Früher war nicht alles besser, Hand aufs Herz, vieles aber zumindest ein Stück weit einfacher. Wir kramen unsere betagten Pixelschubser nicht aus dem Keller, weil wir bessere Spiele daddeln, sondern die Gegenwart für ein paar Augenblicke gegen unserer Vergangenheit eintauschen wollen. Was also kann es Besseres geben als das hier?

Ghost Blade - Release Trailer

Einmal die Äuglein reiben, dann weiter im Text: Ja, Ghost Blade ist ein neues Dreamcast-Spiel, nein, ich habe diesen Artikel nicht unter dem Einfluss bewusstseinserweiternder Stoffe verfasst. Bereits zu Lebzeiten war Segas letzte Konsole ein Paradies für Hobbyprogrammierer, 15 Jahre später wird der Kiste obendrein als Märtyrer gefeiert. Die Dreamcast ist nicht mehr nur eine Konsole, vielmehr ein Synonym für eine Zeit, als Videospiele fortschrittlicher, Sega erfolgreicher, das Leben einfacher war.

Inzwischen sind aus pubertierenden Kaufhaus-Zockern erwachsene Fans geworden, mit derselben Leidenschaft wie damals und – deutlich entscheidender – mehr als fünf Mark Taschengeld pro Woche im Portemonnaie. Und wie jede Nachfrage befriedigt der Kapitalismus auch die nach Nostalgie, macht daraus erst einen Spielplatz für Idealisten, schließlich ein Geschäft wie jedes andere auch, bei dem längst nicht mehr alles Gold ist, was glänzt.

Ghost Blade - Wie jetzt, ein Test zu einem NEUEN Dreamcast-Spiel!?

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Nope, kein Boss, sondern einfach ein normaler Gegner. Viel Spaß damit.
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Wie vermutlich viele von euch wusste ich vage über diesen vergleichsweise großen Nischenmarkt an neuen Dreamcast-Spielen Bescheid, ohne ihm jedoch privat wie beruflich jemals die Beachtung zu schenken, die er womöglich verdient hat. Jedenfalls bis zum vergangenen Wochenende, als ich zwar eine Ghost-Blade-Version in der Hand, nur keine Dreamcast in meinem Fernsehregal hatte. Die Konsequenz: Eine Zugfahrt in die Heimat zu meinen Eltern und ein Abklatschen mit meinem elfjährigen Ich: im Schneidersitz auf meinem alten Kinderzimmerbett sitzend, mit dem Dreamcast-Controller in der Hand und dem Geruch eines neuen Spiels in der Nase, während meine Eltern in der Küche das Mittagessen zubereiteten.

Kann mich mal jemand kneifen?

Ein totes Genre auf einer toten Konsole

Nun wäre Ghost Blade kaum der Rede wert, wäre es vor 15 Jahren oder meinethalben auch heute auf einer anderen Plattform als der Dreamcast erschienen. Der zuletzt immer umstrittenere Indie-Entwickler und Publisher Hucast haut routiniert ein Shoot-'em-up nach dem anderen für Segas grauen Kasten raus, vom 2006er Durchbruch Last Hope bis heute.

Packshot zu Ghost BladeGhost BladeErschienen für Classics kaufen: Jetzt kaufen:

Mehr als die vorangegangenen Spiele ist die aktuelle Entwicklung des deutschen Studios allerdings eher ein traditionelles Highscore-Geballer ohne viele Schiff-Upgrades oder Spezialmanöver, wie sie sonst zuhauf von R-Type und ähnlichen Urvätern inspiriert werden. Die Standardausrüstung schraubt man euch schon an den Gleiter: bildschirmsäubernde Bomben und stärkere (Streu-)Schüsse, außerdem drei verschiedene Schiffstypen mit leicht variierenden Angriffsmustern und Geschwindigkeiten. Nettes Zeug, all das, nur eben kaum mehr als das absolute Minimum bei einem Spiel dieser Bauart.

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Pew, pew, pew!
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Ghost Blade sieht sich ohnehin als Highscore-Spiel, wie gesagt, geht vielmehr mit Features wie anpassbarer Steuerung oder verschiedenen Bildschirmausrichtungen (vertikal und horizontal) hausieren, auch wenn der Zwei-Spieler-Modus nun wiederum weniger zu dieser Ausrichtung passt (nicht, dass ich ihn nicht mit Kusshand begrüßen würde). Diesen eher technischen Zugang zum Genre muss man schon mögen; ein Nischenspiel noch weiter vom Mainstream wegzudrücken, ist nun alles andere als verkaufsfördernd.

Insofern haben Hucast schon ein paar Sicherheitsnetze installiert; ich für meinen Teil hätte das fünfte und letzte Level mit dem völlig verdienten Namen „Reality Breakdown“ ohne die Easy-Mode-Schranke vermutlich nie zu sehen bekommen. Überhaupt wurde hier erstaunlich viel Bullet Hell und andere Versatzstücke in rund 15 bis 20 Minuten Spielzeit gequetscht. Nichts, das man so noch nie gesehen hätte, aber mehr als genug, um euch eine gute Viertelstunde in den Shmup-Tunnel zu schicken.