„Kurzgeschichte aus der Geheimakte-Serie“ nennt Animation Arts das Spin-off „Geheimakte: Sam Peters“. Woanders würde man DLC, Add-on oder Episode dazu sagen, im runtergerasselten Fakten-Check bedeutet es so viel wie: Günstige 9,99 Euro, kurze Spieldauer von etwa zwei bis drei Stunden, und im Mittelpunkt steckt die ebenso kesse wie gutaussehende Reporterin Sam Peters, eine Nebenfigur aus Geheimakte 2: Puritas Cordis.

Geheimakte: Sam Peters - Launch Trailer

Geheimakte: Tütensuppe

„Mein Name ist Sam Peters“, stellt sich die Protagonistin im als Diashow präsentierten Intro selbst vor, „ich sehe umwerfend gut aus, bin naturblond, aber hochintelligent, eine ausgezeichnete Journalistin, und ich hasse Bescheidenheit.“ Ganz offenbar, und vor allem Letzteres. Schon dieser erste Satz im Spiel weckt die Befürchtung, dass damit eigentlich auch schon alles über Sam Peters gesagt ist und die Entwickler ihre Charaktere am Reißbrett entwerfen und anschließend mit der Laubsäge ausschneiden, anstatt sie zum Leben zu erwecken.

Geheimakte: Sam Peters - Quickie mit Blondine

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Geheimakte: Sam Peters erzählt eine Nebenhandlung von Geheimakte 2 weiter.
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Vielleicht war ihnen dies bewusst und sie haben deshalb außer der Heldin keinen einzigen weiteren Charakter ins Spiel gepackt – abgesehen von den zwei bis drei Statisten, die mal kurz ihren Absatz Text aufsagen dürfen. Stattdessen gibt es jede Menge Schraubenschlüssel, Taschenmesser, Werkzeugkästen, Werkzeugtaschen, Feuerzeuge, Leitern und den ganzen anderen Klimbim, den man aus Adventures zur Genüge kennt. Einzig eine Rolle Klebeband hat zum Familientreffen noch gefehlt.

Der Bastelstubencharakter, der den „Geheimakte“-Spielen seit ihren Anfängen vorgeworfen wird, artet in diesem auf zwei Stunden konzentrierten Spin-off zur handwerklichen Fließbandarbeit aus: Hier werden keine Abenteuer erlebt und Heldentaten vollbracht, sondern Fetzen mit Glassplittern aus Gummistiefeln geschnitten und anschließend in einer Krabbenschere am Stock über einem brennenden Dornenbusch geschmolzen, um damit ein Schlauchboot zu flicken. Während in den Spielen anderer Publisher Klempner große Abenteuer erleben, werden die Abenteurer hier zum Klempner degradiert.

Bereits das erste Rätsel im Spiel scheint jedem, der sich noch heute beim Gedanken an den verhassten Schokoriegel-Marathon in Teil 2 die Haare rauft, die Zunge rauszustrecken und zu sagen: „Ätsch! Wir können immer noch nicht anders.“ War die „Geheimakte“-Serie schon immer sehr „schlauchig“ aufgebaut, ist sie mit ihren extrem wenigen Locations pro Kapitel in dieser verdichteten Form regelrecht "strohhalmig" zu nennen. Die fünf Screenshots auf der Packungsrückseite bilden gefühlt beinahe schon das halbe Spiel ab.

Packshot zu Geheimakte: Sam PetersGeheimakte: Sam PetersErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Bleibt noch die Geschichte, die wie das auf die vertrocknete Kruste eingekochte Kondensat einer üblichen „Geheimakte“-Folge wirkt, aber trotz der Kürze nicht einen Hauch flotter daherkommt. „Geheimakte: Sam Peters“ ist gewissermaßen die Tütensuppe-Ausgabe einer handelsüblichen Folge der Serie.

Kurz, aber wenig knackig: Das Short-Story-Konzept lässt die Mängel der Geheimakte-Serie deutlicher hervortreten als in deren Langfassungen.Fazit lesen

Erst brechen wir in das Büro eines Berliner Museums ein, um einem Wissenschaftler an irgendeinen Flecken der Welt zu folgen, um dort mit einem ziemlich trashigen, aber vollständig unironisch dargebotenen B-Movie-Menschheitsrätsel konfrontiert zu werden, das zu keiner Zeit ein spannendes Mysterium zu entfalten vermag. Diesmal geht es um menschenähnliche Monster in Afrika – mehr will ich nicht verraten, um nicht auch noch das letzte bisschen Spannung zu verderben.

Selbstverständlich ist von einer Short-Story nicht die erzählerische Breite eines Romans zu erwarten, zumindest aber das Pendant einer spannenden Abenteuergeschichte für einen vergnüglichen Abend am Lagerfeuer hätten wir schon erwartet. So aber hat sie gerade mal genug Substanz für die Dauer, die ein Streichholz zum Runterbrennen benötigt.

Geheimakte: Sam Peters - Quickie mit Blondine

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In Afrika kommt Sam Peters einer unbekannten Spezies auf die Spur.
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Wer die 9,99 Euro zu investieren bereit ist, muss sich gleichsam darüber bewusst sein, dass er sich mit „Geheimakte: Sam Peters“ für den Preis eines Kinotickets auch gerade mal den Spielzeit-Gegenwert eines Spielfilms – für ungeübte Spieler: einer mit Überlänge – ins Haus holt, der kaum mehr als einen Feierabend lang andauern wird. Im direkten Vergleich immer noch ein fairer Preis, allerdings kriegt man für’s selbe Geld auch etliche ältere Spiele, bei denen es deutlich besser angelegt ist.

Hervorzuheben ist allenfalls die von Animation Arts gewohnt hohe Produktionsqualität: Detailreich gezeichnete Hintergründe mit hübschen Animationen, professionelle Vertonung und passender Musikuntermalung. Wer dazu dem typischen Rätseldesign der Entwickler etwas abgewinnen kann, darf so tun, als hätte ich alles nur ironisch gemeint, und zugreifen.