»Benutze Lupe mit Games Convention«, musste man in den vergangenen Jahren schon eingeben, wenn man sich auf die Suche nach Spielen des Adventure-Genres begab. Denn nicht allzu viele Vertreter der klassischen Point-and-Click-Fraktion fanden ihren Weg nach Leipzig.

Doch nicht so anno 2007: Hochkarätige Abenteuer-Spiele gaben sich geradezu die Klinke in die Hand. Wir haben uns einige davon angeschaut und die viel versprechendsten Neuvorstellungen zusammengetragen.

Games Convention 2007 - Elton und die Porings8 weitere Videos

Ankh 3: Kampf der Götter

Als Nebenhandlung warf der bevorstehende »Kampf der Götter« bereits im Vorgänger »Herz des Osiris« seine unheilvollen Schatten voraus: Im dritten Teil der spaßigen Adventure-Reihe bricht die Götterdämmerung endgültig an und in Ägypten das Chaos aus. Denn ohne Rücksicht auf etwaige Kollateralschäden balgen sich die infantilen Riesen wie Kinder im Sandkasten durch die Straßen Kairos. Und nur einer kann sie stoppen: Assil, Anti-Held der Vorgänger.

Games Convention 2007 - Rätselhaft und humorvoll: die Adventure-Highlights der GC im Blickpunkt

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/10Bild 252/2611/261
Übermensch: In Teil 3 muss Assil zum Gott werden.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Um dem Wirrwarr Einhalt zu gebieten, muss Assil am Götterwettstreit teilnehmen und diesen gewinnen. Dies geht allerdings nur, wenn er sich erfolgreich selbst als Gott verkleidet. Hierzu reist er bis ins luxuriöse Luxor, von dem in den Vorgängern immer nur die Rede war, zum Hotel der Götter, wohin sich die Weltenherrscher zurückziehen, wenn sie eine Auszeit von ihrem Job als Gott nehmen, und sogar ins ferne Reich der Wikinger, wo sich Assil erst als Mann beweisen muss, um ernst genommen zu werden.

Während der Präsentation zeigten uns die Entwickler von Deck 13 am Beispiel des Wikingerdorfes, in welch witzige Richtung sich das Gameplay von Ankh 3 bewegen wird: So muss Assil drei Gegenstände organisieren, die ihn als echten Kerl zu erkennen geben: Bart, Helm und Waffe. Während als Bartersatz ein Stück schwarze Wolle herhalten muss, ist die Waffenlösung mit einem aufgeblasenen Kugelfisch am Stock besonders einfallsreich.

Als geschätzte Spieldauer gibt man bei Deck 13 elf bis zwölf Stunden an. Eine aufgemotzte Jack-Keane-Engine sorgt für zeitgemäße Augenschmeichler. Auch der Bedienkomfort hat sich verbessert: So lassen sich endlich auch relevante Hotspots per Tastendruck hervorheben. Pixelhunting gehört damit der Vergangenheit an.

Perry Rhodan

Wenn uns im Vorfeld der Games Convention jemand hätte weismachen wollen, das bisher noch weitestgehend unbekannte Adventure zur Heftchen-Serie »Perry Rhodan« könnte zum Geheimtipp der Messe avancieren, wir hätten ihn für verrückt erklärt. Doch nur wenige Minuten nach Beginn der Präsentation mussten wir erstaunt eingestehen: Das könnte das beste Abenteuerspiel seit Jahren werden!

Games Convention 2007 - Rätselhaft und humorvoll: die Adventure-Highlights der GC im Blickpunkt

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/10Bild 252/2611/261
Zukunftssicher: Optisch steckt Perry Rhodan die Adventure-Konkurrenz locker in die Tasche.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die Story dreht sich um die uralten Wesen des Wassers, die nach Jahrhunderten zurückkehren und Tod und Zerstörung über die Sternen-Akademie bringen. Was dahinter steckt, und warum Perrys Freundin entführt wurde, gilt es im weiteren Spielverlauf herauszufinden. Dabei bereist ihr unterschiedliche Stationen in der ganzen Galaxis, u.a. sahen wir neben der futuristischen Akademie eine »Blade Runner«-ähnliche Metropole, die in einen tiefen Canyon gebaut wurde.

Das alles erstrahlt in einer für das Adventure-Genre bisher unerreichten Grafikqualität. Die vorgerenderten Hintergründe strotzen nur so vor atmosphärischen Details, stimmungsvollen Lichteffekten und Animationen. Noch besser sind nur die 3D-Charaktere, die dermaßen schön modelliert sind, dass sie direkt der fernen Zukunft entsprungen scheinen, in der das Spiel stattfindet.

Games Convention 2007 - Rätselhaft und humorvoll: die Adventure-Highlights der GC im Blickpunkt

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/10Bild 252/2611/261
Die Akademie wurde angegriffen: Wieso? Weshalb? Warum? Perry sucht nach Atnworten.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Um in den Genuss dieser Pracht zu kommen, braucht ihr glücklicherweise kein Fan der Heftchenvorlage sein. Die Geschichte des Spiels ist auch ohne Vorkenntnisse verständlich. Gerade zu Beginn dürfen sich Einsteiger dennoch nach Wunsch mit zahlreichen Hintergrundinformationen zum komplexen »Perry Rhodan«-Universum versorgt wissen. Fans der Serie werden sich über viele Feinheiten und Anspielungen freuen: So hat beispielsweise Perrys legendärer Raumfahrer-Helm gleich zu Anfang einen ehrenvollen Gastauftritt.

Damit sich das Spiel größtmöglich an die Vorlage hält, arbeiten die Entwickler von BrainGame eng mit den Autoren der Hefte zusammen. »Dieser kreative Austausch geht so weit, dass in den nächsten Ausgaben gar Bezug zu den Ereignissen im Computerspiel genommen wird«, erklärt Miriam Hofheinz vom Pabel-Moewig Verlag. Ein Beispiel dafür ist die Akademie, die in den Geschichten immer nur ausschnittsweise beschrieben wurde, für das Spiel aber vollständig modelliert werden musste.

Gleiches gilt für zahlreiche Gegenstände und Aliens, die sich der Leser bisher selbst vorstellen musste, die nun aber für das Spiel ein konkretes Aussehen erhielten. »Bei Vielem konnten sich die Grafiker an unseren Titelbildern orientieren«, meint Miriam Hofheinz. »Für manch Anderes mussten sie dagegen ihre Fantasie anstrengen.« Bestes Beispiel: Perry in Freizeitklamotten. Solch ein Anblick war bisher noch auf keinem Heftcover zu bewundern….

Geheimakte 2

Mit Rekordwertungen in sämtlichen Magazinen schlug im vergangenen Jahr »Geheimakte Tunguska« in der Welt der Adventures auf. Für den Nachfolger versprechen die Entwickler einige Verbesserungen: Eine höhere Auflösung und mehr Animationen sorgen für eine zeitgemäße Optik. Eine erweiterte Hilfefunktion dient Abenteurern bei besonders harten Kopfnüssen als Nussknacker.

Games Convention 2007 - Rätselhaft und humorvoll: die Adventure-Highlights der GC im Blickpunkt

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/10Bild 252/2611/261
Max verschlägt es diesmal nach Indonesien.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Erneut stehen die Protagonisten Max und Nina im Mittelpunkt der »Geheimakte«. Mehr Bezüge zum Vorgänger wird es aber nicht geben: Teil 2 verfügt über eine völlig neue Geschichte und wird sich mit einem anderen Mysterium abseits der Tunguska-Explosion befassen - mit welchem wollten uns die Entwickler allerdings noch nicht verraten.

Bisher bekannt: Im fein gerenderten Intro des Spiels wird der Spieler Zeuge eines Mordes an einem Priester. Sam-Fisher-ähnliche Geheimnistuer mit Nachtsichtgeräten auf der Stirn scheinen Böses im Schilde zu führen. Was die beiden Helden aus dem Vorgänger damit zu tun haben, soll erst im Laufe der Handlung klar werden.

Die haben nämlich zu Beginn ganz andere Sorgen: Ihre Beziehung ist nach kurzer Zeit in die Brüche gegangen. Max geht seither in Indonesien archäologischen Ausgrabungen nach, Nina verblieb im kalten Hamburg. Der Spieler übernimmt abwechselnd die Kontrolle über die Beiden, bis ihre Handlungsfäden in der Mitte des Spieles aufeinander treffen. Erscheinen soll »Geheimakte 2« im April.

A Vampyre Story

Niemand anderes als LucasArts-Urgestein Bill Tiller führte uns auf der GC sein neues Projekt »A Vampyre Story« vor. Tiller arbeitete bereits an Klassikern wie »Monkey Island 3« oder »The Dig« mit. »Früher war der Name LucasArts ein Synonym für die besten Adventures. An diesen Spielen mussten sich alle anderen messen«, meint Tiller. »Doch dann kam das hier…« Er deutet auf den Präsentations-Bildschirm, auf dem ein »Star Wars«-Logo größer und größer wird.

Games Convention 2007 - Rätselhaft und humorvoll: die Adventure-Highlights der GC im Blickpunkt

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/10Bild 252/2611/261
Mona und die melancholische Fledermaus Froderyck.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

»Und hier seht ihr den Stellenwert, den Adventures mit der Zeit in der Firma einnahmen.« Er umrahmt mit seinen Fingern den Abstand zwischen den Rändern des Bildschirms und dem größer werdenden Logo, bis dieses schließlich die komplette Fläche einnimmt. »Das war der Moment, an dem ich erkannte: Ich muss mein eigenes Ding durchziehen!«

Sein eigenes Ding, das ist heuer »A Vampyre Story«, dem man auf den ersten Blick die Verwandtschaft zu Titeln wie »Day of the Tentacle« oder »Sam and Max« ansieht. Ihr spielt den jungen Möchtegern-Opernstar Mona, der es so gar nicht in Kram und Karriereplanung passen will, dass sie eines Tages als Vampir aufwacht - kraftvoll Zubeißen gehört sich schließlich nicht für eine Lady. Entsprechend sarkastisch hält sie sich und den Spieler mit untotem Galgenhumor bei Laune. Zur Seite steht Mona lediglich die melancholische Fledermaus Froderyck, die ähnlich wie Max »benutzt« werden kann, um das eine oder andere Rätsel zu lösen.

Games Convention 2007 - Rätselhaft und humorvoll: die Adventure-Highlights der GC im Blickpunkt

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/10Bild 252/2611/261
Originell: Das Inventar hat die Form eines Sargs.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Beim Design ließ sich Entwickler Autumn Moon spürbar bei den schrägen Fantasien eines Tim Burton inspirieren. Auch die Bezüge zur Addams Family treiben in jeder spinnwebenverhangenen Ecke des Vampirschlosses ihr Unwesen. Selbst an die typischen LucasArts-Insider haben die Entwickler gedacht: So erinnert eine Katze frappierend an den Chaos-Hasen Max. Und die »Männer ohne Moral (Piraten)« aus »Monkey Island« geben sich in Form eines Insider-Gags als »Frauen ohne Moral (Bordsteinschwalben)« die Ehre.

The Abbey

Als eine weitere große Messe-Überraschung darf »The Abbey« gelten. Zwar befand sich das neue Adventure der »Clever & Smart«-Macher Alcachofa noch in einem sehr frühen Stadium, machte aber schon jetzt einen äußerst viel versprechenden Eindruck.

Bei der Geschichte orientieren sich die Entwickler an mittelalterlichen Krimis wie »Der Name der Rose«. Wie im großen Vorbild geht ihr als detektivisch begabter Mönch Ereignissen auf den Grund, die nicht mit rechten Dingen zugehen. Da das Spiel komplett auf Comic-Look mit 3D-Charakteren vor gezeichneten Hintergründen setzt, wandert »The Abbey« auf einem interessanten Grat zwischen Humor und Spannung.

Besonderst stolz zeigte sich Entwickler Emilio de Paz über die Animationen: Jeder Charakter setzt sich aus mehreren eigenständig animierten Komponenten zusammen. Auf diese Weise reagieren die Figuren dynamisch auf ihre Umwelt und können eine große Bandbreite an Emotionen in ihrem Gesicht abbilden.

Games Convention 2007 - Rätselhaft und humorvoll: die Adventure-Highlights der GC im Blickpunkt

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/10Bild 252/2611/261
Hinter diesen Gemäuern verbergen sich düstere Geheimnisse.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Dynamische Kameraperspektiven sollen den filmreifen Eindruck des Titels verstärken: »Bisherige Adventures waren eher wie die Bühne eines Theaters«, beschreibt Kai Fiebig von Crimson Cow die Intention dahinter. »Man sah eine Szene von der Seite und scrollte im besten Fall noch ein Stückweit nach links oder rechts. Mit unserem filmartigen Kamerasystem können wir nun Sachen machen, die vorher in Adventurespielen undenkbar waren.«

Auch beim Ton ließ man sich nicht lumpen. Zwar konnten wir uns von der versprochenen Qualität der Sprachaufnahmen leider noch nicht aus erster Hand überzeugen. Die Musik, die im Übrigen vom Prager Symphonieorchester eingespielt wurde, machte bei den Messeveranstaltern jedoch einen solchen Eindruck, dass ihm ein pompöser Live-Auftritt im Rahmen des GC-Konzertes spendiert wurde.

A New Beginning

»Das erste reine 2D-Adventure seit Jahren!« In keinem anderen Genre wäre es wohl denkbar, ein Spiel mit einem solchen Slogan zu bewerben. Doch im Abenteuersegment ist Retro eben Trumpf. »Wir haben uns bewusst an den alten gezeichneten Klassikern orientiert«, erklärt Creative Director Jan Müller-Michaelis von Daedalic. »Da jede Animationsphase eigens von Hand erstellt werden muss, ist der Aufwand ungleich größer als bei der gängigen 3D-Konkurrenz.«

Games Convention 2007 - Rätselhaft und humorvoll: die Adventure-Highlights der GC im Blickpunkt

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/10Bild 252/2611/261
A New Beginning wird ein Grafik-Adventure der alten Schule.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die Story von »A New Beginning« nimmt sich des aktuellen Zeitgeschehens an: Da der Klimawandel in Zukunft nur verbrannte Erde auf unserem blauen Planeten zurückgelassen hat, bekommt ein visionärer Forscher Besuch von einer Zeitreisenden, die das Schlimmste verhindern möchte, bevor es passiert. Ziel des Spiels ist es, eine alternative Energiequelle zu erfinden, die das Leben wieder lebenswert macht.

Technisch präsentiert sich der Titel in liebevoller 2D-Grafik mit Parallax-Scrolling auf sieben Ebenen und einem sich dynamisch dem Spielgeschehen anpassenden Soundtrack. Weniger Retro, mehr Innovation verspricht das Interface: Statt der Beschränkung auf die üblichen Verdächtigen »Anschauen« und »Benutzen« präsentiert das Spiel kontextabhängig eine Liste unterschiedlicher Interaktionsmöglichkeiten.

Games Convention 2007 - Rätselhaft und humorvoll: die Adventure-Highlights der GC im Blickpunkt

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/10Bild 252/2611/261
Beim Look ließ man sich sichtlich von der französisch-belgischen Comic-Kultur beeinflussen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Befehle wie »Rede mit Stein« sollen so erst gar nicht möglich sein. »Das Interface lässt nur sinnvolle Aktionen zu«, verweist Müller-Michaelis stolz auf das neue Feature. Die Zeiten von »Das geht so nicht«-Kommentaren sind damit vorbei. »Die Idee ist so einfach und nahe liegend, dass wir uns selbst gewundert haben, dass sie zuvor noch niemand umgesetzt hat.« Dem können wir nur zustimmen.