explosionen, detaillierte Charaktere und glaubwürdige Animationen sind hier einige der wichtigsten Eckpfeiler der leistungsfähigen Engine, die vor allem dann richtig ihre Muskeln spielen lässt, wenn es um die zahlreichen Außenareale geht.

Schon ein Blick aus dem Helikopter auf die völlig durch Anarchie gebeutelte Stadt Juarez ist ein Paradoxon sondergleichen: Selten war etwas so Hässliches so schön. Riesige Rauchschwaden, lodernde Flammenmeere und eine riesige Weitsicht lassen einen schon fast verträumt dahin schwelgen, wenn es nicht ums nackte Überleben und die Erfüllung unserer Missionsziele gehen würde.

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Vor allem bei der Weitsicht trumpft GRAW2 richtig auf.
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Wer den Krieg nicht nur sehen, sondern auch hören will, kommt bei GRAW 2 nur mit einer leistungsfähigen Surroundanlage voll auf seine Kosten. Im normalen Stereo-Modus verlieren die Gefechte an Intensität. Entsprechende Boxen mitsamt Subwoofer vorausgesetzt, entfaltet das Spiel eine ungeheure Wirkung, die einfach nur als atemberaubend zu bezeichnen ist. Die Sound-Effekte sind spitze, die deutsche Synchronisation glaubwürdig, und das Main Theme passt perfekt zur Hintergrundgeschichte. Wenn die Ohren bluten, dann weil man einfach nicht genug bekommen kann.