Das Herz der Grafik
Bei den meisten Softwareknüllern, die uns auf dem Rechner vorinstalliert wurden, spielt das nur eine untergeordnete Rolle, denn es wurden hauptsächlich Titel mit geschlossener Grafikumgebung ausgewählt. Also solche, die levelweise laden und nur in Schüben auf die Festplatte zugreifen, wie etwa das für speicherarme, für Konsolen optimierte und nur leidlich angepasste Mass Effect 3 oder das überschaubare Fußballfest FIFA 12.
Die konkurrierenden Dungeon-Klopper Torchlight und Diablo 3 gehen hingegen von Grund auf sparsam mit dem Speicher um, da die Grafik dank isometrischer Vogelperspektive nie weit in die Ferne gezeichnet werden muss. Die großen Ausnahmen stellten Mafia 2 und Skyrim dar.
Zwei Gigabyte Videospeicher reichen für solche Spiele locker aus. Die Geforce GT 640 ist mit 900 MHz GPU-Takt und 1800 MHz Speichertakt zwar nicht das flinkeste Modell, verfügt aber grundsätzlich über sämtliche Eigenschaften der „großen“ 600er-Karten aus der Kepler-Generation. Für die Zahlenjunkies unter euch heißt das im Klartext zwei SMX-Einheiten mit insgesamt „nur“ 384 CUDA-Kernen und 32 Textureinheiten. Dennoch wird sie mit sämtlichen Direct-X-11.1-Effekten locker fertig und berechnet bestimmte Kantenglättungsroutinen, die ich später noch ausführlich bespreche, ohne nennenswerte Verluste.
Für heftige PC-Grafikknaller und speichergewaltige MMOs solltet ihr euch nach einer besseren Karte umschauen. Torchlight stellt hingegen kein Problem dar.Gar nicht übel. Aber das Ding läge nicht so günstig im Regal, wenn es keinen Flaschenhals hätte. Er befindet sich in der dünnen 128-Bit-Anbindung des Speicherzugriffs. Genauer genommen sind es zwei 64-Bit-Kanäle. Eine Methode, die schon zwölf Jahre alt ist und immer wieder funktioniert, weil sie jegliches Übertakten beinahe wirkungslos macht.
Solltet ihr nur Bahnhof verstehen, dann nehmt es auf diese stark vereinfachte Weise auf: Stellt euch vor, Grafiken wären komplexe Mathe-Aufgaben (tatsächlich sind sie genau das), für die zwei Leute verantwortlich sind. Der eine kennt die Aufgaben und kann die Lösungen an die Tafel schreiben (der Speicher), der andere ist superschnell im Kopfrechnen, kennt aber die Aufgaben nicht (der Grafikchip). Diese beiden können nur per SMS miteinander kommunizieren, die normalerweise 256 Zeichen haben. High-End-Grafikkarten arbeiten sogar in 384 Bit je Zyklus, schreiben analog gesehen also Kurznachrichten mit 384 Zeichen.
Bei unserer Grafikkarte hat eine SMS dummerweise höchstens 128 Ziffern. Genauer gesagt haben die beiden zwei Handys und schicken sich gleichzeitig zwei SMS mit je 64 Zeichen. Egal, wie schnell GPU und Speicher arbeiten, sie können bei weitem nicht so viele Daten miteinander austauschen wie normalerweise üblich. Rechnet man noch dazu, dass der zugehörige DDR3-Speicher ebenfalls ein wenig schnarchig daherkommt, erkennt man schnell die Grenzen des Systems.
Nicht nur EAs Fußballknaller sieht auf dieser Hardware besser aus als auf den Konsolen: Umsteiger erleben eine spürbare Qualitätssteigerung, selbst im Budget-Segment.Solche Einsparungen sind Hardware-bedingt, sprich: Die Kanäle sind physikalisch kleiner als bei anderen Karten. Kein Treiber und kein Softwarepatch der Welt kann das kompensieren. Und doch gibt es für Gelegenheitsspieler und PC-Einsteiger keinen Grund zum Schmollen. Bei Spielen leidet darunter nämlich nicht zwangsläufig die Grafikqualität, sondern lediglich die maximale Anzahl an Bildern, die in jeder Sekunde generiert werden kann.
Im Ausgleich dafür verhält sich die Geforce GT 640 erstaunlich sparsam. Dank des gezügelten Appetits von etwa 65 Watt gibt sie sich schon mit der Stromversorgung über den PCI-Express-Slot zufrieden. Ein externer Anschluss an das Netzteil ist nicht nötig. Infolge dessen bleiben Grafikchip und Speicher vergleichsweise kühl. Der verbaute Aktivlüfter ist akustisch so gut wie überhaupt nicht zu vernehmen und sollte (zumindest im Desktop-Betrieb) selbst im Schlafzimmer nicht negativ auffallen. Beim Generieren komplexer Grafiken dreht die Karte natürlich ein wenig auf, aber selbst dann nur in verträglichen Maßen.






















