Die Spatzen pfiffen es schon seit Längerem von den Dächern: Die Games Convention in Leipzig, größte europäische Messe für Computer- und Videospiele, werde sich von Grund auf erneuern. Auf der heutigen Pressekonferenz des BIU (Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware) im Berliner Hotel Adlon platzte nun die Bombe: Unter dem neuen Namen GAMESCom werde die wahrscheinlich wichtigste Games-Messe der Welt ab 2009 in Köln und nicht mehr in Leipzig stattfinden.

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Willkommen in der Domstadt!

Mit modernisiertem Konzept und neuem Zeitpunkt soll die GAMESCom in Köln den nächsten großen Schritt zur Internationalisierung der deutschen Spielemesse vollziehen. "Mit dem Standortwechsel sichern wir die Zukunft der deutschen Branchenmesse als europäische Leitveranstaltung", kommentierte BIU-Geschäftsführer Olaf Wolters die Entscheidung anlässlich einer Pressekonferenz in Berlin.

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Auf Wiedersehen, Leipzig! Solche Bilder wird es in Zukunft in Köln geben.
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Die Entscheidung für Köln sei eine Entscheidung für Deutschland und nicht gegen Leipzig. „Nur wenn wir eine internationale Wachstumsperspektive eröffnen, werden wir die europäische Leitmesse mittelfristig in Deutschland halten können", so Wolters.

Seit ihrem ersten Auftritt im Jahre 2002 hatte sich die Leipziger Games Convention zu DER internationalen Games-Messe schlechthin gemausert. Doch war sie im vergangenen Jahr endgültig an den Wachstumsgrenzen angelangt – die geplanten Besucherzahlen von 200.000 konnten leider (wenn auch knapp) nicht erreicht werden. Die Branche zog nun daraus ihre Konsequenzen: Ab nächstem Jahr soll Köln als neuer Standort für weiteren Aufschwung sorgen.

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Die Games Convention hat sich zur wichtigsten Games-Messe der Welt gemausert.
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"Mit Köln haben wir einen Standort gefunden, der unserem europäischen Anspruch gerecht wird. Die Koelnmesse hat die Mitgliedschaft mit einem professionellen Konzept überzeugt, verfügt über ein modernes Messegelände in einer der bevölkerungsreichsten Regionen Zentraleuropas und eine motivierte und professionelle Messemannschaft“, begründet Wolters den Wechsel.

Leipzig sei vor allem hinsichtlich seiner Infrastruktur nicht mehr der optimale Standort für eine solche Messe: Die internationale Verkehrsanbindung sei in Köln durch den Großflughafen Köln/Bonn sehr viel besser. Auch die Hotelkapazitäten seien in den letzten Jahren in Leipzig bis weit über die Grenzen beansprucht worden. Zudem sei die Metropole Köln in einem der größten Ballungsräume Deutschlands gelegen, was sie auch für Nicht-Fachbesucher attraktiver mache.

GAMESCom bleibt Publikumsmesse

Besonders für Schüler – immer noch ein Kernpublikum der Spielemesse – sei die Fahrt ins ferne Leipzig nur schwer möglich gewesen, fügt Wolters der Liste einen weiteren Punkt hinzu. Man habe daher gezielt nach einem Standort, gesucht, den möglichst viele Besucher ansteuern können. Damit macht er aber auch Eines klar: Die neue GAMESCom soll, genau wie die GC zuvor, eine Publikumsmesse bleiben!

Man wolle auf keinen Fall dem Trend der amerikanischen E3 folgen und die Convention alleine auf Fachbesucher ausrichten. „Die Branche entwickelt ihre Spiele für die Spieler“, betont Wolters. „Und daher wollen wir auch die Messe für die Spieler machen.“

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Bleibt alles anders: Auch die GAMESCom wird eine Publikumsmesse.
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Dennoch sei gerade der Fachbereich in Leipzig problematisch geworden: zu wenig Platz, zu schlechte Verkehrsanbindung für internationale Gäste. „Das Konzept der GC, sowohl Fachbesucher als auch Spieler anzusprechen, war gut. Aber wir müssen vor allem den Fachbereich stärker ausbauen.“

Die Internationalisierung sei auch ein Grund, warum die Messe nicht wie bisher im August, sondern im September stattfinden wird. Vor allem die Südeuropäer seinen nicht bereit, im August eine weitere Messe zu besuchen. Auch die Entwicklerkonferenz – bisher unter dem Namen GCDC – würde davon profitieren. Sie werde ebenso erhalten bleiben wie der Casual-Bereich der bisherigen GC family. „Die Spielebranche wird immer familienfreundlicher und dem werden wir uns natürlich anpassen.“

Was wird aus Leipzig?

Was aus der Games Convention in Leipzig wird, bleibt vorerst ungewiss. Die Markenrechte an dem Namen „Games Convention“ bleiben bei der Messe Leipzig – daher auch die „Zwangsumfirmierung“ in GAMESCom. Die Nachfrage, ob denn die Namensparallele (beide Messen lassen sich mit denselben Initialen „GC“ abkürzen) Kalkül sei, verneint Wolters: „Die GAMESCom ist keine Mogelpackung, sondern eine eigenständige Marke. Die Parallele ist keine Absicht.“

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Ungewisse Zukunft: Was aus der Leipziger GC wird, ist noch unklar.
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Überlegungen, die GC in Leipzig in anderer Ausrichtung beizubehalten, stünden noch im Raum: So könne man sich vorstellen, sie als reine Branchenmesse aufzuziehen oder sie ergänzend zur GAMESCom in etwas veränderter Form zu erhalten. Dabei spiele auch eine Rolle, dass die Stadt und die Messe Leipzig Einiges in das Projekt Games Convention investiert hatten. Auch die Universität Leipzig sei im Gaming-Bereich sehr engagiert. „Von daher wird es irgendetwas in der Art geben.“

„Hatte Leipzig überhaupt eine Chance?“, wird Wolters gefragt. Seine Antwort kommt postwendend: „Wir wollen die beste Messe machen. Die bisherigen Messen war sehr gut, aber spätestens als uns allen klar war, dass wir sie im September machen wollten, stand Leipzig nicht mehr zur Disposition.“ Hierfür reiche die Infrastruktur einfach nicht aus. Man munkelt, dass auch die Nähe zum Weihanchtsgeschäft für den späteren Termin ausschlaggebend war.

Zudem sehe man sich auch durch internationale Konkurrenz herausgefordert: Die ECTS in London gibt es zwar nicht mehr, allerdings ist eine Wiederbelebung in anderer Form schon seit Langem im Gespräch. Auch Barcelona geistere als Messe-Standort schon eine Weile durch die Gerüchteküche.

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Mehr Platz für mehr Gamer: Die GAMESCom soll den nächsten großen Schritt bedeuten.
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Dass mit Electronic Arts ein mächtiger Branchenriese ausgerechnet in Köln sitzt, habe bei der Entscheidung keine Rolle gespielt, so Wolters. „EA hat eine von insgesamt zwölf Stimmen in unserem Verband. Wäre es allein danach gegangen, hätte München das Rennen gemacht, da hier die meisten Spielefirmen ansässig sind.“

Auch das Gerücht, man habe die Messe nach Westdeutschland holen wollen, sei aus der Luft gegriffen – erst Recht nicht der Vorwurf der Rechtsradikalität. „Davon haben wir niemals in irgendeiner Form etwas beobachten können.“ Im Gegenteil: Man habe den Standort Leipzig sehr lieb gewonnen. Aber nun sei es eben Zeit für den nächsten Schritt.

Update: Die Messe Leipzig, der Oberbürgermeister der Stadt Leipzig und der sächsische Wirtschaftsminister haben sich nun in einer Stellungnahme zur Entscheidung des BIU geäußert. Alle seien sehr darüber enttäuscht. Einzelheiten dazu findet ihr in dieser News.