Gametrak (PS2-Test)
(von Jörg Pitschmann)

Unsere kleine Reihe mit interaktiven Spielen für die Konsolen geht in die nächste Runde. Und diesmal steht körperliche Ertüchtigung ganz weit im Vordergrund: mit dem »Gametrak« will uns Atari die Prügelspiele mal aus einer ganz

anderen Perspektive näher bringen. Künftig zählt nämlich nicht mehr das Reaktionsvermögen am Controller sowie das Auswendiglernen möglichst vieler Combos, nein - Ihr poliert Eurem virtuellen Gegenüber ganz real die Fresse. Und das möglichst ohne die heimische Glotze in Schutt und Asche zu legen.

Ob das Prügelerlebnis die stolze Investition von 99,95 Euro wert ist? Lest weiter!

Zappelphillip
Die Konzeption des »Gametrak« ist so genial wie einfach. Das Gerät wurde denn auch verdientermaßen auf der Games Convention 2004 als innovativstes Produkt ausgezeichnet. Das Prinzip: die Armbewegungen des Spielers werden 1:1 auf den Bildschirm übertragen, so dass der virtuelle Charakter genau jene Bewegungen ausführt, die der Spieler vor der Glotze macht. Realisiert wird das Ganze über zwei unkaputtbare Nylonfäden, die an einer stabilen Basiseinheit angebracht sind.

Die steht zusammen mit einer kleinen, berührungsempfindlichen Matte auf dem Fußboden direkt vor dem Spieler. Die Nylonfäden werden an zwei Handschuhe angekoppelt, die sich aufgrund ihrer Bauweise bequem jeder Handgröße anpassen. Jede Armbewegung wird so an das Programm übermittelt. Das Gerät wird an einen USB-Anschluß der PS2 angeschlossen und startet

zusammen mit dem mitgelieferten Spiel »Darkwind«, das als erster Titel exklusiv für den »Gametrak« entwickelt wurde. Andere Prügelgames laufen übrigens mit dem Teil nicht, denn anders als zum Beispiel das »Bodypad« von Bigben funktioniert die Hardware-Einheit von Atari nur mit speziell programmierter Spielesoftware.

Wer also gerne mal höchstselbst Hand an die Schlägermiezen der »Dead or alive«-Serie legen möchte, wird dies mit dem »Gametrak« nicht tun können. Schade eigentlich.

Schattenboxen
Gekloppt wird aus der Ego-Perspektive. Und das funktioniert theoretisch denkbar einfach: man schlüpft in die virtuelle Haut seiner Spielfigur und teilt mit den Armen kräftig aus. Greift der Gegner an, erscheinen Block-Symbole auf dem Bildschirm, die man berühren muss, damit die Schlagabwehr gelingt. Schafft man es nicht, kriegt man selbst aufs digitale Maul. Drehungen des Gegners folgt man durch einen kurzen Tritt auf die Fußmatte.

Gametrak incl. Darkwind - Schlägeridyll am seidenen Faden

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Der Abtreter dient übrigens auch als Bestätigungs-Klick im Optionsmenü und löst im weiteren Schlägereiverlauf Spezialattacken aus, wenn man ihn rechtzeitig tritt. Aufgrund der sehr guten Übertragung zwischen Steuergerät und Programm gelingen zumindest die Schläge auch halbwegs so, wie man sie austeilt. Dennoch hat das Teil noch einige Kinderkrankheiten.

Bewegungen werden nämlich des Öfteren nicht exakt umgesetzt. Und so zappelt man bei dem Versuch, seine Angriffs- und Verteidigungsmanöver halbwegs koordiniert umzusetzen, zeitweilig so autistisch vor der Glotze herum wie der Sänger von Rammstein bei einem seiner Konzerte. Teilweise werden Schwinger, Schläge oder Ohrfeigen auch erst mit einer gewissen Verzögerung umgesetzt, was natürlich in punkto Wirksamkeit gravierende Folgen hat. Zielt man beispielsweise einen Faustschlag auf das linke Auge des Gegners, trifft man häufig ins Leere, weil der seine Rübe schon längst in eine andere Richtung bewegt hat.

Packshot zu Gametrak incl. DarkwindGametrak incl. DarkwindErschienen für PS2 kaufen: Jetzt kaufen:

Natürlich mag man mir infolge meines fortgeschrittenen Alters eine gewisse Reaktionsverzögerung unterstellen, Feldversuche mit deutlich trainierteren Probanden als mir führten jedoch zu ähnlichen Resultaten. Erfolgversprechender ist daher die Taktik, sich möglichst wenig, dafür aber umso zielgerichteter zu bewegen.Kurz bevor der übellaunige Gegner zu einem Schlag ausholt, leuchtet nämlich das Block-Symbol in der Ecke auf, die er attackieren wird. Je ruhiger man sich dann bewegt, desto präziser gelingt die Schlagabwehr. Hektisches Rumgehampel mag zwar martialisch aussehen, führt aber im Spiel eher zum Mißerfolg.

Dunkle Winde
Wie schon erwähnt, wird der »Gametrak« mit »Darkwind« ausgeliefert, einem Prügelspiel der einfachen Art. Faktoren, die normalerweise auch wertungsentscheidend für einen Titel sind, wurden vernachlässigt. Anders gesagt: das Spielchen wurde um die Hardware herum gestrickt. Die Grafik ist nicht schlecht, bietet aber eher Durchschnittskost.

Die Sounds sind prügeltypisch, aber nicht herausragend, und die optischen Effekte sind nach heutigen Maßstäben bescheiden. Aber gut, wer eine gepflegte Schlägeridylle mit hervorragend gestylten Charakteren sucht, ist mit Titeln vom Schlage eines »Dead or Alive III« sowieso

besser bedient. Die Handlung des Spiels ist von erstaunlicher Einfachheit geprägt. Ihr sittlicher Nährwert ist sogar noch geringer als der eines typischen Rammstein-Textes. Die Story läßt sich demzufolge genretypisch in wenigen Sätzen zusammenfassen. Im Karrieremodus spielt Ihr zu zunächst Kaden, einen muskelbepackten, blonden Rotzlöffel auf der Suche nach seinem Vater Storm, dem Großmeister der Tempelherren.

Der ist nämlich ein echter Kotzbrocken, und Kaden möchte dem alten Herrn mal so richtig die Meinung sagen. Um ihn zu finden, trifft er auf seinem Weg diverse fragwürdige Gestalten beiderlei Geschlechts, die allesamt verhauen werden wollen. Jeder gewonnene Kampf bringt ihn seinem Ziel ein wenig näher, indem die Story weitererzählt wird - bei Niederlagen heißt es »Game over«. Hat man sich als Blondling durchgeprügelt, kann man die Story als Syrah spielen. Die ist auf der Suche nach ihrem Vater Storm...Die ersten Gegner dienen im Storymodus übrigens als Tutorial, bei denen das Fressepolieren relativ problemlos funktioniert. Außerdem lernt man nach und nach die verschiedenen Attacken und übt das Blocken. Das ist auch absolut notwendig, denn die Schlagabwehr ist das wichtigste, was es im Spiel zu beherrschen gilt. Erfolgreiche Blocks füllen nämlich die Magieleiste des eigenen Charakters.

Ist sie voll, kann man durch bestimmte Armbewegungen in Verbindung mit einem kräftigen Tritt auf die Fußmatte nette Fernzauber-Angriffe auslösen, die den Gegner zu Boden schicken. Es lohnt sich also, sein Gegenüber eine Weile zu belauern und rechtzeitig dessen Angriffe abzuwehren. Wer stattdessen nur sinnlos drauflosschlägt, kassiert ziemlich schnell eine Niederlage, denn die Miesnicks können auch recht gut blocken und ausweichen. Außerdem haben die natürlich auch Magieattacken auf Lager, denen man besser aus dem Weg geht. Hat man sich mit der Steuerung

einigermaßen vertraut gemacht, lohnt sich ein Blick in den Arcade-Modus, in dem freies Verprügeln angesagt ist. Hier winken Einträge in die Highscore-Liste, und freigespielte Gegner warten auf eine Massage ihrer Kaumuskulatur. Wer es dramatisch mag, wählt den Überlebensmodus, eine Art Last man standing oder kloppt »Mann gegen Mann« frei von der Leber und ohne Regeln einfach nur drauflos. Lustig ist auch die Möglichkeit, zu zweit gegeneinander anzutreten und sich im Split-Screen-Modus zu vermöbeln.

Dazu werden zwei »Gametraks« nebeneinander an die PS 2 angeschlossen. Aber Vorsicht! Die Kombattanten sollten einen gewissen Sicherheitsabstand wahren, ansonsten geht's ziemlich schnell von einer virtuellen in eine reale Schlägerei über. Und das könnte einige Unordnung ins heimische Wohnzimmer bringen.

Spiel mit mir
Wie schon gesagt, ist »Darkwind« eher als Spiel konzipiert, das um die

Gametrak incl. Darkwind - Schlägeridyll am seidenen Faden

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technischen Möglichkeiten des »Gametrak« herum entwickelt wurde. Wer auf der Suche nach einem guten Prügelspiel ist, wird hier definitiv nicht fündig. Doch das ist sicherlich auch nicht der Hauptaspekt des Spiels. Immerhin muß man für das Programm zusammen mit dem Eingabegerät 99,95 Euro beim Händler seines Vertrauens lassen. Bliebe »Darkwind« das einzige Spiel zum »Gametrak«, würde sich diese Investition nicht lohnen.

Der eigentliche Sinn des Teils liegt vielmehr in seinem völlig neuen Spielerlebnis, das aus der Interaktivität herrührt. Und darin liefert das gute Stück eine Meisterleistung ab. Allein die Tatsache, dass es echte Bewegungen im dreidimensionalen Raum ermöglicht, öffnet neuen Spielideen Tür und Tor. Besonders in Verbindung mit Sony's EyeToy kann ich mir einige wirklich spannende Experimente vorstellen, denn bislang kann die Kamerasoftware nur Bewegungen im zweidimensionalen Raum umsetzen.

Spiele, die zugleich über das Eye Toy und den »Gametrak« Bewegungen erfassen, versprechen zweifellos einigen Reiz. Distributor Atari jedenfalls hat mit dem »Gametrak« großes vor. Dies versprechen zumindest die Ankündigungen für 2005. Dann sollen nämlich die ersten Erweiterungen für das Teil erscheinen. Neben einem Tennisschläger sind auch ein Schwert und ein Golfschläger angekündigt, die im Laufe des kommenden Jahres für weitere Abwechslung an der Konsolenfront sorgen sollen. Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf die weitere Entwicklung und trainiere bis dahin schon mal fleißig meine Armmuskulatur.Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pros:

+ Innovative Spielidee + Einsatz echter Spielgeräte wie Tennis- oder Golfschläger wird möglich + Dient der körperlichen Ertüchtigung

Cons:

- Technisch noch nicht ausgereift - Zum Teil schwerfällige Reaktionszeit - Mitgeliefertes Spiel Darkwind eher mäßigPro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pros:

+ Innovative Spielidee + Einsatz echter Spielgeräte wie Tennis- oder Golfschläger wird möglich + Dient der körperlichen Ertüchtigung

Cons:

- Technisch noch nicht ausgereift - Zum Teil schwerfällige Reaktionszeit - Mitgeliefertes Spiel Darkwind eher mäßig