Wenn Spieler jenseits der Zwanzig von den Anfängen ihrer Daddelzeit erzählen, schweift ihr Blick grundsätzlich in die Ferne und verklärt sich. In Gruppen diskutieren sie mit großer Ernsthaftigkeit über die Vorzüge des "Quickshots" gegenüber dem "Competition Pro", beziehungsweise ob Chris Hülsbeck nun Genie oder doch eher Halbgott ist.
Getreu dieses Phänomens schlug ein Freund vor: "Schreib' doch mal über die 80er und warum es heute so wenig neue Spielideen gibt!" Das klang nicht übel. "Früher", diese Zeit, in der Entwickler noch originell, Hardware voll ausgereizt, Computermagazine noch lustig und überhaupt alles spitze war. So gut wie in den 80ern wird es nie wieder - oder?
Nostalgie bedeutet für mich Lego, BMX, Playmobil und "Star Wars"-Figuren. Aber eben auch der VC-20 meines Cousins, der Schneider Joyce meines Vaters oder mein eigener Commodore 64 - die besten Spielzeuge der Welt. Software wurde nicht gekauft, sondern auf simplen Audiokassetten "getauscht". Ich konnte in der Schule nicht ruhig sitzen, wenn ich in der Pause eine 90-Minuten-Spielesammlung abgestaubt hatte und bis zum Nachmittag mit dem Ausprobieren warten musste.
Natürlich dauerte das Einlesen per Datasette endlos und die Hälfte der Titel lief nicht. Nur störte das niemanden. Wir kannten es ja nicht anders. Geduldig warteten wir, aßen Spar-Chips und tranken Coca Cola.
Ich geh kaputt - gehst du mit? Unsere erste 1541-Floppy glich einem Wunder, schon wegen der Geschwindigkeit. Aber dass man auf einer Diskette nicht mehr bis zum nächsten Spiel vorspulen musste, verblüffte uns mehr als wenn Ronald Reagan zusammen mit Breschnew brennende Wiesel jongliert hätte. Außerdem explodierte mit Anbruch der digitalen Ära der Softwaretausch so richtig.
Ein Freund hatte eine ebenso effektive wie penetrante Spezialmethode entwickelt. Als 9-Jähriger klingelte er bei wildfremden Jugendlichen aus unserem Städtchen. Als Pubertierende fürchteten diese nichts mehr, als mit diesem nicht abzuschüttelnden Knirps gesehen zu werden. Er klebte an ihren Hacken, bis sie letztendlich ganze Diskettenboxen rausrückten. Die Goonies hätten es nicht geschickter einfädeln können.
Kingdoms of Amalur: ReckoningXBox 360, PS3, PC: 10.2.2012 Vorschau lesen
The Darkness 2XBox 360, PC, PS3: 10.2.2012 Vorschau lesen
Mass Effect 3XBox 360, PC, PS3: 9.3.2012 Vorschau lesen
das finde ich noch besser. Den Gesichtsausdruck hast du wohl in stein gemeiselt?
Weiterer fieser Kopierschutz: Nach der Mission musste man am Heimatflughafen landen. Dort wurde dann ein Passwort abgefragt. Konsequenz: Immer mit Schleudersitz raus (Sehr albern bei nem Huschrauber, ich weiß) und hoffen nicht MIA (Missing in Action) zu sein. Geile Zick...
www.pcplayer.de/history
/redakteure/redakteure.html#name22
www.pcplayer.de/.../redakteure.html
Danke für die super Artikel!!!
Man kann diese Zeit nicht mit heute vergleichen - zurück wünscht sie sich auch keiner ernsthaft - und trotzdem hat sie unser (Zocker)-Leben geprägt und wird immer präsent sein. Selbst in der heutigen ultrakomplexen IT-Welt erkennt man immer noch die "64er-Freaks" von früher, die es gewohnt waren, Software ohne Handbuch zum Laufen zu bringen und die ein Problem deshalb unkonventionell angehen.
Sehr schöne Kolumne - gratz
ja ja die guten alten Zeiten und heute Game ich immer noch!
@Missy: Die Realität ist zu komplex und wird immer komplexer. Da wünscht man sich vielleicht manchmal mehr Einfachheit, wenigstens in Spielen. Ich bin jedenfalls immer hin und her gerissen zwischen anspruchsvollen Games und solchen, bei denen ich mein Rentnerhirn gar nicht mehr anstrengen muss... so wie Titan Quest: Gedankenverloren vor mich hinklicken und dabei „Die drei Fragezeichen“ hören. ;-D
desperategamers.blogspot.com
Sind wir alt geworden :(
Nein im Ernst; Die Zeit war geil und es gab wie gesagt nichts Anderes. Wir "Alten" sind praktisch die Pioniere des Zoggens und dem Erfolg der fortlaufend sich erneuernden Technik. Ich würde heute niemals "The Elder Scrolls 4" gegen "die Drachen von Laas" eintauschen........
Aber... war der mit "Hic sunt leones" überschriebene Durchgang nicht sogar der Richtige? Immerhin bei den Spielen muß nun heutzutage jeder selbst herausfinden, hinter welchem Durchgang er das Buch über die Glückseligkeit finden wird. Und wenn man sich so umguckt, ist das gar net so einfach.
Gruß Missy
Zu der Zeit als ich anfing mich für pc zu interessieren, fand ich diese alten Titel alle langweilig. Aber da gabs ja auch schon games, wie HalfLife, Warcraft oder AoE.
Der Artikel ist gut wie immer und lies, für mich, wirklich das Gefühl aufkommen, dass es früher besser war.
Und ich finde es durchaus amüsant, dass auch früher schon die Polizei versucht hat gegen "Raubkopierer" vorzugehen.
Toll und wahrheitsgemäß geschrieben.
Habe mich sofort wieder erkannt.
Von jemand, der schon jenseits von 35 ist.