Der ransante Aufstieg, den MOBA- und Arena-Spiele in diesen Tagen erleben, ist beispiellos. Einst als Mods belächelt, dominieren sie längst als eigenständige Spiele die Szene und gewinnen, im Einklang mit dem ebenfalls noch jungen E-Sport sowie Streaming-Diensten wie Twitch, täglich neue Fans. Doch ist der Markt mit Spielen dieser Art nicht längst gesättigt? Kommt ein Spiel wie Games of Glory nicht viel zu spät?

Schon wieder ein MOBA? Diese Frage wird nicht nur in der Community laut, wenn die Nachricht von einer neuen Genre-Inkarnation die Runde macht - auch als Redakteur vom Fach beginnt man so langsam, am gesunden Entwicklerverstand zu zweifeln. Entsprechend ablehnend reagiere ich meistens, wenn wieder mal einer dieser berüchtigten PR-Agenten anruft und mich zu überreden versucht, ins nächste Flugzeug zu steigen, um einer unglaublich atemberaubenden Präsentation zu einem nigelnagelneuen MOBA beizuwohnen - leckere Schnittchen natürlich inklusive.

Anders - und doch vertraut

Das allerdings schien der verantwortliche PR-Mann schon geahnt zu haben, ersparte sich und mir einen langen Vortrag über Schnittchen und bot stattdessen an, diesmal einfach mitsamt des Chefentwicklers im gamona-Hauptquartier vorstellig zu werden. Was also hatte ich zu verlieren als ein, vielleicht zwei Stündchen Zeit? Und so kam es, dass ich mit Anders Larsson, Mitbegründer der verantwortlichen ‘Lightbulb Crew’, ein paar Runden Games of Glory zockte.

Games of Glory - Mit einem Fuß im E-Sport

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Der Shop von Games of Glory samt seiner Sci-Fi-Wummen erinnert eher an klassische Shooter als an die MOBAs mit ihren Fantasy-Items.
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Und das zockte sich auf Anhieb tatsächlich gar nicht schlecht. Die Verwandtschaft mit Spielen wie Dota 2, League of Legends oder Heroes of Newerth ist längst nicht so eng, wie es auf den ersten isometrischen Blick den Anschein haben mag. Wahl- und idealerweise kontrolliert man seinen Helden - Pardon, Klon - nämlich mittels WASD-Steuerung.

Zumindest fühlte sich das selbst für einen bekennenden Dota-Fan wie mich richtig an, kontrollierte ich meine Waffen in Games of Glory doch erstmals unabhängig von der Bewegung des Klons. Und neben den üblichen drei Skills plus Ultimate-Skill, mit denen man vorpreschen, stunnen und allerlei mehr tun kann, sind auch Munition und Nachladegeschwindigkeit wesentliche Faktoren.

Packshot zu Games of GloryGames of GloryRelease: PC: 2015

Selbst ist der Klon

Erforderlich sind also durchaus andere Skills als bei Dota und Konsorten. Skills, wie sie bei einem Shooter-Hybriden wie S4 League zum Einsatz kommen oder vielleicht noch bei einem MOBA-Hybriden wie SMITE - nur eben in der klassisch isometrischen Perspektive. Am ehesten aber ist Games of Glory noch mit Merc Elite vergleichbar, Bigpoints mittlerweile leider eingestampftem Genrebeitrag.

Das Tor zum E-Sport für jedermann? Klingt gut. Haltet euch also ran, liebe Lightbulb Crew.Ausblick lesen

Wie dort auch gibt es bei Games of Glory eben nicht jene klassischen Pfade, die ‘Lanes’, auf denen die eigenen, computergesteuerten Truppen in Richtung feindlicher Basis ziehen. Bei Games of Glory kämpft der Klon, übrigens Teil eines futuristischen Unterhaltungsspiels, noch selbst - insbesondere auf einer von zwei Karten, die derzeit im Spiel verfügbar sind.

Plötzlich Superstar

Die trägt den klangvollen Namen Svandia und bietet wohl die kürzesten Matches im gesamten Gerne. Zwei, vier oder sechs Spieler treten hier in zwei Teams gegeneinander an, um entweder das Zentrum zu besetzen oder den gegnerischen Superstar auszuschalten. Das ist quasi der Kapitän des Teams, der für die Bürde noch einen kleinen Skill-Vorteil erhält, dafür aber etwas zurückhaltender spielen muss.

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Auf der Map Arkashan gibt es auch Minions - allerdings haben die eine etwas geringere Bedeutung als bei Dota und Konsorten.
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Etwa eine Minute dauert so ein Match auf Svandia, das meist Sekunden nach dem Zusammenprall beider Teams entschieden ist. Es gibt also keine Aufbauphase, keine schwieriges Laning, kein langes Taktieren. Dafür muss ein Team gleich fünf solcher kurzen Matches für sich entscheiden, bevor es als Sieger aus der Arena gehen darf - ‘Best-of-Five’ nennt man das im Fachjargon. Maximal spielt man also neun Runden und ist in unter zehn Minuten durch. Für einen Dota-Spieler wie mich ein unbefriedigend rasantes Spielerlebnis.

Arkashan - für Taktiker

Weit interessanter spielt sich da schon die zweite Karte namens Arkashan, die an bekannte Dominion-Spielmodi aus League of Legends, Infinite Crisis und anderen Spielen erinnert. Auf dieser weit größeren Karte gilt es, einen Energiekern zu zerstören. Unterwegs erobert man Schildgeneratoren und Punkte, die dem Team eine Portion Gold bescheren. Nebenbei schießt man natürlich auch die Gegner sowie ein paar Minions ab. Im Gegensatz zu Svandia zahlt sich auf Arkashan ein gesundes Maß an Taktik aus und entscheidet neben der puren Reaktionsgeschwindigkeit über Sieg und Niederlage.

Wer beispielsweise die Schildgeneratoren vernachlässigt und die Goldlager anzapft, wird sich Waffenaufrüstungen leisten können, die dem Gegner verwehrt bleiben - zudem man in Games of Glory sowohl Nah- als auch Fernkampfwaffen einsetzen kann. Die taktische Tiefe von manch anderem MOBA-Vertreter wird allein dadurch natürlich noch nicht erreicht. Dafür fehlt es derzeit ohnehin noch an genügend unterschiedlichen Klonen. Doch daran, davon ist auszugehen, wird der Entwickler mit Sicherheit noch arbeiten.

Fair play in der Arena

Immerhin gibt es eine beinahe klassische Einstufung der Recken in Heiler, Tank und Supporter. Dazu kommt der Einsatz von Runen - ähnlich League of Legends - die diverse Boni und damit etwas mehr spielerische Freiheit geben. Mit den Runen von Dota 2, die während der Matches eingesammelt werden können, haben die Runen in Games of Glory hingegen nur den Namen gemeinsam.

Generell sind Chefentwickler Anders Larsson die kleinen, aber feinen Unterschiede extrem wichtig. Games of Glory soll eben kein weiterer Dota-Klon werden, sondern einen ganz eigenen Charakter besitzen. Auch soll es weniger toxisch zugehen als bei den Marktführern - angesichts der extrem kurzen Matches ist sogar recht wahrscheinlich, dass das gelingt.

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Die Regeln von Svandia sind schnell erlernt: Schieß den Gegner ab, bevor er dich erwischt.
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E-Sport im Code

Vorstellbar ist das auch, weil Games of Glory von Beginn an für den E-Sport konzeptioniert wurde. In der Arena treten keine verfeindeten Götter oder Helden gegeneinander an, sondern Sportler der Zukunft, die mit ihren Klonen ein riesiges Publikum begeistern. Entsprechend ist bei Games of Glory auch möglich, was bei vielen anderen Titeln allzu anachronistisch erscheinen würde: Werbung.

Bei Games of Glory gibt es auch während der Matches jede Menge Werbehologramme, in denen Teams ihre Logos präsentieren können, aber auch die etwaiger Sponsoren. E-Sport-Fans sollen sich bei Games of Glory zu Hause fühlen, erklärt Anders Larsson und schwärmt davon, dass Ligen und Ranglisten schon auf der Startseite angezeigt werden, dazu eine Auswahl an Videos und Streams.

Kostenlos, aber nicht umsonst

Und dann wäre da das Meta-Game, das sich derzeit noch in der Entwicklung befindet. Die Spieler schließen sich darin einer von mehreren Fraktionen an, für die sie kämpfen. Jedes Match ist dann Teil eines Wettkampfes, in dem sich die Kräfteverhältnisse fortwährend verschieben. Fraktionskriege in einem Arena-Game also - könnte spannend werden.

Weniger spannend, weil absoluter Standard, ist das Geschäftsmodell, mit dem die Lightbulb Crew irgendwann mal Geld mit Games of Glory verdienen möchte. Das Spiel an sich ist komplett kostenlos spielbar, bietet dann zum Start allerdings nur eine kleine Auswahl von Klonen. Der Rest vom Schützenfest lässt sich im Laufe der Zeit freischalten oder kaufen. Die meisten Kosmetika dagegen sind ausschließlich für Echtgeld zu erwerben. League of Legends und SMITE machen das ganz ähnlich, Dota 2 ist demgegenüber allerdings einen ganzen Schritt voraus.