Objektivität ist das A und O des seriösen Journalismus. Aber wenn es um Computerspiele geht, ist selbst der abgebrühteste Redakteur nicht davor gefeit: dem Fanboy-Phänomen. Sein Lieblingsspiel kultisch zu verehren, dieses Kribbeln im Magen zu bekommen, sobald nur jemand den Namen einer bestimmten Spieleschmiede ausspricht, oder wider aller Vernunft zu einer Konsole zu halten, während im selben Schritt alle anderen nur belächelt werden - das ist das täglich Brot eines leidenschaftlichen Fans. Die Kollegen bei Krawall sind diesem Phänomen nachgegangen: "Selbst belegbare Fakten werden von ihm mit manchmal haarsträubenden logischen Drahtseilakten zurechtgebogen und umgedeutet, bis sie in sein Weltbild passen. Anderen Nutzern wird das Wort im Munde herumgedreht, sodass sie sich vorkommen müssen wie bei einer Wurzelbehandlung." Lesenswert!

Eine Spieleserie, die in Sachen Fanboy-Phänomen sicherlich ganz weit vorne mitspielt, ist die Final Fantasy-Reihe. Teil 12 des Epos erscheint dieser Tage für die PS2. Die Jungs von gbase.ch haben sich das jüngste Kind von Square Enix ausgiebig zu Gemüte geführt und können ihre Begeisterung und den eigenen Fanboy-Status nicht verhehlen: "Als dann endlich das Testmuster in unsere Redaktion kam, war ich außer Rand und Band. Ich ließ alles liegen und stehen, verbarrikadierte mich auf meinem Zimmer und spielte so lange, bis meine Augenringe noch einmal kräftig zunahmen. Die Stunden verflogen nur so und die Faszination packte mich erneut. Square Enix versprach nicht zu viel." Wertung: 9.0

Trotz hohem Fanboy-Faktor wird es ein Spiel hierzulande schwer haben, seine Anhänger zu finden: Crackdown erhielt von der USK keine Jugendfreigabe und wird daher nicht in Deutschland erscheinen. Areaxbox ließ es sich aber nicht nehmen, das Teil auf Herz und Nieren zu prüfen und kam zu einem gemischten Ergebnis: "Crackdown hat das Potential, die Spielergemeinde zu spalten. Eine vergleichsweise kleine Stadt mit nur wenigen Missionen, das völlige Fehlen einer Story und ein Umfang, der es ermöglicht, den Abspann nach zwei Tagen zu sehen, könnte Genrefans abschrecken. Andererseits punktet das Game mit anspruchsloser, aber gnadenlos gut inszenierter Action." Wertung: 76%

Apropos spalten: "Supreme Commander spaltet die Nation stärker als George W. Bush und Tokio Hotel zusammen", lautete das Resümee in unserem Test. Gameswelt ist da anderer Meinung und vergibt begeisterte 91%. Fazit: "Mit 'Supreme Commander' hat Chris Taylors Mannschaft von Gas Powered Games ein wahres Meisterwerk im Genre geschaffen. Es ist dem Studio zudem nicht hoch genug anzurechnen, nicht auf das kommerziell stets erfolgreiche, aber absolut ausgelutschte Stein-Schere-Papier-Prinzip gesetzt zu haben. Es macht unheimlich Spaß, beim Spielen endlich wieder seinen Grips anstrengen zu müssen, um nicht gnadenlos wegen der eigenen Bequemlichkeit unterzugehen."