»Die wichtigste Spielemesse der Welt!«, schrieb eines der größten amerikanischen Spielemagazine erst kürzlich. Wer hätte noch vor wenigen Jahren gedacht, dass damit einmal die Games Convention in Leipzig gemeint sein könnte? Vermutlich die Wenigsten - aber spätestens nach dem ersten Messetag dürfte gewiss sein: Genau so ist es!

Wie in den Jahren zuvor scheinen die Veranstalter ein großes »Mehr« über die Hallen der Leipziger Messe gehängt zu haben: mehr Besucher, mehr Ausstellungsfläche, mehr Lautstärke - mehr Babes (weniger sind nur Textilien geworden, mit denen sie bekleidet sind)! Wir lassen für euch die ersten Tage GC 2007 Revue passieren.

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Spiele für die Anderen

Glaubt man Sängerin Yvonne Catterfeld ist noch etwas Anderes rapide weniger geworden: »Die Zeit der Ballerspiele ist vorbei«, prophezeit sie auf einer Pressekonferenz und erntet schallendes Gelächter aus dem versammelten Journalisten-Publikum. »Nein, so habe ich das jetzt gar nicht gemeint«, korrigiert sie sich sofort. Was sie damit sagen wollte, ist jedoch nicht von der Hand zu weisen: Spiele abseits der traditionellen Genres Shooter, Strategie und Rollenspiel gewinnen zunehmen und rasend schnell an Bedeutung: die so genannten Casual Games.

Games Convention 2007 - Halbzeit auf der GC: Wir blicken zurück auf zwei turbulente Tage.

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Es geht los: Die GC 2007 öffnet ihre Tore!
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Selbst Marktführer Electronic Arts musste kürzlich zähneknirschend eingestehen, den Trend zur Familien-, Frauen- und Jedermann-Unterhaltung verschlafen zu haben. Im selben Atemzug lobte der Branchenriese seinen Konkurrenten Ubisoft, der mit Spielen wie »Rayman Raving Rabbids« auf das richtige Pferd gesetzt hat. Dem französischen Publisher steht nun Frau Catterfeld als Pate für die neu gegründete Marke »Spiele für mich« zur Seite.

Spiele, bei denen man auf unterhaltsame Weise etwas lernen kann, bei denen die ganze Familie am Couchtisch vereint daddelt, die die Party rocken oder den lieben Kleinen als Haustierersatz dienen, stehen ganz hoch im Kurs. Seit Nintendos Wii auch überall im Gespräch: Spiele, die den Sportplatz ins Wohnzimmer holen und auf die Weise nicht nur den Geist, sondern auch den Körper trainieren.

Als eines der innovativsten Neuvorstellungen der Messe darf in dieser Hinsicht »WiiFit« gelten: Das weiße Brett misst auch kleinste Veränderungen der Balance. Es eignet sich damit hervorragend als Heimtrainerersatz - zumal es zusätzlich auch noch den Kalorienverbrauch berechnet. Auch Dr. Kawashimas immens erfolgreiches »Gehirn-Jogging« zieht muntere Kreise: In den zahlreichen Nachahmern erweitern Spieler in Zukunft ihren Sprachschatz oder üben, ihr Leben besser zu organisieren.

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Die Kollegen hier üben mit SingStar. Nur'n Scherz...
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Ebenfalls (im wahrsten Wortsinne) in aller Munde: Spiele zum Singen und musizieren. »SingStar« und »Guitar Hero« haben's vorgemacht. »Jam Sessions« holt die Luftgitarre nun auf den DS und damit in die Bushaltestellen und Pausenhöfe dieser Welt. »SingStar« holt nicht nur mit mehreren Teilen zum Rundumschlag aus, sondern auch die Toten Hosen auf die Bühne der Sony-Pressekonferenz. Und EA schießt mit »Rock Band« den Vogel ab: Mit PS3-Controllern im Gewand von Mikrofon, Gitarre, Schlagzeug und Bass wird der Probenkeller endgültig überflüssig.

Neues von der Nächsten Generation

Glaubt man den Sony-Bossen kommt der Spätstarter PlayStation 3 aber endlich auch im Core-Sektor aus den Puschen: Nach den zahlreichen halbgaren Xbox-360-Portierungen der letzten Zeit bringen jede Menge exklusiver Titel endlich die japanische Klavierlack-Kiste zum Brennen: Wer nur einen kurzen Blick auf die atemberaubende Grafikpracht von »Metal Gear Solid 4« werfen durfte, wird aus dem Schwärmen nicht mehr herauskommen. Dessen Erfinder Hideo Kojima gab sich übrigens persönlich in Leipzig die Ehre - ein deutlicheres Indiz für die Bedeutung der Messe kann es eigentlich nicht geben.

Auch der neueste Teil der »Grand Theft Auto«-Serie dürfte die Abverkäufe der Sony-Konsole noch einmal deutlich in die Höhe schnellen lassen. Als Weltpremiere konnte der Gangster-Konkurrent »Mafia 2« in Leipzig gefeiert werden: Erst vor wenigen Tagen angekündigt, läuft der beeindruckende Trailer des Mafia-Epos auf der Messe im Dauereinsatz. Leider etwas kurz wird er dennoch angesichts unglaublich detaillierter Gesichtsanimationen so manchen Kiefer nach unten klappen lassen.

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Gesucht und gefunden: Rollenspieler.
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Rivale Microsoft hält mit seinem größten Zugpferd und einer besonders originellen Idee dagegen: Wer das neue »Halo 3« auf der Xbox 360 anspielen möchte, darf in einer abgedunkelten Gondel eines Riesenrades mit dem Master Chief auf Tour gehen. Klassische Singleplayer-Rollenspieler, die im Übrigen etwas auf verlorenem Posten in diesem Jahr stehen, dürfen sich auf das beeindruckende »Mass Effect« von den »Knights of the Old Republic«-Machern Bioware.

Grund für die auffällige Abwesenheit traditioneller RPGs dürfte der zunehmend stärker werdende MMO-Markt sein: »Warhammer Online«, »Age of Conan«, »Aion«, »Spellborn« oder »Tabula Rasa« werfen deutliche Schatten voraus. Als einer der Wenigen probiert sich »Hellgate: London« an einem Mittelweg zwischen Online- und Offline-Rollenspiel. Dessen Spiele-Guru Bill Roper lädt im Übrigen regelmäßig zu Präsentationen an den Stand.

Fazit des Trends: Jeder möchte eben etwas von dem riesigen Kuchen abhaben, den Blizzard Entertainment vor drei Jahren gebacken hat. Apropos: Über einen der imposantesten Stände auf der Messe verfügt selbstverständlich der Genre-Meister persönlich: Hier darf erstmals das »World of WarCraft«-Addon »Wrath of the Lich King« Probe gespielt werden. Schlangen von epischen Ausmaßen waren dort schon am ersten Tag (dem reinen Fachbesuchertag wohlgemerkt) an der Tagesordnung.

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Meister Roper persönlich gibt sich die Ehre.
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Außerdem bei Blizzard am Start: »StarCraft 2«. Obwohl mit einem Release kaum vor Mitte nächsten Jahres zu rechnen ist, macht das Mega-RTS schon jetzt einen äußerst stabilen und »runden« Eindruck. Trotz der starken Marken und bekannten Fortsetzungen gilt jedoch unter Vielen ein relativ unbeschriebenes Blatt als Highlight der Messe: »BioShock«. Der ungewöhnliche Shooter verfügt nicht nur über ein äußerst originelles Setting und eine unvergleichliche Präsentation, sondern vor allem über Gameplay-Einfälle im Sekundentakt. Erst vor wenigen Tagen vergaben wir hierfür einen besonders strahlenden gamona Gold Award.

Ballerburg Leipzig

An hochqualitativen Shootern herrscht aber auch sonst kein Mangel. Vor allem die Grafikmesslatte hängt mittlerweile auf einem Niveau, das vor nicht allzu langer Zeit noch undenkbar oder allenfalls in aufwändig vorgerenderten Cinematics möglich schien: »Call of Duty 4: Modern Warfare« brennt ein Feuerwerk ab, das einem Hören und Sehen vergeht, »Unreal Tournament 3« rockt sowieso und über »Crysis« brauchen wir eh nicht diskutieren.

Apropos »Crysis«: Noch eine Weltpremiere gab sich in Leipzig die Ehre - und zwar »Far Cry 2«. Der Nachfolger zum deutschen Erfolgs-Shooter wurde zwar nicht von den ursprünglichen Erfindern der Serie entwickelt, ist aber dennoch außerordentlich beeindruckend - wie unserem Preview zu entnehmen ist.

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Gigantisch wie immer: der Blizzard-Stand.
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Wer kurzzeitig mal vom Spiele-Overkill entspannen will, der stattet dem Anime-Kino einen Besuch ab, das erstmals seine Türen auf der Games Convention geöffnet hat: Hier wird ein täglich wechselndes Programm mit Perlen und Geheimtipps des asiatischen Zeichentricks gezeigt. Selbst die hohe Kunst kommt nicht zu kurz: Ein besonderer Leckerbissen der GC war wie im vergangenen Jahr das Eröffnungskonzert. Das Prager FILMharmonic Orchestra spielte Klassiker der Spiele-Geschichte von Turrican 2 bis StarCraft. Für diejenigen, die es moderner, lauter, rockiger mögen, heizen täglich auf der Bühne Bands wie die Toten Hosen, Revolverheld und H-Blockx ein.

Gutes Stichwort für ein Fazit: Denn auch die Games Convention ist modern, laut, und sie rockt definitiv! Nie zuvor gab es ein so breit gefächertes Programm von der GC family über eSport-Wettbewerbe bis hin zu Podiumsdiskussionen zum Thema Killerspiele. Auch die gezeigten Spiele geben sich so abwechslungsreich und hitverdächtig wie noch nie. Und wen das alles nicht interessiert, für den gibt es ja immer noch die Babes