Es ist so weit: Die erste Hälfte der gamescom in Köln ist vorbei. Geht es nach den Erwartungen der Veranstalter, wird es die größte Messe sein, die die Rheinmetropole je erlebt hat. Mehr als 200.000 Besucher sollen es am Ende werden. Während wir uns zu Beginn unter den Fachbesuchern in den weitläufigen Hallen noch etwas verloren vorkamen, kennen wir uns inzwischen bestens aus. Ob Biergarten, Geschäfts-, Spieler- oder Pressebereich – wir waren fast überall.

Wahrscheinlich sitzen jetzt einige zu Hause und schicken mit Krododilstränen die abgespielte Tastatur über den Jordan, weil sie beim Spieler-Event des Jahres nicht dabei sein können. Seid getröstet - unsere Eindrücke schaffen Abhilfe.

gamescom 2009 - Das Beste der Show in einem Wahnsinns-Video4 weitere Videos

Day One: VIPs only

Noch immer soll es Leute geben, die die Spielindustrie nicht ernst nehmen. Ihnen ist wohl nicht mehr zu helfen. „46 Prozent internationale Gäste“ sind laut dem Chef der Kölner Messe bei der gamescom. Da es die Eröffnungs-Pressekonferenz ist, redet Oliver P. Kurt natürlich von den über 400 Ausstellern und der Presse, nicht von Spielern. Die müssen am ersten Tag noch draußen bleiben und drücken sich die Nasen an den riesigen Glasfronten des Nordeingans platt – zumindest bildlich.

gamescom 2009 - HALBZEIT! Eine Bestandsaufnahme der ersten Messehälfte

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Von wegen nur für Nerds. Auf der gamescom steppt der Bär!
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Bilder in möglichst schneller Abfolge - das Hauptthema der gamescom. Wenn dazu noch die Tracks der bekanntesten Bands unseres Planeten ertönen, können es nur die Guitar Hero, Karaoke-, oder sonstige Musikspiele sein. Die sind in diesem Jahr überall. In jeder der vier großen Hallen, die für Spieler zugänglich sind, findet sich mindestens ein Stand zum Thema.

Von allen Seiten lärmt es, in Glasboxen tanzen sich die Mädels für die kommenden Tage warm. Wer näher heran will, muss sich trauen und die Instrumente-Nachbildungen in die Hand nehmen. Vom Klassiker Guitar Hero über das neue DJ Hero mit Plastik-Plattenteller bis zu Anbietern spezieller Controller präsentiert sich eine riesige Produktpalette.

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Willkommen: So einladend kann Köln sein.
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Obwohl das Genre erst wenige Jahre jung ist, verdienen sich nicht nur Entwickler und Publisher ein goldenes Ohr an der Musikgeschichte. Metallica verdienen mit ihrer eigenen Edition fast genauso viel wie mit normalen Verkäufen. Für andere Bands sind Musikspiele gar die Haupteinnahmequelle geworden. Geziert hatten sich bislang immer die Beatles – bis deren eigene „Rock Band“-Edition auf die Generationen losgelassen wurde. Auf einer eigenen großen Bühne kann jeder ausprobieren, ob er zum Rockstar taugt. Zur Belohnung gibt’s dann ein T-Shirt zum Spiel.

Möchtegern-Vögel vor der Wii

Wieder und dieses Jahr noch präsenter sind die Casual Games, obwohl auch dabei die Wachstumsgrenze in naher Zukunft erreicht sein dürfte. An fast jeder Ecke steht eine Wii, und weiße Nintendo-Feen schweben durch die öffentlichen Besucherbereiche. Inzwischen ist der Trend um die neue Zielgruppe jedoch wieder ein alter Hut, der in einer eigenen Abteilung neben all den anderen Genre-Schubladen verschwunden ist.

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In luftiger Höhe durfte man "Gran Turismo 5" anspielen.
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Denn wenn es schon für Senioren eine Wii-Meisterschaft gibt, sind Spiele für Jedermann keine Vision mehr, sondern eine Tatsache. Ubisofts Slogan „Spiele für mich“ trifft also genau den Nerv der Zeit. Wer nicht wie ein Möchtegern-Vogel mit den Armen rudernd vor einem Wii-Fit-Plus-Bildschirm stehen will, hat weitere 119.999 weitere Quadratmeter zur Erkundung der Ausstellerflächen zur Verfügung.

Gegenüber des Nintendo-Areals versuchen sich Kinder samt Mutter und Vater an der neuesten Kooperation des japanischen Gaming-Riesen Nintendo und Sega. Anlässlich der Olympischen Winterspiele in Vancouver rasen Mario, Sonic & Co. Weiße Hügel hinab. Der reale herumwirbelnde Schnee in Plastikausführung kann einem dabei die Sicht ziemlich vermiesen.

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Witzig: Die Case Modder machen aus grauen PC-Gehäusen kleine Kunstwerke.
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Gut sichtbar hingegen sind bereits seit Mittwoch die Case Modder. Hier wird geschraubt, geschliffen, gebohrt und gehämmert, bis die grauen Standard-PC-Gehäuse am Ende aussehen wie eine gepimpte Flugzeugturbine. Sechzig Modder kämpfen bei der Deutschen Meisterschaft hinter Schutzscheiben und vor fachkundigem Publikum um die Krone der Bastler.

Die aufwändigen Umbauten haben die Jungs vom Schroet Kommando (SK) gegenüber kaum nötig – sie ballern, bauen und rasen weltweit bei E-Sport-Turnieren auf Spitzenplätze und bekommen deshalb ihre Rechner von Sponsoren gestellt.

Jubelstürme im Pro-Gaming-Areal

In der Pro-Gamer-Zone der European Sports League sind alle Plätze besetzt, als das deutsche Nationalteam im ESL- EM-Finale gegen Frankreich antritt. Counter-Strike: Source heißt die Disziplin, bei der es vom Publikum für jede gelungene Aktion der deutschen Athleten tosenden Applaus gibt. Der Heimvorteil ist bares Geld wert: Neben dem 2:1-Sieg gegen die favorisierten Franzosen kann das deutsche Team tausende Euro Preisgeld verbuchen.

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Hier wird Spielen zum Beruf: Hohe Preisgelder warten in der ESL.
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Auch das EM-Finale von Counter-Strike 1.6 wird hier ausgespielt. Das schwarz-rot-goldene Team muss sich allerdings erst noch gegen Polen durchsetzen, damit das Finale am Samstagabend für einen kompletten Triumph der deutschen E-Sport-Riege sorgen kann. Daumen drücken!

Shooter sind auf der Kölner gamescom-Premiere ebenfalls an allen Ecken und Enden präsent (siehe dazu auch unsere Action-Tour) – als First oder Third Person, mit Rollenspiel- und Echtzeit-Strategie Elementen. Das magische Feature ist jedoch der nahtlose Übergang von Einzel- und Mehrspieler-Modus. Das gilt für etwa für Borderlands, was aussieht wie ein interaktives Madmax-Comic, und auch Brink, das ähnlich anmutet.

Jederzeit kommen menschliche Spieler dazu, die Aufgaben bleiben dabei gleich. Auch der Schauplatz beider Games ist ähnlich: Irgendwann in der Zukunft, eine zerüttete Gesellschaft am Rande des totalen Kollapses. In den kleinen Stehkinos mancher Hersteller werden lediglich Trailer gezeigt – die Leute stehen trotzdem Schlange. Nach dem Spektakel werden sie auf der anderen Seite wieder heraus geschoben, damit Platz für die Wartenden frei wird.

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WAAAAAAAAAAAAH! SIE SIND ÜBERALL!!! SCHIESST!
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Mafia II überzeugt in den Vorführungen mit intelligentem Gameplay, sehr schickem Design sowie stufenlosem Übergang zwischen Cutscenes und Ingame-Action. Heavy Rain, die wohl endgültige Killer-Anwendung für die PS3, hat Action dagegen nicht nötig. Die Grafik ist über jede Kritik erhaben.

Doch die spärlichen Spielelemente könnten dafür sorgen, dass das Konzept des interaktiven Films von der Zockergemeinde nicht so euphorisch aufgenommen wird wie vergangene Trailer des Sony-Titels. Die ersten Eindrücke von Modern Warfare 2 können dagegen schon jetzt glänzen – aber noch heißt es abwarten.

Der Assassine ist zurück

Teil zwei von Assassin's Creed überzeugte uns schon zu Beginn der Messe (genaueres in der Assassin's Creed 2-Vorschau). „Schnell, tückisch und grausam“, dazu an den richtigen Stellschrauben gedreht: Bringt nicht jemand sämtliche Sicherheitskopien des derzeitigen Entwicklungsstandes um die Ecke, sollte bei Ubisofts Triple-A-Titel nichts mehr schief gehen.

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Sorry, liebe Bundeswehr, die Bad Company hat den cooleren Jeep
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Dasselbe gilt für WET, dem inoffiziellen Kill-Bill-Game. Das strotzt vor Ballerei, Combos in Beat-em-Up-Manier und Bewegungsabläufen á la Prince of Persia. Wir haben es angespielt – Klasse! Doch nicht alles dreht sich bei der gamescom um Punktestände am Bildschirm. So bekamen wir am Freitag vorab eine 20-Minuten-Version des neuen Cameron-Streifens „Avatar“ zu Gesicht. „Fantastisch“, urteilt unser Filmspezialist David Hain.

Auch die Vertreter der Bundeswehr, samt Spähpanzer angerückt, sind wahrlich nicht virtuell. Einsteigen und ausprobieren? Na klar. Selbst Herumfummeln am drehbaren Aufbau mit Granatwerfer ist erlaubt. Doch die staatlich-militärische Rekrutierungsstation ist nicht das einzige Kuriosum, welches die gamescom bietet. Während ein Stand der Agentur für Arbeit noch einigermaßen Sinn macht, hört unser Verständnis spätestens beim plumpen Lobbyismus der Jungen Union auf: „Verantwortung braucht Freiheit“, grüßt ein überdimensionaler, grafischer Kopf von der Wand.

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Falsche Messe? Horst Schlämmer warb neben dem Holland-Gemüse.
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Als hätten sich die Standbetreiber ungewöhnlicher Aussteller abgesprochen, wollen direkt nebenan Holländer ihr Gemüse loswerden und Spielerfrauen wie -männer zur gesunden Ernährung bringen. Als mahnende Freak-Fratze ruft das gelblich-grinsende und von Zahnstein geplagte Gebiss Horst Schlämmers alias Hape Kerkeling zur Wahl seiner Partei auf. Äh, ja ist denn schon Karneval?

Auf zu Blizzard!

Empfehlenswert ist zweifellos der Ausflug an den Blizzard-Stand, der fast komplett aus Testrechnern besteht. Die Auszüge aus den Einzelspieler-Kampagnen von Diablo 3 und Starcraft 2 (zur Singleplayer-Vorschau) muss man einfach gezockt haben. Das dachte sich auch die restliche Journalisten-Meute, und so galt bereits am publikumsfreien Mittwoch: Anstehen zum Zocken. Was die gesamte gamona-Mannschaft auch brav tat und im detaillierten und gelungenen grafischen Ambiente riesige Monsterhorden niedermetzelte. Ein teuflischer Spaß.

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Zwei Stunden Warteschlange für diesen Moment. Es hat sich gelohnt.
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Müde Füße sind in Köln wegen der langen Wege natürlich allgemeines Syndrom. Schlaue Köpfe sind per Skateboard unterwegs, mit dem sie direkt auf die riesige Tony-Hawk-Halfpipe fahren können. Für Freunde des runden Leders wartet ein Fußballkäfig in der Nähe. Ansonsten heißt es warten. Das gehört wegen des Andrangs überall dazu. Im Geschäftsbereich, wo sich Journalisten von Interview zu Interview und von Präsentation zu Präsentation hangeln, in der Pressezone, wo dieselben Personen bis zur letzten Minute News und Artikel in ihre Laptops hacken

Und natürlich in den frei zugänglichen Arealen, wo knapp bekleidete Mädels durch die Gänge streifen und auf Bühnen Preise vom Schlüsselband bis zur Konsole an den Spieler gebracht werden. Wer hingegen mit simplen, aber fesselnden Spielprinzipien ausspannen will, sollte die Retro-Ausstellung nicht verpassen.

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Da kommt Wehmut auf: Nintendos Frühwerke als Ausstellungsobjekt.
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Dort wird Hardware in Vitrinen gezeigt, die eher an mysteriöse Küchengeräte als an Spielkonsolen erinnert. Wir haben aber auch selbst Hand angelegt, etwa an einen Super NES, ZX Spectrum oder Atari 2600. Natürlich alles auf Winz-Fernsehern, die wir heute noch nicht einmal dem ärgsten Killerspielverbot-Verfechter wünschen würden. Deren erstes Opfer war übrigens River Raid von Activision, ein Bottom-up Ballerspiel auf der genannten Atari-Konsole aus dem Jahr 1982. Damals wie heute unfassbar.

Der coolste Stand ist in Hyboria

Den Preis für den originellsten Stand bekommt von uns jedoch Age of Conan, der komplett im Stile des neuen Add-ons „Rise of the Godslayer“ gestaltet ist. Hier fühlt man sich wirklich wie in Robert E. Howards' Welt Hyboria. Palisadenwände, ein riesiger Gong über dem Eingang, Sand auf dem Boden, Waffen an den Wänden; Sogar im sonst so einfarbigen Geschäftsbereich fährt Funcom das volle Programm auf.

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Unser heimliches Messe-Highlight: Der astragon-Stand.
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Da fühlen wir uns fast wie der Reiter, der in der Präsentation der kommenden Erweiterung (siehe unsere Vorschau) auf einem Tiger durch die fernöstliche Steppe reitet. Ebenfalls aus dem asiatischen Raum kommt bald Aion von NCSoft als Konkurrent auf die Barbarenwelt zu. Beta-Tester sind vom neuen MMORPG der Guild-Wars- und Lineage-Macher sehr angetan. Die Messejury zeichnete es zudem als bestes Online-Spiel der gamescom aus. Und auch auf uns machte Aion einen guten ersten Eindruck (nachzulesen in der Aion-Vorschau).

Unser Fazit: Den Umzug von Sachsen ins Rheinland hat die gamescom nicht nur verkraftet, sondern noch stärker gemacht. Neben der E3 in Los Angeles ist die wichtigste Spielemesse Europas das Mekka der digitalen Unterhaltungsindustrie. Fast eine Viertelmillion Besucher, eine unglaubliche Fülle guter Unterhaltung für den Casual- und den Hardcore-Gamer gleichermaßen. Ein Muss für jeden Fan.