Wenn es auf der Gamescom an einem keinen Mangel gab, dann war es ohrenbetäubender Krach. Von überall her dröhnt die Musik aus teilweise überdimensionalen Boxen. Nicht immer sind die Klänge angenehmer Natur. Selbst bei vielen Presse-Präsentationen ist eine Flucht vor der Dauerbeschallung schier unmöglich. Erst recht nicht, wenn es sich explizit um Musikspiele wie Guitar Hero, DJ Hero oder Lego Rock Band handelt, die wir uns vor Ort ein wenig genauer angesehen haben.

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Guitar Hero 5

Die „Guitar Hero“-Serie dürfte mittlerweile selbst Musikspiel-Muffeln ein Begriff sein. Mittlerweile ist bereits Teil fünf der Serie fertig – in der Redaktion wird schon eifrig gezockt; den Test lest ihr in den kommenden Tagen auf gamona. Gravierende Änderungen am Spieldesign nahmen die Entwickler selbstverständlich nicht mehr vor, dazu ist die Serie viel zu beliebt und etabliert. Schließlich sollen langjährige Fans nicht verprellt werden.

Musikspiele - Guitar Hero, DJ Hero, Lego Rock Band: die Musikspiel-Highlights von der gamescom

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In verschiedenen kompetitiven Modi tretet ihr nun gegen eure Freunde an.
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Neuerungen bietet Guitar Hero 5 daher insbesondere im Detail. Beispielsweise sind nun alle 85 enthaltenen Master-Tracks von Beginn an zugänglich. Keiner muss sich länger durch die härteren Schwierigkeitsgrade kämpfen, um bestimmte Stücke freizuschalten.

Diese Änderung versinnbildlicht sozusagen die gesamte Ausrichtung des Spiels, die diesmal noch einsteigerfreundlicher und unterhaltungsorientierter ausgefallen ist. Es gibt daher viel mehr Spielmodi als zuvor und deutlich mehr Möglichkeiten, sich an den Instrumenten auszutoben. Apropos Plastik-Klampfen: War in früheren Versionen des Gitarrenhelden noch vorgegeben, welche Besetzung eure Band haben muss, bestimmt ihr diese nun selbst.

Fünfte Runde – Boing!

Egal ob drei Gitarren und ein Bass, zwei Schlagzeuge, ein Mikro (Lips-Mikro wird unterstützt) und eine Gitarre, vier Gitarren gleichzeitig oder zwei Mikrofone und zwei Drums - jede denkbare Kombination der Instrumente ist nun möglich und erweitert damit die musikalischen Austobmöglichkeiten beträchtlich.

Damit sich auch wirklich keiner der Mitspieler benachteiligt fühlt, regelt nun jeder seinen Schwierigkeitsgrad auf einem individuellen Level. Profis zocken also problemlos mit Anfängern zusammen: Während ihr auf "extrem" abrockt, schrammelt eure Freundin möglicherweise lieber auf "leicht" mit und hat dabei ebenso viel Spaß wie ihr.

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Die Zusammensetzung der Band ist ganz allein eure Sache. Ein Sänger und drei Gitarristen? Kein Problem!
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Das Spielgefühl ist im Vergleich zu älteren Versionen im Großen und Ganzen unverändert geblieben - so jedenfalls der Eindruck während unserer Hands-on-Session. Neu hingegen ist das "Party Play"-Feature, in dem Bandmitglieder jederzeit aus den Songs ein- und aussteigen, ohne das man das Stück unterbrechen müsste. Auf ähnliche Weise wird zudem der Schwierigkeitsgrad "on the fly" angepasst.

Deutlich erweitert zeigt sich Guitar Hero 5 im Bereich der Spielmodi. Während es früher in dieser Hinsicht eher mager aussah, messen sich echte Gitarrenhelden nun im neuen Rockfest-Modus - entweder mit bis zu vier Zock-Rockern an einer Konsole oder mit bis zu acht Teilnehmern online.

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Guitar Hero 5 bietet neben neuen Songs vor allem neue Spielmodi.
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Zur Auswahl stehen Duell-Varianten wie "Momentum", bei der sich die Schwierigkeit des Songs dynamisch der Leistung des Spielers anpasst, "Perfectionist", wo am Ende jedes Song-Abschnitts eine Belohnung für den besten Spieler wartet oder "Do-or-Die": Wer drei Noten verpasst, darf zeitweise nicht mehr mitspielen und bekommt ergo auch keine Punkte mehr. Interessant dürfte für Serien-Veteranen sein, dass Download-Songs von Guitar Hero World Tour auch in Guitar Hero 5 gespielt werden können und von den Verbesserungen im Spielablauf profitieren sollen.

DJ Hero: Ab ans Pult!

Während Activision mit Guitar Hero 5 lediglich Änderungen im Detail vornimmt und das Erfolgsrezept somit weitestgehend unangetastet bleibt, wagt der Publisher bei DJ Hero neue Ansätze. Statt seinen musikalischen Helden mit Gitarren oder Drums nachzueifern, dreht sich nun buchstäblich alles im Kreis. Genauer gesagt auf dem Plattenteller bzw. Turntable-Controller, das als Spielwiese für tollkühne Musiktüftler dient.

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Alles gleichzeitig im Griff zu behalten, ist bei DJ Hero gar nicht so einfach.
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Auf der einen Seite des Spielgeräts befindet sich die Imitation eines Plattentellers, auf dem drei farbige Buttons (ähnlich der Tasten am Gitarrenhals bei Guitar Hero) untergebracht sind. Mit der jeweils anderen Hand (das DJ-Pult ist für Links- und Rechtshänder geeignet) werden Effekte, Blendings und ähnliche Verfremdungseffekte eingespielt. Das hört sich allerdings deutlich leichter an, als es in Wirklichkeit erscheint.

Selbst wer darin geübt ist, beide Hände unabhängig voneinander zu steuern und dabei unterschiedliche Aktionen auszuüben, dürfte von der Komplexität der Bewegungsabläufe zunächst erschlagen sein. Hier ein wenig scratchen, dort ein wenig blenden, obendrauf etwas Sampling - dazu darf die Musik nicht aus dem Auge verloren werden, die nach bekanntem Muster auf dem Bildschirm visualisiert wird.

Es ist beileibe kein leichtes Unterfangen, die Songs unterschiedlicher Künstler in einen eigenständigen Mix zu verwandeln. Aber spannend und fordernd ist das auch für Musikspiele-Veteranen allemal!

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Der neue Scratch-Controller ist das Herzstück von DJ Hero.
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100 Songs und 80 exklusive Mixes sollten für den Anfang genug Stoff für heiße DJ-Schlachten bieten. Ganz im Stile der DJ-Kultur liefern sich Musikmixer auf improvisierten Battles oder den DMC World DJ Championships – DJ vs. DJ - harte Auseinandersetzungen. Spieler treten jedoch nicht nur gegeneinander an, sondern mixen und scratchen zusammen an zwei Turntable-Controllern. Darüber hinaus kann ein weiterer Spieler mit einem Mikrofon einsteigen oder sich eine „Guitar Hero“-Klampfe schnappen und für einen ganz speziellen DJ-Gitarren-Mix sorgen.

Lego Rock Band: Klötzchen-Rocker

Der eher umgekehrte Weg wird hingegen bei Lego Rock Band eingeschlagen. Statt komplizierter Turntable-Action wartet hier ein familienfreundliches Musikerlebnis, das sich vor allem an jüngere Altersklassen richtet.

Alles steht im Sinne der "Individualisierung" und der Verschmelzung der beiden Videospiel-Marken: Ihr gestaltet eure eigenen Lego-Rockhelden, die Bandmitglieder, Roadies und Manager ganz nach euren Wünschen, erstellt ganze Bands mit euren Plastik-Idolen, baut durch erfolgreiches Musizieren Lego-Burgen und schaltet Dutzende zusätzlicher Features frei. Neu ist der Modus "Superleicht", der auch jüngsten Gamern den Zugang zum Spiel ermöglichen soll.

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Lego Rock Band: gleiches Spielprinzip, jüngere Zielgruppe.
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In unserer Hands-on-Session probierten wir die Nintendo-DS-Fassung aus, die ohne Fretboard auskommt. Zwar bereiten die supersimplen Songstrukturen insgesamt kaum Probleme, trotzdem erweist sich der Spielablauf mithilfe von Buttons als recht sperrig und unergonomisch. Schon nach wenigen Minuten droht da Fingerkrebs. Soundtechnisch wirkt das Gedudel auf dem Handheld ohnehin antiquiert und bleibt meilenweit hinter der Qualität der großen Konsolen zurück. Dort sollen dann die meisten „Guitar Hero“- und andere (autorisierten) Peripheriegeräte kompatibel und einsetzbar sein.

Ausblick:

In diesem Drittel-Mix dürfte wohl für jeden etwas dabei sein: Während Guitar Hero 5 auf noch mehr Features und einen Ausbau der Zugänglichkeit setzt, lockt DJ Hero mit einem komplexen Spielsystem und Musikstilen, die vom großen Bruder nicht abgedeckt werden (können). Die Action am Turntable-Controller ist nach jetziger Einschätzung schweißtreibend und fordernd zugleich und dürfte für Einsteiger möglicherweise eine Spur zu anspruchsvoll sein.

Eine ganz andere Zielgruppe wird mit Lego Rock Band angesprochen. Vor allem Jüngere werden mit mannigfaltigen Pimp-Optionen, Individualisierungsmöglichkeiten, Freischaltgimmicks noch und nöcher und dem Modus "Superleicht" auf ihre Kosten kommen. Ob es die DS-Version ohne Fretboard spielerisch rockt, erscheint uns jedoch zumindest zweifelhaft.