Mit „Entdecke die weltweit schnellste Gaming-Maus“ will Logitech den geneigten Web-User zur G402 Hyperion Fury locken – zu der „Ultra-Fast FPS Gaming Mouse“. Dass die schnellste Maus der Welt eigentlich Mexikaner ist, weiß bei Logitech anscheinend keiner. Dass die Jungs und Mädels von Logitech richtig gute Computermäuse basteln können, wissen wir alle. Ist die G402 eine davon, oder verblasst sie leistungstechnisch hinter großen Marketing-Versprechen?

Ohne auf ein elaboriertes Labor zurückgreifen zu können, blieb mir nur der Langzeittest. Für zwei Wochen durfte die G402 Hyperion Fury, wie der kleine Begleiter vollständig heißt, bei mir im Bettchen schlafen und tagsüber alle Arbeiten am PC verrichten. Dazu gehören neben viel Klickerei im Internet auch allerlei Stunden in den virtuellen Welten von Battlefield. Da ich hier die meiste Expertise und Erfahrung besitze, machte es für mich Sinn, einen möglichen spielerischen Leistungsanstieg durch die neue Maus auch mit Battlefield zu testen.

Natürlich hätte ich für den Test auch schnelle Shooter wie Quake oder Unreal Tournament heranziehen können, hier wäre dann allerdings kein Unterschied aufgefallen, da ich keinen Bezug zu alten Leistungen aufstellen könnte. Um das Ganze mit ein wenig Abwechslung zu würzen, habe ich mir für meine Zeit mit der G402 vorgenommen, viel als Scharfschütze unterwegs zu sein. Hier zählen, wenn man aggressiv vorgeht, schnelle Reaktionen und eine ruhige Hand. Durch eine besonders präzise und zuverlässige Maus kann dabei an den richtigen Ecken und Kanten nachgeholfen werden. Ich wollte wissen, ob mich die Logitech G402 Hyperion Fury besser unterstützt, als meine aktuelle Maus, die Sharkoon Fireglider.

Logitech G402 Hyperion Fury - Besser ballern für 60€? - Die G402 im Test

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 31/351/35
Optisch kann sich die G402 sehen lassen und auch die Verarbeitung stimmt.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Was jedem geneigten Käufer aber noch vor der Wahl einer Maus bewusst sein sollte, ist die absolute Subjektivität, mit der Eingabegeräte empfunden und genutzt werden. Es gibt selbstverständlich Unterschiede, die meist qualitativer Natur sind. Eine besserer Verarbeitung, mehr Sondertasten, besseres Design, griffigere Haptik und präzisere Sensoren sind alles Vorteile von teuren Mäusen oder sollten es sein. Viel wichtiger ist allerdings, dass die Maus perfekt in der eigenen Hand liegt und jede Funktion blitzschnell abgerufen werden kann.

Wenn sich eine Maus nicht gut anfühlt, kann auch ein präziser Sensor nicht die fehlende Präzision ausgleichen. Deswegen empfehle ich, jede Maus vor dem Kauf auszuprobieren und ein paar Stunden Spielzeit mit ihr zu verbringen. Informiert euch, ob ihr die Maus wieder zurückschicken könnt, solltet ihr bestellt haben und schaut im Laden nach, ob eure Auswahl dort zum Anspielen bereit steht. In den großen Elektronikmärkten gibt es meist kaum Anspielstationen, deswegen kann sich hier Gang zum Fachhändler lohnen.

Technik und Zahlen (*Gähn*)

Kein Hardware-Review kommt ohne Eckdaten aus und das ist auch gut so. Da sich Mäuse heutzutage kaum noch unterscheiden, sind hier manchmal kleine Details entscheidet. Der DPI-Wahn der letzten Jahre hat zum Glück etwas nachgelassen, dennoch werden immer noch Mäuse mit 10.000 DPI verkauft – eine Zahl, die keinem Nutzer irgendetwas bringt. Die G402 Hyperion Fury geht das ganze gelassen an und bietet euch einen skalierbaren DPI-Wert von 240 bis zu 4000 an. In der Logitech Gaming Software können bis zu fünf verschiedene Werte gespeichert werden, die dann mit den Sondertasten auf der Maus durchgeschaltet werden können. Eine hübsche LED-Anzeige zeigt dabei an, in welchem Setting sich die Maus grade befindet.

Logitech G402 Hyperion Fury - Besser ballern für 60€? - Die G402 im Test

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 31/351/35
Gut zu erkennen: die gummierte Seitenauflage. Rechtshänder only.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Praktisch ist dabei die Sniperfunktion, die auch auf einer Sondertaste liegt. Haltet ihr diesen Knopf gedrückt, wird automatisch ein gewähltes DPI-Setting aktiviert. Liegt dieses nun besonders niedrig, kann zum Beispiel ein Sniper bei Battlefield in aller Ruhe anlegen und kleine Ungenauigkeiten ausgleichen. Für zittrige Hände ist diese Funktion auch im Alltag für besonders fiese kleine Schaltflächen zu gebrauchen. Etwas fummelig ist der Einsatz allerdings, denn hier müssen zeitgleich Daumen, Zeigefinger und die ganze Hand benutzt werden, was beim recht kompakten Design der Maus manchmal etwas schwierig ist.

Das sonstige Design der G402 ist allerdings extrem gut gelungen und gehört für mich neben der hohen Präzision zum absoluten Highlight des kleinen Schreibtischflitzers. Optisch lässt sich an dem schicken Mattschwarz nichts aussetzen und auch das „atmende“, blau leuchtende G auf dem Mausrücken trübt diesen Eindruck nicht. Optional lässt es sich natürlich ausstellen. Die leicht griffige Oberfläche der Maus bietet für jede Griffvariante einen sicheren Halt, was vor allem an der leicht angerauten rechten unteren Außenseite liegt.

Der hier positionierte Ringfinger rutscht kaum und stabilisiert die Maus perfekt. Auch die Aussparung für den Daumen auf der linken Seite ist sehr gut für normal große Hände. Hier liegt der Daumen allerdings konsequent auf der Sondertaste für die Sniperfunktion – das ist Geschmackssache. Die vier weiteren Sondertasten sind allesamt links angeordnet und für meine Verhältnisse nicht perfekt positioniert. Wie am dem Bild zu erkennen, verpassen hier alle Tasten den perfekten Ort, um für Daumen oder Zeigefinger uneingeschränkt erreichbar zu sein. G4 ist zu weit hinten, G5 zu weit vorne - somit lande ich ausversehen auch mal auf G4.

Logitech G402 Hyperion Fury - Besser ballern für 60€? - Die G402 im Test

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 31/351/35
Für meine Wurstfinger liegen die Maustasten nicht optimal. Hier kommt es gelegentlich zu Fehlklicken.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die beiden Tasten neben der linken Mausfläche sind so weit vorn, dass ich sie nicht für Action-Skills wie z.B. Nahkampf oder Granaten und nur für Multimediafunktionen oder andere Windowskurzbefehle benutze. Man würde sie im Eifer des Gefechts nicht schnell genug erreichen. Im Treiber lassen sich selbstverständlich alle Tasten mit Funktionen, Tastenkombinationen und Makros versehen. Für viele Spiele kann man zudem einzelne Profile anlegen, die nur bei Spielstart genutzt werden. Der Mausspeicher, auf dem sich ein Profil speichern lässt, kann allerdings keine Spielprofile mitnehmen, diese müssen über Windows gespeichert und kopiert werden. Makros können komfortabel aufgenommen und gespeichert werden. Andere Mäuse bieten hier auch intern mehrere Profile zum Mitnehmen an.

DELTA ZERO FUSION TECHNICS – WOW OR NOT?

Logitech kombiniert in der G402 einen optischen Sensor mit einem Beschleunigungssensor und einem Kreiselinstrument, so dass bei Ausfällen des optischen Sensors keine Fehler in der Bewegungserfassung entstehen. Ein integrierter 32-Bit-ARM-Prozessor rechnet die Daten aller Sensoren zusammen und erzeugt so den Mausbefehl, der mit bis zu 1000Hz zum Rechner übertragen wird. Wer viel hektische Shooter spielt, kennt das Problem von ultra-kurzen Aussetzern, die im schlimmsten Fall zwischen virtuellem Leben und Tod entscheiden. Mit seiner neuen Technik, will Logitech diese Fehler ausmerzen. In lustigen Entwicklervideos auf der Homepage werden diese Effekte erklärt und auch mit (ziemlich lustigen) Animationsvideos verdeutlicht. Dort sieht man, wie die Forscher verschiedene Sensoren kombinierten und testeten:

Was lernen wir hier? In der G402 steckt eine kleine Stadt der Zukunft, deren Bewohner den ganzen Tag arbeiten, um möglichst präzise Signale auszusenden - fleißig!

Logitech lockt dabei ziemlich extrem mit dem Begriff Geschwindigkeit und flunkert uns dabei etwas an. Schließlich wird die Geschwindigkeit von der Maus nur gemessen und nicht erzeugt. Für das Erzeugen des maximalen erkennbaren Tempos von satten 12,7m pro Sekunde ist schließlich des Spielers Arm und nicht die Maus an sich zuständig. Da wir bei gamona.de aber jedem Mythos auf den Grund gehen wollen, haben wir in einem Geschwindigkeitswettbewerb versucht, das maximale aus unseren Armen und der G402 heraus zu holen. Das Ergebnis dieser Feldstudie in Wettkampfform könnt ihr euch hier ansehen:

Hardware - Review & Battle - Logitech G402

Interessantist, dass wir im Video der G402 ihre Grenzen aufzeigen konnten. Die kleine Kante zwischen Mousepad und Tischplatte konnte die Hybrid Fury so irritieren, dass sie irrtümlich von einer viel zu hohen Geschwindigkeit ausging – oder wir irren uns, und die Maus hat die optische Bewegung zwischen Pad und Tisch perfekt gemessen. Ich tendiere zu ersterem.

SCHNELL = BESSER?

Die große Frage, die sich nach den vielen Werbeversprechen der G402 stellt ist, ob uns dieser ganze hybride Sensorenspaß überhaupt interessiert und ob die G402 im Gesamtpaket eine gute Maus ist, die ihre 60€ UVP wert ist.

Mir hat das Spielen und Arbeiten mit der G402 Hyperion Fury viel Spaß gemacht. Im Vergleich zur Sharkoon Fireglider konnte die Maus aus dem Hause Logitech vor allem mit der deutlich besseren Verarbeitung und dem präziseren Sensor punkten. Zielbewegungen auf kleinem Raum in kürzester Zeit funktionieren ohne Probleme. Ob dies allerdings an der speziellen Technik der G402 liegt, bleibt zu bezweifeln. Zweifellos ist aber, dass der kleine Nager extrem präzise, hochwertig und handlich ist. Die Gleitflächen rutschen reibungslos über jedes Material und die Mausknöpfe funktionieren perfekt. Einzig die Sondertasten sind nicht optimal angeordnet und der Klick des Mausrads ist etwas zu schwer. Letzteres scrollt mit seiner Rasterung ziemlich präzise und eignet sich zum Durchsehen von längeren Texten als auch für die Waffenauswahl in Computerspielen.

Viel wichtiger war für mich allerdings der Feldtest, um genauer zu sein der Kampf-Feld Test. Also Battlefield (*husthust*). Dieser fiel für mich ziemlich eindeutig aus. Zwar konnte ich mit der Sharkoon Fireglider schon sehr gut spielen, doch die G402 wirkte in einigen Aspekten wahre Wunder. Rein statistisch hat sich die Anzahl meiner Headshots im gespielten Zeitraum fast verdoppelt. Das wird sicherlich auch daran liegen, dass man als Sniper generell auf den Kopf zielt, aber auch im „fließenden“ Spiel als Soldat des Nahkampfs fühlte ich mich mit der G402 deutlich sicherer. Hat man erst mal das perfekte Setup, also den Mix aus DPI und Sensibilität im Spiel gefunden, kann man mit dem kleinen Teil perfekt spielen. Alle Bewegungen, ob große oder kleine werden direkt umgesetzt. Mausbeschleunigung muss dafür natürlich ausgeschaltet werden. Dazu schmerzt die Hand auch nach Stunden der Nutzung nicht und das Material zeigt keinerlei Ermüdungserscheinungen.

Logitech G402 Hyperion Fury - Besser ballern für 60€? - Die G402 im Test

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden4 Bilder
Fünf Sondertasten und eine ziemlich schicke DPI-Anzeige dominieren die linke Flanke der G402.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Abschließend kriegt die G402 ein saftiges „Sehr gut“ in der Leistungsnote, aber nur ein „Ausreichend“ in Sachen Preis/Leistung. Für 60€ bekommen Spieler ziemlich gute Mäuse, wie z.B. die beidhändige „SteelSeries Sensei“ oder die deutlich flexiblere Mad Catz Cyborg Rat 7. Fast jeder Hersteller bietet für 60€ extrem gute Mäuse an und die Präzisionstechnik der G402 konnte für mich nicht die kleinen Mängel wettmachen, an denen sich eine Maus in dieser Preisklasse messen lassen muss. Die G402 Hyperion Fury liegt somit perfekt im Bereich der Geschmackssache – hohe Leistung ist gegeben und es liegt am Spielgefühl, für welche Maus sich der Spieler entscheiden sollte.