Köln oder Leipzig? gamescom oder Games Convention? Wer hat(te) die bessere Veranstaltung in petto? Nach fünf Jahren in Köln wird es Zeit für einen Vergleich. Eure Meinung ist ebenfalls gefragt!

In wenigen Tagen ist es wieder so weit: Hinz und Kunz strömen nach Köln, um die neuesten Trends der Videospiel-Szene hautnah auf der gamescom zu erleben. Inzwischen ist der spätsommerliche Gaming-Höhepunkt eine Art Tradition geworden, immerhin pflegen Fachbesucher und Fans das Ritual seit 2002. Nun ja, mit einem gewaltigen Unterschied: Ursprünglich ging es nicht nach Köln, sondern nach Leipzig. Und von einer Selbstverständlichkeit konnte man in den ersten Jahren auch nicht sprechen.

Eine Videospielmesse in Europa? Wer braucht die schon, wenn E3 und Tokio Game Show bereits alles vermitteln, was es an Neuigkeiten gibt? Skepsis war das Credo der ersten Jahre der Games Convention, die zuerst als Gamer-Freakshow mit familiärer Stimmung galt, nach und nach aber immer mehr Publikum nach Leipzig lockte. So richtig ins Rollen kam der Messezug erst 2005, wenn nicht gar 2006 mit der Einführung der damals neuen Konsolen Xbox 360, Wii und PlayStation 3. Nur zwei Jahre später sollte des Spaß schon wieder vorbei sein. Die mühselig,über Jahre hinweg etablierte Messe zog mir-nichts-dir-nichts nach Köln und nahm das gesamte etablierte Publikum gleich mit.

gamescom 2014 - gamescom vs Games Convention: Welche Videospielmesse hat(te) die Nase vorn?

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Jetzt geht der Ansturm wieder los. Doch wo war er spaßiger: in Leipzig oder Köln?
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Ein Schachzug, der Publishern und Entwicklern entgegenkam, aber beim Publikum mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurde. Klar, Köln ist allemal weltstädtischer und repräsentativer als Leipzig. Allein die um Welten bessere Flughafen-Anbindung der jecken Stadt am Rhein dürfte den Hauptausschlag gegeben haben. Direktflüge aus den USA? Kein Problem!

Kampf der Videospielmessen

Aber sich als Veranstalter schamlos in ein gemachtes Nest zu setzen, ist eigentlich eine Frechheit. Leipzig und seine Bewohner brauchten die Messe, zehrten gar eine Zeit lang von ihr. In Köln würde es dagegen nur eine Messe unter vielen werden. Bedauerlich. Erst recht, wenn finanzielle Probleme die gesamte Veranstaltung ins Wanken bringen. 2009 generierte die gamescom noch einen Haufen roter Zahlen.

Inzwischen redet keiner mehr über den damaligen Skandal. Für die sehr unpolitische Zielgruppe der Videospieler ist es bemerkenswert, dass der Konflikt überhaupt für Aufruhr sorgte. Gamer schlucken ja sonst beinahe alles, was man ihnen vorsetzt (mal abgesehen von einer misslungenen Microsoft-Pressekonferenz für die Xbox One oder überzogene DLC-Politik). Nach nunmehr fünf Jahren ist der Groll um die schreiende Ungerechtigkeit gegenüber Leipzig abgeflaut, aber die spürbaren Differenzen, die gibt es noch immer.

Als Redakteur, der jedes Jahr wie ein Irrer durch die Hallen rennt, um Berichte über die neuesten Spiele zu verfassen, möchte ich vor allem eines festhalten: In meinen Augen ist die gamescom in Köln ist um ein Vielfaches trockener und witzloser als die frühere Veranstaltung in Leipzig.

Fahrt ihr dieses Jahr zur gamescom?

  • 29%Nee, die Neuigkeiten bekomme ich auch von zuhause aus mit
  • 24%Hätte schon Lust, kann aber leider nicht
  • 17%Pff, wen juckt schon die gamescom?
  • 14%Jupp, für einen Tag werde ich dort herumtingeln
  • 14%Klar, ich treibe mich gleich mehrere Tage dort herum
  • 2%Mal schauen, steht noch nicht fest
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Angefangen bei der Stadt selbst. Wenn die Games Convention ihre Pforten öffnete, dann war nicht einfach irgendwo eine Messe. Ganz Leipzig verwandelte sich in ein riesiges Gaming-Zentrum, bei dem selbst so mancher Taxifahrer Chiptunes laufen ließ. Hielt man sich nicht gerade am letzten Zipfel der Stadt auf, so wurde man überall mit einer verhaltenen, aber trotzdem spürbaren Gastfreundlichkeit aufgenommen. Restaurants und Hotels stimmten sich auf die Veranstaltung ein und übernahmen manchmal die Thematik. Games Convention war einfach überall, auf den Straßen, in der Fußgängerzone, ja selbst abends in der Disco oder in einer muffigen Karaoke-Bar. Es gab einen unterschwellig wahrnehmbaren Zusammenhalt, insbesondere in den Jahren 2006 bis 2008.

In Köln hört die gamescom dagegen an den Türen des Messegeländes auf. Hier und da findet man zwar noch ein paar Sonderveranstaltungen im Stadtgebiet, aber das ist alles von der Branche aufgezogen. Den Bewohnern Kölns ist die gamescom schnurzegal. Sie ist einfach nur die nächstbeste von mehreren Messen im Jahr, und wenn sie nicht in Köln stattfände, würde das keinen der Stadtbewohner jucken.

Pressegemecker auf hohem Niveau

Was mich als Redakteur am meisten stört, ist das Messegelände. Leipzig war im Laufe der Jahre der Platz ausgegangen. Es wurde verdammt eng. Man erinnere sich alleine an die ständig verstopften und völlig überhitzten Plexiglastunnel. Ein Problem, das in Köln sicherlich nicht so schnell aufkommt. Zwar sind auch hier die meisten Hallen schon jetzt proppevoll und Durchgänge zeitweise verstopft, doch wenn man wollte, könnte man noch mehr Aussteller unterbringen. Was mich trotzdem stört, sind die unsäglich langen Laufwege. Und die furchtbar konfuse Standstruktur.

Der Pressebereich besteht aus zwei riesigen Hallen, eingeteilt in jeweils zwei Stockwerke. Dazwischen liegt ein breiter Korridor, der die vier Untersegmente durch (Roll-)Treppen verbindet, aber stets so dicht mit Pressevertretern gefüllt ist, das man sich zur Stoßzeit durchdrängeln muss. Einmal in den richtigen Bereich vorgedrungen, gilt es nur noch den Stand des Entwicklers zu finden, mit dem man den nächsten Termin hat. Die tragen so blumige Namen wie B31 oder C15 und sind nicht überall gut beschildert.

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Und jetzt stellt euch vor, ihr müsst mit Zeitdruck im Nacken durch solche Menschenmassen. Viel Spaß.
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Man könnte meinen, die Veranstalter hätten die Tücken dieser Aufteilung längst erkannt und zumindest übersichtliche Laufstraßen für die Entwickler-Booths geplant. Aber nee, bisher ab es noch keine einzige gamescom, in der ich nicht nach einem völlig hirnlos nummerierten Stand gesucht hätte. Da befinden sich mit B ausgewiesene Stände mit 10er-Nummerierung irgendwo in der C-Straße parallel zur 25, weil der Eingang des Baus auf der Rückseite liegt. Die damit verbundene Suchaktion betitele ich seit Jahren als „Denis Browns epic quest for the booth entrance“. Stärkt den Spielgedanken.

Noch schöner wird die Geschichte, wenn man nach einem Interview einen VIP-Pass für den Show-Floor bekommt und ein Mal quer durch alle Hallen muss. Ja ja, ich hör euch schon lästern: Welch ein Luxusproblem, da darf der Herr sich offiziell vordrängeln, während andere Leute stundenlang warten müssen, und dann beschwert er sich auch noch. Glaubt mir, wenn ihr unter Zeitdruck steht und arbeiten müsst, seht ihr das ganze nicht mehr so locker. Man latscht ja nicht nur weite Wege durch die Hallen, sondern muss sich dem Fluss der Besucher unterordnen.

Spaß? Joah, den hat man als Pressevertreter schon irgendwie, aber nicht, weil man ganz dolle Spiele vorab spielen kann, sondern weil man einen gefestigten Eindruck der aktuellen Szene bekommt und Kontakte zu (oft) sympathischen Entwicklern knüpft. Alles erkauft mit einer Rennerei, die in Köln manchmal absurde Ausmaße annimmt. Zum Beispiel, wenn man an einem Booth ankommt und dann die Nachricht einer verspäteten Präsentation bekommt. Zieh ich einen anderen Termin vor und latsche nochmal durch die Pampa? Geh ich ein rauchen? Was ich auch mache, der Weg war vorerst umsonst. Ich bin schon gespannt, ob ich nach der anstehenden 2014er-gamescom noch laufen kann, oder meine Plattfüße zwei Tage aus dem Fenster hängen muss.

Was haltet ihr von der gamescom?


Über die Lauferei an sich möchte ich mich gar nicht beschweren, gehört halt zum Job. Aber ich halte es durchaus für bemerkenswert, dass ich mich auf der Games Convention kein einziges Mal verlaufen hatte, weil der Pressebereich klar strukturiert war. Auch gab es viel seltener Verspätungen und aus Zeitdruck verlegte (beziehungsweise abgesagte) Termine.

Der Fairness halber möchte ich darauf verweisen, dass auch Leipzig seine Tücken hatte. Klar strukturierter Pressebereich? Auf jeden Fall! Aber gut zugänglich war er nicht, weil er in zwei grobe Hälften eingeteilt wurde, die in unterschiedlichen Gebäuden lagen. Um von einem Bereich in den anderen zu gelangen, musste man ein mal quer über den Vorplatz des Messegeländes. Der Unterschied: Es gab kein Gewusel und keinen Stau im Besucherverkehr.

Der Charme des Messegeländes

Trotz des Gedränges gefallt mir eines am Kölner Messegelände besonders gut: Die Hallen mit den Ausstellungsflächen sind hoch und weitläufig. Selbst im dichtesten Mob gibt es immer eine Lücke, und die grobe Struktur der Hallen gibt Ausstellern freie Hand bei der Gestaltung ihrer Publikumsstände. Entwickler wie EA und Blizzard-Activision pflegen ein Faible für riesige Deko und ich habe in den letzten Jahren so manchen Stand entdeckt, der in Leipzig nicht untergekommen wäre.

Ich erinnere mich da sehr gerne an den „Def-Jam-Tower“, der aussah wie ein schwarzer Hip-Hop-Elfenbeinturm oder die gigantische Bühne von The Beatles: Rock Band aus dem Jahr 2009. Der Stand führte um drei Ecken herum und bot auf diese Weise allen Besuchern genug Anspielmöglichkeiten, ohne Probleme mit der Beschallung zu generieren. Okay, ob es nun wirklich ein Vorteil ist, dass Blizzard kilometerlange Warteschlangen um den eigenen Diablo-3-Stand anlegen kann (also noch größere als in Leipzig), sei mal dahingestellt. Zumal praktischer Nutzen nichts mit Ästhetik zu tun hat.

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Auch die Games Convention war stets gut gefüllt, aber nur selten wirklich überfüllt. (Bild zeigt Games Convention 2007)
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Köln punktet vor allem dann, wenn man die Hallen nicht als Teil der Ausstellung betrachtet. Bei Leipzig war es genau gegenteilig, was sich übrigens mit der Situation der Electronic Entertainment Expo (E3) in Los Angeles deckt. Auf der E3 macht es Spaß, überall Fotos von der Meute zu schießen oder Videos zu drehen, weil der Hintergrund etwas hergibt. Es laufen nie zu viele Leute an der Kamera vorbei, weil die Zugänge geschickter verteilt und die Flure enger sind. Wände der Haupt-Ausstellungshalle stehen durch leichte Beleuchtung in sanften Braun- und Ockertönen heraus. Dreht man in Köln ein Video, muss man zum Anmoderieren in die klinisch weißen Verbindungsflure gehen, weil das hintergründige Schwarz der Ausstellungshallen wenig hergibt.

Ungefähr genauso wenig wie die ganze Veranstaltung unter'm Strich ausmacht, denn im zeitlichen Sandwich zwischen E3 und Tokyo Game Show passiert in der Regel nichts Weltbewegendes. Echte Neuigkeiten bleiben rar. Im Höchstfall bekommen wir hier den nächstbesten Entwicklungsstatus einer E3-Vorstellung zu sehen. Ein Indiz mehr für die Ansicht, dass solche Messen eher dem Handel entgegenkommen als den Besuchern.

Branchenprobleme, ich weiß. Aber was soll ich sagen, ich bin nun mal nicht der typische Freizeit-Besucher der Messe, darum kommen mir solche Dinge zuerst in den Sinn. Viel interessanter wäre zu wissen, wie das Publikum den Unterschied empfindet – vorausgesetzt man war schon einmal in Leipzig dabei (oder LA. oder Tokyo). Wie hoch ist eure Bereitschaft, in Schlangen anzustehen, nur um die neueste Build eines kommenden Hits in Aktion zu beobachten? Oder seid ihr nur zum Abgreifen der Goodies da? Lasst euch gerne in den Kommentaren aus und nehmt an der eingeflochtenen Umfrage teil.

gamescom 2014 - Viel Arbeit und ein bisschen Bier: Die Redaktion wärmt sich auf7 weitere Videos

Neben dem Gesamteindruck der Messe würde mich interessieren, wie ihr das Angebot außerhalb der Hallen annehmt. Gemeint sind die Sportevents und Zuschauerattraktionen, die nicht wirklich etwas mit Videospielen zu tun haben. Nimmt die jemand wahr? Ich empfand die Aufstellung auf dem Parkplatz bislang zu plump, als das es mich für länger als eine Kippe da hinaus gedrängt hätte. Eventcharakter ist was anderes.

Oder wie steht es mit den Verköstigungen? Dass Snacks und Getränke nicht gerade günstig über die Theke gehen, dürfte klar sein. So schnell kommt man nicht aus dem Gelände raus, da zahlt man gerne für Bequemlichkeit. Aber wirklich bequem kann man da doch nicht mampfen, oder? Mal im Schatten herumsitzen, die Beine ausstrecken? Die Frage geht an euch!

Wer hat(te) die bessere Messe? War der Umzug wirklich nötig? Welchen Vorteil seht ihr in Köln? Wärt ihr auch weiterhin nach Leipzig gefahren? Fragen über Fragen. Ich für meinen Teil könnte ja die Kurze Reise zwischen Berlin und Leipzig als Vorteil anführen, aber das wäre fies. Was kann die Gamescom für die Entfernung beider Städte? Nichts! Also zählt das nicht (für mich).

Welche Messe hat euch besser gefallen: gamescom oder Games Convention

  • 70%Games Convention: Nichts geht über Leipzig
  • 30%gamescom: In Köln ist's einfach cooler
Es haben bisher 189 Leser ihre Stimme abgegeben.Weitere Umfragen