Ein krankhaftes, hassverzerrtes Gesicht auf der Vorderseite und auf der Rückseite die Spielanweisung, einfach alles und jeden über den Haufen zu fahren. So mutig verpackte man 1997 den Arcade-Racer Carmageddon, der nicht nur Jugendschützern schlaflose Nächte bereitete.

Denn schnell avancierte der Titel unter Zockern zum Geheimtipp. Ganz egal, ob der Inhalt die Jugend gefährdete oder nicht. Das Spielprinzip machte süchtig und das war die Hauptsache. In Zeiten der Killerspieldebatte ein undenkbares Szenario, einen solchen Titel überhaupt nur in Entwicklung zu geben.

Weitestgehend ohne Brutalität kommt daher der Titel Gear Grinder aus. Dieser ist in Russland schon seit Ostern auf dem Markt und wird im September auch hierzulande in einer lokalisierten Version erscheinen. Wir haben uns den Titel vorab angesehen und einiges zu Schrott gefahren.

Gear Grinder - GC 2009 Trailer

Dirty Harry auf Rädern

Das Spielziel ist also klar definiert - wenn auch mit weniger Hang zur sinnlosen Zerstörung. Denn für den Sinn sorgt eine kleine Hintergrundgeschichte, die die einzelnen Missionen miteinander verbindet. Verbildlicht wird diese in Form von kleinen Zwischensequenzen, die mit einem Störungsfilter versehen sind und den Rachefeldzug des Truckers Frank thematisieren.

Gear Grinder - Bleifuß mit Raketenwerfer

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Keine Rücksicht auf Verluste! In manchen Missionen geht es ums nackte Überleben.
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Der entgeht nur knapp der Todesstrafe, indem er mit Unterstützung einer Untergrundbewegung die Flucht aus dem Knast ergreift. Doch anstatt sich den Verbrechern anzuschließen, beschließt Frank mit deren Truck einfach durchzubrennen. Als Möchtegern-Dirty Harry steht er damit nicht nur mit dem Gesetz, sondern auch mit dem Verbrechen auf Kriegsfuß.

Zugegeben, das mit dem harten Hund möchte man dem (Anti-)Helden nicht ganz abnehmen. Im Großen und Ganzen ist die Hintergrundgeschichte aber solide aufgebaut und einigermaßen spannend erzählt. Extremen Tiefgang sollte man aber nicht erwarten, dient die Story doch nur als Lückenfüller zwischen den einzelnen Missionen.

Fahr zur Hölle, Bruder!

Die Missionen sind indes abwechslungsreich gestaltet und beschränken sich nicht bloß darauf, möglichst viel Kollateralschaden anzurichten. So gilt es verschiedene Checkpoints in einer gewissen Zeit abzufahren, Rennen für sich zu entscheiden oder möglichst lange zu überleben. Erweitert wird das Missionsdesign zusätzlich durch verschiedene Fun-Modes wie Automobil-Bowling und einer Golfvariation, in der ihr ein kleines Auto mit Sprengsatz genau unter einem Tankwagen platzieren müsst.

Gear Grinder - Bleifuß mit Raketenwerfer

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In Rennmissionen geht es heiß her. Kollisionen lassen sich nicht vermeiden.
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Gut, vordergründig fokussieren die Missionen dann doch das Zerstören von gegnerischen Fahrzeugen, aber immerhin zerstört man abwechslungsreich. Entweder mit Crashs oder mit einer tödlichen Waffe aus dem Repertoire.

Für jede erfolgreich beendete Mission gibt es Punkte, bzw. Medaillen. Mit diesen lassen sich wiederum neue Waffen, Motoren und Bremssysteme freischalten. In der Werkstatt dürft ihr Freigespieltes dann in euren Truck verbauen. Wählt ihr also die Laserkanone auf dem Dach, die Sägeblätter an der Außentür oder doch eher die Gatling-Gun? Für Ästhetik-Fanatiker gibt man zudem die Möglichkeit den LKW individuell zu lackieren.

Gear Grinder - Bleifuß mit Raketenwerfer

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Um euch einen zeitlichen Puffer zu verschaffen, solltet ihr die leuchtenden Kreise nicht verpassen.
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Unterm Strich bietet Gear Grinder damit in Sachen Quantität also enorme Vielfalt. Qualitativ gesehen fehlt es in den Missionen und in der Werkstatt noch an Ausgewogenheit. Den Entwicklern sei zu empfehlen den Schraubschlüssel noch einmal im Bereich des Waffenarsenals und des Motortunings anzusetzen.

So wirken einige Missionen vor dem Tuning aufgrund der in dem Truck verbauten Technik fast unlösbar. Verbessert ihr nur einige Kleinigkeiten an eurem Gefährt, so geht ihr meist als Sieger aus dem Rennen hervor. Dieses Gefälle scheint nicht nur unlogisch, sondern ist überaus nervig, da jeglicher Anspruch flöten geht.

Ordentliche Präsentation

Positiv überrascht hat uns die grafische Präsentation des Titels. Die Zwischensequenzen vermitteln eine spannende Atmosphäre. Vor allen Dingen der Einsatz des Störungsfilters wirkt innovativ und schafft eine melancholische Grundstimmung. Das Design der Umgebung innerhalb der Missionen fängt diese ebenfalls ein. Alles wirkt düster und verlassen, sämtliche Verfolgungen und Rennparcours finden bei Nacht statt.

Gear Grinder - Bleifuß mit Raketenwerfer

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Beim Automobil-Bowling gilt es alle neun Wagen in die Luft zu jagen.
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Trist und grau präsentieren sich auch die Texturen der Gebäude und Landschaften. Dadurch erzeugen die Entwickler zumindest einen starken Kontrast zu den Effekten. Explosionen, Detonationen und Brände rücken stark in den Vordergrund.

Erfreulich gelungen auch die Vertonung: Die englischen Synchronsprecher machen ihre Sache gut und geben den Charakteren, allen voran dem Protagonisten Frank, ein rundes Profil. Die Hintergrundmusik kommt genretypisch rau daher. Wer den Einsatz von Synthesizern mag, dürfte hier bestens bedient werden. Im Hinblick auf die Effekte hätten wir uns noch etwas mehr Wucht hinter den Explosionen gewünscht; gelungen sind diese jedoch allemal.

Gear Grinder präsentiert sich als unkomplizierte und dezente Action-Zwischenmahlzeit.Ausblick lesen

Etwas Zeit sollten die Macher noch in die Steuerung investieren. Diese ist sehr einfach ausgelegt und selbst Anfänger dürften relativ schnell die notwendigen Funktionen verinnerlicht haben. Ein wenig träge steuert sich der Truck aber dennoch übers Land.